Segensworte

Jeden Sonnabend ein Gedanke und Segenswünsche für Ihr Wochenende.

21. Juli 2018

Das Haus steht klein und unscheinbar an einer Durchfahrtsstraße in Hamburg-Rothenburgsort. Es sieht gemütlich aus und ist doch ganz schwarz. Mit Fenstern, wie kleine Luken und einer schwarze Metalltür. Es ist das Denkmal für die Opfer des Feuersturms. Geschaffen von Künstler Volker Lang im Jahr 2004.

Wer sich zu Fuß aufmacht in den kleinen Carl-Stamm-Park und durch die Fenster lugt, erkennt: Im Inneren befinden sich Zitate von Zeitzeugen sowie eine historische Hausnummer.

Das schwarze Haus ist ein Symbol für die vielen Stadtteile, die im Hamburger Osten zerstört wurden. Allein im dicht bebauten Arbeiterstadtteil Hammerbrook, in dem vor dem Angriff 60.000 lebten, starben 12.000 Menschen. Danach lebten dort noch 66.

Das Gedenk-Haus erinnert an all die Bewohner der zerstörten Gründerzeithäuser, die zu Opfer wurden: 35.000 Hamburger und Hamburgerinnen, die im Bombenhagel und durch den Feuersturm starben. 125.000 Verletzte und 900.000 Menschen auf der Flucht. Allein in unserer Stadt.

Die Operation Gomorrha gehörte zu den schlimmsten Angriffen in einem Luftkrieg von bislang unbekanntem Ausmaß. Hervorgerufen durch die Spirale der Gewalt, die sich in Deutschland seit 1933 Bahn gebrochen hat, durch Verfolgung und Völkermord an der jüdischen Bevölkerung, durch Bedrohung und Erniedrigung von Antifaschisten und Demokraten.

In dem schlichten unscheinbaren Haus stecken all die fürchterlichen Geschichten: Das Leid der Mütter, die ihre Kinder zur Unkenntlichkeit verbrannt in den Straßen fanden. Die Schreie der Kinder, die ihre Eltern verloren und in den Trümmern umherirrten. Das Trauma der KZ-Häftlinge aus Neuengamme, die nach den Bombenächten vor 75 Jahren die Toten bergen mussten.

Das Haus beherbergt für mich all diese Erinnerungen und sollte als Mahnmal zur Bewahrung des Friedens geachtet werden. Gerade jetzt, 2018. Denn es sagt auch: achtet die Kultur der Demokratie! Sie schützt Menschenrecht und Friedenshaltung.

Die Verwahrlosung der Sprache hingegen, wie wir sie in den letzten Wochen von allerhöchsten Politikern hören, mit diesem Menschen abwertenden Ton, gefährdet eine demokratische Kultur.

Die Würde eines jeden Geschöpfes ist unantastbar – das gilt für all die, die damals ihr so grausam ihr Leben ließen und derer wir gedenken. Und es gilt für jeden Menschen heute, der Krieg durchleidet und Terror und auf der Flucht ist.

Es gilt, was der Weltkirchenrat 1948 formulierte:

"Wir wollen Gott bitten, dass Er uns miteinander lehre: Ein echtes Nein und ein echtes Ja zu sprechen. Ein Nein zu allem, was der Liebe Christi zuwider ist, ein Nein zu denen, die die Saat des Krieges säen oder zum Kriege drängen. Ein Ja aber zu allem, das mit der Liebe Christi zusammenstimmt und ein Ja zu denen, die sich ausstrecken nach einem neuen Himmel."

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

14. Juli 2018

Dieser Tage war ich wieder einmal auf dem Zingsthof, landschaftlich wunderschön gelegen auf der pommerschen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Im Frühsommer 1935 startete Dietrich Bonhoeffer hier mit angehenden Pastoren der Bekennenden Kirche ein Experiment, das bis heute unzählige Menschen fasziniert: Die erste evangelische Kommunität. Bonhoeffer war überzeugt: „Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders.“ – heute füge ich hinzu „der Schwester“.

Wir begegnen Christus nicht, wenn wir uns aus der Welt zurückziehen oder bei außerordentlichen religiösen Gruppenerfahrungen. Das betont Bonhoeffer. Eine christliche Gemeinschaft basiert auch nicht auf Sympathien. Sondern: „Christliche Gemeinschaft heißt Gemeinschaft durch Jesus Christus und in Jesus Christus.“ Einen großen Teil der Ausstrahlungskraft seiner Gedanken macht für mich Bonhoeffers nüchterner und ruhiger Stil aus.

Ich lege Ihnen das Büchlein „Gemeinsames Leben“ ans Herz: In ihm fasst der 33-Jährige sein „Experiment“ auf dem Zingsthof und in Finkenwalde bei Stettin zusammen. In unserer Zeit der Effekthascherei und des Lärmens um die Wahrheit wirken seine Worte klärend und heilsam. Packen Sie es doch in Ihren Urlaubskoffer!

Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

07. Juli 2018

In meiner letzten Sonnabend-Andacht im Juni schrieb ich, dass es nicht mehr lange hin ist bis zu der großen, schönen  Auszeit: den Sommerferien und den Urlaubswochen, auf die viele von uns schon sehnsüchtig warten. Zeit um die Natur, um Gottes gute Schöpfung zu genießen. Ganz besonders, wenn wir in eine schöne Landschaft verreisen, vielleicht unseren Lieblingswinkel in Gottes großem Garten besuchen. Und auch, wer zuhause bleibt, - so wünsche ich es allen – wird hoffentlich in der Sommerzeit die Natur genießen können und die Fülle, aus der wir leben...

Und trotzdem machen wir sie kaputt. Ein Beispiel: Mikroplastik. Überall finden sich mittlerweile diese kleinsten Plastikteilchen. In Mägen von Tieren, in Mineralwasser, im arktischen Eis. In den Meeren und Seen, in denen wir mit unseren Kindern in diesem Sommer schwimme werden. Dieser Müll stammt von uns – und sehr viele Generationen nach uns werden noch damit zu kämpfen haben. Andere müssen ernten, was wir säen.

„Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist“ – so heißt es in der Bibel. Ohne sie können wir nicht leben. 

Was kann jede und jeder tun, um die Erde zu bebauen und gleichzeitig zu bewahren, wie es unser biblischer Auftrag ist? Natürlich fängt das im Alltag an. Ich kann Plastiktüten und Plastikflaschen vermeiden. Aber ich kann auch mitdenken, in welche Richtung die Politik handeln muss. Brauchen wir eine Plastiksteuer? Wann werden endlich diese ultraleichten Plastiktüten verboten?

Unsere Welt ist schön. Und es gibt viele Gründe, dafür zu danken. Ob das in Zukunft so bleiben wird, liegt auch an uns.    

Ich wünsche Ihnen eine schöne Ferienzeit und einen wachen Blick für unseren blauen Planeten!

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

30. Juni 2018

Die aktuelle Debatte um Europa erinnert mich an ein Gespräch mit meinem Amtsbruder Johan Tyrberg, dem Bischof von Lund. Vor zwei Wochen habe ich ihn besucht, gemeinsam mit  Pröpstinnen und Pröpsten aus Hamburg und Lübeck.

Bei „Smörgåstårta“ (Brottorte mit Fisch) und alkoholfreiem „Öl“ (Bier) diskutierten wir über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der deutschen und der schwedischen Kirche. Und wir sprachen über Europa.

Bischof Johan sagte: „Wir verstehen uns hier eher als ein Teil der Region Malmö-Kopenhagen-Hamburg. Stockholm ist von uns aus ziemlich weit weg.“ Klingt erstmal seltsam, stimmt aber, wenn man auf die Landkarte schaut. Nach Hamburg sind es von Lund aus 400 Kilometer, nach Stockholm 600.Und auch für uns in Hamburg liegen Kopenhagen und Lund ja deutlich näher als etwa München - das gilt in gewisser Hinsicht auch für Religion und Kultur (das Essen einmal ausgenommen – siehe oben…) Da fühlt es sich noch seltsamer an, wenn im Zug wieder der Paß kontrolliert wird, so wie wir es auf der Hinfahrt erlebt hatten.

