„Zwei Völker – ein Land. Eine biblische Vision für Frieden zwischen Israel und Palästina“

23. August 2019

Dieser Vortrag hat kontroverse Diskussionen ausgelöst. Er wird hier dokumentiert. Bitte beachten Sie dazu die beiden folgenden Pressemitteilungen der Nordkirche.

Pressemitteilungen:

Erklärung von Bischof Dr. Abromeit zur aktuellen Medienberichterstattung

Statement der Nordkirche: Klare Haltung gegen jede Form von Antisemitismus    

Vortrag:

„Zwei Völker – ein Land. Eine biblische Vision für Frieden zwischen Israel und Palästina“

Vortrag von Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit im Seminar der 124. Blankenburger Allianzkonferenz am 1. August 2019 in Bad Blankenburg

„Seit Jahrzehnten kommt der Nahe Osten nicht zur Ruhe. Seit der Gründung des Staates Israel 1948 gab es sechs Kriege zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten, und bis heute fordern die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern immer wieder Tote und Verletzte. Es gibt kaum eine Familie sowohl auf der Seite der Israelis als auch auf der Seite der Palästinenser, die nicht Mitglieder in diesem Konflikt verloren hat. Dadurch ist die Kluft, die die beiden Völker in diesem Land trennt, kaum überwindbar.

Als Christ lese ich die Bibel auch mit der Frage, was unsere Heilige Schrift zu einem möglichen Frieden beitragen kann. Was sagt der Tanach, die hebräische Bibel und unser Altes Testament dazu? Gibt es im Neuen Testament Aussagen, die zum Thema beitragen? Fördern diese Texte den Frieden, oder verhindern sie ihn gar? Gibt es Hoffnung auf ein friedliches Miteinander von Israelis und Palästinensern, von Juden, Christen und Moslems? Ich meine, dass es Hinweise zu einer biblischen Vision für Frieden zwischen Israel und Palästina gibt. Bevor wir jedoch dazu kommen, möchte ich versuchen, in diesem Vortrag über die Hintergründe des Konfliktes zu informieren, die unterschiedlichen Narrative von Israelis und Palästinensern zu verstehen, und zeigen, wie auch wir als Christen und als Deutsche in diesen Konflikt verwickelt sind.

In der Regel ist es so, dass wir in Deutschland in der Regel wenig über die differenzierten Hintergründe des Israel-Palästina-Konfliktes wissen. Das hält die meisten aber nicht davon ab, eine feste Meinung dazu zu haben und feste Standpunkte einzunehmen. Ich versuche täglich dazu zu lernen, einen möglichst neutralen Standpunkt einzunehmen und Verständnis für die berechtigten Sichtweisen beider Seiten aufzubringen. Aber was sind berechtigte Sichtweisen?

Das Bild ist unglaublich komplex. Hinter jedem Erlebnis stehen geschichtliche Vorgänge, ohne die die Gegenwart gerade in Israel und Palästina nicht verstanden werden kann. Ich werde mich bemühen zumindest den wichtigsten Teil dieser Hintergründe zu erläutern, damit deutlich wird, was heute im Land der Bibel geschieht.
 
Zur Genese des Konfliktes

Der Nahostkonflikt begann in Europa

Die Ursachen des Konfliktes liegen nicht nur in Israel und Palästina, auch nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Europa und Deutschland, ja auch in Kirche und Theologie. Auch wenn wir heute gern vom jüdisch-christlichen Erbe reden, so gibt es doch eine lange Geschichte der Entfremdung von Juden und Christen. Bis zum frühen Mittelalter waren die Juden in den verschiedenen Ländern Europas noch überwiegend geduldet, doch im Laufe des Hochmittelalters kam es bald zu scharfen Trennungen, zu Pogromen und Ausweisungen. Nach und nach wurden die Juden aus den Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vertrieben, so etwa 1492 aus Pommern und Mecklenburg. Im Unterschied zur Mehrheit der christlichen Bevölkerung war das Leben der Juden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit damit von großer Unsicherheit und daraus folgend von Mobilität geprägt. Die christliche Mehrheitsbevölkerung ließ die jüdische Minderheit nicht zur Ruhe kommen. Weithin blieben deswegen Juden in Europa heimatlos. Diese Jahrhunderte währende Geschichte des Versagens der christlichen Mehrheitsgesellschaft muss man vor Augen haben, wenn man über den Nahostkonflikt nachdenkt. Weil die politischen Vorformen dessen, was heute Deutschland ist, nicht in der Lage waren, jüdischen Mitbürgern eine volle Integration zu ermöglichen, ist die sogenannte „Judenfrage“ erst zu dem Problem geworden, als das es die Juden im 19. Jahrhundert zu Recht empfunden haben

Der Geburtsfehler des Zionismus (Theodor Herzl – Martin Buber – Benjamin Netanjahu)

Nach Europa gehört auch die Entstehung des Zionismus, den Theodor Herzl (1860-1904) mit seinem Buch: „Der Judenstaat – Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“(1896) maßgeblich beeinflusst hat. Herzl verstand das Judentum als Volk und wollte dem heimatlosen Volk ein Heimatland geben. Herzl und der frühen zionistischen Bewegung ging es nicht um die Gründung eines religiös geprägten Gottesstaates. Er war säkular ausgerichtet und hatte homogene Siedlungsgebiete vor Augen, wie dies die Europäischen Nationalbewegungen auch zu erreichen suchten.

