14. Januar 2017 | Hamburg-Steilshoop, Martin Luther King Gemeinde

Die Freiheit eines Christenmenschen

14. Januar 2017 von Kirsten Fehrs

Grußwort zur Festveranstaltung Martin Luther King-Tag

Sehr geehrter lieber Jeremy Fowler, - es ist wunderbar und mir eine Ehre, Sie kennenzulernen, danke für Ihre eindrucksvolle Rede!
Sehr geehrter, lieber Herr Maibaum,  - danke auch für Ihren großartigen Rückblick,
liebe Konfirmand*innen – das habt Ihr eben sensationell dargestellt!

Liebe Schwestern und Brüder,

„wir wollen kein Gedenken zelebrieren, sondern einen Geburtstag feiern“ – so haben Sie, lieber Herr Dr. Holzbauer, diesen Tag uns gegenüber eingeführt. Das passt, habe ich gedacht. In dieser Gemeinde muss ich immer feiern… Scherz beiseite: Wie sehr das Feiern verbindet, erleben wir ja gerade!  Es verbindet Einheimische und Fremde, Alte und Junge, Frauen und Männer. Und: den Menschen mit Gott.

Gerade in unserer Zeit ist jedes Signal, sich verbinden zu wollen, so enorm wichtig. Angesichts all der Trennungen und Spaltungen in so vielen Ländern, in der Türkei, in Russland. Und selbst in den USA, in denen in wenigen Tagen eine Regierung antritt, deren erste Maßnahme es sein wird, eine Mauer zu bauen. Ein Bollwerk, das die Menschen aus dem Süden fernhalten soll, die oft für wenige Dollar in den Häusern der Reichen schuften. Beschlossen von einer Regierung, die zum Großteil aus Milliardären besteht.

Gerade jetzt braucht es deshalb Signale der Freundschaft. Es braucht die Solidarität der Hoffenden, lieber Jeremy Fowler, über Grenzen hinweg! Es ist so wichtig, dass Sie heute gekommen sind! Diese Freundschaft der Demokraten zu stärken, liebe Geschwister, darum geht es, gerade jetzt.

Es gibt so viele Menschen in den USA ebenso wie bei uns, die aufstehen gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Martin Luther King war ein solcher Mann. Ich habe erst in der Vorbereitung auf diesen Tag von der besonderen Beziehung zwischen ihm und unserem Land erfahren. Gerade mal fünf Jahre war der kleine Michael King alt, als sein Vater, der auch Michael King hieß und ein Baptistenpastor war, ihn mitnahm zu einem Baptistenkongress nach Deutschland, 1934 war das. Nach dieser Reise änderte Michael King senior seinen Namen und den seines Sohnes in Martin Luther King. Es heißt, dass Vater King so stark beeindruckt war von Martin Luthers Leben und Werk, dass er sich von seinem Namen, aber auch in seiner Haltung an ihn gebunden hat. Eine Haltung des Mutes. Und der Freiheit. Und ich musste sofort daran denken, dass ja auch Luther selbst strenggenommen seinen Namen geändert hat. Von „Martin Luder“ in „Martin Luther“, abgeleitet von griechisch „E-leutherius“ – „der Befreite“. Darum ging`s: Die Freiheit eines Christenmenschen!

Genau 30 Jahre später kam der inzwischen berühmte Martin Luther King Jr. erneut nach Berlin. Die Zeiten hatten sich geändert. Die Stadt war geteilt, eingeladen hatte ihn Willy Brandt, damals Regierender Bürgermeister, schon 1961. Doch zu dieser Hoch-Zeit der Rassenunruhen in den USA wollte King seine Heimat lieber nicht verlassen. Erst im September 1964 kam er und sprach zunächst auf der Waldbühne in West-Berlin, vor 20.000 Menschen. Er begeisterte sie mit den Worten: „Überall, wo Menschen trennende Mauern niederreißen, erfüllt Christus seine Verheißung. In diesem Glauben werden wir gemeinsam für die Freiheit aufstehen in der Gewissheit, dass wir eines Tages frei sein werden.“  

