22. September 2019, 14. Sonntag nach Trinitatis | Claus-Harms-Kirche, Kiel-Hammer

"Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!"

07. Oktober 2019 von Gothart Magaard

Predigt zu Joh 14, 1-6 im Gottesdienst zur Entwidmung der Claus-Harms-Kirche, Kiel-Hammer

1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!

2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?

3 Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.

4 Und wo ich hingehe, dahin wisst ihr den Weg.

5 Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?

6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch!

Liebe Gemeinde,

es ist für manche ein schwerer Schritt und zugleich auch ein mutiger Schritt, den wir heute begehen, weil wir in diesem Gottesdienst bewusst Abschied nehmen von der Claus-Harms-Kirche – von diesem Gebäude als einem dem Gottesdienst gewidmeten Raum.

Seit 35 Jahren hat diese moderne Kirche mit Gemeindehaus und auch schon jetzt mit einer integrierten KiTa das kirchliche Leben im Stadtteil Hammer geprägt. Der Stadtteil hat sich verändert und die Kirchengemeinde hat sich verändert.

Claus-Harms ist schon längst nicht nur der Name dieser Kirche, sondern der großen Gemeinde mit St. Gabriel in Russee und der Erlöserkirche in Hasseldieksdamm. Als Kirchengemeinde haben Sie sich wohl überlegt im Rahmen weiterer Planungen zum Umgang mit den Gebäuden entschieden, dass aus der Claus-Harms-Kirche eine große Kindertagesstätte werden soll.

Der Raum für den Gottesdienst wird zu einem Haus, in dem Kinder mit Gott groß werden. Eine wunderbare, lebendige Zukunft für diesen Ort bahnt sich an. Dazu werden wir diese Kirche entwidmen.

Für diejenigen, denen die Gottesdienste in diesem freundlichen und hellen Raum ein zu Hause geworden sind, schwingt in diesem Abschied Wehmut mit. Erinnerungen stellen sich ein an Erfahrungen in diesem Raum mit Gottesdiensten oder eigenen Lebensstationen: Eine Taufe oder Konfirmation. Eine Trauung oder ein Abschied. Vielleicht auch ein wichtiges biblisches Wort, das Sie hier hörten. Oder Erinnerungen an einen Ort der Stille und des Gebets. 

Anderen, die auch für die Unterhaltung der Gebäude die Verantwortung tragen, mag es auch eine Erleichterung bringen gerade, weil hier neues Leben einzieht.

Und zugleich werden Sie auch offene Fragen bewegen: Wie wird sich diese große KiTa in das Leben der Gemeinde einfügen? Werden sich die Menschen aus Hammer in den anderen Kirchen der Gemeinde heimisch fühlen? Und was bedeutet es eigentlich für uns als Kirche, dass wir uns von Kirchen verabschieden müssen? Denn das wird auch anderen Orten erwogen. Wir haben schlicht zu viele Gebäude und können sie nicht erhalten und werden uns konzentrieren müssen.

Zum Abschied gehört eine Abschiedsrede. Wir haben gerade eine besondere Abschiedsrede gehört. Eine Rede, die Jesus seinen Jüngerinnen  und Jüngern gehalten hat und die in einer Situation der Angst und Bitterkeit der Furcht vor dem Abschied ihren Schrecken nimmt.

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!

Das ist die Überschrift für Abschied und Neubeginn. Ein tröstender Satz im Abschiednehmen. Und ein Satz, der an die bleibende Verbundenheit mit Gott und Christus erinnert. Jesus erinnert: Ihr seid nicht im Stich gelassen, auch wenn der Boden unter Euren Füßen wankt. Denn Abschiednehmen ist ja nichts anderes als loslassen, um Schritt für Schritt auf neue Wege zu gehen.

Doch bevor Jesus von den neuen Wegen spricht, baut er dieses faszinierende Bild ein:

Christus spricht: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.

Ich stelle mir das so vor, dass wir Menschen vor Gott nicht nur alle wie in einem großen Haus oder besser in einem Zuhause angenommen sind, sondern auch - fast einem modernen Bedürfnis entsprechend-  in vielen Wohnungen, ganz individuelle und unterschiedliche Räume haben, wo wir genau den Platz finden, den wir brauchen. Wir haben bei Gott eine feste Bleibe und sind dort Hausgenossen.

Es ist ein Bild von einem besonderen Sehnsuchtsort und einem Ort der Beheimatung, das auf faszinierende Weise auf unser Bedürfnis nach einem zu Hause anspielt.