Im Lande Palästina hatte die faszinierende Aufbauarbeit der zionistischen Siedler in den Städten und in den Kibbuzim, den sozialistischen Gemeinschaftssiedlungen, zugleich die Kehrseite, dass sie die ansässige arabische Bevölkerung nicht als gleichberechtigt ansahen und darum auch keine Begegnung mit den früheren Bewohnern des Landes suchten, sondern jüdische Parallelgesellschaften bildeten.

Ein anderer Teil der jüdischen Tradition führte Martin Buber (1878-1965), den großen jüdischen Bibelwissenschaftler und Philosophen, zu einer völlig anderen politischen Position. Er wollte keinen separaten Judenstaat, sondern hatte die Vision eines bi-nationalen Staates, eines Landes mit zwei Völkern[1], die beide gleichberechtigt miteinander leben, Handel treiben und die Zukunft gestalten sollten.

Es war ein Geburtsfehler des Zionismus, dass er nicht diese Tradition aufnahm, sondern stattdessen sich für einen jüdischen Nationalstaat entschied und gleichzeitig behauptete, das jüdische Gemeinwesen könne in einem in wesentlichen ungenutzten Landstrich aufgebaut werden. Der frühe Zionismus formulierte dazu ein griffiges Schlagwort: „Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land.“

Blickt man auf die Bevölkerungszahlen, dann stellt sich schnell heraus, dass dies nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten im Gebiet des heutigen Israel-Palästina etwa 500.000 Araber und 17.000 Juden, die jüdische Bevölkerung machte also etwa 3, 5 % aus. Die ersten genau belegten Zahlen haben wir erst aufgrund des ersten Zensus der britischen Mandatsregierung von 1922. Danach sind von 757.182 Einwohnern 78 % Muslime, 11 % Juden und 9, 6 % Christen. Durch mehrere Einwanderungswellen, die besonders auf Grund der Shoah- Flüchtlinge aus Europa anschwollen, wuchs die Zahl der Juden bis zur Ausrufung des Staates Israel auf ca. 650.000 Personen an und machte damit rund ein Drittel der Bevölkerung aus.

Wie stark jedoch die Legende von dem „Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“ bis heute verfängt und politische Wirkung entfaltet, illustriert eine Begegnung von der die Frau König Husseins von Jordanien berichtet. Am Rande des Treffens mit Benjamin Netanjahu, dem damaligen und heutigen Ministerpräsidenten Israels mit König Hussein von Jordanien und dem Palästinenserführer Jassir Arafat auf Einladung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton im Oktober 1996 in Washington trafen sich auch Frau Netanjahu und die Frau von König Hussein, die gebürtige Amerikanerin Königin Noor. Bei dieser Begegnung drückte die Königin ihre Enttäuschung darüber aus, dass die Gesprächsatmosphäre zwischen Israelis und Arabern von so vielen Legenden und Propaganda geprägt sein. Als Beispiel nannte sie die Beschreibung Palästinas durch den Zionismus. Es würde nicht anerkannt, dass seit Jahrtausenden Araber in diesem Land lebten und ihre Heimat hatten, sondern als ein „Land ohne Menschen für Menschen ohne Land“. Königin Noor beschreibt die aufgebrachte Reaktion von Frau Netanjahu in ihrem  Buch wie folgt: „‚Was meinen Sie damit?’, sagte sie (Frau Netanjahu, H.-J.A.). Als die Juden in diese Region kamen, gab es hier keine Araber. Sie kamen, um Arbeit zu suchen, als wir die Städte bauten. Davor gab es hier gar nichts.’“[2] Wenn selbst die Frau des aktuellen israelischen Regierungschefs dieser Legende erliegt, wird verständlich, wie schwer die Suche nach einer friedlichen Lösung des Konflikts ist, der beiden Seiten ihr Recht lässt.

Die britische Mandatszeit 1919-1948

Im Ersten Weltkrieg stand das Osmanische Reich, zu dem auch das Heilige Land gehörte, auf der Seite des deutschen Kaiserreichs und Österreich-Ungarns. Während des Krieges versuchten vor allem die Briten, gleichzeitig die jüdische Bevölkerung an sich zu binden und die arabische Bevölkerung zum Aufstand gegen die Osmanen zu bewegen. Sie machten beiden Seiten Versprechungen für den Fall, dass mit einem Sieg die osmanische Herrschaft endete. Diese ambivalente Politik versprach gleichzeitig eine „nationale Heimstätte für Juden“ und einen arabisch- palästinensischen Staat. Auch wenn dieses Versprechen an die Juden mit der so genannten Balfour-Erklärung von 1917 nicht zwingend einen souveränen Jüdischen Staat verlangt, so provoziert diese unscharfe Formulierung doch eine solche Auslegung. Zumindest hat die jüdische Seite die Rede von der „nationale Heimstätte für Juden“ so verstanden.

