4. Dezember 2016 | St. Jürgen-Kirche Rendsburg

Menschen und nicht Gebäude schaffen das Gemeindeleben

04. Dezember 2016 von Gothart Magaard

2. Advent, Festgottesdienst zum 50. Kirchweihjubiläum

Der Friede Gottes sei mit Euch allen!

Liebe Festgemeinde!
Liebe Jubiläums -Gäste aus nah und fern!

Einen 50. Geburtstag sollte man schon gebührend feiern. Das ist wahrlich ein Anlass für einen Gottesdienst, an dem sich die Gemeinde versammelt, um Gott für ein so wunderbares „Zuhause“ wie die St. Jürgen-Kirche zu danken. Und es ist angemessen, dass Sie diesen Gottesdienst mit einem so festlichen Rahmen am heutigen Tag schmücken: mit Grußworten und Reden, mit Büffet und Beamer-Show, mit Foto-Ausstellung und Musik und dazu mit Gästen aus der Gemeinde, aus dem Kirchenkreis und aus der Stadt Rendsburg. Sie „machen wahrlich von sich Reden“!

Mag sein, dass mancher denkt: „50 Jahre – das ist ja noch nicht so viel!“ Aber sollte es so sein, dann ficht Sie das sicher nicht an! Und auch Ihr Kirchengemeinderat, Ihre Pastorinnen und Pastoren – amtierende und ehemalige – und die vielen Ehrenamtlichen, die Verantwortung in der Gemeinde tragen, sind selbstbewusst genug, dankbar vor Gott und frohen Mutes: 50 Jahre St. Jürgen-Kirche ist eine Feier wert!

Und wenn ich mich umsehe, so kann ich nur sagen: Diese Kirche ist auch ein wirkliches Schmuckstück. Ich bin beeindruckt von diesem Raum: von den Glasfenstern mit den Szenen aus der Offenbarung des Johannes, die die gesamte Kirche in ein so einzigartiges Licht tauchen, von der Schlichtheit des Gesamtraumes im Zusammenspiel mit der Holzdecke, die allem eine warme Atmosphäre verleiht oder auch von der förmlich über Altar und Taufe schwebenden Christusfigur.

Es ist großartig, dass wir in allen Gemeinden solche Orte haben, an denen wir zum Gottesdienst und zum Gebet, zu Konzerten und zu Veranstaltungen zusammenkommen können. Und es ein großer Segen an vielen Orten, vor allem in den Städten, auch so wunderbare, moderne Räume wie die St. Jürgen-Kirche als Orte des Gottesdienstes und der Begegnung zu haben.

Wie schön ist es andererseits, dass wir Kirchen wie die altehrwürdige Marienkirche und die Christkirche in Rendsburg und auch die vielen Dorfkirchen aus früheren Jahrhunderten auf dem Lande haben. Diese besonderen Räume sind wirkliche Schätze und Kleinode der Kultur und des Glaubens und vielfach Orte gelingenden Gemeindelebens.

Aber von den Gebäuden an sich und ihrem Alter hängt das Wohl und Wehe des Gemeindelebens nicht ab! Das zeigt das Leben in Ihrer Gemeinde um die St. Jürgen-Kirche herum eindrücklich:

Menschen und nicht Gebäude schaffen das Gemeindeleben – und der Segen Gottes trägt das seine dazu bei.

Wir haben gerade eben mit den Worten des 84. Psalms gebetet: „Wie lieblich sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth…Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln, wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zu Quellgrund und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von einer Kraft zur anderen und schauen den wahren Gott in Zion“ (Ps. 84, 6-8)

Es ist gut, dass wir Menschen Orte des Gottesdienstes, des Gebets und der Andacht haben. Einen Ort für Taufen, Trauungen, Konfirmationen und Beerdigungen. Und Viele aus der Gemeinde werden sich heute an solche besonderen Daten erinnern.

Vor 40 Jahren habe ich als junger Mann meinen Zivildienst im französischen Taizé geleistet habe, und bei den ökumenischen Jugendtreffen der dortigen Bruderschaft mitgewirkt. Der teils schlichte, teils beeindruckende Tagesablauf aller, die dort zu Gast sind oder dort auch längere Zeit leben, spielt sich auf einem großen Gelände um ein eher sehr nüchternes und zweckmäßiges Kirchengebäude herum ab, das nur wenige Jahre älter ist als diese Kirche.

