Quereinstieg ins Pfarramt

Mit Gottvertrauen vom Militär zur Kirche

Er mag "Bible and BBQ" und geht offen mit seinen Zukunftsplänen um: Tobias Heike möchte Pastor in der Nordkirche werden. Aktuell ist er jedoch Offizier und Ausbilder in der Marineschule Flensburg.
Er mag "Bible and BBQ" und geht offen mit seinen Zukunftsplänen um: Tobias Heike möchte Pastor in der Nordkirche werden. Aktuell ist er jedoch Offizier und Ausbilder in der Marineschule Flensburg. © Privat

24. Februar 2021 von Julia Krause

Wie kommt ein Offizier der Bundeswehr dazu, berufsbegleitend Theologie zu studieren, um als Quereinsteiger Pastor in der Nordkirche zu werden? Tobias Heike erklärt es. Ein Porträt über einen entschlossenen Mann und seinen ungewöhnlichen Werdegang.

Der Einsatz in Afghanistan ist wohl für die wenigsten Soldaten einfach gewesen. Tobias Heike war dort 2011 stationiert – mitten in einer internationalen Krise, die auch für die Bundeswehr Tote und Verletzte bedeutete. Um zur Ruhe zu kommen, geht der Offizier in die Lagerkapelle und fängt an, dort Klavier zu spielen. Was zunächst als Ablenkung gedacht war, wird schnell zur Routine. Zusammen mit dem Militärpfarrer gründet er einen kleinen Chor. Mitten im Militärgeschehen hatte diese Zusammenkünfte einen "direkten, lebensnahen Bezug" sagt er im Rückblick. Er habe damals gemerkt: "Dieser Krieg ist nicht alles." 

USA-Aufenthalt wirkt bis heute nach

Neun Jahre später beginnt er selbst ein Theologie-Studium, um Pastor in der Nordkirche zu werden. Was auf den ersten Blick wie eine radikale Kehrtwende wirkt, ist auf den zweiten zwar immer noch ungewöhnlich, aber nachvollziehbar.

Denn es ist nicht so, dass Tobias Heike Militär und Kirche für unvereinbar hält. Auch heute noch arbeitet er als Ausbilder bei der Marine, während er sich zum Theologen an der Uni Greifswald weiterbildet. Auch in den USA, wo er seine jetzige Frau kennenlernte, seien beide Welten eng miteinander verknüpft. Das habe ihn geprägt, sagt der 37-Jährige.

Und dort liegt auch der Schlüssel für sein Interesse an Glaubensfragen. Denn bis er 2001 ein Austausch-Jahr in den Vereinigten Staaten machte, war seine Verbindung zur christlichen Kirche recht lose. "Ich bin zwar getauft, aber nicht konfirmiert gewesen", sagt er. Mit dem Kennenlernen der amerikanischen Kultur und den neuen Freundschaften in Pennsylvania wurde seine Neugier für die christliche Gemeinschaft geweckt. Durch die Verbindung zu seiner späteren Frau, die in einem christlichen Umfeld groß geworden war, verstärkte sich dieses Gefühl. Bald sang Tobias Heike im Kirchenchor in Camp Hill nahe Harrisburg, und engagierte sich auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland weiter in der Kirche.

Christlicher Glauben ist das Fundament

Mit dem Einsatz in Afghanistan, den er selbst "als extrem schwere Zeit" beschreibt, begann jedoch erstmals der Wunsch nach einer beruflichen Umorientierung in Richtung Gemeindearbeit zu reifen. Nicht aus Gewissenskonflikten – die Bundeswehr sei kein Kriegstreiber – betont er, sondern weil er seinen eigenen Glauben als etwas sehr Positives empfinde. "Er ist ein solides, starkes Fundament", erklärt Heike, der auch schon als Laienprediger unterwegs war. Dieses Gottvertrauen wolle er weitertragen, um damit auch anderen eine Stütze zu sein.

Anfangs überlegte der Vater zweier Kinder sogar, dafür in die USA auszuwandern, wo die Hürden auf dem Weg zum Priesteramt leichter zu überwinden sind. Doch dann bekam er Hilfe von einem Engel, sagt er schmunzelnd. Gemeint ist Gunnar Engel, Pastor in seinem Wohnort Wanderup nahe Flensburg. "Der war zufällig mit Tobias Sarx wandern (Anmerkung der Redaktion: Studienleiter am Prediger- und Studienseminars der Nordkirche) und kam strahlend wieder und sagte: ich hab’ da was für dich!".

Und so schrieb Tobias Heike ein Motivationsschreiben, büffelte Griechisch und Hebräisch und bereitete sich auf die Bibelkunde-Prüfung vor. Schließlich war es geschafft: Er wurde zum Weiterbildungstudiengang "Master of Theological Studies" zugelassen und gehört nun zur ersten Generation der Nordkirche, die den Pfarrberuf als Quereinsteiger erlernt.

Skepsis wirft ihn nicht aus der Bahn

Er sieht glücklich aus, wenn er davon erzählt. Und ziemlich überzeugt. Auch wenn der Weg dahin kein leichter war. Am meisten Sorge habe es ihm bereitet, seinen Eltern von der Entscheidung zu erzählen. Einfach, weil die mit der Kirche nicht besonders viel anfangen können. Doch als es so weit war, erlebte er eine Überraschung. "Meine Mutter hat sich kaputtgelacht und gesagt, dass ich mich schon als kleiner Junge gern als Pfarrer verkleidet hab. Das war mir gar nicht so bewusst", erzählt er.

Bei Militärkollegen stoße er dagegen hin und wieder noch auf hochgezogene Augenbrauen und den Satz "Ist das dein Ernst?". Tobias Heike nimmt es gelassen. Auf die Frage, was er aus seinem jetzigen Beruf mitbringe, was ihm auch später als Pastor nützlich sein könne, sagt er mit einem Augenzwinkern "eine hohe Bürokratie-Toleranz." Das wichtigste sei aber "eine gute Portion Gottvertrauen." 

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