18. Januar 2018 | Todendorfer Kapelle

Abschied von diesem Haus

18. Januar 2018

Gottesdienst zur Entwidmung der ev.-luth. Kapelle Todendorf, Kirchengemeinde Eichede

Liebe Pastorin Schumacher, liebe Mitglieder des Kirchengemeinderates,

lieber Bürgermeister Dwenger, lieber Wehrführer Strangmeyer, lieber Propst Buhl,
liebe Schwestern und Brüder aus Todendorf und den Nachbarorten!

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

(Hebr. 13,14) So heißt es im Brief an die Hebräer, und das bedeutet: Wir sind gebunden allein an Jesus Christus. Mit ihm gehen wir, zu ihm beten wir, an ihn halten wir uns. Heißt ja auch: der Glaube ist nichts Statisches, sondern ist bewegt wie das Leben selbst, ist voller Dynamik. Ein wanderndes Gottesvolk, sagt der Hebräerbrief dazu, sind wir, gebunden an einen Gott, der nah bei uns bleibt, ja uns sucht, um unseren Glauben zu stärken. Das geschieht täglich neu und ist gerade nicht an keinen festen Ort gebunden.

Trotzdem haben Menschen immer wieder Orte der Gottesnähe und Gotteserfahrung entdeckt und gestaltet. So etwa erzählt die Bibel, wie Jakob träumt  von lauter Engeln und von einem sich öffnenden Himmel, und dass er, weil es für ihn im wahrsten Sinne eine Offenbarung ist, den Stein, der ihm als Ruhekissen diente, zum Steinmal aufrichtet. Und er nennt die Stätte heilig und gibt ihr den Namen Beth-El, Haus Gottes. (1 Mose 28).

An solchen Orten besonderer Gottesnähe versammeln sich Menschen in Glaube, Hoffnung, Liebe. Hier bildet sich Gemeinde, feiert sie Gottesdienst, dankt und lobt für all die Gnadengeschenke und Segenserfahrungen im Leben. Hier bittet und klagt sie und hier vertrauen sich Menschen an im Gebet. Hier wird Gottes Wort verkündigt als frohe Botschaft für die Menschen vor Ort und als freies Glaubenszeugnis vor aller Welt.

Auch diese Todendorfer Kapelle ist ein besonderer und kostbarer Ort. Hier haben die Menschen aus der Umgebung Gottesdienst gefeiert, um Frieden gebetet, Segen empfangen. Hier wurden Kinder getauft, Jugendliche konfirmiert, Brautpaare getraut, Verstorbene ausgesegnet, fast 50 Jahre lang.

Am Silvestertag 2016, als Sie schon einmal Abschied hier gefeiert, ist das alles aufgeschienen. Damals haben sechs Menschen aus der Gemeinde erzählt, was sie mit dieser Kapelle verbinden: Hoffnung, Staunen, Familie, Spiritualität, Beziehungen von Mensch zu Mensch und von Mensch zu Gott.

Sie haben an das St. Martinsfest erinnert, das hier mit den Kindergarten-Kindern gefeiert wurde, an die Montagsandachten, an die Kindergottesdienste. Soviel Gutes ist hier geschehen!

Und ich sage an dieser Stelle ausdrücklich allen von Herzen Dank für ihr segensreiches Tun und Wirken. Und ich danke unserem Gott dafür, dass diese Kapelle einst erbaut und mit Leben gefüllt werden konnte.

Und auch wenn Sie innerlich schon Abschied genommen haben, auch wenn es vernünftig ist, jetzt weiterzuziehen, mischt sich doch Wehmut und Traurigkeit in diesen Tag. Denn die Entwidmung dieser Kirche geschieht ja nicht ohne ernsten Hintergrund und langjähriges Nachdenken und Abwägen und manch schlaflose Nacht. Man hat ja wahrlich gerungen, um als Kirchengemeinde verantwortlich zu handeln. Und da gibt es manchmal eben keine leichten Lösungen.

