Ersatz für Kollegen in Sabbatzeit

Diese Pastorin ist als ständige Vertretung im Einsatz

Ulrike Wenn schließt alle drei Monate eine neue Kirchentür auf
Ulrike Wenn schließt alle drei Monate eine neue Kirchentür auf© Privat

02. Juni 2015 von Timo Teggatz

Hamburg. Alle drei Monate kommt sie in eine neue Gemeinde: Ulrike Wenn arbeitet als Vertretung für Pastoren, die sich eine Sabbatzeit nehmen. Für die Pastorin ist es eine spannende Arbeit. Und sie sagt, dass auch die Gemeinde profitiert, wenn ihr angestammter Pastor mal nicht da ist.

„Total interessant“ finde sie es, neue Kirchen zu entdecken, sagt Pastorin Ulrike Wenn. Wie viele sie schon gesehen hat, das zählt die Hamburgerin schon gar nicht mehr. Sicher ist aber eines: Alle drei Monate kommt eine neue Kirche dazu, die die 47-Jährige intensiv erkunden kann. Denn Ulrike Wenn arbeitet als Vertretung für Pastoren, die eine Sabbatzeit einlegen. Alle drei Monate geht sie in eine neue Gemeinde – und in eine neue Kirche.

Es ist eine ungewöhnliche Arbeit, die Ulrike Wenn zusammen mit zwei Kollegen für den Kirchenkreis Hamburg-Ost macht. Dass sie viermal im Jahr eine neue Gemeine kennenlernt, findet sie gut: „Alle drei Monate lerne ich neue Menschen kennen“, erzählt sie. Es sei faszinierend zu erleben, wie vielfältig kirchliches Leben in Hamburg daherkomme.

Bis zu 20 Stunden pro Woche im Auto

Seit Anfang 2011 ist Wenn im Einsatz, wenn sich Kollegen eine Auszeit nehmen wollen. Damals wollte sie etwas Neues anfangen, nachdem sie zehn Jahre lang als Gemeindepastorin in Hummelsbüttel gearbeitet hatte. Und Ulrike Wenn fand die Herausforderung in einer neuen Stelle, die der Kirchenkreis Hamburg-Ost gerade geschaffen hatte. In der Nordkirche können Pastoren eine dreimonatige Auszeit nehmen, nachdem sie sechs Jahre lang ohne Unterbrechung im Dienst gewesen sind. Davon machen die etwa 200 Gemeindepastoren des Kirchenkreises reichlich Gebrauch: Wer in eine Sabbatzeit gehen möchte, muss momentan anderthalb bis zwei Jahre warten. Kein Wunder also, dass die drei Stellen der Pastoren gerade bis 2020 verlängert worden sind. Neben Ulrike Wenn springen auch Anette Sandig und Olaf Krämer für Kollegen ein.

Momentan arbeitet Wenn in der Gemeinde St. Jürgen-Zachäus in Langenhorn. Für sie ist das praktisch, denn dort lebt sie auch privat. Doch so komfortabel hat die Theologin es nicht immer: 17 Einsätze in 15 Gemeinden hat sie schon hinter sich, im gesamten Kirchenkreis Hamburg-Ost. „Manchmal verbringe ich bis zu 20 Stunden pro Woche im Auto“, berichtet sie. Als nächstes springt sie in einer Gemeinde in Poppenbüttel ein, keine drei Kilometer von ihrem Wohnort entfernt.

"Frischer Blick" auf die Gemeinde

Wenn sie in eine Gemeinde kommt, übernimmt sie Routine-Aufgaben: Sie feiert Gottesdienste, leitet Taufen, Trauungen oder Beerdigungen. Auch beim Unterricht der Konfirmanden kann sie schnell und problemlos aushelfen. Schwieriger wird es bei größeren Projekten des Pastors oder etwa bei Konfi-Freizeiten. Es sei besser, wenn das der Kollege übernehme, sagt Ulrike Wenn, die für ihre Aufgabe eine Zusatzausbildung als Mediatorin und Gemeindeberaterin gemacht hat.

Für die Gemeinde bedeutet die Sabbatzeit ihres Pastors eine „Riesen-Chance“, so Ulrike Wenn. Denn die Menschen würden in dieser Zeit lernen, selbstständiger zu arbeiten. „Und am Ende sehen sie dann: Wir können auch ohne unseren Pastor einiges auf die Beine stellen.“ Das bedeute für den zurückkehrenden Pfarrer eine große Entlastung.

Und es gibt einen weiteren Effekt, von dem die Gemeinde profitiert: Auf alles in der Gemeinde hat Pastorin Wenn einen „frischen Blick“. Das könne ein altes Plakat in der Kirche genauso sein wie ein alter Teppich oder eine Sakristei, die mal wieder entrümpelt werden müsste. Doch wichtig ist ihr, nicht viel zu verändern: Wenn plötzlich eine andere Person auf der Kanzel stehe, dann sei die Veränderung schon groß genug.

Plädoyer für mehr Sabbaticals

Kommt für sie selbst auch eine Sabbatzeit infrage? „Momentan nicht, denn die Arbeit macht viel Spaß“, sagt sie. Doch um Überstunden abzufeiern, habe sie mal drei Monate Urlaub gemacht – eine schöne Erfahrung. „Solche Auszeiten sind wichtig für die Seele“, sagt Ulrike Wenn. Deshalb plädiert sie dafür, Sabbaticals in der Arbeitswelt auszubauen.

Zum Abschied von einer Gemeinde hat Ulrike Wenn ein Ritual: Wenn sie ihren letzten Gottesdienst feiert, gibt sie den Schlüssel für die Kirche wieder zurück – an den Küster oder ein anderes Mitglied der Gemeinde. Ein symbolischer Akt, der auch für sie selbst einen Abschluss bedeutet.

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