Schnell waren Bischof Johan und ich uns einig, dass das geeinte Europa unbedingt bewahrt bleiben muss, genauso wie die Grundlagen dieses Projektes: Menschenrechte, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit. Dazu aber braucht es Engagement, Klugheit und Gottvertrauen. Damit Europa niemals wieder durch Grenzen geteilt werde.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende – hjärtliga hälsningar!

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

23. Juni 2018

Vor kurzem war ich zu Besuch auf der Hallig Hooge. Ein frischer, klarer Morgen, an dem ich nach der Fahrt von Schleswig in Nordfriesland aus dem Auto stieg.

Am Deich wehte mir der Duft des Wattenmeeres um die Nase, ein leichter Ostwind trieb das Konzert der vielen tausend Vögel aus dem Hauke-Haien-Koog zu uns herüber!

Ich ging in Richtung der Anlegestelle auf die Deichkrone und blickte über das offene Meer, aus dem die Inseln und die Warften der Halligen in der Ferne hervorragten.

Weit am Horizont begegneten sich der azurblaue Himmel und Meer, doch eine wirkliche Grenze zwischen beiden war nicht auszumachen.

Mir fielen die Worte aus Psalm 36 ein:

„Gott, deine Güte reicht so weit der Himmels ist und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen…“

Güte und Wahrheit Gottes, soweit die Wolken gehen! Vielleicht war der einzige Wehmutstropfen, dass der Himmel überhaupt keine einzige Wolke hatte.

Gott in aller Größe und Macht, schier unfassbar – und gleichzeitig uns Menschen so nah!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche!

Ihr Bischof Gothart Magaard

16. Juni 2018

"Gott, zeige mir, welchen Weg ich einschlagen soll und lass mich erkennen, was du von mir willst" Psalm 25,4

Am Sonntag segne ich im Greifswalder Dom drei Männer für ihren Dienst als Pastoren in der Nordkirche.

Bei jeder Ordination bewegt es mich, auf welch unterschiedliche Weisen Gott Menschen klarmacht: Ich brauche dich, um meine gute Nachricht zu verkünden. Gott lässt nicht locker. Auch wenn das Leben schon andere Wege genommen hat.

Einer der neuen Pastoren ist Andreas Uhlig. Er wuchs als Russlanddeutscher in der Ukraine auf. Eine evangelische Kirche gab es nicht, religiöses Leben war verboten. Nach der Wende fand er in der ersten evangelischen Gemeinde in Odessa Heimat.

Karsten Wolkenhauer, heute Pastor in Demmin, arbeitete als Unternehmensberater mehrere Jahre für eine Consulting-Firma. Durch einen Zufall konnte er in einer Berliner Kirchengemeinde predigen und fand so zu seinem Beruf.

Jonas Löffler wollte eigentlich Ingenieur werden. Bei einem Seminar wurde ihm klar: Ich möchte Gottes Wort verkünden.

Was die drei Männer vereint: Sie haben dem Ruf Gottes vertraut und ihn als ihre Berufung erkannt. Wozu hat Gott Sie berufen?

Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

09. Juni 2018

Liebe Schwestern und Brüder,

lange ist es  nicht mehr hin bis zu der großen, schönen Auszeit: den Sommerferien und den Urlaubswochen, auf die viele von uns schon sehnsüchtig warten. Und die warmen Tage in der letzten Zeit  mit dem strahlend blauen Himmel machen schon Lust, das, was vor uns liegt, zu genießen. An solch einem Sommertag kann ich nicht anders als an die wunderschönen Worte eines Gesangbuchliedes zu denken:

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.“

© unsplash | Dakota Roos

Hören wir diese Worte langsam und in Ruhe, dann spüren wir: hier geht es um mehr als um eine Sommeridylle. Gleich im ersten Vers klingt das an: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud.“  Steh auf! Mach dich auf den Weg und suche die Freude, das Glück! – Es ist da. Ganz real. Auch wenn Du jetzt vielleicht traurig bist, einsam oder Dich verlassen fühlst.

Der Verfasser dieses Liedes, Paul Gerhard, einer unserer größten Kirchenliederdichter, konnte auch angesichts  gewaltiger Stürme des Lebens von Sommer und Freude singen. Kurz nach 1600 geboren verbrachte er die Hälfte seines Lebens während des Dreißigjährigen Krieges. Eine grauselige Zeit auch für die Mark Brandenburg, in der er lebte. Städte waren verwüstet, Landschaften verödet. Unser Lied wurde einige Jahre nach dem Friedensschluss geschrieben. Da war noch längst nicht wieder alles heil.

Lesen wir das Sommerlied Zeile für Zeile, dann hören wir heraus, dieses Lied hat eine Botschaft für  jeden von uns: Auch wenn Du jetzt noch trauernd in der verletzten Landschaft Deiner Seele stehst - Gott liebt dich und er liebt diese Welt. Darum lässt er immer wieder wunderschöne Sommer heraufziehen, die helfen, deine Seele zu heilen nach schlimmen Erlebnissen.

„Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.“

Das hilft. Die Schönheit der Welt in dem lebendigen Grün der Bäume zu erleben und in den warmen Strahlen der Sonne zu spüren, die streichelnd über die Haut gleiten. Das verdrängt aber nicht, dass unter dem grünen Kleide oft noch Trauer ist, die erst heilen muss: „Das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide.“

Es ist nicht weltfremde Naturlyrik, was Paul Gerhardt hier dichtet. Erst recht  nicht „eiapopeia“. Der Mann war von einem göttlichen Realismus getragen: Was Gott will, das wird gut – wir sollen uns nur darauf einlassen und gemeinsam aufbrechen, das Gute zu suchen. Gott will kein Leid, kein Unrecht, erst recht keinen Krieg. Es ist genug für alle da. Und jeder soll haben, was sie und er wirklich zum Leben braucht: Brot und Liebe, Frieden und Gerechtigkeit. Gott führt immer wieder helle, schöne Sommer herauf - Hoffnungsbilder für unsere Zukunft.

Lassen wir uns darauf ein. Lassen wir es uns in diesem Sommer miteinander gut gehen –  in seiner „schönen Gärten Zier“!

Das wünsche ich uns allen und grüße Sie herzlich!

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

2. Juni 2018

Als mein Neffe Finn Johann fünf Jahre alt war, sagte er mir mit schönem Selbstbewusstsein: „Weißt du, ich bin noch viel schlauer als die Erwachsenen.“

Man beachte das „noch“! Als würden wir nur abbauen, indem wir groß werden. Also, wieder das Kind im Mann, in der Frau entdecken?

Sich kindlich des Lebens freuen! Wie ein Kind vertrauensselig sein! Dazu gibt es guten Grund – Gott, der uns zu seinen Kindern erklärt hat. Unglaublich, aber wahr: Der große Gott – jedem und jeder von uns in Zuneigung verbunden! Die Urkraft des Lebens – Liebe in Person! Und macht uns Menschen so zu Geschwistern.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche – mit überraschenden Entdeckungen unter all den Schwestern und Brüdern, unter denen Sie leben!

Ihr Bischof Andreas v. Maltzahn

25. Mai 2018

Zweimal jährlich ordiniere ich junge Pastorinnen und Pastoren, ich segne sie in ihren Dienst ein. Ordinationen sind mir also vertraut.