Einerseits wollte Großbritannien über die Heiligen Stätten herrschen, andererseits ließen sich die Interessen der ursprünglichen arabischen Bevölkerung und der wachsenden jüdischen Gemeinschaft nicht in gleicher Weise wahren. Während an einigen Stellen Juden und Araber friedlich zusammenlebten, entwickelten sich doch weiterhin zunehmend separate Gemeinwesen. Bald kam es auch zu ersten Massakern auf beiden Seiten. Juden wie Araber bildeten geheime Armeen und Terrorgruppen, die sich gegen die jeweils andere Volksgruppe und gegen die britische Herrschaft richteten.

Nachdem im Juli 1938 auf der Konferenz von Evian[3] viele Staaten es ablehnten, Juden als Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen so Schutz vor der nationalsozialistischen Judenverfolgung zu bieten, kamen während des Zweiten Weltkrieges noch einmal viele Juden nach Palästina. Nach Ende des Krieges folgte eine weitere Einwanderungswelle von Shoah-Überlebenden. Die britische Regierung sah sich nicht mehr in der Lage, die Situation zu kontrollieren und einer Lösung zuzuführen und beschloss deswegen zum 15. Mai 1948 den Abzug ihrer Truppen. Insgesamt hatte dieser Kampf um europäischen Einfluss die Interessen der einheimischen Bevölkerung missachtet.

Der jüdisch-arabische Krieg 1948/49 und die Staatsgründung Israels

Bereits vor dem Abzug der Briten kommt es zum Bürgerkrieg zwischen Juden und Arabern. Als David Ben Gurion am 14. Mai 1948 den Staat Israel als jüdischen Staat ausruft, rücken einen Tag später die Armeen der arabischen Nachbarländer Ägypten, Irak, Libanon, Transjordanien und Syrien gegen den neuen Staat vor. Die Arabische Liga drohte mit der Ausrottung der israelischen Juden.

Die Vermittlungsversuche der neu gegründeten Vereinten Nationen scheiterten, die Teilungspläne fanden nie die Akzeptanz beider Seiten. Eine Folge des Krieges war das bis heute im Konflikt zentrale Problem der über 700.000 palästinensischen Flüchtlinge, die in den Nachbarländern, dem Gazastreifen oder dem Westjordanland in Lagern unterkamen. Dass auch nach über 60 Jahren außer Jordanien bis heute kein arabisches Land die Flüchtlinge zu integrieren versucht, ist ein Skandal. Viele leben noch heute unter slum-ähnlichen Bedingungen in Lagern und fordern für sich und ihre inzwischen etwa 4 Millionen Nachkommen ein Rückkehrrecht in das alte Palästina. An der Frage der Flüchtlingsrückkehr ist bisher jeder Versuch einer Friedenslösung gescheitert. Zugleich zeigte sich, dass offensichtlich auch die arabischen Nachbarn nicht daran interessiert sind, den Konflikt einer friedlichen Lösung zuzuführen.

Eine neue Generation israelischer Historiker stellt sich inzwischen offen gegen die in israelischen Geschichtsbüchern vertretene Version, dass die Araber – von den Nachbarstaaten angelockt – freiwillig ausgewandert seien. Sie konnten belegen, dass viele Araber seit April 1948 wegen gezielter Anschläge auf ihre Wohngebiete flüchteten. Die alten arabischen Dörfer wurden aus kriegsstrategischen oder aus Siedlungsgründen dem Erdboden gleich gemacht. An dieser gezielten Vertreibungspolitik macht der Historiker Ilan Pappe die „ethnische Säuberung“[4] Palästinas durch Israel fest. Der Begriff der Naqba („Katastrophe“) bezieht sich genau auf diese Erfahrung. Für den palästinensischen Narrativ[5] spielt er eine ebenso große Rolle wie die Shoa für Israel.
Gewaltakte gegen alteingesessene jüdische Gemeinschaften in den arabischen Ländern infolge des Krieges führten dazu, dass über 850.000 arabische Juden fliehen mussten, von denen etwa 550.000 nach Israel kamen.

Der Sechs-Tage-Krieg 1967

1967 überfiel Israel einem arabischen Angriff zuvorkommend Ägypten, zerstörte in diesem Überraschungsangriff beinahe dessen ganze Luftwaffe und begann so einen Krieg mit den arabischen Nachbarländern. Als Ergebnis dieses präventiven Angriffskrieges eroberte Israel das Westjordanland, den Gazastreifen und die Sinaihalbinsel und den Golan. Während der Sinai durch Friedensvertrag 1980 wieder Ägypten übergeben wurde, dauerte die Besatzung des Gazastreifens bis August 2005 38 Jahre, und die bis heute andauernde Abriegelung des Gazastreifens durch Israel verhindert nicht nur den Aufbau einer Infrastruktur, sondern auch die Entwicklung einer palästinensischen Zivilgesellschaft. Die Besatzung des Westjordanlandes dauert seit nunmehr 52 Jahren in unterschiedlicher Härte an. Das bedeutet, dass die übergroße Mehrheit der Bewohner der besetzten Palästinensergebiete unter israelischer Besatzung geboren ist und niemals etwas anderes als Unterdrückung erlebt hat. Das ist eine schwere Bürde für die Entwicklung zivilgesellschaftlicher Strukturen und palästinensischer Eigenverantwortung. Im Grunde haben wir es mit einer traumatisierten Gesellschaft zu tun.

