21. April 2017 | Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

Gott will, dass der Mensch Wissen schafft

21. April 2017 von Gerhard Ulrich

Theaterpredigt zu Bertold Brecht „Das Leben des Galilei“

Musik
David Holmes: No Man’s Land

Begrüßung
„Der, die, das! Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm…“
Erinnern Sie sich, liebe Theatergemeinde? Sesamstraße, Eröffnungslied.

Grundlage allen Forschens ist das Fragen, das kindliche Dahinter-blicken-Wollen. Um so etwas geht es heute Abend. Bei Brechts Galilei, der Geschichte des großen Entdeckers. Und in der Predigt dazu. Zu beidem begrüße ich Sie herzlich! Und ich danke dem Mecklenburgischen Staatstheater, dem Intendanten Herrn Tietje, dem Regisseur Herrn Nimz, der Dramaturgin Frau Flügge, dass ich heute hier im Haupthaus predigen darf – eine eingeübte Gastfreundschaft, aber keinesfalls selbstverständlich. Und ich danke den Schauspielern, die gleich eine Szene spielen werden und den technischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern! Im „Leben des Galilei“ geht es um die Chancen des Wissens, des Entdeckens – und es geht um die Macht, die Wissen bedeutet. Und es geht auch um die Frage, ob Glaube und Vernunft eigentlich Gegensätze sind; ob der Glaube an Gott, den Schöpfer, ein Feind der Wissenschaft ist…

„Mama, hast du mal ein Geld?“ – das Kind hüpft aufgeregt von einem Bein auf das andere. Es hat ein Fernrohr entdeckt, mit dem es weit gucken könnte, alles größer sehen und weiter blicken. Immer wollen wir das, immer wollten wir das.

Einer erzählt, wie sein älterer Bruder ihn am Strand auf die Schulter nimmt, damit er hinausgucken kann. Und der kleinere Bruder erlebt, wie sich sein Horizont weitet, wie die Welt größer wird. Der Ältere will Physiker werden und dem Jüngeren die Sache mit der Erdkrümmung nahebringen. Der kleine staunt einfach über den weiten Blick und über die großartige Erde.
Eine alte Sehnsucht ist das. Ziemlich am Anfang der Bibel steht die Geschichte von dem alten Vater Abraham, dem Nachkommen verheißen werden. Er soll in den nächtlichen Sternenhimmel gucken – ganz ohne Fernrohr natürlich. Und je länger er in die Sterne schaut, desto mehr Sterne sieht er, desto tiefer und unergründlicher wird der Himmel…

In der Bibel steht ein Schöpfungslied: Psalm 104 i.A.
Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß; in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt;
der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, dass es nicht wankt immer und ewiglich.
Die Flut der Tiefe deckte es wie ein Kleid, und die Wasser standen über den Bergen, ...
Sie stiegen hoch empor auf die Berge und sanken herunter in die Täler zum Ort, den du ihnen gegründet hast...
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,
dass alle Tiere des Feldes trinken und die Wildesel ihren Durst löschen.
Du tränkst die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.
Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen; die Sonne weiß ihren Niedergang.
Du machst Finsternis, dass es Nacht wird...
HERR, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

Das Staunen und das Gotteslob sind die Quelle des Forschens für die Menschen der Bibel.
Was sie nicht verstehen: es muss doch einen Grund haben, eine Kraft, die bewegt.
Es gab beides: den Astronauten, der Gott nicht gesehen hatte bei seinem Raumflug; und den, der nach Rückkehr zur Erde zum Glauben fand angesichts dessen, was er gesehen hatte…
Und immer war da beides: die Sehnsucht zu wissen, was oder wer dahintersteckt. Und Angst vor der Erfüllung dieser Sehnsucht zugleich…

