1. September 2019 | Kirche Gülzow

„Suche Frieden und jage ihm nach!“

01. September 2019 von Kristina Kühnbaum-Schmidt

Predigt im Festgottesdienst 200 Jahre Kirche Gülzow über die Jahreslosung 2019, Psalm 34,15

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt.
Amen.

I

Liebe Schwestern und Brüder!

200 Jahre Kirche in Gülzow – Ein besonderes, ein schönes Jubiläum! Ein Jubiläum, das Sie hier in der Gemeinde, hier im Ort sogar mit einer ganzen Festwoche begehen. Gestern zum Beispiel mit dem besonderen Petrimarkt. Und gleich zu Beginn dieser Festwoche gab es Neues zur Geschichte der Kirche und des Ortes zu erfahren.

Seit 200 Jahren kommen Menschen hier in dieser Kirche zusammen. Sie singen, beten, musizieren. Was dieser Kirchraum wohl schon alles gehört hat: die Stimmen vieler unterschiedlicher Menschen. Alte. Junge. Frauen. Männer. Arme. Reiche. Kranke. Gesunde. Lieder, die hier gesungen werden. Worte, die aus der Bibel vorgelesen werden. Die Gebete, die hier gesprochen werden. Laute und leise, hörbare und unhörbare Worte, lange Fürbitten und kurze Stoßseufzer. Manche voller Angst und Verzweiflung, andere voller Dankbarkeit und Glück. Ja, diese Kirche ist ein Ort für das ganze Leben!

Seit 200 Jahren kommen Menschen in dieser Kirche zusammen. Sie sehnen sich danach, Worte zu hören, die ihre Seele berühren. Die das Herz leichter machen. Oder die ihre Freude, ihr Glück zum Ausdruck bringen. Sie lauschen wunderbarer Musik, die wie eine Brücke zum Himmlischen sein kann. Sie hören auf Worte der Heiligen Schrift. Worte, die sie in ihrem Leben begleiten. Worte, die Wegweiser sein können für das eigene Leben. Worte, die auch über einen Tag hinaus wichtig und hilfreich sein können.

Worte der Heiligen Schrift, wie sie auch auf der Homepage Ihrer Gemeinde sichtbar werden. Gleich auf der Startseite stehen sie – unübersehbar. Und das schon seit 243 Tagen. Seit 243 Tagen stehen sie dort, die Worte der Jahreslosung für dieses Jahr aus dem 34. Psalm: „Suche den Frieden und jage ihm nach.“

II

Es berührt mich sehr, gerade heute auf diese Worte zu hören. Heute jährt sich zum 80. Mal der Tag, an dem Truppen der damaligen deutschen Wehrmacht unser Nachbarland Polen überfielen. Heimtückisch und von langer Hand geplant. Der Zweite Weltkrieg mit unsäglichem Leid und unzähligen Opfern begann.

Mit diesem Tag ist deshalb heute auch die Erinnerung an das Unheil und die schrecklichen Verbrechen verbunden, die von Deutschland aus in Polen, in Europa und anderen Weltregionen verübt wurden. Voll Scham denken wir heute dabei an alles Unrecht und Leid, an Gewalt und Tod, die in deutschem Namen verübt wurden. Wir gedenken der Toten und all derer, die verfolgt wurden, die verwundet wurden an Leib und Seele. Wir denken an die Kinder und Enkelkinder, die mit den Traumata ihrer Eltern und Großeltern aufwachsen mussten. Wir denken an das Leid, das Menschen hier in Gülzow widerfuhr, als der von deutschem Boden ausgegangene Krieg schließlich auch hier Einzug hielt und Menschen ihr Leben lassen mussten. Hier in Gülzow brannte noch kurz vor Kriegsende bei einem Artilleriebeschuss das Pastorat bis auf die Grundmauern ab. Auch weitere Häuser wurden zerstört, Tote waren zu beklagen.

Wie wichtig sind da gerade heute die Worte des 34. Psalms, die über diesem Jahr wie ein großes Ausrufezeichen stehen: „Suche den Frieden und jage ihm nach.“Wie wichtig sind sie gerade heute, zum 200. Jubiläum dieser St.-Petri-Kirche. Denn diese Kirche ist der Ort hier in Gülzow, wo genau dieser Friede immer wieder erbeten, besungen und weitergegeben wird.

Weil Gott Frieden stiftet, lädt er uns ein, hierher, in einen Raum des Friedens und der Stille. Wo innere und äußere Zwistigkeiten, wo Streit und Anfeindungen ruhen sollen. Wo wir eingeladen sind zur Versöhnung. Mit Gott und den Menschen.

Nachher, bei der gemeinsamen Feier des Abendmahles, werden wir einander das ganz deutlich sagen: „Friede sei mit Dir – und mit Dir!“Und es mit einem Händedruck, einer freundlichen Geste, vielleicht sogar einer Umarmung bekräftigen. Ja, Friede soll mit dir sein. In Frieden sollst du leben.