Das Osloer Friedensabkommen 1994

Unter den zahlreichen Initiativen zum Frieden in diesem Konflikt war das Osloer Abkommen von 1993 bis 1995 das hoffnungsvollste. Die Spitzenrepräsentanten beider Seiten waren der israelische Premierminister Jitzchak Rabin und der Palästinenserführer Jassir Arafat. Sie beschlossen den schrittweisen Abzug der israelischen Armee aus großen Teilen des Westjordanlandes und aus dem Gazastreifen sowie eine palästinensische Selbstverwaltung in diesen Gebieten. Die Palästinensische Autonomiebehörde wurde aufgebaut, eine Polizeitruppe gegründet und das Westjordanland in drei Zonen unterteilt: eine Zone unter palästinensischer Zivil- und Sicherheitsverwaltung (A-Zone), eine unter palästinensischer Zivil- und israelischer Sicherheitsverwaltung (B-Zone) und eine unter israelischer Zivil- und Sicherheitsverwaltung (C-Zone). Andere zentrale Probleme wie die Frage nach dem Status von Jerusalem und nach den palästinensischen Flüchtlingen blieben ausgeklammert. Die Idee war, durch schrittweise Übertragung von staatlicher Autorität Vertrauen aufzubauen, so dass am Ende eines Friedenprozesses eine Selbstverwaltung, vielleicht sogar ein eigener palästinensischer Staat für die Palästinenser stehen könnte. Hier hat die sogenannte Zwei-Staaten-Lösung ihren Ursprung. Ohne Friedensprozess wird es nie zu einem Palästinenserstaat an der Seite Israels kommen können. Ins Stocken kam der Friedensprozess durch die Ermordung von Jitzchak Rabin durch Jigal Amir, einen jüdischen Extremisten, am
4. November 1995. Außerdem gelang es den Palästinensern unter Jassir Arafat in der Folge nicht, eine funktionierende Administration aufzubauen und sich zu einer Zustimmung zu dem in Weiterentwicklung des Oslo-Friedensprozesses von den Israelis gemachten weitgehenden Angebot durch zu ringen.

Seitdem hat sich die Situation wieder erheblich verschlechtert und verschlechtert sich permanent. Die politischen Verhältnisse in Israel haben sich weit nach rechts verschoben, Ariel Sharons Besuch des Tempelberges im Jahr 2000 hat die Al-Aqsa- Intifada ausgelöst und Israel sah sich aufgrund der Selbstmordattentäter gezwungen, einen wirkungsvollen Schutz gegen Terroristen zu bauen. Diese Sperranlage, insgesamt 759 km lang, wird über etwa 700 km als ein schwer gesicherter Stacheldrahtzaun ausgeführt und im restlichen Teil als eine bis zu 8 Meter hohe Mauer gebaut. Dadurch ist das Westjordanland in ein riesiges Gefängnis verwandelt worden.

Wir haben nun die Entstehung des Israel-Palästina-Konfliktes vor Augen und es ist jedem Beobachter klar, dass auf diesem Hintergrund Aussöhnung der streitenden Parteien und der Aufbau einer Friedensordnung sehr schwer sein muss. Es treten aber noch einige Gründe hinzu, die Frieden in Israel-Palästina fast unmöglich sein erscheinen lassen. Wir werfen einen Blick auf weitere Belastungen, die zu den Verletzungen durch den Geschichtsverlauf noch hinzutreten.

Ist Frieden möglich?

Im Israel-Palästina-Konflikt begegnet uns der europäische Nationalismus

Im 19. Jahrhundert kamen in Europa die die europäische Geschichte mehr als ein Jahrhundert lang prägenden Nationalismen auf. Die Französische Revolution war das Fanal zu einer tiefgreifenden Umgestaltung der Gesellschaft, dessen Folgen bis in die Gegenwart nachhallen. Nachdem den alten Monarchien buchstäblich der Kopf abgeschlagen wurde, brauchte es eine neue Idee, ein neues Konzept auf dem die Staatengebilde ruhen konnten. Im Zeitalter der aufkommenden Religionskritik und des in Konfessionen gespalteten Europas erwartete man nicht von der Religion die einigende Kraft, sondern von der Idee der Nation. Es war eine Zeit großer gesellschaftlicher Umwälzungen. Überall kam Bewegung in verkrustete Strukturen. Die Idee eines Nationalstaates war gerade für Deutschland revolutionär und versprach die Lösung vieler politischer Probleme. Seine Grenzen waren unscharf umrissen, sein Territorium glich nach innen einem Flickenteppich zahlreicher politischer unterschiedlicher Einheiten, von Königreichen, Herzogtümern und Stadtstaaten.

