Atelier Lichtzeichen

Hamburger Originale aus einer einzigartigen Werkstatt

Konzentriert am Werk: Uta Bindel verleiht dem Bild, das eine Kollegin begonnen hat, ein neues Gesicht
Konzentriert am Werk: Uta Bindel verleiht dem Bild, das eine Kollegin begonnen hat, ein neues Gesicht© Silke Nora Kehl / Evangelische Zeitung

09. Februar 2015 von Silke Nora Kehl

Hamburg. Im Atelier Lichtzeichen arbeiten 21 Künstler, darunter Menschen mit geistigem, körperlichem oder psychischem Handicap. Ihre Werke verkaufen sich gut, sind jetzt sogar in einer Ausstellung zu sehen. Nur eines wollen sie nicht: einen Mitleidsbonus.

Eine Möwe fährt mit dem Fahrrad an der Elbphilharmonie vorbei, eine andere posiert vor dem Michel, eine weitere vor den Landungsbrücken. Bekleidet sind sie mit einem Schal und einer Mütze. Die „Hamburger Möwe“ ist Uta Bindels Markenzeichen geworden. Die 62-jährige Malerin arbeitet seit zwei Jahren im Atelier Lichtzeichen. Ihr Möwen-Motiv entstand über einen künstlerischen Ausflug: „Ich war an den Landungsbrücken unterwegs und habe eine Reihe Möwen fotografiert, die auf dem Geländer saßen – Lachmöwen im Winterkleid“, berichtet Bindel.

Beim Abmalen sei sie auf die Idee gekommen, die Möwen auf ein Baugerüst hoch über den Wolkenkratzern New Yorks zu setzen: So wie auf dem berühmten Bild des Fotografen Charles C. Ebbets, der Bauarbeiter ablichtete, die in schwindelerregender Höhe auf einem Balken sitzend Mittagspause machen. „Ich nannte mein Gemälde ‚Hamburger Möwen in New York‘“, sagt Bindel. Daraus entwickelte sie dann das Konzept, kleinformatige, quadratische Bilder mit einzelnen Möwen vor Hamburger Sehenswürdigkeiten anzufertigen.

„Die Zusammenarbeit hier ist einzigartig“

Unseren Künstlern ist wichtig, dass ihre Bilder den Kunden gefallen“, sagt Marcel Ben Merabet, Verkaufsleiter vom Atelier Lichtzeichen. „Wenn ein Gemälde gekauft wird, empfinden sie das als große Wertschätzung.“
In der Werkstatt auf dem Alsterdorfer Markt arbeiten 21 Künstler. „Es sind Menschen, die entweder eine geistige, eine körperliche oder eine psychische Behinderung haben“, erklärt Ben Merabet. Sie alle haben individuell festgelegte, geregelte Arbeitszeiten und bekommen ein festes Monatsgehalt. Wie viel das ist, hängt vom Betreuungsschlüssel und den Vorgaben der Behörde ab. „Es handelt sich hier um Arbeitsplätze im Rahmen des zweiten Arbeitsmarktes“, sagt er. Ein pädagogischer und ein künstlerischer Betreuer kümmern sich jeden Tag um die Werkstatt-Gruppe, zusätzlich ist immer einer der ehrenamtlichen Mitarbeiter zur Unterstützung da.

Ben Merabet betont:  „Dass hier Werkstatt- mit Tagesförderstätten-Beschäftigten sowie Menschen aus verschiedenen Reha-Maßnahmen zusammenarbeiten, ist einzigartig." Eine Durchmischung und Begegnung von Menschen mit so unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten gebe es sonst gar nicht, erklärt Ben Merabet.

„Das Atelier ist mein Lebensinhalt“

Genau diese Mischung schätzt Uta Bindel: „Ich finde es spannend, dass hier Menschen mit allen möglichen Beeinträchtigungen und Handicaps arbeiten.“ Sie meint: „Weil wir von unseren Stärken her so unterschiedlich sind, haben wir schon innerhalb der Werkstatt Inklusion.“

Sie selbst ist über eine Reha-Maßnahme an einen der begehrten Atelier-Plätze gekommen. „Ich hatte Glück, dass ich hier anfangen konnte“, sagt sie. Erst beim zweiten Anlauf klappte es mit dem Werkstattvertrag – vorher waren alle Plätze besetzt. „Mindestens 27 Monate Reha, bewilligt über das Arbeitsamt oder die Rentenversicherung, das war in meinem Fall die grundsätzliche Aufnahmebedingung.“ Und weil ihre künstlerischen Fähigkeiten das Atelier-Team überzeugten, bekam sie spontan einen überraschend frei gewordenen Arbeitsplatz.

