Tag des offenen Denkmals

Offene Türen "Jenseits des Guten und Schönen"

Das Maschinenhaus der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch in Neustrelitz, Mecklenburg-Vorpommern.
Das Maschinenhaus der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch in Neustrelitz, Mecklenburg-Vorpommern. © Klaus Mebus, Tag des offenen Denkmals

06. September 2013 von Simone Viere

Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, Gebäude aus der Nachkriegszeit oder einst abrissgefährdete Bauten stehen im Mittelpunkt beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September. In diesem Jahr geht es um "Unbequeme Denkmale" und Fragen wie diesen: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem und warum? Gibt es überhaupt "bequeme" Denkmale? Einige Bauten sind nur an diesem Tag für die Öffentlichkeit zugänglich. Zahlreiche Veranstaltungen am Sonnabend und Sonntag greifen das Motto auf.

In Hamburg öffnen an dem langen Wochenende 110 normalerweise verschlossene Orte ihre Türen für eine kostenlose Besichtigung. "Das kontroverse Schwerpunktmotto wird sicherlich zu interessanten Diskussionen und eventuell auch zu einem neuen Blick auf die Stadt und ihr bauliches Erbe führen", erklärte Kultursenatorin Barbara Kisseler.

Hamburg : Offene Kirchen, "unbequeme Gräber" und Baustellenführungen 

So findet in der ehemaligen Israelitischen Töchterschule (Karolinenstraße 35) am Sonnabend um 15 Uhr ein Zeitzeugengespräch mit der ehemaligen Schülerin Steffi Wittenberg statt, an dem man nach Voranmeldung teilnehmen kann. Am Sonntag gibt es um 11, 13 und 15 Uhr Führungen im Betsaal des ehemaligen Israelischen Krankenhauses (Simon-von-Utrecht-Straße 4a). "Unbequeme Grabstätten" wie Gräber umstrittener Persönlichkeiten oder ungewöhnlich gestaltete Ruheorte können Interessierte auf dem Ohlsdorfer Friedhof bei einer Führung am Sonntag um 10.30 Uhr (Treffpunkt: Verwaltungsgebäude) entdecken.

Die ehemalige Kapernaumkirche in der Sievekingsallee kann am Sonnabend zwischen 13 und 16 Uhr besichtigt werden. Die seit 2004 entwidmete Kirche wurde 2012 verkauft und soll nun zu einer Moschee umgestaltet werden. Im Gemeindehaus des Michels gibt es am Sonnabend um 11 und 13 Uhr Baustellenführungen. Von 14 bis 18 Uhr kann am Sonntag das Schröderstift in Eimsbüttel besucht werden, das heute Zentrum der koptisch- und äthiopisch-orthodoxen Kirchengemeinden ist. Auch die Askari-Reliefs und die Lettow-Vorbeck-Kaserne in der Wilsonstraße 45 in Wandsbek erscheinen vielen Bürgern als provozierende Denkmale der NS-Zeit. Führungen zum Thema "Deutscher Kolonialismus in Afrika" gibt es am Sonnabend um 10 und 15 Uhr sowie am Sonntag um 10 Uhr. Zu unbequemen Denkmalen wie umstrittenen Sanierungsobjekten, Schutzbunkern und Gotteshäusern in St. Pauli führt ein Spaziergang am Sonntag um 13, 14 oder 15 Uhr.

Schleswig-Holstein: Eröffnung mit Gottesdienst 

In Schleswig-Holstein wird der Denkmaltag in Kiel-Friedrichsort eröffnet. Nach einem Gottesdienst mit Pastor Volker Landa um 10 Uhr im Kabellager der Seefestung werden zur Eröffnungsveranstaltung um 11 Uhr Kultusministerin Anke Spoorendonk, Landeskonservator Dr. Michael Paarmann und der Kieler Kulturdezernent Wolfgang Röttgers erwartet. Auch zahlreiche Kirchen beteiligen sich am Denkmaltag, mit Gottesdiensten, speziellen Angeboten für Kinder, Konzerten und Führungen. Der Schleswiger Dom bietet unter anderem Führungen zu Monstern im und am Dom und zur Todessymbolik an.

In Schleswig-Friedrichsberg führt am Sonntag um 15.30 Uhr Norbert Wilkens durch und um die Dreifaltigkeitskirche. Soldatengräber des 19. Jahrhunderts und eine Dokumentation über die Friedenskirche und deren Abbruch gibt es zu entdecken. In Lübeck sind am Sonntag zwei sonst geschlossene Bunker geöffnet. Im 2. Weltkrieg wurde anstelle der Vorderhausbebauung des ehemaligen klösterlichen Hofes im Reinfeld ein Bunker an der Obertrave 20 erbaut. Um 12 und um 15 Uhr kann er bei Führungen betreten werden. Der Bunker am Mühlentorplatz 2 ist von 10 bis 17 Uhr offen. In Neumünster öffnet die Justizvollzugsanstalt in der Boostedter Straße 30 am Sonntag ausnahmsweise ihre Pforten für Interessierte. Ab 14.30 Uhr gibt es Führungen. Für den Eintritt ist ein Personalausweis erforderlich. Handys und Kameras dürfen nicht mit hineingenommen werden. Eine Führung mit Besichtigung aller Gotteshäuser bietet man in Friedrichstadt an. Treffpunkt ist um 14 Uhr auf dem Markt.

