Interview mit Propst Drope

"Der Kirchentag zeigt: Kirche ist nichts Angestaubtes"

© Deutscher Evangelischer Kirchentag / Stephan Schütze

22. Februar 2019 von Lena Modrow

Propst Thomas Drope ist Vorsitzender des Landesausschusses der Nordkirche für den Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT), der 2019 in Dortmund stattfindet. Im Interview erzählt er, warum Vertrauen ein so großes Thema ist, die Dortmunder als Gastgeber besonders herzlich sind und der Kirchentag sich eigentlich wie ein Sauerteig verhält.

Wann waren Sie zum ersten Mal auf einem Kirchentag?

Das war 1981 in Hamburg unter dem Motto „Fürchte dich nicht“. Da war ich 17 Jahre alt und habe in meiner Kirchengemeinde ehrenamtlich geholfen. So kam ich dann auch zu den Veranstaltungen auf dem Messegelände. Massen von Menschen waren da und es gab einen großen Abschlussgottesdienst im Stadtpark. Woran ich mich noch erinnern kann: Das Wetter war ziemlich durchwachsen. (lacht)

Aber er muss ja trotzdem einen ganz schönen Eindruck bei Ihnen hinterlassen haben…?

Das war der Kirchentag, der unter dem Zeichen von Nachrüstungsdebatte und Friedensdemonstrationen stand – und da konnte man sehen: Es gibt eine ganze Menge Kirchenleute, die sich da politisch engagieren. Ich habe gedacht: Wenn Kirche das so machen kann, ist das auch etwas für dich, wo du mal später aktiv werden kannst. Der Kirchentag war auf jeden Fall ein Impuls dafür. Er zeigte: Kirche ist nichts Angestaubtes, sondern beschäftigt sich auch mit aktuellen Themen. Und schafft eine Verbindung zwischen vielen Menschen.

Der Propst steht in Hemd und Tweedjacke draußen, im Hintergrund unscharf eine Straße und ein Gebäude
Propst Thomas Drope

Würden Sie deswegen auch denen, die noch keine Kirchentagserfahrung haben, raten, einmal dabei zu sein?

Ich weiß nicht, wie sich manche so in diesen Menschenmassen zurechtfinden. Aber ich würde immer sagen: Probiere es aus. Schau dir das Kirchentagsangebot an. Da ist für jeden etwas dabei, der sich mit dem Glauben und darüber hinaus beschäftigt. Der Markt der Möglichkeiten ist immer anregend. Ich habe mir lange Zeit auch viel Kabarett auf dem Kirchentag angesehen – das gibt’s nämlich auch.

Was wird denn in diesem Jahr das Besondere in Dortmund sein?

Zuerst einmal ist Dortmund nicht so eine riesige Stadt wie Berlin vor zwei Jahren, und dann waren da ja noch die „Kirchentage auf dem Weg“. Da waren viele Leute genervt und fragten irgendwann: „Wo ist denn jetzt eigentlich Kirchentag?“ Jetzt haben wir eine Stadt, die mit 600.000 Einwohnern recht überschaubar ist und wo alles zentraler stattfinden kann. Da wird jeder merken: Hier ist Kirchentag. Und dann ist Dortmund einfach als Stadt sehr interessant, weil sie einen Strukturwandel hinter sich hat. Vom Kohle- und Erz-Ort weg zu einer ganz modernen Metropole mit digitalen Unternehmen, die sich da neu aufstellen.

Welche Eindrücke haben sie bei der „Erkundungsfahrt“ mit dem Landesausschuss gesammelt?

Wir haben gemerkt, dass die Leute dort sich wahnsinnig darauf freuen, Gastgeber für den Kirchentag zu sein. Das geht bis in die Kneipen hinein: Wir waren an einem Wochenende da, an dem Borussia gespielt hat, und da war abends natürlich alles voll in der Stadt. Aber man hat alles möglich gemacht, um uns als Gruppe noch an zwei Tischen unterzukriegen. Und die Kellner sagten: „Das machen wir hier so, das gehört dazu.“ Also alles sehr freundlich und herzlich.

Beim diesjährigen Kirchentag ist ja das Motto „Was für ein Vertrauen“ – warum passt das gerade 2019?

Das Interessante mit den Kirchentagslosungen ist, dass sie immer schon knapp zwei Jahre im Voraus gefunden werden – diese hier jetzt auch. Die Leitfrage ist also immer eine Zeitfrage: Was ist das große Thema, das uns gerade beschäftigt? Vertrauen ist es jetzt, weil vieles, worauf Menschen in den letzten Jahrzehnten so vertraut haben, in Zweifel gezogen wird. Etwa, wenn der amerikanische Präsident von Fake News spricht und damit die freie Presse angreift. Oder wenn 107 Lungenfachärzte sagen, das mit den Grenzwerten stimmt ja nicht und sich dann nachher rausstellt, die 107 Fachärzte haben sich einfach verrechnet. Dann ist auch das Vertrauen in die Wissenschaft erschüttert. Wir erleben zur Zeit überall, dass sich Menschen für das Vertrauens-Thema sehr interessieren.

So ein Kirchentag läuft ja „nur“ über fünf Tage – wie viel kann man da überhaupt bewegen, das in die Gesellschaft hineinwirkt?

Zur Person

Thomas Drope ist Propst im Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein und seit zehn Jahren Vorsitzender des Landesausschusses der Nordkirche zum Kirchentag. Auf dem 37. Deutschen Kirchentag (DEKT) in Dortmund vom 19. bis 23. Juni ist er vor Ort vor allem an Angeboten im Zentrum Bibel beteiligt.

Landesauschuss Nordkirche

Das lässt sich vorher schwer sagen. Man sollte es aber auch nicht überhöhen. Es gibt in der Bibel ein Beispiel, dass das Evangelium im Grunde wirkt wie ein Sauerteig – und ähnlich ist es auch mit der Wirkung des Kirchentags. Sie breitet sich langsam aus, aber sie ist auf Dauer. Dass ich Pastor geworden bin, Propst, hängt eben auch damit zusammen, dass damals der Sauerteig des Kirchentages mal ganz klein war und sich dann weiter ausbreiten konnte. So ist es vielen anderen auch gegangen. Interessanterweise feiert der Kirchentag in diesem Jahr den 70. Geburtstag, ebenso wie die Bundesrepublik. Ihre Gründer waren auch Mitbegründer des Kirchentags. Beides, Kirchentag und Bundesrepublik, haben sich gegenseitig beeinflusst. Und ebenso wie der Kirchentag damals ein wichtiges Forum für gesellschaftliche Themen war, ist er es heute auch noch.

Der Kirchentag 2019 in Dortmund

Der diesjährige Kirchentag findet vom 19. bis 23. Juni in Dortmund statt, wo bis zu 100.000 Besucher erwartet werden. Jetzt stehen auch die Predigerinnen für den Abschlussgottesdienst statt: Am 23. Juni im Signal Iduna Park hält Sandra Bils, Pastorin der ökumenischen Bewegung Kirchehoch2 aus Hannover, die Predigt. Parallel dazu auf der Seebühne im Westfalenpark spricht Kristin Jahn, Superintendentin des mitteldeutschen evangelischen Kirchenkreises Altenburg.  

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