Zusammenfassung des Stückes bis zum 8. Bild
Galileo Galilei – Astronom, Physiker und Mathematiker - ist Professor an einer Universität der Republik Venedig und so schlecht bezahlt, dass er unter anderem einen jungen Edelmann als Privatschüler unterrichten muss. Doch so nebenbei erzählt der Galilei vom Fernrohr, das in Amsterdam gerade als sensationelle Erfindung gefeiert wird. Galilei nutzt diese Informationen, baut selbst eine verbesserte Version und bietet sie der Republik Venedig als eigene Erfindung an. Sein Gehalt wird verdoppelt: Forschungen werden belohnt, wenn sie der Wirtschaft und den Militärs dienen: man sieht die Schiffe des Feindes viel früher...
Für Galilei aber ist das Fernrohr aus einem ganz anderen Grund wichtig: Er könnte so den praktischen Beweis für die Lehre des Kopernikus erbringen: Die Erde bewegt sich um die Sonne – und nicht andersherum.
Die Machtzentren der damaligen Kirche halten jedoch an der alten von Aristoteles aufgestellten Lehre fest: Die Erde ist der Mittelpunkt der göttlichen Weltordnung. Die von Galilei entdeckten Jupitermonde dürfen nicht existieren – auch wenn man sie durchs Fernrohr sehen kann, wenn man nicht das Hingucken verweigerte. Das Heilige Offizium – auch Inquisition genannt – beschließt ein Dekret: dass die Lehre des Kopernikus töricht, absurd, ja ketzerisch sei. Und Galilei wird ermahnt, sich als braver Sohn der Kirche zu outen.

Der ist erst einmal wütend. Da tritt der kleine Mönch in sein Zimmer – selbst ein Mathematiker und Naturwissenschaftler, der die Jupitermonde durchs Fernrohr gesehen hat, und will Galilei von der Weisheit des Dekrets überzeugen.

Bild 8


Predigt

Liebe Theatergemeinde,

I

„Ein Apfel vom Baum der Erkenntnis! Wir stopfen ihn schon hinein. Wir sind ewig verdammt, aber wir müssen ihn hineinstopfen, unglückliche Fresser sind wir!“
Ja, Galilei, der Apfel sitzt dir im Halse fest. Süß und sauer. Der Biss in den Apfel vertreibt aus dem Paradies: Schluss mit lustig! Du hast daran zu schlucken. Bist ganz Forscher, Humanist. Wissenschaftler durch und durch.
„Der Himmel ist abgeschafft“, sagst du.  „Ich glaube an die Vernunft!“ Die hat dich weit gebracht, hat dich weit blicken lassen. Dein Fernrohr sozusagen, mit dem der Horizont weiter und weiter wird. Aber eben Horizont bleibt: Grenze, Ende aller Weitsicht. Das ist ja die Qual, dass du zugleich spürst: je mehr du erkennst, desto größer wird die Sache, desto mächtiger das Entdeckte. Seit dem Paradies ist es so: die Erkenntnis macht Lust und Angst. Aus dieser Spannung wächst das Große, das Leben: Himmel und Erde!

Der Forscher Galilei hat sein kindliches Gemüt verloren. An die Stelle der Neugier tritt die Angst. Die Angst auch, dass das Entdeckte größer ist als die eigene Vernunft. Die Angst vor den Instrumenten der Mächtigen, für die nicht sein kann, was nicht sein darf, die ihr eigenes Gott-Sein verspielen, wenn sie die Erkenntnis zulassen, dass Gottes Schöpfung größer ist und weiter als ihre eigene Vernunft; dass die Freiheit der Menschen weiter ist als alle irdische Macht es erlaubt. Wer so ein Dekret schreibt, macht den Schöpfer klein. Nein: macht Gott klein – damit er selbst groß sein kann.
Wer durch das Fernrohr der Erkenntnis sieht, der sieht nicht den Himmel abgeschafft. Der sieht ihn unendlich groß. Aber der sieht abgeschafft den Himmel der Mächtigen. Nicht - Hinsehen ist ein Privileg der Mächtigen. „Alternative Fakten“ behaupten ist Macht. Geht nicht mit Hinsehen. Ist gegen die Vernunft.
Und gegen den Glauben an den Schöpfer, dessen Macht größer ist als unsere. Das gehört zum Geheimnis der Schöpfung. Und der Wahrheit: es gibt mehr als das, was wir sehen.
Allerdings: wenn du hinguckst, genau hinguckst, dann ahnst du, dass da mehr ist als deine reine Vernunft, dass du dran bist an etwas Größerem, Höherem…
Aber alles Wissen, dass uns der Schöpfungskraft auf die Spur bringt, birgt die Gefahr in sich, dass das Maß verlorengeht: was dem Leben dient nämlich und was nicht.
Hiroshima ist lange her – doch unvergessen der Schrecken!
Fukushima ist noch nicht so lange her. Die „Mutter aller Bomben“ war erst vor wenigen Tagen. Und der Raketentester am anderen Ende der Welt sieht aus, als würde er nicht ruhen, bis Zerstörungsmacht beweisbar ist.