Mit dem Malen hat Uta Bindel früh begonnen: „Schon als Schülerin in der Waldorfschule habe ich immer gemalt, auch als Studentin“, berichtet sie. „In meiner Familienphase ruhte das dann etwas.“ Und nun malt sie jeden Tag in der Woche. „Es ist hier ganz toll, ich habe nette Kollegen, die Arbeit macht mir viel Freude.“

Auch dem 41-jährigen Dirk Meyer bedeutet das Atelier viel: „Es ist mein Lebensinhalt“, sagt er, „und ich denke, meine Kollegen empfinden das genauso.“ Er malt seit neun Jahren für Lichtzeichen, aber langweilig sei ihm noch nie geworden, berichtet er. „Ich freue mich, eine künstlerische Begabung zu haben – und meine Leidenschaft für das Malen täglich leben zu können.“ Auf die Frage, ob er sich selbst als Mensch mit Handicap begreife, antwortet er: „Wir sind psychisch und seelisch beeinträchtigte, teilweise schwer behinderte Menschen, die hier zusammen arbeiten und versuchen, gemeinsam etwas Schönes zu gestalten.“

Am gefragtesten sind Hamburg-Motive

Die Gemeinschaft der Verschiedenen, das ist das wichtigste Prinzip der Werkstatt. So signieren die Künstler ihre Gemälde auch nicht mit ihrem Namen, sondern mit dem japanischen Symbol für Licht – dem „Lichtzeichen“ eben. „Damit signalisieren wir, dass wir eine Künstlergruppe sind und dass ein Bild aus unserem Atelier kommt“, erklärt Ben Merabet. Außerdem soll so vermieden werden, dass unter den Künstlern Konkurrenz entsteht und darauf geschaut wird, wessen Gemälde sich am besten verkaufen. Deswegen werden auch die Preise für die Bilder einheitlich festgelegt und nach der Größe berechnet: 20 mal 20 Zentimeter kosten 50 Euro, ein Meter mal ein Meter 600 Euro, größere Werke entsprechend mehr.

Die Künstler gestalten teilweise frei, orientieren sich aber auch an den Wünschen von Kunden. „Die meisten Käufer interessieren sich für Hamburg-Motive“, erklärt Ben Merabet. Darauf hat sich Dirk Meyer spezialisiert: „Im Moment male ich ein Hamburger Original: die U-Bahn“, sagt er. Auch „unser Rathaus, unseren Michel, die  Binnenalster oder den Hafen“ habe er schon oft zum Motiv gemacht. Darunter seien viele Auftragsarbeiten gewesen. Verkaufsleiter Ben Merabet betont: „Wir müssen Bilder verkaufen, weil wir auf den Erlös angewiesen sind. Die Künstler machen professionelle Arbeit, Mitleid wollen sie nicht.“Für beide Seiten, die Malergruppe und die Käufer, sei klar, dass alle Bilder zum festgesetzten Preis gehandelt würden. „Es handelt sich hier nicht um Spenden“, stellt Ben Merabet klar.

Eine Auswahl der Gemälde aus Alsterdorf wird bis zum 25. März in der Evangelischen Familienbildung Eppendorf gezeigt: „Typen – Farben – Hamburg“ lautet ihr Titel. „Damit bringen wir alle unsere Markenzeichen auf den Punkt“, sagt Ben Merabet. Zum einen stehe „Lichtzeichen“ für leuchtende, helle und kraftvolle Farben. „Und natürlich sind alle unsere Künstler Typen für sich“, sagt er, „vor allem aber sind sie stolze Hamburger.“

Info

Die Ausstellung „Typen – Farben – Hamburg“ ist bis zum 25. März 2015 in der Evangelischen Familienbildung Eppendorf am Loogeplatz 14/16 (U-Bahnhof Kellinghusenstraße) zu sehen. Führungen: Donnerstag, 26. Februar, 10.30 – 11 Uhr und Donnerstag, 4. März, 15 – 16 Uhr; Tel. 040 / 46 07 93 18.

Das Atelier Lichtzeichen, Alsterdorfer Markt 10, ist montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr für alle Interessierten geöffnet. Tel.: 040 / 50 77 37 89.

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