Jubiläum Mönchsradweg

Wenn Mönche schon hätten radeln können...

Ein Radler fährt auf dem Mönchsweg durch ein Meer von Apfelblüten.
Ein Radler fährt auf dem Mönchsweg durch ein Meer von Apfelblüten.© epd-bild/Dieter Sell

08. Mai 2017 von Klaus Merhof, Thomas Morell, Lena Modrow

... dann hätten sie wahrscheinlich diesen Radfernweg genommen. Vor zehn Jahren wurde er in Schleswig-Holstein als der erste spirituelle Mönchsweg für Radfahrer von der Elbe bei Glückstadt bis zur Ostsee-Insel Fehmarn eröffnet. Am Sonnabend (13. Mai) wird das Jubiläum in Bad Segeberg gefeiert.

Der 342 Kilometer lange Radfernweg verbindet die wichtigsten Orte der Christianisierung in Schleswig-Holstein. Der direkte Weg von Glückstadt nach Puttgarden wäre nur halb so lang. Doch die Fahrradstrecke wurde extra so gewählt, dass möglichst viele mittelalterliche Kirchen und Kapellen besucht werden können - darunter auch das einzige noch lebendige Kloster in Nütschau. Ein blau-weißes Logo dient als Wegweiser.

Bis nach Roskilde radeln 

Mittlerweile ist der Mönchsweg auf 980 Kilometer angewachsen. Wer in Puttgarden mit der Fähre ins dänische Rödby übersetzt, kann dort seit 2011 auf der "Route 88" bis Roskilde radeln, zum Teil an einer ausgedienten Eisenbahntrasse entlang. Pfingsten 2014 wurde der Mönchsweg sogar ins nördliche Niedersachsen verlängert. Auf der 190 Kilometer langen Route geht es von der Elbfähre Wischhafen über Stade, durchs Alte Land über Harsefeld und Zeven bis Bremen. Mehr als 30 Kirchen und Klöster können hier besichtigt werden. 

 

Aber Achtung: Süddeutsche sollten sich von dem gleichmäßigen Höhenprofil nicht täuschen lassen. So hat Schleswig-Holstein zwar keine echten Berge, die zahlreichen Hügel in Ostholstein erfordern dennoch kräftige Waden. Unterstützung kommt da allenfalls von einem kräftigen Westwind. 

Das Projekt wurde größer als einst gedacht

Keimzelle des Mönchwegs ist die Waldkapelle Mönkloh im Kreis Segeberg. Die Gemeinde wollte ursprünglich nur einen vier Kilometer langen Radweg ins benachbarte Weddelbrook bauen. Zuschüsse, so wurde den beiden Bürgermeistern Fritz Abel und Peter Boyens mitgeteilt, gebe es nur für überregionale Radwege mit touristischer Bedeutung. 

 

Gemeindepastor Jörg Fenske wusste damals Rat: Im Auftrag der Nordelbischen Kirche entwickelte er das Konzept für einen spirituellen Radfernweg in Schleswig-Holstein, der auch durch Mönkloh und Weddelbrook führt. Nach Einschätzung von Pastor Fenske ist es mit dem Mönchsweg gelungen, passionierte Radler und engagierte Christen gleichermaßen anzusprechen. Viele Radler würden auf diese Art zum christlichen Glauben herangeführt - und viele Christen zum Sport motiviert. 

Die Kirchen müssen öffnen

Stetige Aufgabe bleibt es, Gemeinden zu bewegen, ihre Kirchen verlässlich zu öffnen. Es gebe Fortschritte, aber es gehe sehr langsam, so Martina Kriwy, Sprecherin des Trägervereins Mönchsweg. Die Sorge vor Diebstahl und Vandalismus sei groß. Während die historischen Stadtkirchen in der Regel tagsüber geöffnet sind, muss man sich in Glückstadt, Wilster oder Kellinghusen den Schlüssel selbst besorgen.  

90.000 Radler auf dem Radweg pro Saison

Nach einer offiziellen Zählung des Wirtschaftsministeriums 2015 fuhren von Mai bis Oktober rund 90.000 Radfahrer auf dem Mönchsweg. Errechnet wurde daraus ein Umsatz von etwa 20 Millionen Euro. Allerdings halten sich viele Radler nicht an den historische Weg der Missionare: Während die Christianisierung von Süden nach Norden verlief, radeln die meisten lieber von Fehmarn Richtung Elbe.  

 

Fest zum Mönchswegjubiläum

Das Programm beginnt um 11 Uhr in der Marienkirche (Marktplatz 5, 23795 Bad Segeberg) mit der „Musik zur Marktzeit“. Unter der Leitung des Kreiskantors Andreas Maurer-Büntjen wird eine Bachkantate gespielt. Ab 12.30 Uhr findet auf der Open-Air-Bühne ein ökumenischer Gottesdienst mit Nordkirchen-Bischof Gothart Magaard und Dekan Leo Sunderdiek vom Erzbistum Hamburg statt. Im Laufe des Tages treffen sechs Radgruppen ein, die als Sternfahrt aus Kellinghusen, Bad Bramstedt, Henstedt-Ulzburg, Neumünster, Kaltenkirchen und Oldenburg in Holstein zum Marktplatz kommen. 

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