20. Jahrestag von Rostock-Lichtenhagen

Bundespräsident Gauck ruft zu Engagement gegen Rechtsextremismus auf

Das "Sonnenblumenhaus" im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen
Das "Sonnenblumenhaus" im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen© wikipedia, mc005

26. August 2012 von Simone Viere

Rostock. Bundespräsident Gauck nennt es ein "Brandmal für Rostock": Vor 20 Jahren gerieten in der Stadt bei tagelangen fremdenfeindlichen Ausschreitungen 150 Menschen in Lebensgefahr. Am Wochenende erinnerten Tausende an das Pogrom und warben für Toleranz.

 

20 Jahre nach den ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen ist in der Hansestadt mit zahlreichen Veranstaltungen an die Gewaltexzesse erinnert worden, bei denen unter dem Beifall von Anwohnern ein Wohnhaus von Vietnamesen in Brand gesetzt wurde. Bundespräsident Joachim Gauck und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) riefen bei der zentralen Gedenkveranstaltung am Sonntag zum  Engagement gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit auf. An einer Demonstration zum Ort des Pogroms am sogenannten "Sonnenblumenhaus" nahmen am Sonnabend mehrere tausend Menschen teil. 

Gauck: "Wichtig sind mutige Bürger, die nicht wegschauen"

Die Ereignisse von 1992 erzürnten und schmerzten ihn und seien bis heute "ein Brandmal für Rostock", sagte Gauck bei der Gedenkveranstaltung mit rund 2.000 Teilnehmern, darunter auch vier Vietnamesen, die bei den Ausschreitungen 1992 in Lebensgefahr waren. Wichtig seien mutige Bürger, die nicht wegschauen, und ein Staat, der fähig und willig sei, das Leben und die Würde der Menschen zu schützen.

Rechtsextremismus- und Flüchtlingsexperten kritisierten zum Jahrestag der Gewaltexzesse den Umgang mit rassistischen Vorfällen und warfen den Behörden Versagen bei der Bekämpfung von Neonazis vor. Die Sicherheitsbehörden hätten nicht nur 1992 in Rostock und bei der Terrorgruppe NSU versagt, sondern gingen auch in anderen Fällen oft nicht angemessen mit Straftaten der rechten Szene um, sagte David Begrich vom Magdeburger Verein Miteinander. Auch in Politik und Medien müsse kritischer reflektiert werden, "dass Lichtenhagen die Ouvertüre für ein ganzes Jahrzehnt rechtsextremer Gewalt war, das nie richtig aufgearbeitet wurde". Damals hätten die späteren NSU-Täter und andere Neonazis den Eindruck vermittelt bekommen, sie könnten ungestraft tun, was sie wollen. 

Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burghardt kritisierte, Rassismus werde "viel zu oft ignoriert". So würden rechtsextreme Anschläge bagatellisiert und rassistische Taten nicht aufgeklärt, bis hin zu einem "Totalversagen der Ermittler" bei den NSU-Morden. 

Bundespräsident Gauck, der selbst aus Rostock stammt und seit kurzem auch Ehrenbürger der Stadt ist, sagte, Hass dürfe niemals als Konfliktlösungsmittel geduldet werden, Die Demokratie dürfe sich das Gewaltmonopol niemals aus der Hand nehmen lassen. "Wir fürchten Euch nicht", sagte das Staatsoberhaupt an die Rechtsextremisten gewandt. "Unsere Heimat kommt nicht in braune Hände." 

Sellering: "Geschehene mahnt bis heute und in die Zukunft"

Bis heute seien Fragen von Asyl und Zuwanderung häufig Anlässe für Polemik und Panikmache, sagte der Bundespräsident, dessen Rede kurze Zeit von Sprechchören mit Vorwürfen wie "Heuchler" begleitet wurde. Deutschland sei jedoch ein Zuwanderungsland. Sellering sagte, an den "furchtbaren Ereignissen am Sonnenblumenhaus" gebe es "nichts zu beschönigen, nichts zu rechtfertigen, nichts zu relativieren". Das Geschehene "mahnt und verpflichtet uns bis heute und auch in Zukunft".

Am Rathaus von Rostock erinnert seit Sonnabend eine Gedenktafel an das Pogrom. Unmittelbar vor der Gedenkveranstaltung am Sonntag führte eine Fahrradsternfahrt mit etwa 1.500 Teilnehmern zum Sonnenblumenhaus, dort wurde auch eine Eiche zur Erinnerung an die schwersten fremdenfeindlichen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegsgeschichte gepflanzt. 

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