20 Jahre Aidsseelsorge Hamburg

Leben mit dem Virus: "HIV hat mir das Leben gerettet"

Die Scheu vor Ausgrenzung ist groß, doch Tamara spricht offen über ihre Krankheit (Symbolbild).
Die Scheu vor Ausgrenzung ist groß, doch Tamara spricht offen über ihre Krankheit (Symbolbild).© iStockphoto, leminuit

30. März 2014 von Simone Viere

Hamburg. Als Tamara 1992 von ihrer HIV-Infektion hörte, war sie 34. Der Arzt gab ihr eine Prognose von drei bis maximal fünf Jahren. Damals kam die Diagnose HIV-positiv fast einem Todesurteil gleich. Heute, 22 Jahre später, sagt sie: "HIV hat mir in gewisser Weise sogar das Leben gerettet."

Es fällt ihr nicht leicht, über ihre Lebensgeschichte zu sprechen. Beim Erzählen schließt sie ihre Augen und streichelt einen ihrer beiden Perserkater, der schnurrend um ihren Stuhl herumschleicht. Tamara (Name geändert) hat in ihrem Leben viel erlebt und durchlebt - heute ist sie 56 Jahre alt. Sie findet es wichtig, über ihre Krankheit zu sprechen. HIV sei zu sehr aus den Augen der Öffentlichkeit verschwunden, immer weniger Menschen würden sich outen und über die Krankheit sprechen: "Die Scheu vor Ausgrenzung ist immer noch groß." 

Rund 8.000 HIV-positive und Aids-kranke Menschen leben in Hamburg und Umgebung. Zwei Drittel der Betroffenen sind berufstätig. "Viele verschweigen ihre Infektion. Sie haben Angst, abgelehnt, ausgegrenzt, diskriminiert oder gemobbt zu werden", weiß Pastor Detlev Gause von der Aidsseelsorge in Hamburg.

Die Scheu vor Ausgrenzung ist immer noch groß

Auch Tamara hat Freunde verloren, die mit ihrer Diagnose nicht umgehen konnten. "Eine enge Freundin hat den Kontakt mit mir sofort abgebrochen. Aber es gab auch andere Reaktionen. Menschen, bei denen ich dachte, die sind weg, wenn ich erzähle, dass ich positiv bin - die sind geblieben."

Tamara ist in einem kleinen Dorf in Niederbayern aufgewachsen, zunächst bei Pflegeeltern, später bei ihren leiblichen Eltern. Doch sie ist nicht glücklich, zu ihrer Mutter hat sie kein gutes Verhältnis. Mit 18 geht sie nach Hamburg auf eine Sprachenschule und findet Arbeit in einem Geschäft im Alten Land, wo sie Bücher und Spielsachen verkauft. "Ich hatte damals ein schönes Leben, genug Geld, einen Job, der mir Spaß gemacht hat". Es zieht sie hinaus in die weite Welt, sie reist viel.

In Indien beginnt sie, Drogen zu nehmen. In Hamburg macht sie damit weiter und stürzt ab. Die Drogen werden härter, Heroin, Morphium, Kokain. Sie verliert Job und Wohnung, geht anschaffen. "Ich habe manchmal zehn, zwölf Tage am Stück nicht geschlafen, nichts gegessen - es war mir alles egal. Ich hatte einen Freier nach dem anderen, bin x-mal vergewaltigt worden."

Tamara erinnert sich genau an den Tag, an dem sie ihr Testergebnis erfuhr 

In dieser Zeit lernt sie einen Mann kennen, Thomas aus Somalia. Sie verstehen sich gut, reden viel, und sie schläft einige Male mit ihm, auch ohne Kondom. Wenige Monate danach geht es ihr schlecht, sie bekommt eine schwere Lungenentzündung und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Da hat sie schon den Verdacht, sich mit HIV angesteckt zu haben, doch der Test ist zunächst negativ.

Bei ihrem Hausarzt wiederholt sie den Test. Tamara erinnert sich genau: "Das war der 17. November 1992. Ich komme in die Praxis, der Arzt steht an der Tür, in der Mitte auf dem Tisch liegen Papiere, und er sagt: ?Dein Ergebnis ist gerade gekommen?. Ich sage ?Nein, oder? Er sagte ?Doch?. Damit war alles klar".

Rückblickend ist sie sich sicher, dass Thomas sie angesteckt hat.  "Ich musste dann wieder ins Krankenhaus und wäre dort fast gestorben". Aber Tamara beginnt zu kämpfen, sie will noch nicht sterben. "Ich habe es geschafft, clean zu werden, mich wieder gesund zu ernähren und einen Job zu finden."

Über die Aidsseelsorge findet Tamara zum Glauben zurück

Im Herbst 1994 nimmt sie Kontakt zur Aids-Seelsorge in Hamburg auf. "Ich wollte alles wissen über diese Scheiß-Krankheit." In jener Zeit sei sie sehr auf den Tod fixiert gewesen. "Beerdigungen waren an der Tagesordnung. Mit der Aidsseelsorge waren wir annähernd einmal in der Woche auf dem Friedhof in Ohlsdorf." Die ehemals katholische Christin findet zum Glauben zurück und tritt in die evangelische Kirche ein. Viele Jahre engagiert sie sich ehrenamtlich und besucht Aidskranke im Krankenhaus: "Die meisten hatten ja niemanden mehr, Familie und Freunde hatten sich abgewandt."

 

Info

Die Aids-Seelsorge Hamburg der evangelischen Kirche wird 20 Jahre alt. Das Jubiläum der bundesweit ältesten Aids-Seelsorge-Einrichtung wird mit einer Festwoche unter dem Motto "leben und lieben". Zum Festgottesdienst am Sonntag (30. März, 18 Uhr), wird Bischöfin Kirsten Fehrs in der St. Georgskirche am Hauptbahnhof predigen.

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