Twitter-Phänomen @grindbot

Kann eine Maschine auch trösten?

Eine Frage des Codes: Was macht ein Bot mit uns?
Eine Frage des Codes: Was macht ein Bot mit uns?© fotolia/Patrick Daxenbichler

24. November 2017 von Lena Modrow

Sein Name auf Twitter ist @grindbot – und wie der Name schon sagt, ist er ein Bot. Also ein Programm, das automatisiert, aber trotzdem fröhlich Nachrichten verbreitet, sich in Konversationen einmischt, Likes verteilt. Und das ist wie Balsam für die Seele der Community. Ein Interview mit seinem „Schöpfer“, dem Software-Entwickler Magnus Niemann alias @grindcrank.

Herr Niemann, sind Bots die besseren Twitterer?

Wahrscheinlich nicht, manchmal aber ja. Zumindest habe ich manchmal das Gefühl, mein Bot ist erfolgreicher als ich. Wenn man sich das anguckt: Der kann im Grunde genommen jeden Mist raushauen und bekommt selbst für den blödesten Tweet noch drei, vier, fünf Herzen. Und manchmal kommunizieren die Leute sogar mehr mit ihm als mit mir. Das ist schon ziemlich verrückt.

Dabei gibt er ja im Grunde nur wieder, was Sie auch in anderer Form schon einmal getwittert haben.

Ja, er hat als Korpus momentan alle meine Tweets – da ist es recht hilfreich, dass ich so viel poste auf Twitter. Er nimmt dann aus diesem Korpus ein zufälliges Wort – und lässt darauf ein Wort folgen, dass statistisch wahrscheinlich ist – also zum Beispiel ist wahrscheinlich, dass auf „guten“ „Morgen“ folgt. So bastelt er seinen Tweet zusammen. Das ist sehr banal, funktioniert aber überraschenderweise sehr gut, da das Korpus aus normalen Sätzen besteht, bei denen der Aufbau immer wieder gleich ist.

Wie schafft er es dann, auch auf seine Follower zu reagieren?

Es gibt auch Statistiken darüber, welche Wörter ich am meisten benutze und auf diese reagiert  der Bot dann auch mehr oder weniger in den Tweets von anderen. Er folgt ja Leuten und liest, was die schreiben, und dann schaltet er sich manchmal in Diskussionen ein oder antwortet. Er nimmt dann Wörter aus dem Tweet, den er gerade gelesen hat und reagiert mit seinem eigenen Korpus darauf – also bastelt mit diesen Wörtern etwas Neues daraus. Und das führt tatsächlich dazu, dass es so klingt, als würde er auf einen eingehen.

Der Grindbot twittert zuweilen Tiefsinniges.

Und dabei vergessen dann manche, dass sie überhaupt mit einem Bot reden?

Ein Twitterer hat mir mal so schön geschrieben: Das Faszinierende an dem Bot ist eigentlich nicht, was der macht. Sondern was er mit uns macht, wenn wir das lesen, weil wir sozusagen in die zufallsgesteuerten Antworten so viel hineininterpretieren. Der Bot hat schon so einen gewissen Charakter, der sich daraus ergibt, dass er viel von den Dingen wiederverwendet, die ich gesagt habe. Er stammt also sozusagen digital-genetisch von mir ab. Die Leute retweeten das dann und sagen aber: „Ach niedlich, was der Bot hier wieder gesagt hat“. Manchmal klingt er nach einer Variante von mir, die so ein bisschen kindlich und sehr unschuldig ist. Bei einer theologischen Diskussion kommt er schon mal disruptiv dazwischen und sagt Dinge wie: „Da komme ich jetzt mit Kuchen.“

Könnte so ein Bot überhaupt etwas mit Theologie anfangen?

Auf der Netzkonferenz Republica im vergangenen Jahr kam zusammen mit dem Journalisten Hannes Leitlein und der Internetbeauftragten der Nordkirche, Doreen Gliemann, die Diskussion auf, ob man nicht mal so etwas wie den Rewritten Bible Bot auf Deutsch machen könnte. Der Rewritten Bible Bot hat als Korpus eine alte Version der King James Bible und baut daraus neue Tweets. Da gibt es aber zum einen im Deutschen das Problem mit den Textrechten. Und dann ist es noch die Frage, ob das für die Menschen, für die die Bibel ganz heilig ist, überhaupt machen kann.

Kommt bei dem Bible-Bot etwas Sinnvolles heraus?

Manchmal ja, manchmal kommen auch so ganz seltsame Sachen. Es ist viel alttestamentarisches Zeug, das da zusammengebastelt wird. Hannes Leitlein machte in der Diskussion dann den Vorschlag, dass man als Korpus auch Seligpreisungen oder positive Segenssprüche nehmen könnte, die aus der Bibel stammen, um damit einen Segensbot zu bauen. Wie bei dem Segnungsroboter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau bleibt dann aber die Frage: Wer segnet da eigentlich wen? Wir stellten uns auch die Frage: Inwieweit wäre es möglich, einen Seelsorgebot zu bauen? Also etwas, das nicht komplett die Seelsorge übernimmt, aber mit dem Menschen tatsächlich einfach sprechen könnte, damit sie mit ihren seelischen Nöten fertig werden. Aber wäre das zulässig? Da treffen sich die zwei Disziplinen Informatik und Theologie, was sonst eher selten der Fall ist.

Der Grindbot wird aber doch schon von anderen Nutzern in einer Art vermenschlicht, oder? Die meisten fühlen sich besser, wenn sie mit ihm gesprochen haben, auch wenn klar ist, dass es sich nur um eine „Maschine“ handelt.

Das finde ich auch so amüsant. Immer wenn ich frage: „Soll ich ihn jetzt abschalten?“ Dann sagen alle: „Um Himmels Willen, bloß nicht!“ Es gibt da wirklich Leute, die sehr emotional darauf reagieren. Das birgt auch so faszinierende ethische Aspekte. Würde ich ihn töten, wenn ich ihn abschalte? Man kann ja eigentlich noch nicht einmal von Künstlicher Intelligenz sprechen. Eigentlich ist er nur so eine Art statistische Intelligenz. Aber dadurch, dass die Menschen so viel hinein interpretieren, wird es interessant. Deswegen ist dieser Bot eines meiner schönsten Projekte.

Zur Person

Magnus Niemann, Berliner und „digital native“, ist auf Twitter bekannt als @grindcrank.  Er hat nicht nur die Anfänge des Internets miterlebt, sondern auch die der „digitalen Kirche“ – als sie noch nicht einmal so hieß. Er ist Sohn eines Pastors und kam deshalb auch schon früh mit verschiedenen Glaubensströmungen in Berührung. In seiner Kirchengemeinde macht er Musik und – natürlich - auch mal was mit Computern. Aus dem IT-Bereich stammt auch sein Twitter-Pseudonym: Grindcrank ist ein imaginärer Hebel bei sehr alten Computern, den man herunterdrücken muss, damit die Maschine gleich viel schneller läuft.

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