„Woche für das Leben” in Hamburg eröffnet

Kirchen treten für eine Kultur des Sterbens ohne Angst ein

„Woche des Lebens" - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bei der Predigt in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen
„Woche des Lebens" - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bei der Predigt in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen© epd-bild/Stephan Wallocha

18. April 2015 von Doreen Gliemann

Mit der „Woche für das Leben” wollen die Kirchen auf den Wert des menschlichen Lebens aufmerksam machen. In diesem Jahr steht das Thema „Sterben in Würde” im Mittelpunkt. Es könnte angesichts der Debatte um assistierten Suizid aktueller kaum sein.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland treten für eine Kultur des Sterbens in Würde und ohne Angst ein. „Niemand soll mehr meinen, dass er nur würdig sterben kann, wenn er sich das Leben nimmt”, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Sonnabend in Hamburg bei der Eröffnung. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bezeichnete es als „Armutszeugnis für eine Gesellschaft, in der die Möglichkeit zur Selbsttötung bloß zu einer weiteren Option unter vielen wird: Pflegeheim, Krankenhaus, Suizid.”

Debatte um assistierten Suizid und den Umgang mit schwerstkranken Menschen

Marx und Bedford-Strohm eröffneten die diesjährige "Woche für das Leben" mit einem ökumenischen Festgottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen (Speicherstadt). Bis zum 25. April steht bei der Aktionswoche mit dem Thema "Sterben in Würde" die Debatte um assistierten Suizid und den Umgang mit schwerstkranken Menschen im Mittelpunkt.

"In Würde sterben zu dürfen, heißt eben nicht, alle Optionen zu haben, um sich jederzeit selbst töten zu können", sagte Bedford-Strohm. Das Hauptaugenmerk bei der "Woche für das Leben" sei darauf gerichtet, "dass wir eine Kultur des Sterbens entwickeln, die nicht länger von der Angst geleitet ist, sondern in der die Liebe Raum gewinnt."

„Wer stirbt, muss sich auf Pflege und liebevolle Begleitung verlassen können”

Entscheidend sei die Frage, ob es endlich gelinge, die Finanzierung der Pflege so auszustatten, dass Pflegekräfte Kranke und Sterbende wirklich liebevoll begleiten können, ergänzte der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende. "Jeder Mensch, der jetzt lebt, muss sich, wenn er stirbt, auf eine Pflege und Begleitung verlassen können, die ihm die Angst vor unwürdigen Umständen am Lebensende nimmt", betonte der Theologe.

Kardinal Marx verwies auf die wachsende Angst vieler Menschen, am Lebensende nicht mehr über sich selbst bestimmen zu können, ein Leben in Schmerzen zu führen und den Angehörigen zur Last zu fallen. Das führe dazu, dass die Attraktivität von Sterbehilfevereinen steige. Die Humanität einer Gesellschaft messe sich indes gerade daran, wie sie mit alten, kranken, schwachen und schwerkranken Menschen umgehe: "Sie verdienen in besonderer Weise unsere Zuwendung - und nicht den Giftbecher."

An dem Eröffnungsgottesdienst mit mehreren hundert Teilnehmern wirkten auch die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs und Erzbischof Stefan Heße vom Erzbistum Hamburg mit. Im Anschluss an den Gottesdienst wollten Marx und Bedford-Strohm bei einer Podiumsdiskussion das Theme "Sterben in Würde" erörtern.

Das diesjährige Motto der ökumenischen Aktionswoche könnte aktueller kaum sein: Nach intensiven Debatten im vergangenen Jahr soll voraussichtlich im Herbst im Bundestag über Gesetzentwürfe zu Sterbebegleitung und Sterbehilfe abgestimmt werden.

Bis zum 25. April finden im Rahmen der Aktionswoche bundesweit Veranstaltungen statt. Die "Woche für das Leben" ist eine Aktion der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland und wird seit 1994 gemeinsam von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) organisiert. Die Kirchen wollen damit auf den Wert des menschlichen Lebens aufmerksam machen. Die Gesellschaft soll für den Schutz des Lebens in allen Phasen sensibilisiert werden.

Wenn pastorale Floskeln zerbrechen

In einer anschließenden Debatte wies Bedford-Strohm darauf hin, dass häufig allein die Begrifflichkeiten – aktive und passive Sterbehilfe, assistierter Suizid – und wie sie strafrechtlich bewertet werden, gar nicht bekannt seien. Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs sagte, in einer Zeit, in der es eine gewisse Sprachlosigkeit zum Thema Sterben und Tod gebe, sei es vielleicht die Aufgabe der Kirche, wieder eine Sprache für diese Grenzerfahrung zu finden. Sie forderte: "Die Auseinandersetzung mit dem Tod darf nicht erst auf dem Sterbebett beginnen."

Sterben in Würde sei mehr als eine gesellschaftliche Forderung, sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Es sei eine Aufgabe "auch für uns selbst, für die Kirchen". Heße führte aus: "Wenn wir über Sterben in Würde sprechen, dann hat zu gelten: Unsere Worte müssen sich messen lassen an dieser für den Betroffenen schicksalhaften Situation. Pastorale Floskeln, Durchhalteparolen und philosophische Argumente zerbrechen hier."

Das leistet eine Palliativstation

Im Anschluss besuchten die Bischöfe die Palliativstation des Universitätskrankenhauses Eppendorf (UKE). Im Gespräch mit Mitarbeitern aus Pflege, Therapie und Leitung informierten sie sich über die Arbeit mit Schwerstkranken. "Wir möchten ein Gefühl dafür entwickeln, wie es wirklich ist, wenn wir Debatten wie etwa zur Sterbehilfe führen", sagte Bischöfin Fehrs. "Man spürt etwas Besonderes hier", sagte Kardinal Marx. Es sei keine normale Krankenhausstation, alles sei etwas "entschleunigt", und die Mitarbeiter verbreiteten eine besondere Stimmung. Fehrs sagte, sie wünsche sich, dass die Palliativmedizin bekannter wird.

Auf der Station mit 12 Betten werden Menschen mit unheilbaren und fortschreitenden Krankheiten aufgenommen, bei denen keine Behandlung mehr helfen kann. Ärzte, Physio-, Musik- und Kunsttherapeuten sowie Psychologen und Seelsorger arbeiten miteinander. Ziel ist, die Patienten so weit zu stabilisieren, dass sie zu Hause oder in einem Hospiz weiter versorgt werden können. Sie bleiben durchschnittlich neun Tage auf der Palliativstation.

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