Vor einigen Tagen jedoch war ich bei einer ganz besonderen Ordination zu Gast - in der Hamburger Synagoge, wo fünf Absolventen des hiesigen Rabbinerseminars ordiniert wurden. Eine sehr beeindruckende Feier, zu der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky nicht nur mich, sondern auch weitere Gäste aus anderen Religiongemeinschaften eingeladen hatte: Muslime und Buddhisten, Hindus und Bahai. Angereist war aus Israel auch einer der beiden Oberrabbiner, David Lau.

In seiner Ansprache erwähnte er, was für ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit Hamburg und besonders Altona in früheren Jahrhunderten war. Rabbiner wie Jonathan Eybeschütz (1690-1764) oder Jacob Emden (1697-1776) beeinflussten bis heute jüdische Theologie.

Und mich ergriffen, wie schon manchmal bei solchen Gelegenheiten, sehr verschiedene Gefühle: Fremdheit, gerade durch die sehr orthodoxe Ausprägung des Hamburger Rabbinerseminars. Aber auch große Nähe, weil Freundschaft gewachsen ist im interreligiösen Gespräch - und weil unser Glaube tief in jüdischer Tradition wurzelt.

"Dies ist der Tag, den der Ewige macht", so stand es in Hebräisch und Deutsch als Motto über der Feier, ein Wort aus dem 118. Psalm, das auch ich schon oft gesprochen habe.

Ich empfand Trauer, weil ich wieder einmal damit konfrontiert wurde, dass in der Shoah neben vielen Menschenleben auch ein enormer kultureller Reichtum zerstört worden ist. Aber ich spürte auch große Freude, weil jüdisches Leben in Hamburg weitergeht.

"Masel Tov", wünschten wir am Ende des Festaktes den neuen Rabbinern. "Alles Gute!" Und das wünsche ich auch Ihnen.

Ein gesegnetes Wochenende,
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

19. Mai 2018

„Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. (...) und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (Apg 2,1-4)

Ein langes Wochenende liegt vor uns, an dem wir das Geburtstagsfest unserer Kirche feiern: Pfingsten.

Gottes Geist bringt frischen Wind in die Gemeinde: Gottes Geist überwindet die Grenzen in unseren Gedanken und Herzen, unserer Sprache und Herkunft. Gottes Geist inspiriert zu mutiger Predigt und bringt hilfreiches Tun in diese Welt. Und er wird zum Gegenwind, wo das Leben missachtet wird.

Pfingsten feiern wir als weltweite ökumenische Gemeinde Jesu Christi. Als Menschen, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen und ganz gewiss eigene Wege gehen – und doch ein Ziel haben: einander in Christus zu begegnen.

Trauen wir dem Evangelium zu, dass es sich gerade in der Vielstimmigkeit und Vielfalt der Ausdrucksformen in seiner ganzen Fülle zum Ausdruck bringt!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche!
Ihr Bischof Gothart Magaard

12. Mai 2018

Es gehört Mut dazu, zu sagen, „weil ich an Jesus glaube“ oder „Das sehe ich anders.“ Weil es schmerzt, nicht dazu zu gehören.

Ich höre von Mobbing an Schulen, wenn sich jemand als Christ zu erkennen gibt. Umso wichtiger sind christliche Veranstaltungen und Gruppen, bei denen Jugendliche sich zu Hause fühlen können. Ich war als Jugendlicher beim CVJM. Wir hatten uns selbst organisiert, waren eine tolle Truppe und fühlten uns in der Gemeinschaft aufgehoben und stark.

Seit Donnerstag treffen sich in Ratzeburg rund 400 junge Leute bei "Heaven", dem Jugendfestival der Nordkirche. Sie schöpfen Kraft aus dem gemeinsamen Beten, Diskutieren und Singen. Sie erleben in diesen Tagen: Ich bin nicht alleine!

Das Festival steht unter dem Vers aus dem Johannesevangelium: Euer Herz lasse sich nicht verwirren! Glaubt an Gott und glaubt an mich.(Joh 14,1). In einer Zeit ständig auf uns einströmender Informationen, Beliebigkeiten und populistischer Vereinfacher erfahren junge Leute bei „Heaven“: Mein Glaube an Jesus ist ein Kompass, dem ich vertrauen kann, und die Liebe Gottes mein sicherer Hafen.

Einen gesegneten Sonnabend wünscht

Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

05. Mai 2018

Diese Woche Dienstag war 1. Mai – „Der Tag der Arbeit“. Mit etwas Glück und einem Brückentag konnten viele von uns sich da einen kleinen Urlaub oder zumindest eine kleine Auszeit basteln – und so am Tag zuvor auch ganz entspannt in den Mai tanzen. Das würde ich Ihnen auf jeden Fall gönnen!

„Der Tag der Arbeit“ hat auch eine Geschichte: Vor 132 Jahren haben Arbeiter in den USA am 1. Mai für den Achtstundentag demonstriert. So ist dieser Tag als Internationale Tag der Arbeiterbewegung entstanden.

Am 1. Mai geht es auch um  Gerechtigkeit. Wer arbeitet, gestaltet unsere Gesellschaft mit. Er leistet einen Beitrag für uns alle. Egal ob er Bauhelfer ist oder Vorstandsmitglied. Für Martin Luther war jede Arbeit Beruf. Das hat etwas mit Berufung zu tun. Gott ruft dich. Du sollst dich einsetzen: für deine eigenen Interessen und für andere Menschen. Deshalb ist „jeder Arbeiter seines Lohnes wert“. So steht es im Lukasevangelium. Und die Bibel weiß, wovon sie spricht. Jesus predigte zu Bauern und Tagelöhnern. Sein Vater war Zimmermann. Das Christentum begann bei den kleinen Leuten.

Gerechtigkeit und Würde gelten für alle im gleichen Maß. Dazu gehören ein fairer Lohn und gute Arbeitsbedingungen. Daran erinnert uns der 1. Mai: der Tag der Arbeit - der natürlich auch ein Tag zum Ausruhen und Entspannen ist.

Ich wünsche Ihnen beides: Gute Arbeit und immer wieder schöne Auszeiten mit Ihren Familien, mit Ihren Freunden und grüße Sie herzlich!

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

28. April 2018

Angriffe auf Juden häufen sich. Mitten in unserem Land. Angriffe mit Worten oder auch tätlich. Verletzen immer. Was kann man dagegen tun?

Ich muss an Eberhard denken, einen Onkel meiner Frau. Seine Kollegen schätzten ihn. Dass er Christ war, störte sie nicht weiter. Eines Tages in der Frühstückspause wurde über die Juden gelästert. Onkel Eberhard stand auf, sagte bestimmt: „Ich bin Jude!“ und verließ den Raum. Die Kollegen schwiegen beschämt. Sie hatten verstanden.

Also: Nicht weghören, wenn antisemitisch gequatscht wird! Dagegenhalten, wenn Menschen herabgesetzt werden, egal aus welchem Grund! „Was ihr einem von meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus, der Jude.

Gott segne uns mit Mut und Geistesgegenwart!

Ihr Bischof Andreas v. Maltzahn

21. April 2018

Vundaag is Plattdüütsch-Dag in Hamborg. In Bökereen,Theaters un ok in de Kark ward Platt snackt, leest un sungen. För mi weer glieks kloor: Ik bün dorbi un maak mit. Klock söben lees ik Gedichten un Vertellsels vun Theodor Storm, Johann Hinrich Fehrs (he is en Vöroller vun mien Mann) un anner Dichterslüüd in de Kark vun Poppenbüttel.