 „...Und das Schlimmste: was ich weiß, muss ich weitersagen. Wie ein Liebender, wie ein Betrunkener, wie ein Verräter…“

Der kleine Mönch zeigt dem Forscher nicht die Instrumente der Inquisition. Er ist ganz Seelsorger, sucht nach dem Sinn hinter allem: Sind Grenzen nicht hilfreich, schützend?
Der Mönch ist dem Galilei ähnlich: Schwört im Morgengrauen der Forschung ab und fällt am Vormittag wieder um, sobald es etwas Neues gibt auf dem Jahrmarkt der Entdeckungen. „Bruder im Geist“ nennt ihn Galilei und er weiß, mit welchem Speck er ihn fängt: mit einer neuen Seite im Buch der Natur, das, einmal aufgeschlagen, sich nicht wieder schließen lässt. Nicht mehr nur aus dem Buch der Offenbarungen der Alten, des Aristoteles rezitieren, sondern selbst entdecken. Das eint beide.
Der kleine Mönch kämpft um seinen Seelenfrieden: „Ich webe Schweigen auf meine Lippen, flechte Ruhe in mein Gemüt“, betet er mit einem Segenswort…“ich schirme mein Herz ab…“
Galilei aber will sich „Zehn Klafter unter die Erde“ verbannen lassen, wenn er erfahren kann, was Licht ist. Auf Licht verzichten, wenn ich weiß, was es ist. Junkyhaft.
Er lebt aus unstillbarem Wissensdurst, der ihn körperlich quält. Er durchleidet die Qualen des Nichtwissens und genießt die Lust der Erkenntnis. Wollüstiges Wissen.

Aber geht es ihm dabei um die Menschheit? Will er sie mit Weisheit beschenken? Ihr etwas von der Lebenslast nehmen? Geht es ihm wirklich um die Campagna-Bauern, die einfachen Leute: Sollen sie auf die Füße kommen, lernen, entdecken – den göttlichen Zorn wagen!?
Die Sozialkritik kommt etwas plötzlich daher. Vorher gab es nur Durst. Wissensdurst um die Erregung an der Erkenntnis willen. Jetzt ist er eingeschnappt. Hat von der Inquisition eins draufbekommen. Und rächt sich mit Befreiungsfantasien, damit die Prälaten ihr Fett wegkriegen. Gut: am Ende des Stücks wird Galilei noch einmal der Wissenschaftsmoralist. Und Recht hat er! Doch dazwischen tritt er uns mehr als wundervoller Egomane entgegen. Galilei – das Genie, der hochbegabte, hin und her gerissene Charakter. Der setzt auf Vernunft und die Macht der Vernünftigen – immer ein Irrtum – und die Fleischtöpfe – die den Israeliten schon in Ägypten zum Verhängnis wurden. Doch er kann aushalten: Zweifel, Ungewissheit, wendet ihn methodisch an: methodischer Zweifel. Absichernde Instanzen: Glaube, Vertrauen - braucht er die? Ihn trägt, was ihn treibt: Neugier und Misstrauen dem Alten gegenüber. Vielleicht sein Sündenfall: Wissen um jeden Preis.

II

Galileis Verurteilung ist mehr als eine peinliche Episode, es ist eine der Katastrophen der Kirchengeschichte. Die Kluft zwischen Kirche und Kultur, Kirche und exakten Wissenschaften - die lange wie Geschwister waren –  sie nimmt hier ihren Anfang. Der Protestantismus begann diesen hässlichen Graben ab dem 18. Jahrhundert wieder zu überwinden, als er anfing ein festes Bündnis mit den Universitäten zu schließen, mit der modernen Geschichtswissenschaft allzumal und die Bibel durch das reinigende Feuer historisch-kritischer Vernunft gehen ließ. Die katholische Kirche mühte sich viel länger noch mit dem Graben ab. Skepsis bleibt beiden Konfessionen gegenüber. Bis heute.