Die Versöhnungskirche ist von großer Bedeutung, da sich dort dreimal am Tag die überwiegend jugendlichen Gäste der Kommunität – das sind oftmals mehrere Tausend - zu Gebeten und Gottesdiensten zusammenfinden. Diese Gottesdienste sind meditativ geprägt, vor allem durch Gesänge und Lesungen in vielen Sprachen, eine längere Zeit der Stille und Gebete.

Sie prägen bis heute das geistlichen Lebens mit hoher Strahlkraft in aller Welt bis in unsere Gesangbücher hinein!

Diese Kirche selbst ist eher schlicht und immer wieder verändert worden. Als der Raum die wachsende Zahl Jugendlicher nicht aufnehmen konnte, wurde kurzerhand die Westfassade eingerissen und ein Zelt angebaut.

Sie hat besondere Glasfenster und eine besondere Lichtführung; genauso wie Sie hier in der Kirche sehr eindrückliche Elemente haben. Seine wahre Bedeutung aber gewinnen beide Gebäude – die Kirche in Taizé und die St. Jürgen-Kirche in Rendsburg – durch die Menschen, die dort und hier ein und ausgehen. Durch Menschen wird Gottes Wirken und seine Gegenwart in Rendsburg und in der Welt sichtbar.

Liebe Gemeinde, als Evangelium haben wir die Geschichte von Zachäus gehört. Zwei Aspekte dieser Geschichte sind mir heute wichtig.

Zunächst: Zachäus ist auf seine Art ein Mann mit Zuversicht, ein Mensch mit Hoffnung – auch dort, wo es aussichtslos scheint. Er ist einer, der zu seinem Leben steht, mit all` den Facetten, die dieses Leben bietet. Zachäus klettert allen Widrigkeiten zum Trotz auf einen Baum, weil er von etwas beseelt ist. Er will Jesus von Nazareth sehen. Er hat von diesem besonderen Mann gehört und will jetzt mitbekommen, „wer dieser Mann wohl wäre“.

Er hat nur zwei Probleme: Er wird in der Stadt gehasst und ausgegrenzt, weil er der Vorgesetzte der Zöllner Jerichos ist. Diese Zöllner kassieren von den Menschen, die in die Stadt hineingehen, Zölle, saftige Zölle zum Teil über die Maßen erhöht, sicher oft für die eigene Tasche. Deshalb will keiner was mit ihm zu tun haben; er wird bestenfalls geduldet.

Und das zweite Problem: Er war auch noch klein, viel zu klein, um von dem Geschehen, das sich da mit dem Kommen Jesu anbahnte, etwas mitzubekommen. Und dabei wollte er doch zu gerne mal sehen, was es denn mit diesem Jesus so auf sich hat.

Trotz all` dieser Widrigkeiten versucht er, die Dinge beharrlich zum Besseren zu wenden. Bei allem, was er getan hat, was er auch an Unrecht und Übervorteilung verschuldet hat, ist dieser Mann bewundernswert in seiner Hartnäckigkeit, seinem Streben und seinem Optimismus.

Dieser Zachäus ist mit allen Brüchen eben ein Mensch mitten aus dem Leben. Er sucht eine Zukunft, weil er sich mit alledem, was ihn bisher ausmachte, nicht abfinden will: Nicht mit seiner Schuld, nicht mit seiner Ausgrenzung aus der Gemeinschaft der Stadt, nicht mit seinen begrenzten Möglichkeiten!

Er hat Hoffnung, dass sich etwas ändern kann, dass sich Dinge zum Besseren wenden. Und er hat eine Ahnung, dass diese Hoffnung von jenem Jesus von Nazareth gestillt werden könnte.

Der zweite Aspekt hat mit Jesus zu tun: Zachäus war auf den Baum geklettert, um diesen Jesus besser sehen zu können. Jesus kehrt bei Menschen ein, bei denen man es eigentlich nicht erwartet. Oder mit anderen Worten: Gott wohnt auch dort, wo wir es als Menschen nicht vermuten. Dort ruft er aber nicht, er winkt nicht, er macht nicht weiter auf sich aufmerksam. Und doch geschieht das Unerwartete: Jesus wird auf ihn aufmerksam!