Un denn hebb ik mi dacht, ik probeer dat Plattsnacken in disse Kolumne maal ut. Aver ik segg Jo frie herut: Plattdüütsch is nich mien Moderspraak, ok wenn ik in Dithmarschen upwussen bün. Tohuus hebbt wi Hoochdüütsch snackt, bloots in de Köken hebbt se platt snackt, dor hebb ik as lütte Deern ‘n beten wat upsnappt. Beter as nix…

Ok in min Predigten bruuk ik af un an den een or annern plattdüütschen Snack. Op platt kann een allens veel klorer un eenfacher seggen, de Wöörd kaamt stracks vun Harten. To'n Bispeel in de Bargpredigt: „Ji sünd dat Solt för de Eerd. Wenn nu avers dat Solt labberig ward, mit wat schall denn wull solten warrn? To nix nütt dat noch wat.“ (Mt 5,13).

Plattdüütsch is Heimat un een Tohuus för de Seel. De öllern Lüüd weten dat, man de Fraag is, wo wi de Spraak bewohrn un an de jung Lüüd wiedergeven könen. Dor gifft dat all gode Ideen in de Schools un Kinnergaarns, üm de Lütten dat Plattsnacken to verklaren. Un de Musik is wichtig - vundaag löppt dorüm ok en „Songcontest“.

Ik wünsch mi, dat Platt een Tokunft hett – un ik heff dat sehn, as ik in’t verleden Jahr een Hamborger Kark besöökt heff, wo se Texte un Leder in Hochdüütsch, op Plattdüütsch un in Farsi (de Spraak vun Iran) leest un sungen hebbt un as ik in een anner Gemeen een junge Fruu höört heff, de niege Karkenleder op Platt sungen hett. In Stadt un Dörp gift dat mehr vun sowat, as een so denkt.

Nu wünsch ik Jo een goden Dag un Gott sien  Segen. Villicht sehn wi uns – ik frei mi op Jo!

www.platt.hamburg

Heute ist Plattdeutsch-Tag in Hamburg. In Bibliotheken, Theatern und auch in der Kirche wird Plattdeutsch gesprochen, gelesen und gesungen. Für mich war gleich klar: Ich bin dabei und mache mit. Um 19.00 Uhr lese ich Gedichte und Geschichten von Theodor Storm, Johann Hinrich Fehrs (er ist ein Vorfahre meines Mannes) und anderen Dichtern in der Poppenbüttler Kirche.

Und dann habe ich mir gedacht, ich probiere das Plattdeutsch-Sprechen in dieser Kolumne mal aus. Aber ich sage euch frei heraus: Plattdeutsch ist nicht meine Muttersprache, auch wenn ich in Dithmarschen aufgewachsen bin. Zuhause haben wir Hochdeutsch gesprochen, nur in der Küche haben sie Platt gesprochen, da habe ich als kleines Mädchen ein bisschen was aufgeschnappt. Besser als nichts…

Auch in meinen Predigten verwende ich ab und zu die eine oder andere plattdeutsche Redewendung. Auf Plattdeutsch lässt sich alles viel klarer und einfacher sagen, die Wörter kommen direkt von Herzen. Zum Beispiel in der Bergpredigt: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze.“ (Mt 5,13).

Plattdeutsch ist Heimat und ein Zuhause für die Seele. Die Älteren wissen das, aber die Frage ist, wie wir die Sprache bewahren und an die jungen Leute weitergeben können. Es gibt ja schon gute Ideen in Schulen und Kindergärten, um den Kindern das Plattdeutsch-Sprechen beizubringen. Und die Musik ist wichtig – heute läuft darum auch ein Songcontest.

Ich wünsche mir, dass Platt eine Zukunft hat – und ich habe das gesehen, als ich im vorigen Jahr eine Hamburger Kirche besucht habe, wo Texte und Lieder in Hochdeutsch, Plattdeutsch und Farsi (der Sprache des Iran) gelesen und gesungen wurden. Und als ich in einer anderen Gemeinde eine junge Frau gehört habe, die neue Kirchenlieder auf Platt singt. In Stadt und Land gibt es von solchen Initiativen mehr, als man so denkt.

Nun wünsche ich Ihnen einen guten Tag und Gottes Segen. Vielleicht sehen wir uns – ich freue mich auf Sie!

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

31. März 2018

Heute ist Karsamstag. Nicht Ostersamstag, wie man in den letzten Jahren immer häufiger hört.

Der Karsamstag ist weder die Verlängerung des Karfreitags, noch scheint bereits das Licht von Ostern auf ihn. Der Karsamstag ist der dunkelste und geheimnisvollste Tag im Kirchenjahr.

An Karfreitag gibt es den Lärm der Menge, die Worte Jesu am Kreuz, sein Ringen, seinen Todeskampf, aktives Erleiden. An Karsamstag Grabesruhe, eisige Todesstille, passives Ausgesetztsein.

"Sie haben mir meinen Herrn genommen", weint Maria von Magdala (Johannes 20,11). Derjenige, an dem ihr Herz, ihre Existenz hing, ist tot. Nichts ist mehr, wie es war. Der Karsamstag verbietet billigen Trost und Appelle wie "Das wird schon wieder" oder "Wer weiß, was du daraus lernen sollst". Mit dem Karsamstag hat Gott uns einen Raum gegeben, unser Leid und unseren Schmerz vor ihn zu bringen. Auch ohne Worte.

Ihr Bischof Hans-Jürgen Abromeit

24. März 2018

Manche Filmszenen sind mir unvergesslich.

„Peppermint Frieden“: Ein kleines Mädchen betrachtet die Grabkreuze. Lange steht sie vor einem Kruzifix, sieht die Nägel in den Händen und Füßen Jesu. Anderntags kommt sie wieder, hat ihren Puppenwagen dabei. Behutsam löst sie den Gekreuzigten vom morschen Holzkreuz, entfernt die Nägel und bettet ihn in ihren Puppenwagen.

Die Schmerzen sollen ein Ende haben. Christus soll nicht länger leiden.

Sein Leiden heute zu lindern, kann heißen: Da zu sein für Menschen, in denen Christus uns heute begegnet. Da zu sein für Menschen in Not. Wir können das, weil wir von der Hingabe Jesu leben und nicht eben noch mal die Welt retten müssen.

Sein Geist sei mit uns in dieser Karwoche!

Ihr Bischof Andreas von Maltzahn

 

17. März 2018

Heute ist St. Patrick’s Day, und die Iren feiern ihren Nationalheiligen. Weltweit wird dieser Tag begangen, auch hier in Hamburg – mit viel Musik, Tanz und wohl auch Bier und in jedem Fall in guter Stimmung. Anlass ist der Todestag des Heiligen Patrick, der vor mehr als 1500 Jahren in Irland den christlichen Glauben verbreitete. Er prägt die irische Identität bis heute – auf ihn geht das Kleeblatt als irisches Nationalsymbol zurück, weil Patrick an ihm die christliche Dreifaltigkeit erklärt haben soll.

Als Protestanten verehren wir ja strenggenommen keine Heiligen. Aber das heißt nicht, dass diese Menschen für uns bedeutungslos wären. Patrick zum Beispiel hat den Grundstein gelegt für die iroschottische Kirche – sie bewahrte das Erbe der römischen Antike und schickte später jene Missionare auf die Reise, die das Christentum nach Mittel- und Westeuropa brachten. Ein frühes Beispiel dafür, wie eng die Länder Europas zusammengehören.

Und es ist viel zu wenig bekannt, dass es auch in der evangelischen Kirche einen Namenkalender gibt. Darin sind nicht nur frühe Missionare wie Patrick verzeichnet, sondern auch Männer und Frauen wie Dietrich Bonhoeffer oder Elsa Brändström. Menschen also, die durch ihren Glauben anderen ein Vorbild waren. Warum sollten wir das nicht feiern?

Auch wenn beim St. Patrick’s Day vielfach die Folklore die Oberhand gewonnen hat, so bleibt doch ein christlicher Kern, an den dieser Tag immer wieder erinnert. Und schließlich: Ein fröhliches Fest bleibt es allemal, und ein Anlass zur Völkerverständigung auch.