Galileis Verurteilung verteidigte nur scheinbar die Bibel. In Wirklichkeit das antik-mittelalterliche Weltbild und die Autorität des Aristoteles. Schon fast 90 Jahre vorher hatte Martin Luther zu Reformen der Universitäten aufgerufen und zu Aristoteles deutlich formuliert: „Die Universitäten bedürfen auch wohl einer guten starken Reformation… Was sind die Universitäten, wenn sie nicht anders als bisher geordnet werden, anderes als, wie das Buch der Makkabäer sagt, Übungsstätten der Jünglinge und des griechischen Ruhmes, in denen ein freies Leben geführt, wenig von der Heiligen Schrift und vom christlichen Glauben gelehrt wird und allein der blinde, heidnische Meister Aristoteles regiert, sogar umfassender als Christus?
Hier wäre nun mein Rat, dass die Bücher des Aristoteles, "Physik", "Metaphysik", "Über die Seele", "Ethik", welche bisher für die besten gehalten wurden, ganz abgeschafft werden mit allen anderen, die mit natürlichen Dingen angeben, obgleich man doch nichts aus ihnen lernen kann, weder über natürliche noch geistliche Dinge …“

Der Ansatz nicht mehr bei Aristoteles sondern mit der Bibel eröffnet einen ganz anderen Blick auf die Natur.

III

„Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre. Und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war.“

Wir sollen nicht wie der Wolf zum Mond schreien, nicht anbeten die Sterne wie Götzen. Nicht glauben, dass deren Lauf unser Leben lenkt. Erkenntnis der Bibel. Der Juden. Die Menschen in ihrer Umgebung verehren Sterne als Götter. Sonne und Mond als Mächte ganz besonders. Die Bibel als Aufklärerin 500 v. Christi Geburt: Lampen sind es nur, Leute. Keine Götter!

Den astronomischen Himmel hat nicht erst Galilei von göttlichen Wesen leergeräumt. Den hat schon das Alte Testament säkularisiert. Neugier und das Staunen über die Schöpfung sollten Grundlagen naturwissenschaftlichen Forschens sein seit biblischer Zeit. Und darum gilt heute: Glaube und Wissenschaft sind keine Gegensätze, sondern sie gehören zusammen. Gott will, dass der Mensch Wissen schafft. Das ist eine Gabe, die er schenkt: Schöpfungsgabe. Ist Erfüllung des Auftrags, den Gott den Menschen gibt: macht euch die Erde untertan… - auch darin wieder liegen Kraft und Missbrauch beieinander!

Ja, Gott will, dass wir seinem schöpferischen Handeln auf die Spur kommen. Aber es bleibt seine Spur!

Psalm 104, den wir am Anfang hörten: Ein Schöpferlob, Gebet eines Menschen, der erspürt, dass das Leben in Fülle, das wir Reich Gottes nennen, in dieser Schöpfung im Kommen ist. Der blickt von sich selbst weg auf das Ganze der Schöpfung Gottes, dessen Handeln längst nicht am Ende ist. Das zu erforschen mit den raffiniertesten wissenschaftlichen Methoden – dazu sind wir aufgerufen. Aus Lust an Erkenntnis – ja! Aus Lust an Gotteserkenntnis – klar! Als Gotteslob – allemal! Ein Lied vom solidarischem Zusammensein von allem. Keine Predigt, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei. Keine kitschig-idyllische Meditationsmusik, sondern: kritisch-utopisches Lied, das heute zur ökologischen Umkehr ruft.

Mit Hilfe von Wissenschaft und Weisheit soll die Welt ein Ort werden, an dem alle leben und ein Leben in Fülle haben. Die Alteingesessenen und die Zugereisten. Die mit dem jeweiligen Reisepass genauso wie die Flüchtlinge und Migranten. Damit jeder hat, was wir alle brauchen: Brot und Gemeinschaft, Liebe und Zukunft. Und Frieden.

Nein: die Ordnung, die der kleine Mönch im Unglück der Campagna-Bauern vermutet, hat nichts mit Gottes Ordnung zu tun! Ja: das Auge Gottes ruht auf ihnen; aber nicht, damit sie sich in ihrem Jammer der Unwissenheit einrichten und das Elend, den Hunger, die Ungerechtigkeit als gottgegeben hinnehmen! Ungerechtigkeit ist so wenig der Wille Gottes wie Elend und Hunger es sind. Die haben ihren Ursprung in menschlichem Irrsinn! Die Heilige Schrift begründet eben nicht Schweiß, Geduld, Hunger und Unterwerfung! Sie übt Geduld. Aber zur Überwindung. Dazu muss erkannt werden Gott größer als der Mensch oder muss erkannt werden eine Macht, die höher ist als von Menschen gemachte Macht; muss erkannt werden die Liebe als Entdecker-Kraft: Liebe, die dahinter schaut. Liebe, die keine Angst kennt vor Neuem, Fremden.
Und wieder nein: der Glaube ist kein Stillhalteabkommen! Frieden mit Gott führt in den Unfrieden mit der Welt! Der Glaube ist eine Kraft zum Aufstand, zur Auferstehung gegen den Tod, für das Leben! Für Gerechtigkeit und gegen den Hass und gegen alle blinde Gewalt.