Mehr noch: Jesus lädt sich sogar selbst bei ihm ein: „Ich muss heute in deinem Haus einkehren“. Und die Menschen drum herum sind empört: „Jesus kehrt bei einem Sünder ein, ausgerechnet bei Zachäus! Wie kann das denn angehen?“

Doch Jesus lässt sich nicht beirren. Er geht dorthin, wo er es für richtig hält. Und das ist seine Botschaft: Gott ist gerade bei den Menschen, die nicht in der ersten Reihe des gesellschaftlichen Lebens sitzen. Er ist bei denen, die krumme und verworrene Lebensläufe haben. Er zeigt sich dort, wo landläufige Maßstäbe und Wertungen nicht mehr passen. Er nimmt Wohnung dort, wo schuldhafte Verstrickung Teil des Lebens ist – und wer könnte das für sich ausschließen? Gott hat seine Maßstäbe, wo er wem begegnet. Gott wohnt auch dort, wo wir es nicht vermuten.

Und diese Begegnung kann Menschen verändern, damals wie heute. Sie kann dem Leben eine neue Richtung geben und neuen Sinn. Zachäus versucht, den Menschen, denen er Unrecht getan hat, etwas Gutes zu tun. Wir würden sagen: Er steigt aus, er kehrt um, weil die Begegnung mit Jesus ihn verändert hat.

Wir können diesen Zachäus heute auch als eine adventliche Gestalt verstehen. Er ist aufmerksam. Er hält Ausschau. „Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier.“ Dieses Lied haben wir heute schon gesungen. Damit bereiten wir uns auf das Kommen Jesu in unsere Welt vor. Wir singen und beten ihn herbei. Advent heißt Ankunft und Zachäus auf dem Baum steht uns vor Augen.

Bei dem Kirchweihjubiläum heute kann uns Zachäus ein gutes Vorbild sein: Wenn wir auf die zurückliegenden Jahre des Gemeindelebens blicken, die eigenen Möglichkeiten realistisch einschätzen und beim Blick auf die Zukunft ein großes Vertrauen, ein großes Gottvertrauen in uns tragen.

Und Anlass zu einer solchen, positiv gestimmten Haltung ist nicht allein das Kirchengebäude, das Bischof Hübner am 4.12.1966 – also heute vor genau 50 Jahren – eingeweiht hat. Es sind auch die vielen wunderbaren Erlebnisse aus dem Gemeindeleben der letzten Jahrzehnte, die Ihre Freude und Ihre Dankbarkeit verstärken. Die Fotoausstellung, die heute eröffnet wird und die Herr Schöning mit zwei weiteren Gemeindegliedern so hervorragend gestaltet hat, gibt dazu eindrucksvoll Auskunft: Vom Bau der Kirche in den 60er Jahren über die offene Jugendarbeit im Stadtteil, weiter über die Fahrten und Freizeiten zum berühmten „Heidberg“ in Alt-Duvenstedt bis hin zu den Begegnungen in den Gemeindehäusern in der Ahlmannstraße und im Mastbrook und vieles andere mehr.

Da haben Sie wirklich viele schöne Erfahrungen und Gründe für eine zuversichtliche Grundstimmung.

Gottvertrauen und Zuversicht sind in guten und schwierigen Zeiten des Gemeindelebens wichtig: Der Stadtteil hat sich deutlich verändert Menschen sind weggezogen, andere Menschen sind hinzugekommen. Das Leben und der Charakter im Stadtteil haben sich verändert und man kann sagen, dass es auch die eine oder andere soziale Problemlage im Umfeld gibt. Und auch innerhalb der Gemeinde gab es in den letzten Jahren besondere Herausforderungen und nach wie vor geht es darum, die vakante Pfarrstelle gut zu besetzen.

Liebe Gemeinde, Sie wissen darum, dass das heutige Jubiläum nicht nur Ergebnis eigenen Tuns ist, sondern dass es vielmehr Ausdruck der Gnade und Liebe Gottes ist. Dieser Gott will auch bei Ihnen zu Gast sein, heute und in Zukunft. Denn Gott sieht uns mit Freude an, er freut sich über das Gottvertrauen und die Zuversicht seiner Gemeinden und er stärkt und ermutigt durch Durststrecken hindurch!

Dieser Gott segne Sie auf all` Ihren zukünftigen Wegen!
Amen

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