In diesem Sinne: Happy St. Patrick's Day!

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

10. März 2018

Haben Sie diese Woche Lotto gespielt? Und gespannt am Mittwochabend auf die Bekanntgabe der Zahlen gewartet? Oder vielleicht warten Sie heute auf das Ergebnis vom Lotto am Samstag?

Für Millionen Menschen gibt es kaum etwas Spannenderes: die Lottozahlen. Die schnelle Million. Der Traum vom „großen Glück“. Oder wenigstens ein paar hundert Euro, die man so dringend gebrauchen könnte. Für die meisten bleibt das auch ein Traum. Die Chancen auf den Hauptgewinn stehen 1 zu 140 Millionen.

Natürlich, jede und jeder von uns benötigt ein Einkommen, von dem man anständig leben kann. Aber bringt das große Geld das große Glück? Ich finde: Was Glück ist, bestimmt jeder Mensch für sich selbst. Wie glücklich wir sind, können nur wir selbst sagen.

Für mich ist klar: Wer sein Glück finden will, muss erst einmal stehenbleiben. Sich auf das Gute konzentrieren: Genieße diesen Tag. Pflücke, was er für dich bereithält. Es ist die Zeit, die Gott dir geschenkt hat – das sagt die Bibel.

Wer glücklich sein will, muss aber auch etwas tun und Entscheidungen treffen. Sehr wichtig ist es, Freundschaften zu pflegen: Die Menschen, die mir nahestehen – sie sind der wahre Hauptgewinn. Mit größeren Chancen als jede Million!

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit mit Ihren Freundinnen und Freunden und grüße Sie herzlich!

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

3. März 2018

Der morgige 4. März hat in unserer Kirche den lateinischen Namen Okuli (auf Deutsch: „Augen“). Im Hintergrund steht der 25. Psalm, in dem zu lesen ist: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“

Für mich bedeutet, auf Gott zu sehen, auch genau hinzusehen, was in unserer Welt geschieht. Ratlosigkeit und Erschütterung fühle ich, wenn ich die Bilder aus Syrien sehe. „Keine Worte werden den getöteten Kindern, ihren Müttern, ihren Vätern und ihren Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren lassen.“ – schrieb Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere in einer ansonsten leeren Pressemitteilung zur Situation in der Region Ost-Ghuta.

Ich frage mich: Was kann ich angesichts dieses unendlichen Leides tun?

Ich denke: Nicht erstarren, nicht ermüden in meinem Mitgefühl. Geflüchteten vor Ort freundlich begegnen. Vielleicht Spenden. Auf jeden Fall unsere Demokratie stärken und für Frieden eintreten, wo es mir möglich ist. Und auf Gott sehen und ihn anrufen. Nicht aufhören, ihm in den Ohren zu liegen.

„Mag sein, dass verrückt ist, wer noch immer rechnet mit Wundern“ schreibt der Theologe und Dichter Kurt Marti. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass es viele Verrückte unter uns gibt.

Ihr Bischof Gothart Magaard

24. Februar 2018

Mein Tag beginnt mit einem kleinen Ritual: Ich bete zuerst Luthers Morgensegen und lese dann die Losung, einen von der Herrnhuter Brüdergemeine ausgelosten Vers aus dem Alten Testament und den dazu passenden sogenannten Lehrtext aus dem Neuen Testament. Egal, wo ich bin und was alles zu tun ist.

Seit ein paar Jahren kann man sich dank einer kostenlosen App täglich die Losungen auf das Smartphone spielen lassen und hat so eine Tagesration guter Worte als Begleiter bei sich. Ich kenne Familien mit kleinen Kindern, in denen die Eltern am Frühstückstisch die tägliche Losung vorlesen und die Kinder darauf die Jahreslosung sprechen – stolz, mitbeten zu können.

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg“ heißt es in Psalm 119.

Wenn ich gleich nach dem Aufwachen die Losung lese, wird der kommende Tag unter Gottes Wort gestellt, Herausforderungen erscheinen in einem anderen Licht. Und oft steckt in diesen wenigen Worten eine überraschende Lösung für ein Problem oder doch zumindest eine andere Sicht auf den Alltag mit seinen Widrigkeiten.

Machen Sie es wie Millionen Christen auf der ganzen Welt: Beginnen Sie Ihren Tag mit Gottes Wort!

Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

17. Februar 2018

Passionszeit. Lange habe ich mich damit gequält. Jesu Leiden, sein Sterben, meine Sünde. Da will man nicht so gern ran.

Jetzt hab ich ein anderes Verhältnis zu dieser Zeit. Mein Schlüsselwort: HINGABE. Wir leben von der Hingabe anderer – in der Kindheit zum Beispiel von der unserer Eltern. Sie nehmen allerlei auf sich, damit es uns gut geht.

Als Menschen leben wir von der Hingabe Gottes. Von seiner Zuneigung. Mit Hingabe hat Jesus gelebt und geliebt – und kostete es auch sein Leben. Diese Hingabe überwindet alles, was uns von Gott trennt. Diese Liebe ist stärker als verfehltes Leben, Gott-Abgewandtheit und Tod. Sie ermöglicht, dass wir selbst ein Leben der Hingabe führen. Hingabe an das, was sich Christus von uns erhofft.

Eine gesegnete Passionszeit wünscht Ihnen
Ihr Bischof Andreas von Maltzahn

10. Februar 2018

Alle reden über die GroKo - ich auch.
Aber ich will anders darüber reden. Mich interessiert nicht, ob die eine Partei besser weggekommen ist oder die andere. Und ist es wirklich die Hauptsache, welche Person am Ende welches Ministeramt übernimmt?

Wichtiger sind doch die Inhalte. Die werde ich mir am Wochenende in Ruhe anschauen. 177 Seiten Koalitionsvertrag – nicht gerade wenig. Aber gut, dass jeder Bürger, jede Bürgerin sich direkt informieren kann: Was steht genau drin zu den Zukunftsfragen unseres Landes? Zu Bildung, Einwanderung, Klimaschutz?

Auch Christinnen und Christen haben ganz unterschiedliche politische Positionen, logisch. Aber was uns doch auszeichnen könnte, ist ein bestimmter Stil.

Leidenschaftlich diskutieren über Inhalte – und dabei nie aus dem Auge verlieren, dass der andere auch Recht haben könnte…

Weniger Fixierung auf Parteitaktik, Machtoptionen und Personen. Das Land braucht eine gute Regierung mit einem überzeugenden Programm. Punkt. Und eine kluge und konstruktive Opposition natürlich auch.

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

3. Februar 2018

Es ist Anfang Februar. Es ist Winter. Tiefster Winter wie uns die Wetterleute sagen. Aber es schneit nicht. Jedenfalls nicht hier in Norddeutschland. Ab und zu ein paar Schneeflocken. Okay. Doch sie tauen gleich wieder weg. Kein richtiger Schnee.

Die Zeit der dicken Winteranzüge - dieser kuscheligen Einteiler für unsere Kleinen - scheint vorbei zu sein, jedenfalls für dieses Jahr. Dabei sind sie darin so glücklich durch den „richtigen Winter“ getobt – mollig warm eingepackt und wir Großen fanden sie so süß darin.

Kein Schnee mehr, kein richtiger Winter – woran liegt das? Wir wissen es eigentlich: der Klimawandel. Die Erde erwärmt sich. Mit schrecklichen Folgen.

Und das Problem ist hausgemacht. Von uns Menschen. Die Erde ist erschöpft. Gottes gute Schöpfung kann kaum noch ertragen, was wir mit ihr anstellen.

„Macht Euch die Erde untertan“ – So steht es in der Bibel. Richtig! Unserem fürsorglichen Denken sollen wir sie uns liebevoll „untertan“ machen. So meint das die Bibel.

