Gedenken

Diskussion um Kriegerdenkmale: Ist das noch zeitgemäß oder kann das weg?

Friedensdenkmal eines schwebenden Engels aus dem Güstrower Dom von Ernst Barlach.
Friedensdenkmal eines schwebenden Engels aus dem Güstrower Dom von Ernst Barlach.© Schiwago, Wikimedia Commons

12. Mai 2014 von Simone Viere

Güstrow. Dass wir mit den Kriegstoten leben müssen, darüber waren sich die Teilnehmer einer Tagung der evangelischen Akademie der Nordkirche am Wochenende in Güstrow einig. Für die Frage nach dem "Wie?" scheint aber immer noch viel Klärungsbedarf zu bestehen.

Da gibt es in einer Kirchengemeinde Bestrebungen, eine Tafel aus den 1920er Jahren für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wieder in der Kirche aufzuhängen. Auf dem Friedhof einer anderen Kirchengemeinde steht ein Kriegerdenkmal mit der Aufschrift "Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben müssen", das jedes Jahr von jungen Menschen geputzt wird. Wie soll damit umgegangen werden? Eine Patentlösung lieferte die Güstrower Tagung nicht.

Eine Patentlösung zum Umgang mit Kriegerdenkmälern lieferte die Tagung nicht

Ein Soldatendenkmal könne noch so scheußlich sein, es sei immer noch gut, junge Menschen daran zum Frieden zu erziehen, meinte ein Teilnehmer. Akademieleiter Klaus-Dieter Kaiser plädierte dafür, kommentierende Zusätze zu alten Kriegerdenkmälern möglichst wenig belehrend zu formulieren. Ein anderer Mann gab zu bedenken, dass Kriegsdenkmäler auch Ausdruck der Kulturgeschichte seien und erhalten werden sollten. Zugleich müsse aber auch verhindert werden, dass sie missbraucht werden.

Beispiele, wie das gehen könnte, wurden auf der Tagung auch benannt. Etwa die jährlichen Friedensfeste auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Oder die drei künstlerisch gestalteten Tafeln, die 1994 in Hamburg-Altona als Aktualisierung zu einem Kriegerdenkmal von 1925 aufgestellt wurden. Beide Aktivitäten sollen verhindern, dass weiter neonazistische Aktivitäten von diesen Orten ausgehen.

Dass Kunst besonders gut geeignet ist, um mit den Toten ins Gespräch zu kommen und nicht über sie zu richten, davon zeigte sich der Hamburger Theologieprofessor Wolfgang Grünberg überzeugt. Ein großartiges Beispiel sei Ernst Barlachs "Schwebender" im Güstrower Dom (Mecklenburg). Der sogenannte Engel führe einen zum Nachdenken. Wir hätten Fragen zu stellen und nicht Urteile zu fällen zum Kriegsgeschehen, sagte der Theologe.

Barlachs "Schwebender" führe einen zum Nachdenken, so Grünberg

Das als Ehrenmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges gedachte Barlach-Werk im Güstrower Dom hatte allerdings ein Schicksal, das auch andere Kunstwerke zum Thema Krieg teilen: Der "Schwebende" wurde 1937 von den Nationalsozialisten entfernt und während des Zweiten Weltkriegs für neue Kanonen eingeschmolzen. 1953 kehrte er als Drittguss zurück.

Barlachs Entwürfe für ein Ehrenmal in der Nikolaikirche Stralsund wurden sogar gleich ganz von den Nazis abgelehnt, berichtete Studienrätin Margrit Schimanke aus Lübeck, die sich im Rahmen einer geplanten Dissertation mit Denkmälern des Ersten Weltkrieges in Mecklenburg-Vorpommern befasste. Eine der spannendsten Geschichten für den Umgang mit vorhandenen Denkmälern ist für die Gymnasiallehrerin das 1927 in den Dünen von Warnemünde eingeweihte Denkmal des Rostocker Architekten Walter Butzek.

Es hatte eine für Mecklenburg einmalige expressive Form für ein Kriegerdenkmal aus Backsteinen. "Frei jeder Mythologisierung des Kriegstodes und ohne figürliches Beiwerk schuf der Architekt sein Ehrenmal", sagte Schimanke. Das fand mit dem Wechsel des Zeitgeistes allerdings immer weniger Freunde: Bereits 1938 wurde das Denkmal abgerissen.

Grünberg: Kirche könnte mehr dafür tun, Trauerrituale im Hinblick auf Kriege zu entwickeln

Für den heutigen und künftigen Umgang mit Kriegerdenkmälern im kirchlichen Bereich empfahl Professor Grünberg der Nordkirche, Richtlinien zu erarbeiten. Auch könnte in Deutschland die evangelische Kirche nach Ansicht Grünbergs noch mehr dafür tun, Trauerrituale im Hinblick auf Kriege zu entwickeln. Dabei sollten die Bitte um Vergebung auch für Verstorbene und ein Schuldbekenntnis eine Rolle spielen, meinte der Theologe.

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