Segensworte und Erbauliches - jeden Sonnabend

Wir wünschen Ihnen Zeit zum Kraftschöpfen mit Gottes Segen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hier wohnt Hoffnung! Seit ein paar Tagen leuchtet er mir entgegen: ein mit Wachsmalstiften bunt gemalter Regenbogen in einem Fenster meiner Nachbarschaft. Und ich freue mich jedesmal, wenn ich daran vorbeigehe. 

Regenbögen, auf Papier gezeichnet mit Buntstiften, gebastelt aus Transparentpapier oder direkt auf die Scheiben gemalt mit Fingerfarben. 

Begonnen als kleine Aktion zieren die bunten Bögen nach Italien, Spanien und England auch hierzulande immer mehr Fenster. Kinder, die zu Hause bleiben müssen, malen einen Regenbogen und signalisieren damit allen kleinen und großen Leuten, die vorbeikommen: Du bist nicht allein. 

Auch ich bin zu Hause. Hier wohnt Hoffnung. Wenn wir dieser Tage die Passionsgeschichte lesen, erfahren wir, was das bedeutet: Hoffnung gegen den Tod. Das ist eine Hoffnung, die die Angst, den Kontrollverlust, den Schmerz und die Ungerechtigkeit kennt.

„In der Welt habt ihr Angst“, sagt Jesus im Angesicht seines Todes zu seinen Freunden, „aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33).

Ich bin ganz überwältigt davon, wie viele Christinnen und Christen, wie viele Kirchengemeinden in diesen Tagen zeigen: Hier wohnt Hoffnung. 

Indem sie jeden Abend eine Kerze ins Fenster stellen. Indem sie mittags die Glocken läuten. Indem sie ihren Eltern, die sie nicht besuchen können, eine Osterkerze schicken. Indem sie mit ihren Kindern beten und singen. Indem sie telefonisch für andere da sind. Indem sie unbeirrt den Sonntagsgottesdienst feiern – ins Wohnzimmer gestreamt. Indem sie Einkaufsdienste organisieren und Predigten in Briefkästen verteilen. Ich bin überzeugt, dass gerade sehr stark wahrgenommen wird, dass Wissenschaft und Politik nicht alles beherrschen, sondern dass hier noch eine Stimme zu hören ist: Unsere Stimme der Hoffnung.

Ihr
Bischof Tilman Jeremias

#CoronaCare #Hoffnung #digitaleNordkirche #RegenbogengegenCorona

28. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit einer knappen Woche leben wir mit der Kontaktsperre. So etwas haben wir noch nie erlebt. Das Ausmaß der Einschränkungen löst viele Gedanken und Ängste aus. Menschen, die alleine leben, vereinsamen. Berufliche Existenzen stehen auf dem Spiel. Kranke können nur eingeschränkt seelsorgerlich begleitet werden. Andere warten auf wichtige Termine, die über ihre Zukunft entscheiden. Das wirtschaftliche Ausmaß des Shut-Downs ist kaum auszudenken.

Wie lange wird die Krise dauern? Wie halten wir das psychisch über Wochen aus? 

Große Verunsicherungen und Ängste gehen mit dieser neuen Lebenssituation einher. Die spüre ich auch. Das ist ganz natürlich, denn Angst gehört zu unserem Leben dazu. Angst hat wichtige Funktionen: Sie warnt vor Gefahren. Sie ruft zur Aufmerksamkeit. Sie sensibilisiert dafür, dass nichts selbstverständlich ist. Angst kann einen allerdings auch über die Maßen bedrängen und die Luft zum Atmen nehmen. In einer Situation größter Angst betet David zu Gott:

 „Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad.“  (Psalm 142,2) 

David macht keinen Hehl daraus: „Mein Geist ist in Ängsten.“ Ängste zu benennen und laut auszusprechen, tut an sich schon gut: Gott im Gebet die Sorgen und Nöte zu sagen. Wenn wir unser Herz ausschütten, wird es leichter und wir können wieder atmen. So findet David zum Gottvertrauen zurück: „Du kennst meinen Pfad“. 

Auch wenn der Boden wankt, wird Gott uns halten. In diesem Vertrauen können wir leben! Wieviel ist uns doch geschenkt, wofür wir gerade in Krisenzeiten dankbar sein können: Solidarität, Hilfsbereitschaft, kreative Ideen gegen den Blues, mehr Zeit für Gespräche am Telefon und last but not least: Gute medizinische Versorgung. 

„Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad.“  (Psalm 142,2) 

Bleiben Sie behütet in dieser Zuversicht!

Ihr Bischof Gothart Magaard

21. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Nachrichten überschlagen sich: Infektionsketten, steigende Fallzahlen. Die ängstliche Frage nach Todesfällen. Schulen und Kindergärten sind geschlossen, das öffentliche Leben ruht. Viele machen sich große Sorgen um ihre Lieben, um ihren Arbeitsplatz. Seit gestern gibt es in einzelnen Bundesländern Ausgangssperren. Wer weiß, wie die Situation sein wird, wenn Sie diese Zeilen lesen?

Wie gut täte es jetzt, zusammen zu sein. Mit vielen nah beieinander zu stehen, Hände zu halten, Umarmungen zu spüren. Aber genau das geht jetzt nicht. Genau das darf jetzt nicht sein. Nicht einmal mehr in Gottesdiensten in unseren Kirchen. Dort können sie derzeit nicht stattfinden. Denn um miteinander Leben zu schützen, brauchen wir zueinander jetzt vor allem eines: Abstand.

Mich bewegen in diesen Tagen unterschiedliche Gefühle. Manchmal werde ich ängstlich und müde - aber dann sehe ich, wie sorgsam und liebevoll Menschen aufeinander achten. Die einen bieten an, für andere einzukaufen. Andere verteilen Ostersteine, die sich finden lassen als Hoffnungsglück. Und wieder andere tun alles, damit auch obdachlose Menschen jetzt nicht vergessen werden.

Mir macht das neue Hoffnung. Denn nicht nur der Virus breitet sich aus, nein: Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Fürsorge, Hoffnung tun es auch. Wir breiten sie aus und halten dagegen: gegen Ängste, Sorgen, Müdigkeit, Krankheit und Tod. 

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?“, fragt der 121. Psalm. Nicht auf alle Fragen und Sorgen finde ich eine Antwort - aber ich bitte Gott inständig, es dabei nicht zu belassen. Und ich bitte Gott, uns alle mit der Antwort des Psalms zu umarmen: „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“

Bleiben Sie behütet - Gott segne Sie!

Ihre Kristina Kühnbaum-Schmidt
Landesbischöfin

15. März 2020

Liebe Leserin, liebe Leser,

ich verstehe die Sorgen und Ängste, die viele Menschen jetzt haben und die auch mich beschäftigen. Mich tröstet und ermutigt, dass Gott uns in allen Situationen unseres Lebens begleitet und uns stärken will.

Das hilft mir, nicht in Panik zu verfallen, sondern besonnen zu bleiben. Ich hoffe, dass wir daraus Kraft schöpfen, damit wir besonders jetzt für die Schwächsten da sind und uns gegenseitig liebevoll unterstützen.

Trotz aller Einschränkungen sind wir verbunden – besonders mit gefährdeten oder erkrankten Menschen. Dafür nutzen wir auch weiterhin alle der jeweiligen Situation angemessenen Formen direkten Kontaktes und noch einmal verstärkt die Möglichkeiten digitaler Kommunikation.

Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

13. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie schnell unser sorgsam geordnetes Leben aus dem Gleis geraten kann! Hamsterkäufe, Veranstaltungsabsagen, Schulschließungen, das bestimmt auf einmal unseren Alltag.

Da kann es leicht passieren, dass man mitgerissen wird in einen Strudel aus diffuser Verunsicherung oder gar in Panik gerät. Paulus saß im Gefängnis, als er folgenden Vers an seinen Mitarbeiter Timotheus schrieb:

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Verzagtheit sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,17)

Der Apostel sagt nicht einfach „Du brauchst keine Angst zu haben, Gott regelt das schon“. Er weiß, dass die Angst zum Leben dazu gehört, und er weiß, dass Krisen zum Leben dazugehören.

Doch er setzt ihnen deutliche Grenzen: Wir, die Kinder Gottes, sind den Umständen und unseren Gefühlen nicht machtlos ausgeliefert. Gott hat uns beschenkt mit seiner Kraft, mit Liebe und mit Besonnenheit. Was für eine Zusage! Vertrauen wir darauf.

Ihr Bischof Tilman Jeremias

07. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Es ist kalt geworden in Hamburg und eine winzige Anmutung von Winter weht durch die Straßen.