Von einem Nationalstaat versprach sich auch das liberale Judentum die Möglichkeit, selbst gleichberechtigter Teil der Nation sein zu können. Das war im alten Europa mit seiner ständischen Ordnung undenkbar gewesen. Die reale Entstehung der Deutschen Nation spaltete das Judentum. Denn anstelle eines säkularen Nationalstaates, indem die jüdische Bevölkerung selbstverständlich Teil gewesen wäre, entstanden ein preußisch-protestantisch dominiertes Deutsches Kaiserreich und eine österreichisch-katholisch geprägte Donaumonarchie. Ein Teil des jüdischen Bürgertums suchte die Integration in diese nationalstaatlich geprägten Monarchien, ein anderer Teil suchte neue Wege. Der Zionismus entstand maßgeblich durch das Judentum des Kaiserreichs und Österreich-Ungarns mit dem Ziel der Gründung eines eigenen Nationalstaates.

Unter dem Dach der Nation gewann ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts eine weitere Entwicklung Bedeutung: das Entstehen der völkischen Bewegung. Das Volk und die Nation wurden gleichgesetzt und damit das Ideal einer monoethnischen Nation ausgegeben. Ein solcher Nationalstaat habe das Ziel, ethnisch homogene Siedlungsgebiete herzustellen. Die dazu angewandte Methode waren häufig genug so genannte „Ethnische Säuberungen“.

Das Erbe kolonialistischer Machtpolitik

Der Erste Weltkrieg hinterließ in Europa und dem Nahen Osten einen Scherbenhaufen der Nationen. Allerorten wurden neue Grenzen gezogen, so auch im alten Osmanischen Reich. Dabei gingen u.a. England und Frankreich in alter kolonialistischer Manier vor und teilten den Nahen Osten nach machtpolitischen Interessen auf. Das Sykes-Picot-Abkommen von 1916 dokumentiert, wie Grenzen mit dem Lineal gezogen wurden, aber nicht unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Völkerschaften und religiösen Gruppen, die in diesen Gebieten heimisch waren. Das große Kurdistan, die Aufspaltung des Islam in Sunniten und Schiiten, Wohngebiete der christlichen Minderheiten – alles das wurde von Frankreich und England so gut wie nicht berücksichtigt. In dieser unbedachten Grenzziehung liegen zahlreiche Konflikte begründet.

Der Staat Israel als Sekundärfolge der Shoa

Ein weiterer – im direkten Wortsinn – Stolperstein für den Frieden im Nahen Osten liegt vor unserer Haustür in Deutschland. Jedes Mal, wenn ich in die Altstadt von Greifswald gehe, komme ich keine 200 Meter vom Bischofshaus entfernt an zwei „Stolpersteinen“ vorbei. In der Robert-Blum-Straße Hausnummer 11 erinnern zwei Messingplaketten im Boden an Paula Sichel und Alice Weißmann, die im Alter von 62 und 74 Jahren nach Theresienstadt deportiert und wenig später dort auch ermordet worden sind.

Zwei ältere Damen aus der Nachbarschaft, die einfach verschwinden. Was mögen die Nachbarn gedacht haben? In Greifswald, in ganz Deutschland. Wir treffen auf millionenfaches Schweigen, weil jeder Einzelne Angst hatte, sich in Gefahr zu bringen. Doch ohne dieses Schweigen hätten die Nazis ihre Verbrechen nicht ausführen können. Ein Beleg dafür ist das sog. „Euthanasieprogramm“, mit dem die Nazis geistig behinderte Menschen ermorden ließen. Sie haben das Programm gestoppt, weil der Münsteraner Kardinal von Galen die Verbrechen im Gottesdienst öffentlich angeprangert hatte und durch die Zustimmung vieler Menschen für die Nazis unangreifbar war. Bei den Juden war das damals anders. Sie hatten keine Lobby, zu wenig Fürsprecher. Zu tief saß der Antijudaismus in der Bevölkerung. So war das Schweigen der Masse Zustimmung für die Politik der Nazis. Auch die Kirchen haben geschwiegen, wollten sich nicht in die Politik des Staates einmischen. Selbst die bekennende Kirche war still, lediglich einzelne, wie Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) haben sich früh geäußert und auch später Widerstand geleistet.

Die „Stolpersteine“ werfen in mir die Frage auf: was hätte ich getan? Und sie geben dem anonymen Grauen ein Gesicht. Es fand hier statt, in unserer Mitte, in den Straßen, in denen wir heute wohnen. Welche eine schwere Schuld hat das deutsche Volk mit diesem Kapitel seiner Geschichte auf sich geladen?! Es hat Jahrzehnte gedauert, dass wir uns dieser Schuld stellen konnten, und manche tun sich bis heute schwer damit. Die schiere Zahl der Opfer übersteigt unsere Vorstellungskraft: sechs Millionen ermordeter Jüdinnen und Juden, das sind so viele Menschen wie Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg zusammen Einwohner haben. Menschen, die in unserer Mitte lebten, denen man auf den täglichen Wegen begegnete, Kinder, Eltern, Großeltern, Bewohner des Nachbarhauses.