IV

Freiheit ist immer Freiheit von und Freiheit für. Freiheit von – ganz wichtig: Freiheit von Unterdrückung, Knechtschaft, Leid. Freiheit der Wissenschaft ist jedoch mehr als Freiheit von Reglementierung, ist Freiheit der Wissenschaft für das Leben. Mit Wissenschaft Leben bedrohen: das hat mit Freiheit nichts zu tun! Auch nicht mit Vernunft. Auch nicht mit Glauben.

Angesichts der Quantensprünge in der Forschungsentwicklung stellt sich die Frage nach Grenzen der Forschung heute ganz neu: Darf man alles machen, was möglich ist? Wohin führt die Freiheit der Forschung, wenn sie sich von der Verantwortung für die Menschen löst? Welche moralischen Maßstäbe gibt es dann noch, und wer legt sie fest? Was passiert eigentlich, wenn wir den Himmel abschaffen, den Himmel als Sphäre Gottes?

„Aber es muss doch mehr geben, etwas, das über die Sprache der Mathematik und der Biologie hinausgeht! Etwas, das uns mit dem Eigentlichen der Menschen verbindet…
Jede neue wissenschaftliche Entdeckung braucht auch eine Kontrolle.
Ich sehe doch Ihre Weisheit, Herr Galilei, aber diese Weisheit, die erlangt man doch nicht durch Anhäufung von Wissen um des Wissens willen…
Herr Galilei, diese Weisheit erreicht man durch Reflexion, Dialog, Empathie, Barmherzigkeit und meinen Gott.
Nein, Herr Galilei, die echte menschliche Entwicklung ist nicht technischer, sondern moralischer Art!“

Der kleine Mönch führt die Dinge auf ihren Kern zurück, auf die „weichen Faktoren“ des Lebens, des Erkennens: Beziehung, Dialog, Gottesliebe und Menschenliebe. Die Welt geht nicht auf in dem, was wir wissen, sehen, erforschen, erklären. Es gibt mehr als alles! Man muss die Menschen nicht vor dem Wissen schützen. Aber vor sich selbst. Vor ihrem Drang, Gott sein zu wollen.
Wir brauchen diese Ahnung von einer Macht, die größer ist als wir selbst. Der gegenüber wir verantwortlich sind. Wir brauchen das, was man mit einem altmodischen Wort als „Demut“ bezeichnet. Das ist das Wissen um die eigene Grenze. Ich verdanke mich nicht mir selbst. Ich bin nicht Herr der Welt und des Lebens. Ich bin, weil ich gewollt bin. Weil ich gesetzt bin in diese Erde, in diesen Himmel. Ich bin, weil ich geliebt bin. Ich kann, was ich kann, weil ich gewollt bin. Ich kann staunen über die Fülle und Weite, die mein Leben umgibt, in der ich immer neue Blüten entdecke.

Der Mut zur Demut ist die eigentliche Stärke, die eigentliche Entdeckerkraft: da ist eine Kraft, die stärker ist als meine Kraft; eine Macht, die höher ist als meine Vernunft; eine Vernunft, die aus Liebe mich und alles trägt, erträgt, voranbringt, hält. Da haben Raum die Entdecker und Forscher. Da haben Raum die Kraft schöpfen aus des Lebens Lust.
Das ist der Glaube. Der Gott Gott sein lässt. Und von ihm die Erkenntnis gewinnt, was dem Leben dient und was ihm im Wege steht. „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was dem Leben dient“, sagt die Bibel. Das ist nicht nur Moral. Das ist Wahrheit, die leitet auf gutem Wege. Und zu der ein Himmel gehört, der eins ist mit der Erde, in dessen unendlicher Weite wir miteinander leben und teilen, was wir haben und sehnen: Fülle, Liebe, Frieden! Schalom!

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