Lasst uns verantwortungsbewusst und liebevoll mit der Erde umgehen! Nicht ausbeuten sollen wir sie, sondern sie bewahren.

Gottes Schöpfung ist unser Schatz. Und den haben wir nur einmal.

Lasst ihn uns gemeinsam bewahren!

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

27. Januar 2018

Wir begehen heute, am 27. Januar, den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Wir gedenken der vielen Millionen ermordeten Menschen. Wir betrauern die Opfer, die die Ideologie des Nationalsozialismus gefordert hat. Wir führen uns vor Augen, wozu Menschen fähig sind.

„Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit!“ 

Der jüdische Publizist und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel (1928-2016), der selbst in Auschwitz und Buchenwald inhaftiert war, gibt mir zu denken:

Wenn alles gleichgültig wird – „in gleicher Weise gültig“ –, verlieren wir unsere Menschlichkeit. Menschen und ihre Schicksale dürfen uns um Gottes Willen jedoch nie gleichgültig werden.

Im Menschen uns gegenüber sehen wir das Ebenbild Gottes.

Die Worte Elie Wiesels sind mir eine Mahnung. Sie sind tief verwurzelt in unserer jüdisch–christlichen Tradition, einem Fundament von Menschenwürde und Demokratie.

Und Anlass mit dem 139. Psalm zu beten:

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
Prüfe mich und erkenne, wie ich`s meine.
Sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege.“

Ihr Bischof Gothart Magaard

22. Januar 2018

Zu meinen schönsten Jugenderinnerungen gehört das Wildwasserfahren mit unserer bayerischen Partnergemeinde, wie hier im Foto festgehalten.

Mit Kanu und Zelt waren wir auf tschechischen Flüssen unterwegs. Abenteuer pur. Abends Kochen auf dem Lagerfeuer, Zeit für Singen und Gespräche, auch über unseren Glauben. Für uns aus der DDR war das unglaublich stärkend.

Die Partnerschaft zwischen Bayern und Mecklenburg lebt auch in ihrem 70. Jahr: zwischen Gemeinden, durch Unterstützung bei missionarischen Projekten und der Erhaltung unserer Kirchen, durch Begegnungen auf kirchenleitender Ebene wie an diesem Wochenende in Rostock. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wird Sonntag, 21. Januar, 10 Uhr, in der Unikirche predigen.

Immer wieder überrascht mich das Interesse der Bayern. Sie meinen: „Wir können von euren Erfahrungen lernen für das, was an Veränderungen auf uns zukommt.“ Dabei denke ich: Wir bekommen doch so viele Impulse! Und freue mich über die Gemeinschaft, die Gott stiftet.

Ihr Bischof Andreas von Maltzahn

13. Januar 2018

Das Reformationsjubiläum 2017 ist vorbei – und lässt mich doch nicht los. Bisweilen höre ich: „Was hat‘s gebracht, und wie geht’s weiter?“

Verständliche Fragen, aber nun ja: Es war doch zuallererst ein Jubiläum, ein großes Fest. Es gab gute Gespräche, tolle Musik, eindrückliche Begegnungen und gemeinsame Projekte mit Schulen und Theatern, mit Museen und Medien.

Ein Fest, das seinen Wert in sich selbst hat, ähnlich wie eine gelungene Geburtstagsfeier. So eine Feier wirkt weiter, ohne dass das unbedingt messbar wäre.

Meine Auswertung ist kurz und knapp: Wenn gute Ideen da waren, dann soll man sie beibehalten. Wo Gesprächsfäden geknüpft wurden, sollten sie weitergesponnen werden.

In nicht wenigen Kirchengemeinden hat ja das Jubiläum zu neuen Verankerungen im Stadtteil geführt. Und ansonsten gilt: Das, was wir als Kirche tun, gestärkt und mutig weiter tun - immer in dem Bewusstsein, dass es nicht in unserer Macht steht, was am Ende draus wird und wohin Gott unser Kirchenschiff lenkt.

„Die Kirche muss sich ständig erneuern“, so lautet eine Forderung der Reformation.

Das hat mich dazu gebracht, dass ich 2018 verstärkt die Begegnung mit jungen Leuten suchen will: Zum Beispiel mit Auszubildenden und Studierenden, mit Schulkindern und kirchlich engagierten Jugendlichen.

Veränderung, Erneuerung – das ist ein Jugendthema. Ich bin gespannt, was ich dort zu hören bekomme…

Ihre und Eure Bischöfin Kirsten Fehrs

Epiphaniastag

Vernünftig ist das nicht, was die heiligen drei Könige da machen. Bei Luther heißen sie „Weise aus dem Morgenland“, und heute ist ihr Gedenktag.

Sie beschenken einen Säugling, dessen Eltern kaum über das Nötigste verfügen, mit purem Luxus.

"Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe", heißt es im Matthäusevangelium.

Und der karge Stall glänzt auf einmal, kostbare Düfte schwängern die Luft. Dank der Gaben der Weisen wird der Stall von Betlehem zu einem Palast.

Was für ein Geschenk ist es, den anderen als den zu erkennen, als den ihn Gott gemeint hat und zu dem ihn Gott bestimmt hat!

Was für ein Geschenk, Zeichen Gottes sehen zu können und ihnen zu vertrauen.

Indem die drei Weisen Jesus als dem kommenden König huldigen, feiern sie auch die Erfüllung ihrer Hoffnungen und Sehnsüchte und das Leben selbst.

Einen gesegneten Epiphaniastag wünscht Ihnen Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

Jahreswechsel

Das Weihnachtsfest liegt hinter uns. Über viele Geschenke freuen wir uns noch, andere sind erfolgreich getauscht.

Das Gedränge an den Kassenschaltern war noch ein kleiner nachweihnachtlicher Stressakt. Danach ist für viele etwas Ruhe eingekehrt.

Morgen feiern wir Silvester: diesen Tag „auf der Schwelle“. Wir ziehen Bilanz und wir blicken nach vorne.

Er ist nach Bischof Silvester benannt. Der leitete im 4. Jahrhundert lange die Kirche in Rom und hat eine enorm wichtige Schwelle miterlebt: Das Christentum wurde in diesen Jahren von einer verfolgten zu einer anerkannten Religion.

Unser Schritt über die Schwelle des neuen Jahres wird nicht so gewaltig sein. Aber spannend ist er auch: Vielleicht möchten Sie etwas in ihrem Leben verändern.

An der Schwelle zum neuen Jahr schauen wir freudig und ein wenig unsicher auf das, was da kommt. Was es sein wird, können wir nur erahnen. Doch wir können sicher sein, dass Gott uns auf diesem Weg begleitet.

Er lässt uns auch 2018 immer wieder Oasen finden. Dort werden wir gestärkt und erfrischt. Dort tanken wir auf.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr!

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

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Zum 4. Advent

Josef? Das ist doch er alte Mann hinter der Krippe. Zwischen leuchtendem Stern von Bethlehem, jubelnden Engeln und verzückten Hirten wirkt er auf vielen Weihnachtsgemälden fast wie ein Statist: Mal hält er die Laterne, mal kümmert er sich im Hintergrund um den Esel.

Aber lassen wir uns nicht täuschen: Das Wunder der Weihnacht zeigt sich nicht nur im Rampenlicht.

Der Zimmermann Josef hat den Mut, gegen Tradition und Gesetz zu seiner Braut zu stehen, die ein Kind erwartet –  nicht von ihm.

Er nimmt dieses Kind, das er Jesus nennt, als seines an und rettet seine kleine Familie durch die Flucht nach Ägypten vor den Mordplänen des Herodes.

Sein Geheimnis? Er vertraut Gott – selbst wenn dieser ihm so etwas Verrücktes zumutet. Er lässt es zu, dass seine eigenen Pläne von Gottes Heilsplan durchkreuzt werden. Er hört die Botschaften der Engel und handelt danach. Auf ruhige, selbstverständliche Art.

