Gemeindezentrum Hamburg-Farmsen

Das „Café Freundlich“ ist ein Segen für Menschen mit Demenz

Im "Cafe Freundlich" können die Besucher lachen
Im "Cafe Freundlich" können die Besucher lachen© contrastwerkstatt / Fotolia

16. Februar 2015 von Timo Teggatz

Hamburg. Jeden Dienstag öffnet das „Café Freundlich“ im Gemeindezentrum Farmsen, seine Kunden sind Menschen mit Demenz. Es wird gefrühstückt, gespielt und gesungen. Hier können die Besucher endlich mal abschalten – wie Arnold Köster und seine erkrankte Frau Irene.

An viele Dinge erinnert sich Irene Köster sehr genau. Die zierliche 87-Jährige erzählt von ihrer Kindheit. Sie ist als einziges Mädchen in einer Familie mit fünf Brüdern aufgewachsen. Sie berichtet auch von ihrer Arbeit als Kindergärtnerin und von den eigenen Kindern, Enkeln und Urenkeln. Stolz öffnet sie das goldene Amulett, das sie an einer Kette um den Hals trägt: Zwei Fotos von ihren Enkelinnen bewahrt sie darin auf. Doch manchmal vergisst Irene Köster, mit wem sie gerade spricht. Ganz naheliegende Dinge fallen ihr oft nicht mehr ein. Vor einigen Jahren wurde bei ihr eine Demenz diagnostiziert. Damit teilt sie das Schicksal von 1,5 Millionen Deutschen.

Seit Mai vergangenen Jahres kommt Irene Köster jeden Dienstag ins „Café Freundlich“. Der Treffpunkt für Menschen mit und ohne Demenz wird vom Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeindeverband Rahlstedt organisiert. Regelmäßig kommen sechs Menschen mit diagnostizierter Demenz, die hauptamtliche Betreuerin Marlies Schanz, fünf Ehrenamtliche und Arnold Köster als Begleiter seiner Frau. Das Projekt wird geleitet von der Diakonin Dagmar Wiesmann-Neitzel.

 

"Früher hat Madame alles allein gemacht"

Irene Köster will seit einigen Monaten nicht mehr allein ins Café gehen. Daher wird sie begleitet von ihrem Ehmann Arnold. Der 89-Jährige sagt, er sei froh, sich hier „einfach mal an einen gedeckten Tisch setzen zu können“. Seitdem seine Frau erkrankt ist, hat er viele Arbeiten im Haushalt übernommen. „Ich backe öfter mal Rosinenbrot, außerdem koche ich jeden Mittag“, sagt er. Neulich gab es sogar Spanferkel, mit Wurzeln und Kartoffeln. „Früher hat Madame alles allein gemacht.“

Dienstags werden die Kösters von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin mit dem Auto abgeholt. Wenn sie und die anderen Gäste im Gemeindezentrum eintreffen, hat Marlies Schanz bereits das Frühstück vorbereitet. Der Tisch ist liebevoll gedeckt und mit Blumen, Kerzen und frisch gebackenen Mini-Gugelhupfen geschmückt. „Ich beziehe die Wünsche der Gäste bei der Vorbereitung mit ein“, sagt Schanz. Sie arbeitet am Diakoniezentrum Rahlstedt und leitet das Café Freundlich seit seiner Gründung im Jahr 2012.

Nach dem Frühstück liest Schanz zwei kurze Geschichten vor. Während die Stimmung beim Essen recht ruhig war, nehmen die Gäste nun interessiert Anteil: Sie hören zu, lachen oder machen eine kurze Bemerkung. „Das Buch richtet sich speziell an Menschen mit Demenz“, erklärt Schanz. „Die Geschichten sind einfach und klar geschrieben und meist auch witzig.“

Erbschaft finanziert das Café mit

Dann beginnt für alle der aktive Teil des Vormittags: Schanz und die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen stellen die Stühle zu einem Kreis zusammen. Für die erste Übung verteilen sie lange Taue aus zusammengeknüpften Tüchern. Bald hält jeder ein Stück Tuch in den Händen und alle haben die Aufgabe, leicht am Tau zu ziehen und es hochzuheben, mal im Sitzen, mal im Stehen. Dazu wird gesungen. „Es geht darum, beweglich zu bleiben und die Koordination zu trainieren“, erklärt Schanz. Die Übungen gestalte sie jede Woche ein bisschen anders. „Für Arbeits- und Spielmaterialien ist nur wenig Geld da, also improvisieren wir viel“, sagt sie.

Die Finanzierung des Cafés basiert auf zwei Säulen. Ein Teil der Mittel kommt aus dem Gemeindeverband Rahlstedt. „Eine ältere Dame hat uns ihr Vermögen vererbt“, erklärt Wiesmann-Neitzel, „unter der Bedingung, dass das Geld in Seniorenarbeit fließt.“ Der andere Teil kommt von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz. „Denn die Menschen, die zu uns kommen, haben Anspruch auf niedrigschwellige Betreuung“, so die Diakonin. Zum Angebot des Gemeindeverbands gehören auch Hausbesuche durch qualifizierte Ehrenamtliche. Dadurch sollen pflegende Anghörige entlastet werden. Für Arnold Köster ist es jedenfalls schön, „einen festen Termin außerhaus zu haben“, wie er sagt. Und seine Frau Irene schätzt, „dass hier alle ehrlich sind. Wenn einer von uns seinen Namen vergisst, dann sagen die anderen ihm das.“

Info

Die Gruppen trifft sich jeden Dienstag um 10 Uhr. Anmeldungen bei Dagmar Wiesmann-Neitzel unter Tel.: 040 / 60 56 66 75.

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