Unweigerlich fühle ich noch mehr mit, wenn ich die Bilder der Flüchtlinge verfolge, die an der syrisch-türkischen Grenze ausharren und vor den Bomben in Syrien fliehen. Sie haben Angst vor dem Erfrieren. Ganz real. Man muss sich die Berichte der letzten Tage vor Augen halten: Kinder und ganze Familien sind schon erfroren, weil sie keinen Schutz vor der Kälte gefunden haben. Außerdem schaffen es die Menschen aus dem Bürgerkriegsgebiet von Idlib kaum, aus der gefährdeten Zone zu entkommen, weil die Türkei ihre Grenze geschlossen hat. Währenddessen sind andere Geflüchtete im Niemandsland zwischen der Türkei und Griechenland brutaler Gewalt durch europäische Grenzer ausgesetzt.

Viele Menschen von ihnen sind schon seit Jahren auf der Flucht und ihr letztes Hab und Gut verloren. Männer können nicht mehr zu ihren Frauen auf der anderen Seite der Grenzen. Es gibt kein vor und kein zurück. Doch wenn Deutschland und Europa dieses Elend ausblenden, wegschauen und so tun, als ginge uns das alles nichts an, steckt auch die EU fest. In verstörender Enge der Herzen.

Wovor haben die Europäer Angst? Allen Ernstes. Es gibt doch Ansätze von Lösungen. Und es gibt den Willen, humanitär Hilfe zu leisten. Die Stadt Hamburg etwa hat – wie einige andere Bundesländer auch -  glücklicherweise signalisiert, dass sie minderjährige Flüchtlinge und Familien aufnehmen würden. Doch noch geht in Europa nichts zusammen. Nach wie vor setzt man auf Abschottung und startet Alleingänge. Dabei könnten wir – würde man dem Gebot der Nächstenliebe und Humanität wirklich folgen wollen – Brücken bauen und Hände reichen: die Genfer Flüchtlingskonvention zum Beispiel gesteht Menschen das Recht zu, an der Grenze wenigstens einen Asylantrag zu stellen.

In der Wärme meines Mantels wünsche ich mir viel mehr Energie für  Dialog und Kooperation, gegen menschliche Kälte. Brandaktuell dazu die heutige Tageslosung: „Rede einer mit dem anderen Wahrheit und richtet wahrhaftig und recht, schafft Frieden in euren Toren.“ (Sacharja 8,16)

Frieden und Segen für Sie und Euch – von Herzen.

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

29. Februar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

sieben Wochen ohne - seit Aschermittwoch sind Menschen im Fasten-Modus. Die einen verzichten auf Alkohol oder Schokolade, andere sind dann mal off-line. 

Sieben Wochen ohne Pessimismus, so lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion. Leichtfüßig und optimistisch kommt das daher. Aber so einfach ist der Verzicht auf Pessimismus gerade in diesen Tagen auch wieder nicht. Da gibt es Ängste wegen des Corina-Virus, Sorgen um unser Land angesichts rechtsextremistisch und rassistisch motivierter Anschläge.  

Sieben Wochen ohne Pessimismus könnte da leicht missverstanden werden: Als gespielte Zuversicht - trotz aller Trauer, aller Ohnmacht, aller Fragen ohne Antwort, die einen in diesen Tagen und Wochen auch ergreifen können.

Sieben Wochen ohne Pessimismus ist so sicher nicht gemeint. Auf Pessimismus zu verzichten, das könnte aber heißen: Wir stehen ein für eine Zuversicht, die sich auf Gottes Zusagen verlässt.

Eine Zuversicht, aus der heraus wir gut begründet und belastbar füreinander einstehen und einander zur Seite stehen - unabhängig von Nationalität, Religionszugehörigkeit, sexueller Orientierung, und auch von Besitzstand und Vermögen.

Einfach, weil wir Menschen sind, geliebte Geschöpfe Gottes und einander als solche anerkennen und würdigen. Als Menschen, die sich einander respektvoll und barmherzig zuwenden. Da kann man dann wirklich auf Pessimismus verzichten. Und getrost in den nächsten sieben Wochen schon mal damit anfangen.

