Als Christ im Iran

Auf der Flucht im Namen Jesu

Bibeln und Taufkerzen: In ihrem Heimatland hätten Nahid und Alan sie nie offen zeigen dürfen
Bibeln und Taufkerzen: In ihrem Heimatland hätten Nahid und Alan sie nie offen zeigen dürfen© Sybille Marx / MPKiZ

13. April 2015 von Timo Teggatz

Greifswald. Was es heißt, sein Leben für Jesus aufzugeben – der Iraner Alan und seine Frau wissen das nicht nur aus Büchern. In der iranischen Stadt Sanandadsch hat sich Alan zum Christen bekehrt. Er blieb – bis die Lage zu brenzlig wurde.

Zwei Fragen hat Pastor Torsten Kiefer schon gestellt, jetzt kommt die dritte: „Willst du getauft werden?“ Er schaut den Hünen mit dem sanften Gesicht an, der vor ihm im Altarraum der Greifswalder Johanneskirche steht. „Ja“, antwortet der, dann benetzt Kiefer die Haare des Mannes drei Mal mit Wasser und zeichnet ihm mit den nassen Fingern ein unsichtbares Kreuz auf die Stirn. „Du gehörst Jesus Christus.“

Erwachsene zu taufen, ist für den Pastor nichts Außergewöhnliches. Aber etwas an diesem Mann und seiner Frau, die sich ebenfalls kurz vor Weihnachten taufen ließ, war und ist besonders, sagt er. „Sie mussten alles aufgeben für ein Leben mit Jesus.“

„Iran ist Religion-Diktatur“

Zimmer 214 im Asylbewerberheim nahe dem Greifswalder Südbahnhof. Seit gut fünf Monaten leben der 37-jährige Alan und seine 31-jährige Frau Nahid hier auf wenigen Quadratmetern, in der Mitte eines langen Gangs, zwischen zig anderen Familien aus verschiedenen Ländern. Die Taufkerzen, die sie am 21. Dezember 2014 in der Johanneskirche bekamen, haben sie auf ein kleines Regal gestellt. Und im Fach darunter bewahren sie ein Buch auf, das sie in ihrer Heimat nie hätten besitzen dürfen: die Bibel, auf Persisch.

Ihre Nachnamen wollen Alan und Nahid lieber nicht in der Zeitung oder im Internet lesen, aber so viel geben sie preis: Aus Iran kommen sie, ganz traditionell als Muslime sind sie in ihren Familien aufgewachsen. Was sie hergetrieben hat, lässt sich im Grunde in zwei Sätzen sagen: Alan trat in Iran zum Christentum über, später auch Nahid. Dafür kann man dort mit Haft bestraft, sogar zum Tode verurteilt werden. „Iran ist Religion-Diktatur“, sagt Alan.

Nicht, dass vor der Bekehrung alles leicht gewesen wäre. Alan und Nahid sind Akademiker, doch als Kurden gehören sie zu einem Volk ohne Land, fühlten sich in Iran oft wie Menschen zweiter Klasse. Alan arbeitete im Vertrieb einer Ölfirma in der 140 000-Einwohner-Stadt Saqqez im Norden des Landes. Doch als er 2011 in einem Zeitungsinterview die Regierung kritisierte, habe man ihn ins größere Sanandadsch versetzt, fast 200 Kilometer weit weg. „Exil“, sagt Alan dazu.

Als es gefährlich wurde

Auch als Amateur-Ringer fühlte er sich ausgebremst. In einer Mappe bewahrt er Urkunden und Zeitungsartikel von seinen Erfolgen auf, auf vielen Fotos sieht man ihn in Siegerpose. Landesmeister im Ringen sei er fünfmal gewesen, erzählt er. Aber nie habe er zu wichtigen Turnieren wie Olympia fahren dürfen. Kurden hätten es schwer in Iran, sagt er.  „Aber nicht gefährlich.“

Gefährlich wurde es erst, als Alan in der neuen Stadt einen Philosophie-Professor kennenlernte. „Koran ist nicht von Himmel“, habe der immer gesagt. Alan tippt an seinen Kopf, lässt ihn hin und her wanken. Seine Zweifel am Islam seien im Laufe von drei Jahren und vielen Gesprächen mit dem Professor immer stärker geworden, erzählt er, die Neugier auf Jesus immer größer: auf diesen Mann, der statt Schlägen oder gar dem Glaubenskrieg die Nächstenliebe predigte. Alan kopierte sich Bibeltexte, Predigten und Lehr-Videos, las, diskutierte und wurde schließlich heimlich zum Christen. Nicht einmal Nahid wusste davon.

Dann legt Alan seine Unterarme übereinander, als seien sie gefesselt. Ein befreundeter Christ sei vergangenes Jahr festgenommen worden, erzählt er. Nach Angaben des Hilfswerks „Open doors“ kein Einzelfall, erst im Januar wurden wieder mehr als 20 Christen ins Gefängnis gesteckt.

„Entscheidung“, sagt Nahid. Alan habe ihr damals endlich anvertraut, was mit ihm los sei, habe von Gefahr und Flucht gesprochen – und davon, dass sie nicht mehr nach Hause könnten, weil die Polizei dort seine verbotenen Bibeltexte und Videos finden könnte. Er habe sie gefragt: „Kommst du mit mir oder nein?“

Deutsch üben mit Videos und Kursen

Darum leben die beiden jetzt fast 5000 Kilometer von ihren Familien entfernt in einem maroden Plattenbau und warten darauf, dass das Bundesamt für Migration ihren Asylantrag bearbeitet und sie als Flüchtlinge anerkennt. Nahid kämpft manchmal mit den Tränen, wenn man ihre Familie erwähnt. Ihr Vater spreche nicht mehr mit ihr, erklärt Alan. Die Familie sei so konservativ, den Wechsel zum Christentum könne sie nicht verzeihen.

Und in Greifswald darf das iranische Ehepaar noch keine Arbeit suchen, noch keinen Integrationskurs auf Staatskosten belegen. Mit Internet-Videos und in kostenlosen Caritas-Kursen üben beide Deutsch, erkämpfen sich mit jeder neuen Vokabel ein Stück Selbstständigkeit. Sonntags gehen sie in die Johannesgemeinde, genießen im Gottesdienst das Gefühl, ruhig zu werden. Erste Freunde haben sie gefunden, kürzlich machten sie mit ihnen im Gottesdienst Musik, Alan auf seiner gitarrenähnlichen Tar, Nahid mit Trommeln. „Sie bringen sich ganz selbstverständlich ein“, sagt Pastor Torsten Kiefer. „Das ist wirklich toll.“

Auch im Greifswalder Ringerverein ist man beeindruckt: Alan trainiert hier dreimal pro Woche Kinder und Jugendliche. Er komme gut an, erzählt Monika Groß vom Verein. Auch die Geschwindigkeit, mit der er Deutsch lerne, sei verblüffend. Und dann seine Freundlichkeit!

Das alte Leben ist Geschichte, das neue erst noch im Entstehen. Alan sieht es so: In Iran hatten sie ein  Haus, ein Auto, viel Geld. Jetzt sei alles weg. „Aber kein Problem“, sagt er. „Wir lieben Christus Jesus.“

100 Millionen Christen weltweit werden derzeit wegen ihres Glaubens verfolgt. Das gibt das Auswärtige Amt mit Verweis auf die Hilfsorganisation „Open Doors“ an. In Iran saßen Ende 2014 mindestens 92 Christen in Haft, die namentlich bekannt sind.

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