Das Todendorfer Gotteshaus wurde 1967 eingeweiht. Es entstand im Rahmen eines Kapellenbauprogramms, 100 solcher Kleinstkirchen ließ die Landeskirche damals bauen, weil viele Dörfer durch den Flüchtlingszustrom aus dem Osten so stark gewachsen waren. In drei Dörfern Dithmarschens (Sarzbüttel, Wrohm und Reinsbüttel – die kenne ich sehr gut!) hatte der Architekt Hanns Hoffmann identische Kapellen gebaut. Die gefielen damals den Todendorfern gut – und machten es wie die Leute in Rethwisch-Dorf bei Bad Oldesloe und in Pelzerhaken: es entstanden insgesamt 6 fast baugleiche Kapellen. Die Grundrisse waren leicht variiert, aber die Grundidee immer dieselbe: ein Zelt. So hat es der Architekt, der vor dreieinhalb Jahren gestorben ist, selbst geschildert.

Aber wie das bei Zelten so ist: Sie sind Gebäude auf Zeit. Wir haben hier keine bleibende Stadt. Und man kann das hier in Todendorf sehen: Wasserschäden, unsicherer Untergrund, Mängel am Dach. Es wäre sehr teuer geworden, das alles zu unterhalten. Und ja:  Auch weil immer weniger Menschen sich zu ihrer Kirche halten, wird es wichtiger, die Kräfte zu konzentrieren. In diesem Fall auf die Kirche in Eichede. Was ja ausdrücklich nicht bedeutet, dass man hier in Todendorf auf die Seelsorge und kirchliche Präsenz verzichten müsste – die bleibt natürlich nach wie vor.

So kam man einmütig zu dem Beschluss, die Todendorfer Kapelle zu entwidmen. Alle höheren kirchlichen Gremien haben diesen Beschluss bestätigt. Und alle Beteiligten, einschließlich meiner Person, sehen es als glückliche Fügung an, dass die Gemeinde Todendorf und insbesondere Sie, sehr geehrter Bürgermeister Dwenger, beharrlich ihr Interesse bekundeten,  Gebäude und Anwesen zu kaufen und weiterer gemeinwesenorientierter Nutzung zuzuführen. Und so kommt es nun auch. Hier an dieser Stelle soll ein neues Haus für die Feuerwehr entstehen.

Und so liegt in diesem Abschied auch ein neuer Anfang. Gott geleite uns alle mit seinem Segen, dass an diesem Ort weiterhin Gutes entstehe, was den Menschen im Dorf dienen möge.

Liebe Gemeinde,

50 Jahre lang war die Kapelle Todendorf dem Dienst Gottes geweiht.
Nun ist die Zeit gekommen, Abschied von diesem Haus zu nehmen.
Gott hilft uns, anzunehmen und loszulassen. Gott trägt uns durch solche Abschiede hindurch.

So entwidme ich hiermit die Todendorfer Kapelle:
Von nun an ist diese Kapelle nicht mehr dem Dienst Gottes geweiht.

Entwidmungshandlung: Bischöfin und Propst übergeben Altarbibel, Taufschale und Abendmahlsgerät und Antependium an KGR (für Auszug)

Lasst uns beten:

Gütiger Gott,
du segnest uns im Wechsel der Zeiten.
Du siehst unseren Schmerz und tröstest uns.
Du lässt Gutes wachsen in unserer Mitte.
Du achtest auch auf das, was im Verborgenen geschieht.
Dafür danken wir dir.

Wir bitten dich:
Öffne unsre Augen für den Weg, der vor uns liegt, und geh ihn mit.
Bleibe bei uns – alle Tage und in Ewigkeit. Amen.

Lied: 266

Gott segne euren Blick zurück und
eure Schritte nach vorn.

Er bewahre euch die Erfahrungen an diesem Ort
und begleite euch auf dem Weg, der vor euch liegt,
und lasse euer Vertrauen wachsen, dass es gut wird, was geschieht.

So segne euch der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Geht hin im Frieden.
Amen.

Datum
18.01.2018
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