Ein behütetes Wochenende wünscht
Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

22. Februar

Liebe Leserin, lieber Leser,

nicht sprachlos bleiben. Zusammenstehen. Widersprechen. Aufmerksam bleiben, respektvoll, mutig und hoffnungsstark. So wollten es mehrere Hundert Menschen auf dem Hamburger Rathausmarkt am Donnerstag. Die Parteien hatten den Bürgerschaftswahlkampf unterbrochen, um nach den terroristischen Morden von Hanau gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Die fremdenfeindliche, rassistische Gewalt sollte deutlich hörbaren Widerspruch finden. Schließlich war dies schon der dritte tödliche rechtsextreme Anschlag innerhalb weniger Monate. Sie wollten nicht sprachlos bleiben, alle miteinander, weil Demokratie die gemeinsame Stimme aller Demokratinnen und Demokraten braucht. „Tu deinen Mund auf für die Stummen“, fordert alttestamentliche Weisheit (Sprüche 31,8). Es erleichtert mich zu sehen, dass so viele Menschen sich nicht stumm machen ließen und nicht sprachlos bleiben. Rechte Gewalt und Menschenverachtung finden Widerspruch, auch durch uns Christinnen und Christen. Das ist ein Hoffnungszeichen.

Nicht sprachlos bleiben – das könnte auch das Motto gewesen sein, als vor heute genau fünfzig Jahren an der Hamburger Hauptkirche St. Petri das Beratungs- und Seelsorgezentrum seine Arbeit aufgenommen hat. An sieben Tagen stehen dort ausgebildete Ehrenamtliche bereit für seelsorgliche Gespräche – offen, kostenlos, anonym. Ganz bewusst an der belebten Mönckebergstraße, im Strom der vielen Menschen, ist dieses offene Gesprächsangebot geschaffen worden, das sich zu einem echten Erfolgsmodell entwickelt hat. Niemand muss sprachlos bleiben, das ist die Botschaft, jeder und jede soll ein Gegenüber zum Zuhören finden, wenn das Leben schwierig oder einsam geworden ist. Auch solches Engagement, das Nächstenliebe par excellence lebt, setzt Zeichen für eine Menschlichkeit, die uns alle widerstandsfähiger gegen Populisten, Rassisten und „Rattenfänger“ macht. Lassen Sie uns das laute Widersprechen, aber auch das einfühlsame Zuhören immer neu üben und pflegen!

Es grüßt Sie herzlich und wünscht einen gesegneten Sonntag

Ihre

Bischöfin Kirsten Fehrs

15. Februar

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit verschiedensten Ikonen lockt eine Ausstellung „Ikonen. Was wir Menschen anbeten“ in die Bremer Kunsthalle. Der Kurator der Ausstellung ließ alle Räume der Kunsthalle ausräumen, um jeden Raum neu mit nur einem Meisterwerk  zu bestücken.

Ikonen sind traditionell Bilder von Heiligen und von Christus selbst, die in den östlichen, orthodoxen Kirchen verehrt werden. Ikonen als Heiligenbilder gelten mehr als bildliche Darstellungen. Sie haben eine Aura und ziehen den Betrachter in die Anbetung hinein.

Die Ausstellung zeigt Kunstwerke aus neun Jahrhunderten. In wechselnden Fotospots zeigt die Ausstellung auch historisch-emotionale Bilder aus unserer Zeit, wie den Kniefall von Willy Brandt oder ein Foto von Greta Thunberg. Dazu Bilder aus der Markenwelt und Popkultur bis hin zu Influencern. Ob Mittelalter oder Gegenwart: Es geht um Spiritualität, Andacht und Anbetung.

Ich selbst gehe mit dem Begriff Anbetung eher sparsam um. Kirchenräume laden mich zum Gebet ein: ein Altar, eine Kreuzesfigur oder ein Bild. Und manchmal kommt mir das Lied in den Sinn: „Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge…“

Ich werde aber auch das Bild vom Kniefall Willy Brandts im Dezember 1970 vor dem Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos nicht vergessen. Willy Brandt sagte einmal „Unter der Last der jüngsten Geschichte tat ich, was Menschen tun, wenn die Worte fehlen.“

Zugleich werden wir heute von Bildern überflutet. Und wir wissen, dass Bilder manipulativ eingesetzt werden.

„Ikonen.Was wir Menschen anbeten“ – die Ausstellung führt mich in die Begegnung mit Ikonen der Kunstgeschichte und mit dem Ikonischen in unseren Alltagswelten. Und damit zur Frage, was wir Menschen anbeten.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Bischof Magaard

8. Februar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

welche Visionen haben Sie?

Hat sie das schon mal jemand gefragt? Und wenn ja – was haben Sie geantwortet? 