Einer muss den Laden ja am Laufen halten, während die anderen jubeln und feiern. Josef? Was für ein Mann!  

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest!
Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

PS: Auf dem Bild sehen Sie eine Krippe aus Olivenholz, die ich aus Bethlehem mitgebracht habe. Seit vielen Jahren schon gehört sie für meine Familie und mich zu Weihnachten unbedingt dazu.

Zum 3. Advent

Auf meinem Schreibtisch stapeln sich bunte Kärtchen. Jedes Jahr aufs Neue freue ich mich, wie viele Mitmenschen mich mit Weihnachtsglückwünschen bedenken. Sterne, Krippen, Kerzen, Engel – keine Karte ist wie die andere.

Aber noch mehr gefällt mir: Die meisten Absender haben handschriftliche Grüße hinterlassen. Das ist für mich der schönste Kartenschmuck.

Denn die Handschrift ist selten geworden. Schreiben, das heißt heutzutage tippen. So wie diesen Text hier, den Sie gerade lesen.

Im Alltag werden ja allenfalls noch ein paar schnelle Notizen mit der Hand auf einen Zettel geschrieben, besser gesagt: gekritzelt. Ich mach’s nicht anders, aber schade ist es dennoch.

Die Tastatur ist praktisch, aber nüchtern. Wie anders dagegen die Handschrift! Sie verrät so viel über den Schreiber, die Schreiberin.

Schwungvolle Bögen, winzig kleine Buchstaben, große und kleine Schnörkel. Höchst persönlich. Auf einen Blick erkenne ich die Handschrift meines Mannes oder meiner Schwester.

Ich sehe, wo die Absenderin abgesetzt hat, wo die Schrift zittert,  bisweilen ist ein Wort durchgestrichen. So kann ich sogar ein bisschen ihre Gefühle und Gedankengänge nachvollziehen.

Unsere Schrift ist so einzigartig wie unsere Persönlichkeit. Von daher passt sie gut zu Weihnachten: Das Wort ward Fleisch, Gott wurde Mensch. Auf jeder Weihnachtskarte steht ein kleiner Abdruck eines ganz individuellen, ungenormten und einzigartigen Menschen.

Und sei es nur ein handgeschriebenes „Frohe Weihnachten“.

Einen gesegneten dritten Advent!
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

Zum 2. Advent

Für viele Familien gehören die Lieder des Hamburger Musikers Rolf Zuckowski zur Vorbereitung auf das Weihnachtsfest wie Lebkuchen, Lichterketten oder Schokoladenadventskalender.

Aber neben den humorvollen Texten zu lebendigen Melodien wie bei „In der Weihnachtsbäckerei“ gibt es immer auch Nachdenkliches bei ihm zu hören.

In einem seiner schönsten Weihnachtslieder heißt es:

„Wär uns der Himmel immer so nah
und unsere Arme immer so offen,
fänden viele sicher die Kraft,
wieder zu hoffen.“

Gerade in diesen Tagen spüren wir ganz besonders, wie brüchig diese Welt ist, auch direkt vor unserer Haustür.

Dazu gehört für mich auch das Wissen darum, dass viel zu viele Kinder in unserem reichen Land in Armut leben.

So bin ich dankbar, das die Advents-Benefizaktion des NDR „Hand in Hand für Norddeutschland“ mit den Diakonischen Werken als Partner in diesem Jahr Kinder und Familien in Not in den Mittelpunkt stellt und versucht Abhilfe zu schaffen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten 2. Advent!
Ihr Bischof Gothart Magaard

Zum 1. Advent

"Das kann es noch nicht gewesen sein… Da muss doch noch was kommen…" Wenn sich solche Stimmen in uns melden, spürt unsere Seele: Es sollte sich etwas ändern. Das Geschenk des Lebens neu erfahren! Oder ihm eine andere Richtung geben…

Sonntag beginnt der Advent. Das heißt: Da ist was im Kommen. Etwas von Gott zu uns. Mein Leben muss nicht bleiben, wie es ist.

Was meinen Sie: Steht das wichtigste Ereignis Ihres Lebens noch aus, oder liegt es schon hinter Ihnen?

So glücklich ich mit meinem Leben auch bin – ich werde das Gefühl nicht los: "Da kommt noch was! Es ist noch nicht ausgekostet, ausgelebt, worauf es ankommt. Da steht noch etwas aus zwischen Gott und mir." Darum will ich offen sein für das, was noch kommt.   

Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen

Ihr Bischof Dr. Andreas von Maltzahn

25: November 2017

Wie aus der Zeit gefallen erscheinen manche Friedhöfe hier in Pommern mit ihren verwitterten Grabsteinen im Schatten jahrhundertealter Kirchen. Hier haben Erinnerung und Trauer ihren Raum – abseits vom Lärm und den Ansprüchen des Alltags.

Wie gut, dass es diese Orte zum Trauern gibt! Am Grab eines lieben Angehörigen oder Freundes darf ich meinen Tränen freien Lauf lassen, bedaure den Verlust und die Unwiederbringlichkeit gemeinsamer Zeit, trauere über verpasste Chancen und ungelebtes Leben.

Die Grabsteine erzählen Geschichten von viel zu kurzen Lebensspannen und von Kriegen, von Eheglück und Familien. Und von der Hoffnung über den Tod hinaus. Jesus sagt im Angesicht seines Todes zu den Jüngern: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Er verharmlost den Tod nicht. Doch er verheißt denen, die ihn lieben, dass mit dem Tod das Leben nicht zu Ende ist. Morgen ist Totensonntag.

Ich lade Sie ein, dann eine Kerze anzuzünden. Im Gottesdienst oder am Grab. Weil wir glauben, dass durch Jesu Auferstehung der Tod nicht mehr ewige Dunkelheit bedeutet.

Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

11. November 2017

So langsam rundet sich das Bild vom 31. Oktober – die 2500 Menschen im Hamburger Michel waren kein Einzelfall. Auch hier in Bonn, wo heute der EKD-Rat tagt, höre ich überall von überfüllten Gottesdiensten am Reformationstag. Woran liegt’s?

Ich sehe zwei Gründe: Da ist zum einen die Suche nach Geschichte, nach den eigenen kulturellen und religiösen Wurzeln. „Ich gehe sonst nicht oft in die Kirche, aber an so einem Tag darf man einfach nicht fehlen“, sagte eine Frau im Michel.

Ein zweiter Impuls: Viele Menschen treibt die Frage um, wie’s denn mit der Kirche weitergeht und mit dem Glauben. Aber auch, was in unserer Gesellschaft  künftig den inneren Kompass darstellt.

An diesen Fragen möchte ich dranbleiben. Ein Antwortversuch:

Für Martin Luther stand ja ganz einfach das Wort Gottes im Mittelpunkt. Nicht als Gesetz oder moralische Überhöhung. Sondern als Wort, das versteht. Anders als in den Echo-Räumen der dauernden Selbstbestätigung. Anders auch als im dauernden Appell. Wort Gottes heute, das bedeutet eher, uns in die Menschen unserer Zeit hinein zu denken und  zu fühlen. Heißt: wir müssen runtersteigen von den Kanzeln und Bühnen, eher fragen und zuhören als antworten, predigen oder gar belehren. Uns hinwenden und suchen, was verloren gegangen ist.

Was für eine Aufgabe! Nicht nur für Bischöfinnen, sondern für jeden Christenmenschen …

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

4. November 2017

In der kommenden Woche liegt ein besonderer Tag: der 9. November. Es ist ein geschichtsträchtiges Datum, das wie kaum ein anderes in unserem Land mit dramatischen Ereignissen verbunden ist.

