Evangelische Zeitung

Die Kirche auf dem Land - viel Freiraum für Glauben

In der Fernsehserie "Die Kirche bleibt im Dorf" zeigt der SWR jeweils montags um 20.15 Uhr einen Seelsorger, der auf seinem Motorroller im Talar von Dorf zu Dorf fährt, um seine "Schäfchen" zu treffen. (© SWR Pressestelle)
In der Fernsehserie "Die Kirche bleibt im Dorf" zeigt der SWR jeweils montags um 20.15 Uhr einen Seelsorger, der auf seinem Motorroller im Talar von Dorf zu Dorf fährt, um seine "Schäfchen" zu treffen. (© SWR Pressestelle)© SWR-Pressestelle/Fotoredaktion

25. April 2013 von Simone Viere

"Die Kirche muss im Dorf bleiben!" Das sagt sich immer so leicht. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Das Gebäude oder die Gemeinde? Der Hannoversche Landesbischof Ralf Meister drehte den Satz anlässlich eines Gemeindebesuchs einfach einmal um: Klar müsse die Kirche im Dorf bleiben, "aber das Dorf muss auch in der Kirche bleiben", forderte der Theologe. Denn angesichts gesunkener Gemeindegliederzahlen auf dem Land müssen Pastoren nicht nur in Niedersachsen zum Teil mehrere Gemeinden betreuen. Damit dabei die Bindungen nicht verloren gehen, muss sich die Kirche auf dem Land etwas einfallen lassen. Und das tut sie:

Schützenfest! In den Straßen des Dorfes wehen die Fahnen. Ehrenpforten schmücken die Hofeinfahrt des amtierenden Schützenkönigs. Vom Festplatz klingen die Musik des Spielmannzugs und das Juchzen der Kinder im Kettenkarussell. Am Abend ist Königsball im Festzelt. Der neue Schützenkönig genießt (und begießt) sein Glück und lässt sich feiern.

Ehrensache - Gottesdienst zum Schützenfest

Doch ganz gleich wie lange die Feier währt, am nächsten Morgen, pünktlich kurz vor zehn Uhr sitzen die Schützen wieder im Festzelt. Das ist Ehrensache. Denn heute ist Gottesdienst zum Schützenfest. Die Dorfbewohner machen sich ebenso auf den Weg zum Festzelt. Der Kirchenchor singt, der Posaunenchor musiziert. Einige Schützen wirken bei Fürbitte und Lesung mit. Die gute Botschaft wird dort verkündet, wo sie hingehört: mitten im Dorf. Den Menschen, die hier miteinander leben, leiden und feiern.

Der Gottesdienst auf dem Schützenfest, wie er in diesen Monaten mancherorts gefeiert wird, ist ein Beispiel dafür, wie das dörfliche Leben Begegnungsmöglichkeiten von Kirche und Dorf, Glaube und Alltag schafft. Begegnungsmöglichkeiten, von denen kirchliche Arbeit und dörfliches Leben gleichermaßen profitieren. Dorfbewohner wie Gemeindeglieder helfen dabei, die Welt des christlichen Glaubens mit ihrer übrigen Lebenswelt zu verbinden.

Verzahnungen von Glaube und Alltag, von Kirche und Dorf 

Beispiele für solche Verzahnungen von Glaube und Alltag, von Kirche und Dorf gibt es viele: Bei den großen Veranstaltungen im Dorfleben, wie im Gemeindeleben, stimmen alle Beteiligten sich ab, koordinieren ihre Termine und unterstützen sich nach besten Kräften. Die Mädchen aus dem Kinder-Gottesdienst sind begeistert, wenn sie die jugendliche Mitarbeiterin beim Handball-Training wiedersehen; offensichtlich kennt sie nicht nur tolle Geschichten aus der Bibel, sondern hat überdies eine beachtliche Wurftechnik. Und wenn der Bürgerbus, der wochentags den öffentlichen Nahverkehr ersetzt, am Sonntag die weniger mobilen Gottesdienstbesucher befördert, hilft dieses dem Bürgerbus-Verein genauso wie der Kirchengemeinde.

Kleine Impressionen, in denen sich die Potenziale im Miteinander von Kirche und Dorf, Glaube und Alltag auch für die zukünftige Arbeit der Kirche andeuten. Eine Arbeit, die darin bestehen sollte, Menschen in ihrem Lebensumfeld das Evangelium zu verkünden und sie dabei zu unterstützen, ihrem Glauben im Leben Gestalt zu verleihen. 

Chancen der Kirche auf dem Dorf wahrnehmen

Nachdem der EKD-Reformprozess die Kirchen im ländlichen Raum bislang eher am Rande bedacht hat, ist es an der Zeit, diese Chancen wahrzunehmen und für das Leben, für den Glauben der Menschen im ländlichen Raum zu nutzen. Kirche und Dorf, Glaube und Alltag können vielfältige Partnerschaften eingehen oder Begegnungsräume schaffen, die der Entwicklung des ländlichen Raums an sich ebenso dienen wie der kirchlichen Arbeit. 

Wenn das aber gelingt, hat unsere Kirche in manchem Dorf – Struktur- und demographischer Wandel hin oder her – ihre beste Zeit noch vor sich. Und das nicht nur am Sonntag beim Gottesdienst zum Schützenfest.

Info: Harm Cordes ist Pastor der Landeskirche Hannovers. Er ist momentan in Elternzeit und lebt in Kirchlinteln. Er ist Autor des Buchs  „Kirche im Dorf – Glaube im Alltag“, Ev. Verlagsanstalt, Leipzig 2013, 18,80 Euro.

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