In meinem neuen Amt als Bischof wurde ich öfter mit dieser heiklen Frage konfrontiert. Ich gucke ins letzte Buch der Bibel: Dem Seher Johannes wird ein Blick in den Himmel gewährt. Was er schaut, ist von großer Pracht und Majestät: Eine Lichtgestalt, umgeben von sieben goldenen Leuchtern, zugleich gleißend von göttlicher Hoheit und furchterregend durch die feurige Autorität. Der Seher fällt zu Boden und hört die große Selbstoffenbarung des Menschensohns: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

Meine Kinder versinken in Fantasy- Literatur und -filmen. Sämtliche Motive der biblischen Apokalypse finden sich dort wieder, bis hin zum endzeitlichen Vernichtungskampf Gut gegen Böse. Und ich – als Vater und Christ – lerne mitzugehen: Sobald der Menschensohn in all seiner Pracht und Stimmgewalt den Mund öffnet, fühle ich mich wieder auf sichererem Terrain. Es ist emotional und rational kaum auszuloten, dass diese göttliche Prachtgestalt kein anderer ist als der im Elend gestorbene Gekreuzigte. 

Ich gucke in die Welt: 260 Millionen Christinnen und Christen leben ihren Glauben unter Bedrückung und Todesangst. Wann immer ich sie jedoch besuche, kommen sie mir viel glaubensfröhlicher entgegen als unsereiner. Auch in meinem Sprengel Mecklenburg und Pommern haben Menschen in bedrängter Situation zu DDR-Zeiten ihren Glauben sehr bewusst gelebt, wurden Keimzelle für die Friedliche Revolution. 

Sie alle und der Seher Johannes bringen mich auf eine entscheidendere Spur: Christus ist da, seit aller Zeit, für alle Zeit, als Überwinder des Todes. Er ist da in unserem entkirchlichten Land, besonders aber da, wo Menschen bedrängt sind. Auf ihn mein Leben zu bauen, ihm zu vertrauen und zu folgen, ist visionär. Mehr Vision geht nicht.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Ihr Bischof Tilman Jeremias

1. Februar

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute schon eine Revolution angezettelt? Rezepte dafür gibt es einige in der Bibel. Meine persönliche Revolution im Alltag: Ich versuche, Menschen zu begegnen ohne Ansehen der Person. Also, ohne ihn oder sie gleich in eine Schublade zu stecken: Status - check, Bildung - check, soziale Stellung - check, Erfolg – check, Attraktivität?

Dieses innere Maßnehmen läuft so automatisiert und ist so selbstverständlich in unserer Gesellschaft, dass der Verzicht darauf nichts weniger ist als revolutionär. Revolutionäre Nachfolge Jesu. Jesus ging, wohin er kam, zunächst zielstrebig zu denen, die angeblich nicht zählen: zu den Betrügern und den „Unmoralischen“, zu Aussätzigen und Außenseitern, zu seelisch Belasteten und zu Kindern. Er aß mit ihnen, hörte ihnen zu, berührte sie. Und machte damit eindeutig klar, dass die Liebe Gottes unsere Ausgrenzungsmuster auf den Kopf stellt: „Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll“, sagt Petrus in der Apostelgeschichte. Was für eine Revolution!

Ihr Bischof Tilman Jeremias

25. Januar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

zwei wunderbare Tage liegen hinter mir, denn diese Woche fand wieder die Ordinationsrüstzeit statt: Sechzehn junge Frauen und Männer, die mit Gottes Segen auf dem Weg ins Pfarramt sind, sechzehn frische Ideen davon, wie Kirche lebendig, visionär, innig und heilsam sein kann. Was für ein Geschenk!

In Gesprächen, Andachten und Bibelarbeiten wurde deutlich: das gemeinsame miteinander auf dem Weg sein ist ein Schlüsselmoment, um Kirche mit- und weiterbauen zu können. Die Gewissheit „ich bin nicht allein“ trägt und ermutigt.

Denn es sind viele, die Tag für Tag an diesem Reich Gottes bauen, klug und mutig, mit Witz und Charme – Frauen, Männer, Kinder, Ehrenamtliche wie Hauptamtliche, jeder mit seiner besonderen, manchmal kurvenreichen und doch immer berührenden Biografie. Menschenkinder Gottes!

Mit den Worten „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ hat Gott Abraham los geschickt, ein großes Volk zu werden. Nicht nur Freude hat Abraham in diesen Aufbruch begleitet, sondern auch Muffensausen vor der großen Aufgabe.

