70 Jahre Auschwitz-Befreiung

In den Augen der Menschen sahen die Befreier die Angst

Vor 70 Jahren wurde Auschwitz befreit
Vor 70 Jahren wurde Auschwitz befreit© © epd-bild / eastway.de

26. Januar 2015 von Timo Teggatz

Vor 70 Jahren befreite die Rote Armee Auschwitz. In dem Vernichtungslager hatten die Nationalsozialisten rund 1,1 Millionen Menschen ermordet. Zu den Gedenkfeierlichkeiten am 27. Januar werden in der Gedenkstätte etwa 300 Überlebende erwartet. Zeitzeugen erinnern sich.

Im Baedecker aus dem Jahr 1943, der eine Reise von Wien nach Krakau beschreibt, ist Auschwitz eine nichtssagende Randnotiz. Der Ort, an dem bis zur Befreiung am 27. Januar 1945 rund 1,1 Millionen Menschen ums Leben kamen, ist für Karl Baedecker lediglich eine "Industriestadt von 12.000 Einwohnern, ehemals Hauptort der Piastenherzogtümer Auschwitz und Zator". Die Existenz des nationalsozialistischen Vernichtungslagers wie auch die Verbrechen, die in Auschwitz-Birkenau geschehen, verschweigt er in seinem Reisehandbuch über das "Generalgouvernement".

Als die Rote Armee das Konzentrationslager erreichte, kam das ganze Ausmaß der Verbrechen ans Tageslicht. Die sowjetischen Soldaten befreiten damals noch rund 7.000 Menschen, die von den Nationalsozialisten im Lager zurückgelassen worden waren. Für einen Großteil der 60.000 Gefangenen, die Tage zuvor von der SS in Richtung Westen getrieben worden waren, kam die Rettung zu spät. Wie viele Menschen in dem eiskalten Winter bei den Fußmärschen oder auf den Irrfahrten eingepfercht in offenen Waggons starben, ist unklar.

Einer, der bei der Befreiung von Auschwitz dabei war, war der sowjetische Kameramann Alexander Woronzow. "Am Stacheldrahtzaun standen Hunderte von Menschen und schauten auf unsere Soldaten, in ihren Augen stand Angst", erinnert sich Woronzow in einem Youtube-Video an die Ankunft der sowjetischen Armee in Auschwitz. Woronzow dokumentierte 1945 für die Rote Armee das Grauen: die zerstörten Gaskammern, Leichenberge, von Hunger ausgemergelte und verletzte Männer, Frauen, Kinder.

"In der Luft ein Geruch von verbranntem Fleisch"

Auschwitz - zu dem das Stammlager, das Vernichtungslager Birkenau und das Arbeitlager der IG Farben Monowitz gehörten - steht bis heute als Symbol für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Im April 1940 hatte SS-Reichsführer Heinrich Himmler den Befehl erteilt, 70 Kilometer südwestlich von Krakau ein Konzentrationslager zu errichten. Unter Rudolf Höß, Lagerkommandant und SS-Hauptsturmführer, wurde Auschwitz zum Ort der systematischen Judenvernichtung. Mindestens zwei Drittel der Juden, die in Güterwagons nach Auschwitz deportiert wurden, wurden direkt nach der Selektion an der Rampe in den Gaskammern ermordet. Rund 1,1 Millionen Menschen starben in Auschwitz, die große Mehrheit der Opfer waren Juden.

Von dem Grauen in Auschwitz legen - neben vielen Zeitzeugenberichten - zahlreiche literarische Texte Zeugnis ab. Seine Ankunft als Häftling in Auschwitz beschreibt der spätere Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel: "Wir sprangen auf den Bahnsteig hinunter (...) Vor uns Flammen. In der Luft ein Geruch von verbranntem Fleisch. Es musste Mitternacht sein. Wir waren da. In Birkenau."

Kampf ums nackte Überleben

Die Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger fasst die Erinnerungen, die sich ihr als Kind in Auschwitz eingebrannt haben, in wenigen Worten zusammen: "Die physischen Erinnerungen an Auschwitz sind Hitze (beim Appell), Gestank (der Rauch überm Lager) und vor allem Durst". Und der Pole Tadeusz Borowski, der sich 1951 in Warschau das Leben nahm, beschreibt die Brutalität des Überlebens im Lager; er schreibt, wie eine Mutter in Todesangst ihr Kind verleugnet, wie sich Häftlinge im Kampf ums nackte Überleben gegenseitig verraten.

Nach 1945 taten sich die Deutschen mit dem Erinnern und der Aufarbeitung der NS-Verbrechen schwer. "Aufbau, Aufbruch, Erneuerung hießen die Parolen im Westen wie im Osten", sagte die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann unlängst in einem Interview mit dem "Philosophie"-Magazin. Die meisten Deutschen hätten nach 1945 ein "vitales Interesse" an der Nicht-Thematisierung des "Dritten Reiches" und am Vergessen der jüngsten Geschichte gehabt. Erst später seien mit den großen Prozessen gegen NS-Täter, wie etwa in Frankfurt ab 1963, sowie durch die Ausstrahlung des Film "Holocaust" im westdeutschen Fernsehen Ende der 70er Jahre die Verbrechen der Nazis ins Bewusstsein der Deutschen gerückt, sagt Werner Renz vom Frankfurter Fritz-Bauer-Institut.

Jährlich kommen 1,5 Millionen Besucher

Seither hat sich viel getan: Seit den 1960er Jahren organisiert die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste Reisen nach Auschwitz. Jährlich kommen Jungendgruppen und Schulklassen in die vor knapp 30 Jahren eröffnete Internationale Jugendbegegnungsstätte Auschwitz. Im vergangenen Jahr zählte die Gedenkstätte in Auschwitz 1,5 Millionen Besucher. Auch der aktuelle Baedeker "Polen" widmet den Verbrechen der Nazizeit 70 Jahre nach der Befreiung mehrere Seiten. Infografiken und Text informieren heute über dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte.

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