Versöhnung im Mittelpunkt

50 Jahre Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Ein Symbol des Judentums: die Menorah, der siebenarmige Leuchter
Ein Symbol des Judentums: die Menorah, der siebenarmige Leuchter© epd-bild / Jan Richter

11. Juni 2012 von Doreen Gliemann

Kiel. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein feiert am Dienstag, den 12. Juni, im Kieler Landeshaus ihr 50-jähriges Bestehen. Dabei werden der Vorsitzende und evangelische Pastor Joachim Liß-Walther und sein Stellvertreter Bernd Gärtner von der katholischen Kirche ihr neu erschienenes Buch "Aufbrüche" vorstellen. Das Werk bietet auf 367 Seiten Beiträge über die Geschichte der Gesellschaft, die sich die Versöhnung zwischen Christen und Juden nach dem Holocaust im Nazi-Deutschland auf die Fahnen geschrieben hat, sagte Liß-Walther.

Von Hartmut Schulz

Neben der Versöhnungsarbeit ist Liß-Walther auch die Aufarbeitung der eigenen Theologietradition wichtig. Es gehe darum, die gemeinsamen theologischen Wurzeln von Judentum und Christentum etwa im Alten Testament der Bibel immer wieder hervorzuheben. Seit 1994 ist Liß-Walther Mitglied in der Gesellschaft, die in Schleswig-Holstein derzeit rund 40 aktive Mitglieder hat. Sie wurde am 7. Mai 1962 gegründet. Bundesweit gibt es 80 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Im christlich-jüdischen Dialog werde die Gesellschaft auch in Schleswig-Holstein nicht müde, um gegen eine "Geschichtsvergessenheit in der Gesellschaft" immer wieder aktiv zu werden, betonte Liß-Walther. Er selbst hielt Gottesdienste etwa am 9. November zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938 oder anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Er sorgte auch dafür, dass die von der ehemaligen Nordelbischen Kirche in Auftrag gegebene Ausstellung "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945" auch in Kiel im Landeshaus gezeigt wurde. In der 2001 erstmals vorgestellten Schau geht es um die Mitverantwortung der Kirche am völkischen Antisemitismus der Nazis, der in die Judenvernichtung mündete.

Theologische und kirchenpolitische Bedeutung

Die Ausstellung habe innerhalb der Nordelbischen Kirche einen Denkprozess angestoßen, schreibt der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich in einem Grußwort in dem Buch "Aufbrüche". Dieser habe sogar verfassungsrelevante Folgen, betont Ulrich. Seit 2002 ist in der Verfassung der ehemaligen Nordelbischen Kirche zu lesen: "Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche bezeugt die bleibende Treue Gottes zu seinem Volk Israel. Sie ist im Hören auf Gottes Weisung und in der Hoffnung auf die Vollendung der Gottesherrschaft mit dem Volk Israel verbunden." Solche Sätze hätten eine hohe theologische und kirchenpolitische Bedeutung, schreibt der Bischof. 

Ein Höhepunkt der Versöhnungsarbeit war im Jahr 1999 die Einweihung des "Kiel-Hains" in der Wüste Negev im südlichen Israel. Ein Jahr zuvor hatte der damalige Kieler Stadtpastor Liß-Walther die Aktion gestartet und rund 10.000 Euro Spenden gesammelt. Er selbst habe den Hain mit rund 1.000 Bäumen in Israel eingeweiht, berichtete Liß-Walther. Die Ölbäume, Akazien und Kiefern im "Wald der deutschen Länder" wurden im speziell reservierten Kiel-Gelände angepflanzt. 

Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Auch die Aktion Stolperstein des Kölner Künstlers Gunter Demnig wurde auf Initiative der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit nach Kiel geholt. Damit wird auch in der Landeshauptstadt an NS-Opfer erinnert, indem ihre Geburts- und Sterbedaten in kleine Messingsteine eingraviert werden. Diese Steine werden dann in das Pflaster vor dem letzten freiwilligen Wohnort der Opfer eingelassen. 

 

Literaturhinweis:

"Aufbrüche: Chrstlich-Jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein nach 1945", Herausgeber Joachim Liß-Walther und Bernd Gärtner, J. Steinkopf Verlag Kiel 
367 Seiten, Preis 24.95 Euro, ISBM-10: 3798408181

Festveranstaltung

Dienstag, 12. Juni 2012 / 18 Uhr
Schleswig-Holsteinischen Landtag, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel

Gäste

Mit Bischof Gerhard Ulrich (Schleswig), Landesbischof i. R Eduard Lohse und Stadtpräsidentin Cathy Kietzer. Weitere Gäste sind unter anderem Viktoria Ladyshenski von der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein und Walter Joshua Pannbacker, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Kiel.

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