Kirche bauen, gemeinsam aufbrechen und Neues wagen, das ist eine große Herausforderung. Doch wir arbeiten gemeinsam daran, dass sie wächst und trägt und Zufluchtsort ist. Mit den Jungen und den Alten. Den Gesunden und den Wackeligen.

Gottes Segen begleitet uns jeden Tag dabei, in unserem Tun und Beten. „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist“ heißt es in dem Choral von Klaus-Peter Hertzsch. Ja, darauf dürfen wir vertrauen: dass wir gemeinsam getragen sind von Gottes Liebe, auf verschlungenen Pfaden, über grünende Auen und durch tiefe Täler hindurch. Hinein in seine Weite.

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

18. Januar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt so Bibelstellen, die fordern uns heraus. Sie eignen sich nicht zur gemütlichen Verkündigung eines „lieben“ Gottes. Auch ich drücke mich ganz gerne vor ihnen. Fluchworte gehören dazu.

Wie das des Propheten Jeremia: So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom Herrn (Kapitel 17,5). Nun können wir heutigen Christinnen und Christen fragen: Warum denn Fluch?

Wir wollen vom Segen hören, ihn empfangen! Bitte kein Zorn Gottes, bitte kein Fluch! Damit werden wir aber weder dem biblischen Zeugnis gerecht, noch unserer alltäglichen Erfahrung. Jeremia spricht diesen Fluch nicht ins Blaue, sondern in eine konkrete politische Situation: Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. droht das babylonische Heer, Jerusalem zu zerstören. Israel setzt allein auf Menschen, nämlich auf die Militärmacht Ägypten. Der Prophet verurteilt diese Allianz und geht noch einen radikalen Schritt weiter: Wer sich allein auf Menschen verlässt, ist wie ein Strauch in der Wüste, abgeschnitten vom Strom des Lebens.

Mit diesen Worten macht sich Jeremia keine Freunde. Doch im Nachhinein stellen sie sich als Gottes Stimme heraus. Wir brauchen auch das Fluchwort: Unser Leben ist nicht nur Gesegnet-Sein, sondern auch Schmerz, Scheitern, Versagen, Sterben.

Wie gut aber, dass die Androhung des Fluchs nicht das letzte Wort des Propheten ist! Wie oft in der Bibel ist das folgende Segenswort kräftiger und bunter. Und auch wenn ich das Fluchwort in seiner Wucht ernstnehme: Als in Jesus Christus geliebte Geschöpfe gehören wir zu Gott. Wir bewegen uns in seinem Segensstrom, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen.

Ein schönes Wochenende wünscht
Ihr Bischof Tilman Jeremias

11. Januar 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Sternsinger waren da! Gestern haben Sie die Außenstelle des Landeskirchenamtes und meine Kanzlei in Schwerin besucht. Sie haben die Geschichte von den drei Weisen auf dem Weg zur Krippe erzählt und besungen. Und dann haben sie feierlich 20*C+M+B+20 über die Tür geschrieben: „Christus Mansionem Benedicat - Christus segne dieses Haus“.

Der Besuch der Schweriner Sternsinger ist ein schönes Zeichen unserer ökumenischen Verbundenheit hier im Norden. Aber nicht nur deshalb habe ich mich über ihren Besuch sehr gefreut. Sondern auch, weil mich beeindruckt, wie engagiert sich die Sternsinger-Kinder für andere Menschen einsetzen.

Denn diese Kinder singen und segnen nicht nur, sondern sammeln auch Spenden. In diesem Jahr für Menschen im Libanon. Dort leben jetzt 1,2 Millionen Kriegs-Flüchtlinge aus Syrien - ein Viertel der Gesamtbevölkerung im Libanon! Die Sternsinger sammeln Geld für Projekte zur Verständigung zwischen Flüchtlingen und Einheimischen, zwischen Christen und Muslimen, um allen, die in Not sind, zu helfen.

So bringen die Sternsinger Segen, sind selbst ein Segen und geben uns die Chance, ein Segen für andere zu sein – mit unseren Spenden für Menschen, die Frieden suchen - im Libanon und weltweit.

Möge geschehen, was das diesjährige biblische Leitwort der Sternsinger sagt:

Wenn die Menschen auf den Wegen des gerechten Gottes gehen, werden sie aus Schwertern Pflugscharen machen, und die Kriege zwischen den Völkern finden ein Ende. (Jes 2,2-5)

Und mögen wir alle das, was in unseren Kräften steht, dazu tun!

Ihre Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

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