Am Abend dann wollte er auch in Ostberlin predigen. Kurz zuvor hatten DDR-Grenzer einen Flüchtling erschossen. Aus Furcht vor Spannungen riet die US-Stadtkommandantur ihm dringend ab – vorsichtshalber behielt sie gleich seinen Pass ein. King wäre vermutlich nicht King gewesen, wenn er sich daran gehalten hätte. Er fuhr einfach ohne Pass zum Checkpoint Charly und zeigte dort seine Kreditkarte vor. Die DDR-Grenzer akzeptierten, hielten sie ihn doch irgendwie auch für einen Verbündeten. Wenn die gewusst hätten…Denn am Abend predigte Martin Luther King in der Marienkirche, 3000 Menschen waren gekommen, viel mehr, als in die Kirche hineinpassten.

King sprach über den gewaltlosen Kampf für die Freiheit. Der Kirchenchor sang das alte Spiritual „Go Down, Moses“ – und als es immer wieder hieß:„Let My People Go“… hatte jeder verstanden, was gemeint war. Noch heute sagen Menschen, die dabei waren: Die Erinnerung an diesen Moment habe ihnen 1989 Mut gegeben.

Zwei Ereignisse, eine Geschichte vom Geben und Nehmen: Als Fünfjähriger nahm der kleine Michael King etwas aus Deutschland mit: Den großen Namen Martin Luther. Als 35-Jähriger brachte er etwas nach Deutschland zurück. Hoffnung. Einen Traum: Trennende Mauern niederzureißen. Und es dauerte nur 25 Jahre, bis diese Vision Wirklichkeit wurde, liebe Geschwister!

Doch die Verwirklichung eines anderen Traums steht noch aus. King hat ihn in seiner berühmten Rede 1963 formuliert, wir haben daraus eben gehört. („Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne von früheren Sklaven und die Söhne von früheren Sklavenbesitzern auf den roten Hügeln von Georgia sich am Tisch der Bruderschaft gemeinsam niedersetzen können. Ich habe einen Traum, dass eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der mit der Hitze der Ungerechtigkeit und mit der Hitze der Unterdrückung schmort, zu einer Oase der Freiheit und Gerechtigkeit transformiert wird.“): „Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden.“

Gerade wenn man diesen Satz Martin Luther Kings liest und hört, könnte man denken: Wie traurig, dass das nach über 50 Jahren immer noch nicht verwirklicht ist. Weder in den USA noch hier bei uns. Denn noch immer durchziehen Spaltungen unsere Gesellschaft, noch immer spielen Hautfarbe und Herkunft eine viel zu große Rolle. Noch immer wird viel zu oft gefragt: "Wo kommst du eigentlich her?" statt: "Wo wollen wir eigentlich gemeinsam hin?"

Und dann denke ich: Hey, schau dich um, z.B. in dieser Gemeinde. In der sich etliches verändert, immer wieder, und wo Menschen unterschiedlichster Herkunft eine Heimat finden. So wie es vielerorts geschieht in unserer Kirche und in dieser Stadt. Nicht nur ich, wir alle hier haben diesen Traum. Und wer sagt eigentlich, dass das ein Traum bleiben muss?

Und so zähle ich auf euch und eure Träume. Ich zähle auf euren Mut, eure Liebe zum nahen und zum fernen Nächsten. Und ich zähle auf eure Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Ihr seid ein Teil dieser weltweiten Gemeinschaft derjenigen, die sich nicht entmutigen lassen, sondern die dem nachfolgen, der die Gerechtigkeit Gottes lebt: Jesus Christus, der immer wieder Menschen beruft, die ihm nachfolgen. Martin Luther, Martin Luther King, euch...So feiere ich gerne mit euch den Geburtstag dieses großen Mannes, der morgen 88 Jahre alt werden würde. Happy Birthday, Martin Luther King! God bless you! God bless all of you.
AMEN.

Datum
14.01.2017
Quelle
Stabsstelle Presse und Kommunikation
Von
Kirsten Fehrs
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