Deswegen finde ich das Kunstprojekt der „Stolpersteine“ von Gunter Demnig so gut und wichtig, weil es uns aufmerksam macht auf das, was sich in den Häusern abgespielt hat, in denen wir heute wohnen. Es gehört zu unserem Erbe, dem wir uns stellen müssen, das wir niemals abschütteln können. Die Shoa macht auf schreckliche Weise deutlich, wozu Deutsche fähig waren und wozu der Mensch überhaupt fähig ist. Es ist klar, dass es schwer fällt, auf dem Hintergrund einer solchen Schuldgeschichte nüchtern die Lage in Israel-Palästina zu analysieren. Als Deutsche erwächst uns aus der von Deutschland ausgegangenen Judenvernichtung eine Verantwortung für das Schicksal der Überlebenden der Shoa und die weitere Existenz des jüdischen Volkes. Natürlich hatte die Shoa auch geschichtliche Auswirkungen in Nahost. Es sind vor allen Dingen drei Faktoren, die berücksichtigt werden müssen:

1. Nur durch den starken Anstieg der jüdischen Einwanderung nach Palästina im zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts wird eine jüdische Staatsgründung in Palästina möglich.

2. Die Erfahrung der Judenvernichtung schafft weltweit eine Bereitschaft zur Anerkennung des am 14. Mai 1948 gegründeten Staates Israel.

3. Aus dem Schuldbewusstsein der Deutschen folgt eine Überidentifikation mit dem Staat Israel. Es wird bewusst nicht unterschieden zwischen dem biblischen Israel und dem heutigen Staat Israel. Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland gehen so weit, das Eintreten für die Sicherheit des Staates Israels zur Staatsraison für Deutschland zu erklären. Da sich der Staat aber als Jüdischer Staat versteht, folgt daraus prinzipiell die Benachteiligung der Palästinenser und eine Zurücksetzung ihrer berechtigten Sicherheitsinteressen.

Es ist unglaublich kompliziert, diese Gemengelage aus Schuld, Verantwortung und Verpflichtung zwei Völkern gegenüber bei einer Betrachtung des Israel-Palästina- Konfliktes zu berücksichtigen. Man kann eigentlich nur daran scheitern. Aber unter diesem Komplexitätsniveau geht es nicht. Dazu tritt ein weiterer Faktor.

Die religiöse Aufladung des Landes

Während ansonsten weltweit versucht wird, strikt zwischen der Sphäre der Religion und der Sphäre der Politik zu unterscheiden, gilt dies für die Beurteilung der Politik in Israel nicht. Vielfach wird gerade die Unterscheidung dieser beiden Sphären als Folge der Reformation, als einer ihrer Errungenschaften für die moderne Welt bezeichnet. Martin Luther hatte ja grundsätzlich zwei Wirkweisen Gottes in dieser Welt unterschieden. Gott wirkt in der Welt einerseits durch die Mittel der Politik, zu denen Gewaltanwendung gehört. Das Gewaltmonopol liegt beim Staat. Die Politiker sind an die Anwendung der Gebote Gottes im weltlichen Bereich gewiesen und sollen auf diese Weise Gerechtigkeit und Frieden herstellen. Andererseits wirkt Gott in der Kirche durch die Verkündigung seines Wortes gewaltlos durch die Veränderung der Herzen. Die Aufklärung tat dazu das ihre, so dass heute nach moderner Auffassung weltweit religiöse Argumente allein keine Begründung für Politik sein können, ja es eine religiöse Begründung für einen bestimmten Staat in einem bestimmten Territorium eigentlich nicht geben kann. Politik und Theologie haben ihre eigenen Logiken. Damit ein Argument im politischen Feld überzeugt, muss es auch ohne Rückgriff auf Offenbarungswahrheiten gelten. Es muss im Rahmen der Politik ja auch diejenigen überzeugen können und für diejenigen gelten, die der religiösen Wahrheit nicht zustimmen. Der in Staat und Gesellschaft herzustellende Konsens für ein gedeihliches Miteinander ist nur mit vernünftigen Argumenten herzustellen.

Das, was ich hier auf dem Hintergrund der Unterscheidung – nicht Trennung – von politischem und theologischem Argument ausgeführt habe, kommt überein mit theologischen Aussagen, die aus dem Neuen Testament gewonnen werden. Das Neue Testament hebt nämlich die Bindung eines bestimmten Volkes an ein bestimmtes Land auf. Die im Alten Testament noch breit vertretene Auffassung, mit der Erwählung Israels verbinde sich auch der Anspruch auf das Land Israel, findet sich im Neuen Testament nicht, an keiner Stelle. Das kann kein Zufall sein. Im ganzen Neuen Testament gibt es keine positive Gewichtung der im Alten Testament noch so bedeutsamen Landverheißung. Es kann aus christlicher Sicht auch deswegen keine religiöse Legitimation für einen bestimmten Staat geben, auch nicht für den Staat Israel. Auch Israel bedarf einer Begründung auf der Ebene von Politik und Menschenrechten. Diese auszuführen, fällt auf dem Hintergrund von immer wiederkehrenden Verfolgungen, dem Recht auf Heimat und dem Zugehörigkeitsgefühl zu diesem für Israel historisch so bedeutsamen Stück Land nicht schwer. Über konkrete Grenzziehungen und die Bevölkerungszusammensetzung ist damit aber noch nichts gesagt.