Die ehemalige evangelische Akademie Nordelbien in Bad Segeberg ist am Sonntag um 11 Uhr zur Führung geöffnet. In der Stadtkirche in Glückstadt befindet sich an der linken Turmseite der Anker eines Schiffes der hamburgischen Kriegsflotte, das auf der Elbe erbeutet wurde. Um 12 Uhr führt Pastor Schröder durch die Kirche. Beim Sonntagsgespräch um 15 Uhr in die Gedenkstätte Ahrensbök diskutieren Pastor Michael Schwer und Dr. Ingaburgh Klatt die Frage: "Warum ist die Gedenkstätte ein umbequemes Denkmal?"

Mecklenburg-Vorpommern: "Wie geht es weiter mit dem Greifswalder Dom?"

Rund 200 Denkmale öffnen in Mecklenburg-Vorpommern zum Tag des offenen Denkmals  ihre Türen. Darunter sind viele Kirchen, die sich mit dem diesjährigen Motto "Unbequeme Denkmale?" auseinandersetzen. So gibt es im Greifswalder Dom St. Nikolai eine Gesprächsrunde (11.30 Uhr) zum Thema "Wie geht es weiter mit dem Dom?". Das Gotteshaus braucht nach Angaben von Pastor Matthias Gürtler in den nächsten Jahren rund zwölf Millionen Euro für dringend erforderliche Sanierungsarbeiten.

Gottesdienste auf dem Kirchturm und Dachboden in Retzin

"Unbequem" soll es auch in Retzin in Ostvorpommern zugehen. Dort plant Pastor Matthias Jehsert Gottesdienste auf dem Kirchturm und auf dem Dachboden der Kirche. Zu einem ungewöhnlichen Angebot lädt St. Nikolai in Stralsund ein: Dort gibt es am Denkmaltag (10.30 Uhr) einen "Kunstgottesdienst zum Georgsmartyrium".

In Schwerin steht die Bewerbung des Residentensembles für das UNSECO-Weltkulturerbe im Mittelpunkt. Die Landeshauptstadt und das Land haben im vergangenen Jahr einen entsprechenden Antrag bei der Kultusministerkonferenz eingereicht. Jeweils um 11, 14 und 16 Uhr werden Rundgänge durch das "Residenzensemble Schwerin" angeboten. In Wismar öffnet von 10 bis 18 Uhr die St. Georgen-Kirche, die nach Bombenschäden 1945 zur Ruine verfiel und seit 1990 wieder aufgebaut wurde.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die den "Tag des offenen Denkmals" seit 1993 koordiniert, gehören zu den Besonderheiten an diesem Tag auch die ehemalige Landesirren-, Heil- und Pflegeanstalt Domjüch in Neustrelitz, die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Rostock, die Schwedenmühle in Anklam und der Wasserturm in Waren. 

Die Anstalt Domjüch wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Militärstandort der Sowjetarmee genutzt. Von 1993 bis 2010 standen die acht denkmalgeschützten Gebäude inmitten einer Parkanlage am See leer. Seither bemüht sich ein Verein um den Erhalt der Bausubstanz. In der 1726 erbauten Schwedenmühle in Greifswald war zur Zeit der Schwedenherrschaft in Pommern die Gerichtsstube untergebracht. Die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt wurde ab 1960 vom Ministerium für Staatssicherheit genutzt. Heute ist in einem Teil des Zellentrakts eine Dokumentations- und Gedenkstätte untergebracht.

Die  Ostseeinseln beteiligen sich mit der Öffnung diverser Denkmäler

In Rostock öffnet das Kloster zum Heiligen Kreuz seine Pforten (10 bis 18 Uhr). Das 1270 gestiftete und in mehreren Bauphasen errichtete Zisterzienser-Nonnenkloster ist die einzige weitestgehend erhaltene Klosteranlage in Rostock, seit 1980 Sitz des Kulturhistorischen Museums. Die umfangreichen Restaurierungsarbeiten am Klosterkomplex wurden vor kurzem abgeschlossen. Auch die Ostseeinseln beteiligen sich mit der Öffnung diverser Denkmäler.

So hat auf Hiddensee das "Leuchtfeuer Dornbusch" geöffnet (10.30 bis 16 Uhr). Der über 100 Jahre alte Leuchtturm wurde auf einem 72,5 Meter hohen Dornbuschhügel errichtet und 1888 in Dienst gestellt. In Prora auf Rügen ist von 10 bis 16 Uhr der sonst nicht zugängliche Block IV des ehemaligen "Kraft-durch-Freude"-Seebads geöffnet. Die Anlage ist neben dem "Reichsparteitagsgelände" in Nürnberg die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft aus der Zeit des Nationalsozialismus.

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