16. März 2017 | Rathaus Greifswald

Greifswald als Reformationsstadt Europas

16. März 2017 von Hans-Jürgen Abromeit

Grußwort zur Verleihung des Titels am 16. März 2017 an die Stadt Greifswald

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, verehrter Herr Bischof, lieber Bruder Bünker, sehr geehrter Herr Staatssekretär Dahlemann, sehr geehrter Herr Oberkirchenrat Mourkojannis, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Es ist mir eine große Freude, dass Greifswald heute den Titel ‚Reformationsstadt Europas‘ verliehen bekommen hat. Als pommerscher Bischof freue ich mich doppelt. Denn zum einen wird damit dokumentiert, dass Greifswald und auch Pommern insgesamt eine bewegte Reformationsgeschichte haben. Zum anderen wird gewürdigt, mit welchem Engagement viele Greifswalderinnen und Greifswalder in diesem Jahr das Reformationsjubiläum feiern.

Gestatten Sie mir, dass ich zunächst den Blick zurück schweifen lassen. Greifswald vor 500 Jahren: Ein charmantes Städtchen, aufgeblüht durch seine Mitgliedschaft in der Hanse. Zwar hatte dieser Handelsbund bald seine größten Zeiten hinter sich. Doch hinterließ die Hansezeit unserer Stadt die drei großen Kirchen der norddeutschen Backsteingotik, die bis heute ihre Silhouette prägen. Vor 500 Jahren ist die Universität gerade einmal 50 Jahre alt. Die Stadt wurde von ihr geprägt – und wird es noch heute. Die Universität war immer etwas Besonderes, Eigenes in Greifswald, ja man kann sagen: sie ist der Stadt auch immer etwas fremd geblieben.

Vorreiter der Reformation in Pommern war Stralsund gewesen, das schon im Jahr 1525 endgültig lutherisch wurde. Von dort kam 1531 Johannes Knipstro nach Greifswald und hielt am 16. Juli in St. Nikolai die erste lutherische Predigt. Doch für den Wohnungsmarkt in Greifswald galt schon damals – eng aber teuer. So bot der Greifswalder Rat – etwas knauserig, weil noch von altgläubigen Ratsherren dominiert - nach einem alten Bericht Knipstro nur „eine unflätige Wohnung“ an, und er befürchtete „dass er hier würde krepieren müssen“. Also verließ Knipstro zunächst Greifswald wieder und ging nach Stralsund zurück. Trotzdem verbreitete sich die Reformation jetzt schnell in der Stadt. An der Universität erntete sie allerdings zunächst wenig Sympathie und es bedurfte eines langen Prozesses, bis sich auch dort die Reformation durchsetzte. Spannungen zwischen der Meinung in der Stadt und an der Universität: Niemand muss meinen, dass dies eine Erfindung des 21. Jahrhundert wäre.

Ein Studiosus an der Alma Mater Gryphiswaldensis war übrigens Johannes Bugenhagen. Der Seelsorger Martin Luthers war der große Kirchenorganisator der Reformation. Dr. Pommer, wie er sich gern nannte, gab der Reformation in weiten Teilen des Ostseeraums ein Gesicht. Das Bibelstudium und die Lutherlektüre in Treptow an der Rega bewirkten bei Bugenhagen eine reformatorische Wende und brachten ihn dazu, in Wittenberg den bedeutenden Reformator kennen lernen zu wollen und noch einmal bei ihm zu studieren. Ein wirklich bedeutender Beitrag der Reformation für Greifswald und ganz Pommern ist dann die Wiederherstellung der Universität durch Johannes Bugenhagen aus reformatorischem Geist im Jahre 1539. Es ist eigentlich schade, dass nach Bugenhagen in Greifswald zwar eine Kirche und eine Straße benannt sind, er selbst auch einen gebührenden Platz im Rubenow-Denkmal der Universität gefunden hat, sein Erbe bei Jung und Alt in unserer Stadt aber fast nicht bekannt ist. Deswegen haben wir gerade zusammen mit dem Amt für Öffentlichkeitsdienst über Leben und Werk Bugenhagens einen launigen Comic herausgegeben, in dem natürlich Greifswald auch gebührend erwähnt wird. Eigentlich hätte die die Universität ja nach diesem großen Pommerschen Reformator benannt werden müssen – das hätte uns allerhand Spannungen erspart.

Greifswald im Jahrhundert der Reformation ist eine lebendige und reizvolle Stadt, – aber entscheidende Impulse zur Reformation gingen von ihr nicht aus. Doch das ist ja für den Titel, den sie heute verliehen bekommt, gar nicht entscheidend. Es kommt vielmehr auf ein Zusammenspiel der Kräfte von Vergangenheit und Zukunft an. Es gibt in Greifswald eine sehr eindrucksvolle Beschäftigung mit der Reformation. Gerade hier, an der Peripherie, in einem durch die schrecklichen Ereignissen des Zweiten Weltkrieges auf ein Drittel verkleinertem Pommern, in dem die alte Identität kaum vernarbt ist und immer noch schmerzt, tut sich etwas. Viele Menschen fragen danach, was die Reformation verändert und bleibend gebracht hat. Eine große Zahl an den verschiedensten Veranstaltungen wird angeboten. Die Ausstellung ‚Luthers Norden‘, die im Pommerschen Landesmuseum zu sehen sein wird, gehört dazu, die Greifwalder Bachwoche, die in diesem Jahr ganz der Reformation gewidmet ist, der pommersche ökumenische Kirchentag in Greifswald und auch das Nordkirchenschiff, das von hier zu seiner großen Fahrt entlang der Küstenlinie der Nordkirche aufbricht. Diese vier größeren Veranstaltungen  seien nur beispielhaft genannt. Danebenfinden viele kleinere Ereignisse statt. Beispielhaft nenne ich den Bibel-Marathon in der Christuskirche genauso wie das Bugenhagen-Musical, das in der Stadt am Johannistag uraufgeführt werden soll.

Der lebendigen Arbeit in der ‚AG 2017‘ und in den Vereinen und Gemeinden haben wir viele gute Ideen und Veranstaltungen zu verdanken. Das Programm ist beeindruckend. Es ist hier von vielen verschiedenen Grundlagen, sozusagen ‚bottom up‘, eine Menge gewachsen. Der Titel ‚Reformationstadt Europas‘ würdigt Ihr Engagement, liebe Greifswalderinnen und Greifswalder. Konfessionsübergreifend ist hier etwas geschehen, wofür ich heute dankbar bin. Zeugt schon der Titel ‚Universitäts- und Hansestadt‘ von einer reizvollen und lebendigen Geschichte, so möge auch die Bezeichnung ‚Reformationsstadt Europas‘ dazu beitragen, dass Menschen neugierig gemacht werden: Menschen, die in Greifswald wohnen, und solche, die uns hier besuchen. In diesem Sinn wünsche ich uns fröhliche und nachdenkliche Begegnungen in der Universitäts- und Hansestadt, der Reformationsstadt Europas, in Greifswald.

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