Das Zurücktreten der religiösen Bedeutung des Wohnens im Lande hängt auch damit zusammen, dass das Neue Testament im Vergleich mit dem Alten Testament die Verheißungen stärker spiritualisiert. War im Alten Testament der räumlich- materielle Bezug noch stark, so wird er im Neuen Testament ganz aufgegeben. Das zeigt sich z.B. in der Stellungnahme, die Jesus auf die Anfrage der samaritanischen Frau in Johannes 4, 20 abgibt, ob es richtig wäre, auf dem Garizim (wie die Samaritaner) oder in Jerusalem (wie die Juden) zu beten: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“(Johannes 4, 24). Obwohl Jesus die Herkunft des Heils von den Juden betont (4, 22), hat dies für den gegenwärtig angemessenen Kultort keine Bedeutung. Gott bindet sich nicht an ein bestimmtes Territorium. Deswegen gibt es auch nicht die Unterscheidung zwischen legitimen und illegitimen Kultorten.

Land ist Heimat, gibt Raum zum Leben. Jeder Mensch braucht ein Heimatland. Land bringt aber keine Erlösung. Genau an dieser Stelle war jüdisches Denken schon immer anders und hat es sich in den letzten 70 Jahren noch weiter vom christlichen Denken geschieden. Der in Israel sehr wirkungsmächtige Abraham Isaak (‚Rav‘) Kook (1865-1935) wurde zum Vordenker der Siedlungsbewegung und hat so auch den Kern der Siedler, den so genannten Block der Getreuen (Gush Emunim) beeinflusst. Die Grundlage dieser Lehre ist, dass Gott gemäß der Thora Israel das Land verheißen hat. Sein Sohn Zvi Yehuda Kook (1891-1982) gründete mit einigen seiner Schüler den Gush Emunim im Februar 1974 und blieb bis zu seinem Tod der unbestrittene Leiter. Nach der Lehre der beiden, Vater und Sohn, haben die säkularen Zionisten, ohne es zu wollen, ein messianisches Zeitalter heraufgeführt. Am Ende wird der Messias kommen. Sein Kommen kann dadurch beschleunigt werden, dass möglichst viel Land durch Juden besiedelt wird. Darum ist die weitere jüdische Besiedelung des Landes eine wichtige Aufgabe. Es bringt Israel der Erlösung näher[6].

Welche Rolle spielen die Religionen in diesem Konflikt? Fördern sie den Frieden, oder verhindern sie ihn gar? Schon wenn wir in der Betrachtung des Konfliktes bis hierhergekommen sind, merken wir, dass man auf diese Frage keine einfache Antwort geben kann. Es gibt religiöse Traditionen, die den Konflikt befeuern, es gibt aber auch ebensolche, die ihn bremsen und ein Beitrag zur Lösung sein könnten

Eine biblische Vision

Wir sind bereits darauf gestoßen, dass es in jeder der beiden Religionen und ihren Vertretern eine ganze Spannbreite von Einstellungen gibt, die im Blick auf die die Zuordnung von theologischen zu politischen Erkenntnissen stark differieren. Ich möchte im Folgenden skizzenartig die beiden äußeren Pole der jeweiligen religiösen Potentiale benennen und frage dann nach dem Zukunftspotential dieser Überzeugung.

Judentum: Zwischen „Ein Gott, ein Volk, ein Land“ und „den Schwertern zu Pflugscharen“

Bei einem genauen Blick in das Alte Testament ergibt sich ein differenziertes Bild. Wir finden durchaus widerstreitende Vorstellungen vom Wohnen im verheißenen Land. Ich nenne nur zwei sehr unterschiedliche Linien:

Die deuteronomische Sicht der Ausrottung alles Nichtisraelischen: 5. Mose 6+7

Im 5. Buch Mose findet sich unvermittelt neben einander Aussagen, die uns heute irritieren. Direkt neben dem Grundglaubensbekenntnis Israels, dem Schema (5. Mose 6, 4-9), und wunderschönen Beschreibungen der Liebe Gottes zum Volk Israel (5. Mose 7, 7f) finden sich furchtbare Aufforderungen zur Vernichtung aller Mitbewohner des Landes (5. Mose 7, 1-5.22). Wir wissen, wie wichtig für den Erhalt Israels das Bekenntnis zu dem einen Gott gewesen ist. Das „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein“ (5. Mose 6, 4ff) bildete über die Jahrhunderte den schlechthinnigen Bezugspunkt dessen, was jüdisch ist. An jedem Eingang eines jüdischen Hauses, soweit es orthodox ist, ist dieses Bekenntnis in einer kleinen Metallkapsel angebracht. Es erinnert bei jedem Durchschreiten dieses Einganges an Gott. Auch Jesus hat das Schema geschätzt. Er hat es als das „höchste Gebot“ bezeichnet, wichtiger als alle Brand- und Schlachtopfer (vgl. Mark. 12, 28-32par).

Im folgenden Kapitel wird das Bekenntnis Israels zu Gott begründet in der Erwählung Israels durch Gott. Hier finden sich wunderschöne Formulierungen, die einen auch heute noch – 2500 Jahre nach dem diese Texte formuliert worden sind - anrühren, weil sie von einem innigen Verhältnis Gottes zu Israel sprechen: „Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat …“(5. Mose 7, 6ff).
 
