Kieler Seelsorgerin im Interview

Klinik-Keim: Angehörige und Patienten werden zusätzlich belastet

Den Patienten zur Seite stehen – das leistet die Seelsorge im Krankenhaus (Symbolfoto)
Den Patienten zur Seite stehen – das leistet die Seelsorge im Krankenhaus (Symbolfoto)© Photographee.eu / Fotolia

13. Februar 2015 von Timo Teggatz

Kiel. Der Fall hat Schlagzeilen gemacht: Ein aggressiver Keim breitet sich in der Kieler Uni-Klinik aus, bei drei Patienten ist er möglicherweise die Todesursache. Wie reagiert die Krankenhausseelsorgerin? Ein Gespräch mit Pastorin Rosemarie Wulf.

Am 11. Dezember 2014 kommt ein 74-jähriger Mann in die Notfallaufnahme der Uni-Klinik Kiel. Er hatte Urlaub in der Türkei gemacht und war erkrankt. Seit jenem Donnerstag ist bei 31 Patienten des Uni-Klinikums Schleswig-Holstein (UKSH) der gegen fast alle Antibiotika resistente Keim Acinetobacter baumannii nachgewiesen worden. Zwölf dieser Patienten starben, bei drei von ihnen könnte der Keim die Todesursache sein. Etliche Patienten, bei denen der Keim nachgewiesen wurde, liegen noch auf der Isolierstation. Sie bleibt gesperrt, bis der letzte Patient dort entlassen werden kann. Eine der Seelsorgerinnen am Kieler Uni-Klinikum ist Pastorin Rosemarie Wulf.

Frau Pastorin Wulf, Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit sprach kürzlich im Zusammenhang mit den Todesfällen und Infektionen im Universitäts-Klinikum von „großer Verunsicherung“. Ist diese Verunsicherung auch in Ihrer täglichen Arbeit als Krankenhausseelsorgerin in der Kieler Klinik zu spüren?

Rosemarie Wulf: Die Verunsicherung gegenüber dem UKSH war spürbar in dem großen Verlangen nach Information. Da war und ist medizinische Kompetenz gefragt. Die Fragen nach Auskunft mit seelsorgerlichen Angeboten beantworten zu wollen, wäre sicherlich brüskierend gewesen, denn in dieser Situation möchte verständlicherweise niemand „vertröstet“ werden. So gab es keine zusätzlichen Anfragen an die Seelsorge.

Wie erleben Sie die Situation?

Es ist so, dass die Angehörigen der schwerkranken Patienten in ihrer Sorge noch weiter belastet waren. Die Not ist ohnehin schon groß, die zusätzliche Ungewissheit einer eventuellen Infektion macht es noch schwerer. Viele Angehörige erfahren die hohe Kompetenz, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit der Pflegeteams als entlastend. Man tut, was möglich ist, um zu helfen, lässt Patienten und Angehörige nicht allein. Dabei kann Seelsorge helfen.

Die Patienten sind zum Teil über Wochen isoliert. Wie wird auf diesen Notfall reagiert?

Die medizinisch gebotene Isolation verlangt Patienten viel ab. Wochenlange Isolation führt zu einer Vereinsamung, denn menschliche Kontakte sind auf ein Minimum reduziert. Auch für die geringsten Tätigkeiten muss jeder die Schutzkleidung tragen, der das Zimmer betritt, Kittel, Mundschutz, Haube, Handschuhe. So überlegt man sich, für welche Arbeit oder welche Art von Besuch man diesen Umstand auf sich nimmt. Der Patient sieht wochenlang kein menschliches Gesicht und wird von keiner menschlichen Haut berührt. Da ist auch Seelsorge gefragt, um Kommunikation aufrechtzuerhalten und damit Würde und Selbstbewusstsein des Patienten zu stärken.

Fühlen Sie als Seelsorgerin sich im Umgang mit den eventuell infizierten Patienten sicher?

Isolierte Patienten gibt es im Klinikum ständig. Dafür gibt es vielfältige Gründe. Für das Klinik-Personal und auch für uns Seelsorgerinnen ist der Umgang damit alltäglich; wir schützen entweder die Patienten oder uns selbst. So bin auch ich mit den Hygienemaßnahmen vertraut, bin darin sorgfältig und ohne Furcht.

Gibt es eine höhere Nachfrage nach Ansprache und Seelsorge?

Die Patienten, die den MRGN Keim tragen, sind inzwischen alle auf einer Station isoliert. Das bedeutet für die vielen anderen Stationen, dass sich deren Arbeit wieder normalisiert hat. Intensive Öffentlichkeitsarbeit hat dazu geführt, dass die Fragen beantwortet wurden und Menschen sich orientieren können. Eine Infoveranstaltung vor einigen Tagen im Hörsaal der Chirurgie wurde nur noch wenig besucht. Die Zahl der Anrufe bei den Informationsstellen ist Tag für Tag gesunken. Nun ist Geduld gefordert, denn die Labortests brauchen Zeit. Patienten und Angehörige haben sich mit mehr oder weniger Mühe darauf eingestellt und stärken ihre Hoffnung.

Wie geht das Klinik-Personal mit der Situation um und wie sieht Ihr Blick auf den Klinik-Alltag aus?

Als bewusst geworden war, dass sich der Erreger verbreitet hatte, hat das Klinikum ein Krisenmanagement erarbeitet. Die hohe medizinische Kompetenz des Klinikums zeigt sich auch darin, dass das Problem sachlich und ohne Aufregung behandelt wird. Fachleute von außen waren als Berater hinzugezogen worden. Was konkret in der momentanen Situation getan werden kann, geschieht. Dennoch ist auch in der Öffentlichkeit deutlich geworden, unter welcher großen Last die Mitarbeitenden arbeiten müssen. Finanzielle Gesichtspunkte sind in den Entscheidungen maßgeblich gewesen. Gebäude sind überaltert, Personal wird reduziert, ganze Bereiche sind ausgelagert, an Material muss gespart werden. Bei aller Kompetenz und allem guten Willen und auch hohem Einsatz bleiben Defizite nicht aus. Auch die seelsorgerliche Arbeit hat hier ihre Not. Es fehlt in vielen Stationen die räumliche Voraussetzung für ein persönliches, tiefer gehendes Gespräch, passender Raum muss jeweils erst gesucht oder geschaffen werden.

Im Blick auf die Zustände am Klinikum ist nun viel von Geld die Rede. Ist mit ein paar Millionen Euro mehr die Situation zu verbessern?

Die Krise um die MRGN Keime hat nun noch einmal die strukturellen Probleme an die Öffentlichkeit und ins Bewusstsein gebracht. Die Politik hat darauf reagiert und nimmt sich der Zustände am Campus an. Das ist ein positiver Effekt der Situation. Das „Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein der Zukunft“ ist geplant, und bald wird mit dem Neubau begonnen. Es bleibt zu fragen, wie denn die Jahre bis zur Fertigstellung in den alten Strukturen gestaltet werden. Einige Dinge sind auf den Weg gebracht. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass gute Wege gefunden werden.

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