12. März 2017 | Hauptkirche St. Michaelis

Ein Bild mit Aussicht und der Hoffnung

12. März 2017 von Kirsten Fehrs

Reminiszere, Grußwort anlässlich des Jahresempfanges 2017 von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

Anrede,

ich freue mich sehr, dass ich heute Abend bei Ihnen zu Gast sein darf. Bin ich der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ immer schon wegen des Aktiven so verbunden. Immer wieder bin ich beeindruckt von Ihren vielseitigen, ideenreichen Aktivitäten, der lebensnahen Bildungsarbeit und der Feinfühligkeit, mit der Versöhnung gelebt wird. Denn dazu muss man sich ja einlassen. Auf schwere Geschichte. Und verletzte Menschen. Auf den Schmerz mancher Erinnerung. Auf einen Dialog also, der die Infragestellung kennt und um die eigene Vergebungsbedürftigkeit weiß. Gerade ihnen gegenüber, die Opfer wurden des Naziregimes.

Versöhnung ist Dialog, in dem die Alten den Jungen Gastfreundschaft gewähren in ihren Gedanken und ihrer er-innerten Geschichte. Und in dem die Jungen die Alten aufwärmen mit ihrer offenen Art und Herzlichkeit. Allein die Fotoaktion und das Foto der Einladung spricht Bände.

Diese Begegnungen mit den Opfern und mit ihren Nachkommen sind es, die wir heute so unbedingt brauchen. Begegnungen über Grenzen hinweg in einer Welt, die auf’s Neue bedroht ist durch Abgrenzung und Ausgrenzung und von wütenden Despoten diesseits und jenseits des Atlantiks. Es braucht eine Hoffnung gegen das Unrecht und diese völlig hemmungslose Friedlosigkeit!

Vor einigen Tagen fiel mir, ganz zerfleddert und ergo gern gelesen, ein Gedichtband in die Hände von einem, der hemmungslos dem Frieden glaubte. Erich Fried. Störenfried oft auch. Darin finden sich so schöne Worte wie dieses:

Weltfremd

Wer denkt
dass die Feindesliebe
unpraktisch ist
der bedenkt nicht
die praktischen Folgen
der Folgen
des Feindeshasses

Übrigens eine Replik auf den von mir sehr verehrten Helmut Gollwitzer.

Ich habe weitergeblättert, mich festgelesen, mich erinnert. An die Friedensgruppenzeit Anfang der 80-er. Da entstand eine Dynamik für sich - auf einmal waren da die unterschiedlichsten Menschen gemeinsam unterwegs, die wohl sonst kaum viel miteinander anfangen konnten. Die Marxistisch-Leninistischen, freiheitlich Demokratischen bis hin zu konservativ Kirchenfrommen – alles dabei. Viele von uns hier ja auch. Demos in Mutlangen, Bonn. Von Lähmung keine Spur. Vielmehr Aufbruch – das Ziel war klar. Dringlich. Aufs Dach gestiegen wurde der Politik eines Nato-Doppelbeschlusses, heruntergelassen die Fassade der Aufrüstungslogik. Auf dem Kirchentag 1983 stehen lilabetucht Hunderttausende; „Umkehr zum Leben“ hieß die Losung.

Im Osten unserer Nordkirche derweil ein anderes Motto: Schwerter zu Pflugscharen. Ich erinnere die Gespräche mit Menschen aus Schwerin und Greifswald, als sich der Mauerfall zum 25. Mal jährte. Wie unsere alten biblischen Verheißungen in den 80-ern tatsächlich etwas ausgelöst haben, sich nicht mehr abzufinden! Widerstand zu leisten – offensiv und subversiv, gefährdet, mutig, nur mit Kerzen und Gebeten. Und die Mauer fiel.

Die Welt hat sich weitergedreht seither, immer schneller, verworrener. Und ich gebe zu, ich vermisse bisweilen diese Zeit für den Diskurs, für Vergewisserung, und ich vermisse Dichter wie Erich Fried. Zerlesene Bücher, mit Hoffnungsseiten und Richtungsworten. Angesichts dieser Gewalt, die diese Welt zerreißt. 

Wie sieht unser Friedenszeugnis aus angesichts von Kriegen, die kaum noch als klassische Konflikte zwischen Staaten daherkommen, sondern als eine Mischform aus Bürgerkriegen und bewaffnetem Aufstand, aus Terrorismus und Drohnenattacken? In denen kein Schutz der Schwächsten mehr gilt, sondern gerade jene am meisten bluten müssen, die sich am wenigsten schützen können vor den Drohnen und den Bomben, die in Wohngebiete und auf Krankenhäuser geworfen werden? An wen richten sich überhaupt unsere Appelle? Und: Wie können wir selbst auf Gewalt nicht nur verzichten, sondern ihr wirksam Einhalt gebieten?

Denn wir hören doch die Stimmen der heutigen Verfolgten und der Opfer, zum Beispiel der Christen und Jesiden, vor allem der Frauen. Vielleicht hat jemand von Ihnen die Veranstaltung wahrgenommen in Kiel mit der Jesidin Nadia Murad, vor zehn Tagen hat sie dort gesprochen. Monatelang war sie als Sexsklavin in der Gewalt von IS-Kämpfern. Sie forderte eindringlich Gerechtigkeit, ein entschlossenes Auftreten gegen den sogenannten Islamischen Staat. „Stellen Sie die Verantwortlichen vor ein Gericht!“ Das fordert sie zu Recht.

Wird es gehen, das Recht ohne Gewalt durchzusetzen? Ob man nun Schutzzonen, Hilfslieferungen, ein UN-Mandat fordert – wie soll das gehen ohne zumindest die Androhung von Waffengewalt? Das ist das bedrückende Dilemma: Dass wir schuldig werden, gleich, was wir tun.

Zugleich will ich um des Evangeliums willen dabei nicht stehen bleiben. Ich will nicht nur das Dilemma beschreiben und genauso wenig die einfachen Antworten. Heißt: wir müssen weiter denken. Gemeinsam. Immer wieder erinnern, ermahnen, ins Herz senken, beten, überlegen – wer wenn nicht wir? Wir, die wir uns verbinden können und inhaltlich ausgerichtet sind auf das, was in der Bibel über Christus gesagt wird. „Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht hat und hat den Zaun abgebrochen, der dazwischen war, indem er die Feindschaft wegnahm.“ (Epheser 2,16)

Und ich schaue wieder auf das Foto Ihrer Einladung. Mit zweien ohne Zaun dazwischen. Zweien, die mit fast gleicher Brille nach vorn schauen, verbunden durch Zuneigung, Humor und Verstehen, der Sehnsucht nach Schalom, auch in sich selbst.

Ein Bild mit Aussicht – und der Hoffnung, die den Frieden liebt.

Unbeirrt über Grenzen hinweg.

Ich wünsche Ihnen weiterhin diese Kraft und des Geistes Gegenwart, dass Ihre Arbeit so anderen zum Segen wird, und danke Ihnen.

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