Um uns dann auf den Weg zu schicken:

Christus spricht: Und wo ich hingehe, dahin wisst ihr den Weg.

So einfach und klar sagt Jesus das in dieser Abschiedsrede. Wenn es nur so einfach wäre, und wir den Weg wüssten, den Weg in die Zukunft.

Den Weg, damit wir alle ein zu Hause fänden und der Weg, der für uns als Kirche der richtige in die Zukunft ist, dann ständen wir nicht andauernd vor schwierigen Entscheidungen, die uns nicht leicht fallen wollen. Wir sind mitten in Veränderungsprozessen und haben die Menschen auf der Flucht vor Augen und die Herausforderungen durch den Klimawandel und soziale Fragen wie die Kinderarmut in unserem Land.

Es ist deshalb tröstlich, dass hier im Johannesevangelium Thomas mit seiner Unsicherheit und seinem Zweifel so mutig ist, zu fragen:

Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?

Ja wie können wir wissen, was richtig ist? Und ob die Entscheidungen, die wir heute für die Zukunft fällen, sich auch morgen noch als gut erweisen.

Die Antwort, die Thomas bekommt, entlässt uns nicht von der Aufgabe, Entscheidungen zu treffen. Sie bringt nur eine ganz neue Dimension mit ins Spiel, wenn Jesus sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.

Es ist nicht die Frage, ob einzelne Entscheidungen richtig oder falsch sind und es geht nicht darum, ein zu Hause aufzubauen, dass dann in Stein gemeißelt nicht mehr verändert werden darf.

Es geht vielmehr um das Vertrauen und den Glauben an Gott und daran, dass er uns in Jesus Christus einen Weg zu sich und zu uns selbst gezeigt hat.

Dieser Weg lässt sich nicht einfach auf eine Karte zeichnen oder in ein Navi eingeben. Wahrheit und Leben finden wir, wenn wir uns im Vertrauen auf Gott und mit unerschrockenem Herzen auf den Weg machen.

Als Christinnen und Christen, ja als Kirche haben wir den Auftrag, uns auf diesen Weg zu machen. Dazu brauchen wir Zuspruch und Vergewisserung, Gemeinschaft und Stärkung. Dazu gehört auch das Abendmahl, das uns stärkt und mit Christus verbindet. Und die Erinnerung an unsere Taufe.

Auf diesen Wegen brauchen wir auch die Kirchengebäude als Herbergen, wo die Botschaft und Verheißung von Gottes Weg mit uns Menschen gelebt und vernommen werden kann.

Orte, wo wir einkehren können und die wir wieder verlassen müssen, um weiter zu kommen auf dem Weg. Die Claus-Harms-Kirche war in den letzten 35 Jahren so ein Ort.

Und nun bekommt sie in anderer Weise und für andere Menschen eine Bedeutung: Als KiTa wird sie für die Kinder auch wie eine Herberge ein zu Hause auf Zeit sein.

Doch keine Kirche ist selbst schon das Zuhause, wo wir ans Ziel kommen. Vom Haus Gottes mit vielen Wohnungen, wo wir Menschen angenommen sind und so wie wir sind, einen Platz finden, dürfen wir in unseren Kirchen reden.
Wir können uns hier und auch an anderen Orten von unseren Erfahrungen erzählen, die wir auf dem Weg machen, aber bauen und festhalten können wir diesen Sehnsuchtsort nicht.

Gott schickt uns vielmehr immer auf den Weg zu sich selbst. Das gibt uns die Freiheit, Entscheidungen zu treffen, zum Loslassen genauso wie um Neues zu planen.

Es ist die Freiheit, immer neu nach Gott in unserem Leben und in unserer Kirche zu fragen und die Freiheit nach dem zu suchen, was dem Leben und der Wahrheit dient.

Wir werden nachher das Lied „Vertraut den neuen Wegen“ singen. Ein Aufbruchslied, das ursprünglich für ein junges Paar in der DDR geschrieben wurde, das sich im Sommer 1989 trauen lassen wollte. Daraus wurde ein Lied für Menschen im Aufbruch im Herbst 1989 und wenig später fand es seinen festen Platz in unserem Gesangbuch.

In der 3. Strophe heißt es:

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Las Land ist hell und weit.

So machen wir uns unerschrocken auf den Weg, wenn wir heute die Claus-Harms-Kirche als Gottesdienstraum verlassen. Amen.

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