Die Reichspogromnacht im Jahr 1938 hat gezeigt, wozu Menschen fähig sind, die der blinde Hass treibt. Der 9. November 1989, der Tag, an dem die Mauer fiel, hat gezeigt, wozu Menschen fähig sind, die an den Frieden glauben und die sich gegen alle Widerstände nicht verbiegen lassen.

Meine Hoffnung ist, dass wir auch in unserer Zeit mutig diesen anderen Weg der Freiheit wählen und mit an der Geschichte schreiben, die von der bezwingenden Macht des Guten erzählt.

Paulus schreibt: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Brief an die Römer 12,21)

Ihr Bischof Gothart Magaard

28. Oktober 2017

Was ist Ihnen durch das Reformationsjubiläum für uns heute wichtig geworden? Für mich ist es dies:

Wach sein für letzte Fragen! 
Aus neuer Einsicht neue Antworten wagen und für sie grade stehen! 
Der Stimme des Gewissens folgen – gebunden an Vernunft und Menschenrechte. 
Mit Mut und Augenmaß für die Erneuerung des Lebens in Kirche und Gesellschaft arbeiten! 
Die Würde eines Menschen hängt nicht ab von seiner Leistung – sie ist allen Menschen gleich von Gott gegeben.

Vertrauen in Gott bahnt Wege aus der Angst. 
In Christus hat das seinen Grund. 
Es ist an der Zeit, das Bibellesen wieder zu entdecken.

Seien Sie willkommen zu den besonderen Gottesdiensten am Reformationstag!

Ihr Bischof Dr. Andreas von Maltzahn

21. Oktober 2017

Vor 500 Jahren beginnt im Herzen von Martin Luther etwas Neues. Er hat eine ergreifende Einsicht, die wir „Turmerlebnis“ nennen.

Luther kämpft mit der Frage, wie Gottes Gerechtigkeit zu verstehen ist. Wer kann schon das Gebot Gottes befolgen: den Nächsten wie sich selbst zu lieben? „Ich kann es nicht. Deshalb wird Gott mich bestrafen”, fürchtet Martin Luther und hadert mit sich und mit Gott.

Und dann wird ihm klar: Gottes Gerechtigkeit ist keine strafende. Es ist eine schenkende Gerechtigkeit. Und sie sieht die Person an. Gott schenkt sich uns in Christus, sagt „Ja“ zu uns. Erweckt uns aus Glauben zu neuem Leben. Das war für Luther, wie er selbst schreibt, „die Pforte ins Paradies gewesen“.

Gott gebe uns, dass wir immer neu einstimmen mögen in das Loblied, in dem Gott mit seiner Gnade um uns und für uns da ist.

Ihr Landesbischof Gerhard Ulrich

Zum 14. Oktober 2017 von Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

Als das DDR-Regime kirchliches Leben zunehmend erschwerte, gründete eine mutige Frau 1956 kurzerhand ein „Seminar für kirchlichen Dienst“ in Greifswald. Helga Krummacher (1909 bis 1973): Pädagogin, Predigerin, Mutter von sieben Kindern und Ehefrau des Greifswalder Bischofs Friedrich-Wilhelm Krummacher. An dieser Fachschule wurden junge Frauen ausgebildet zu Kinderdiakoninnen, Gemeindehelferinnen und in der Pflege. Unverzichtbar für die Kirche in der DDR. Ihre Tochter erzählt: „Meine Mutter sagte einmal, sie tue einfach das, was dran ist.“

Auf Helga Krummachers Grabstein steht ein Vers aus dem Johannesevangelium: „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“ (Joh 14,27). Dieser Satz Jesu könnte über vielen Biographien von mutigen Christinnen stehen. Sie haben für eine gerechtere Gesellschaft gekämpft, sich für Arme und Außenseiter engagiert und das Bild der Kirche geprägt. Mit furchtlosem Herzen jeden Tag aufs Neue. Tun, was dran ist.

Sie können die Ausstellung „…von nicht abschätzbarer Bedeutung – Frauen schreiben Reformationsgeschichte“ noch bis zum 4. November im Greifswalder Dom sehen. Dort wird auch Helga Krummacher gewürdigt.

Ihr Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

7. Oktober 2017

Was ist eigentlich das Wichtigste am Gottesdienst?

Viele würden sagen: Die Predigt. Vielleicht auch die Musik. Ganz wichtig ist für viele der Segen. Das eine sind die traditionellen Worte, die ich den Gottesdienstbesuchern mit auf den Weg gebe: „Gott segne dich und behüte dich, Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir…“ Aber richtig intensiv wird die geistliche Erfahrung, wenn der Segen mehr Raum bekommt. Etwa bei einer Ordination. Oder beim Segen für ein Ehepaar.

Wie groß das Bedürfnis nach Segen ist, zeigt sich auch bei Nacht der Kirchen in Hamburg, wo wir immer Segensbänder verteilen. Zweieinhalb Stunden lang stand ich beim letzten Mal dort, so viele Menschen wollten den Segen empfangen. Weil die Mutter gestorben ist, weil die Kündigung kam oder weil eine Krankheit das Leben schwer macht. Groß ist die Sehnsucht nach Trostworten.

Doch auch wenn ich es bin, die den Segen spricht: Die Gesegneten spüren, dass ich hier nur etwas weitergebe. Gottes Wort sinnlich erfahren, so kann man vielleicht beschreiben, was beim Segen geschieht.

Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs

30. September 2017

Am Sonntag feiern wir Erntedankfest. Ich freue mich auf diesen Tag. Die Kirchen sind festlich geschmückt, um den Altar herum sind die Früchte des Jahres in aller Pracht zu sehen: Getreidegarben, Kürbisse, Brot, Blumen und Kastanien. Und natürlich die Erntekrone.

Aber was feiern wir da eigentlich? Natürlich: Wir danken Gott für die eingebrachte Ernte. Aber wir bedenken an diesem Tag auch, wie wir verantwortlich mit dem, was uns anvertraut ist, umgehen können.

Wir bedenken, wie viel Arbeit in den Lebensmitteln steckt, die wir täglich kaufen und sagen denen Dank, die in der Landwirtschaft und im Handwerk arbeiten.

Wir suchen miteinander nach Wegen, damit es qualitativ hochwertige Lebensmittel für alle Menschen gibt und Landwirte – weltweit – angemessenen Lohn für ihre Arbeit bekommen.

Und wir bitten um Gottes Segen für Menschen, Natur und Umwelt.

Das zentrale Landeserntedankfest in Schleswig-Holstein feiern wir am 1. Oktober ab 10.30 Uhr in der St. Johanniskirche Petersdorf auf der Insel Fehmarn. Ich lade Sie herzlich dazu ein!

Ihr Bischof Gothart Magaard

23. September 2017

Morgen ist für mich ein Festtag: Freie Wahlen! Alles andere als selbstverständlich: Als Bausoldaten in der DDR bekamen wir ein halbes Jahr Urlaubssperre.

Wir hatten bei den Scheinwahlen nicht mitgespielt. Für freie Wahlen sind wir '89 auf die Straße gegangen und wussten nicht, ob das ins Gefängnis führt.

„Demokratie – jetzt oder nie“, riefen wir. Denn die Sehnsucht nach Freiheit und Teilhabe war übermächtig geworden. Wir vertrauten auf Gott an unserer Seite.

Wen ich morgen wählen werde? Nicht, wer sein Geschäft macht mit der Angst. Oder mir am meisten verspricht. Oder einfache Lösungen vorgaukelt.

Sondern jene, die dicke Bretter bohren – damit Schwache Chancen bekommen. Jene, die mir etwas abverlangen, damit auch unsere Kindeskinder Zukunft haben.

Demokratie braucht mehr als eine Abstimmung in vier Jahren: Haltung im Alltag, Menschen, die Verantwortung übernehmen. Die Entscheidung morgen stellt Weichen.

Ihr Bischof Dr. Andreas von Maltzahn

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