Und am Ende dieses wie jedes Gottesdienstes werden wir auseinandergehen, begleitet vom großen Friedenswunsch Gottes für unser persönliches Leben, für unsere ganze Welt. „Gehet hin in Frieden.“„Gott segne dich.“

III

„Suche den Frieden und jage ihm nach.“Der Friede, von dem uns die Bibel erzählt, meint nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Sondern ein umfassendes Wohlgehen für uns und unser ganzes Leben. So, dass alles, was lebet, aufatmen kann. Frieden spürt. Wohlwollen. Geborgenheit.

Ein solcher Friede fällt nicht vom Himmel. Er muss immer wieder erarbeitet, erbeten, herbeigesungen werden. Und niemals in unserem irdischen Leben wird er wohl vollkommen sein. Wir jagen ihm nach. Erhaschen und genießen ihn. Und suchen ihn wieder neu. Bis Gottes Frieden einmal alles Leben auf dieser Erde umfassen und ergreifen wird.

„Suche den Frieden und jage ihm nach!“Unsere Suche nach Frieden auf dieser Erde kann einen müde werden lassen. Unsere Suche nach Frieden in unserem ganz persönlichen Leben kann lange währen. Ob sich dieser Friede jemals finden lässt? Mir hat dazu einmal jemand gesagt: „Die Leute im Mittelalter, die die großen Kathedralen gebaut haben, haben sie ja nie fertig gesehen. Zweihundert oder mehr Jahre wurde daran gebaut. Da hat irgendein Steinmetz eine wunderschöne Fensterrose gemacht, nur die hat er gesehen, das war sein Lebenswerk. Aber die fertige Kathedrale hat er nie gesehen.Niemals konnte er in sie hineingehen. Und doch – eines Tages gab es sie wirklich. So ähnlich musst du dir das auch mit dem Frieden vorstellen.“

„Suche den Frieden und jage ihm nach!“Wo immer Kirchen stehen, wo immer sich Menschen wie hier in Gülzow von Generation zu Generation dafür einsetzen, dass diese Kirchen erhalten bleiben, da sind auch immer Menschen zu finden, die einander vom Frieden Gottes erzählen. Davon, was dieser Friede für unser Leben bedeutet. Menschen, die die gute, die Friedensbotschaft von Jesus Christus weitersagen. Die dafür sorgen, dass deren Inhalt nicht verloren geht: Dass es in Jesus Christus einen gibt, der für die bedingungslose Liebe Gottes zu uns Menschen einsteht. Mit seinem Leben.

Dass es in Jesus Christus einen gibt, der sich gegen alle Mächte der Zerstörung und des Unfriedens behauptet. Der auch uns dazu Hoffnung und Kraft schenkt. Auf dass wir Friedenslieder singen und nicht ins Kriegsgeschrei einstimmen. Auf dass wir uns für Versöhnung einsetzen und nicht für gesellschaftliche Spaltung. Und so nicht mit hochgezogenen Grenzen Abschottung, Misstrauen und Angst fördern, sondern an einer Kultur des Vertrauens mitarbeiten, die Gemeinschaft über Grenzen hinweg stiftet: Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit. Frieden.

Von ihm, von Jesus Christus, sagen Menschen bis heute: „Christus ist unser Friede“.Und reichen einander die Hände zur Versöhnung. Über so viel Trennendes, über persönliche Zerwürfnisse, über die Grenzen von Religionen und Konfessionen von Nationalitäten und Kulturen, ja, bisweilen auch selbst über einander zugefügtes Leid hinweg. „Suche den Frieden und jage ihm nach.“„Christus ist unser Friede.“Wo Menschen Christus nachfolgen, finden sie Hoffnung und Mut, um einzustehen für Versöhnung, Verständigung, Frieden. Ist das nicht wundervoll – voll der Wunder mitten in unserem Leben?

IV

200 Jahre St.-Petri-Kirche in Gülzow – das lässt uns dankbar dafür sein, dass in den vergangenen 200 Jahren viele ehren- und hauptamtlich Mitarbeitende, aber auch der Kirchenkreis, die Kommune und die Landeskirche, unendlich viel Liebe, Zeit, Geld und Kraft für den Erhalt dieser Kirche aufgebracht haben – auch und gerade in Zeiten, in denen das alles andere als selbstverständlich war. Es gab und gibt Menschen, denen diese wunderbare Kirche am Herzen liegt – ihnen allen sei dafür heute von Herzen gedankt!

Diese Kirche zu erhalten, das heißt, hier in Gülzow dafür zu sorgen, dass der Blick der Liebe Gottes, dass die Sicht des versöhnenden Friedens, der von Christus ausgeht, auf unsere Welt und alle Menschen erhalten bleibt. Dass die Geschichten der Bibel weitererzählt werden, die davon berichten, wie durch diese Liebe und diesen Frieden auch in dunklen Zeiten neues Licht und neue Hoffnung in unser Leben kommt. Wenn wir heute das 200jährige Bestehen der St.-Petri-Kirche in Gülzow feiern, dann feiern wir, dass die Liebe des dreieinigen Gottes zu uns, dass sein Friede Bestand hat – hier in Gülzow und überall in der Welt. Was für ein wunderbarer Grund zum Feiern und Singen!
Amen.

 

 

 

 

 

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