In scharfem Kontrast zu diesen Worten der Liebe Gottes finden wir zu Beginn des Kapitels die Aufforderung alle anderen Völker, die Israel im Lande vorfindet, auszurotten, d.h. an ihnen „den Bann zu vollstrecken“(V. 2). Israel wird von Gott gesegnet werden mit allem Guten, was das Land hervorbringt, aber es darf die vorgefundenen Völker nicht schonen: „Du aber sollst alle Völker vertilgen, die der HERR, dein Gott, dir geben wird“(V. 16). „Dazu wird der HERR, dein Gott, Angst und Schrecken unter sie senden, bis umgebracht sein wird, was übrig ist“ (V. 20). Diese Aufforderung zur Tötung aller im Lande vorgefundenen Nichtisraeliten wird begründet mit der Gefahr, dass eventuell Überlebende der bisherigen Bewohner die Israeliten zum Abfall vom Glauben an Gott verführen könnten.

Diese Aufforderung zur Gewaltausübung überspielt die Realität, nach der es nie eine Zeit gegeben hat, in der Israel das Land allein bewohnt hat. Das Richterbuch stellt das fest (Kap. 1 und 3, 1-6) und kann dem sogar einen Sinn abgewinnen: Israel soll in der Standfestigkeit seines Glaubens von Gott geprüft werden (vgl. 2, 1-5). Die Idealvorstellung bleibt aber, dass dem von dem einen Gott erwählten einen Volk das Leben in diesem einen Land entspricht („ein Gott, ein Volk, ein Land“). Neben dieser deuteronomischen bis deuteronomistischen Linie im Alten Testament gibt es eine ganz andere Sicht auf das Zusammenleben mit anderen Völkern im Land, die wir in einigen prophetischen Texten finden.

Die prophetische Linie des gemeinsamen Wohnens im Lande

Diese Propheten nehmen die Realität im Land anders wahr und trauen Gott mehr zu. Die Tatsache, dass schon immer verschiedene Völker miteinander in diesem kleinen Flecken Erde von der Größe der Schweiz miteinander lebten, wird nun positiv aufgenommen. Die Propheten sehen darin nichts Negatives, sondern die Chance zu einem Leben in Vielfalt. Dabei vertrauen sie darauf, dass sich am Ende der gute und friedensbringende Wille Gottes durchsetzt, auch wenn jetzt andere noch andere Orientierungen haben.

Einen grandiosen und zukunftsweisenden Text finden wir im Rahmen der großen Endzeitprophetie des Propheten Hesekiel. Am Ende der Zeiten wird der Anbetungsort Gottes, der Tempel, und das ganze Land erneuert werden. Dann werden die Menschen Gottes Willen tun und ein Strom des Heils wird von Jerusalem ausgehen. Zu dieser Endzeitvision gehört auch eine Neuverteilung des Landes: „Und ihr sollt dies Land austeilen unter die Stämme Israels, und wenn ihr das Los werft, um das Land unter euch zu teilen, so sollt ihr die Fremdlinge, die bei euch wohnen und Kinder unter euch zeugen, halten wie die Einheimischen unter den Israeliten; mit euch sollen sie ihren Erbbesitz erhalten unter den Stämmen Israels, und ihr sollt auch ihnen ihren Anteil am Lande geben, jedem bei dem Stamm, bei dem er wohnt, spricht Gott der HERR“ (Hesekiel 47, 21-23). Die Nichtisraeliten werden behandelt wie die Israeliten. Sie erhalten im Heiligen Land Erbbesitz, d.h. den gleichen Anteil und die gleichen Rechte wie die Israeliten. Dieser Besitz soll ihnen und ihren Nachkommen gehören. Sie haben also eine sichere Existenz im Land und müssen sich über die Zukunft nicht sorgen. Das ist eine wunderbare Vision für Frieden im Lande Israel.

Einen etwas anderen Akzent setzen die prophetischen Texte aus dem Jesaja- und dem Michabuch, Jesaja 2, 1-5 par. Micha 4, 1-5; vgl. bes. V. 5! Hier erwartet der Seher, dass am Ende der Tage die Nachbarvölker Israels sich gemeinsam mit dem Volk Israel Orientierung von Gott geben lassen. Vom Zion geht Weisung für Frieden aus. Gott selbst wird dann „richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“(V. 4). Jerusalem wird dann eine Schule des Friedens für die ganze Welt.

Ich muss unwillkürlich daran denken, dass mit dem Aufkommen dieser aus diesen Prophetenworten genommenen Parole „Schwerter zu Pflugscharen“ die gewaltlose Widerstandsbewegung in der DDR Aufwind bekommen hat und dann bald zu einer beachtlichen Kraft zur Überwindung des gut bewaffneten kommunistischen Staates geworden ist. Dabei ist deutlich geworden, welche Kraft Bibelworte auch in zeitgenössischen Konfrontationen gewinnen können.

Mir stellt sich die Lage so dar, dass auch im heutigen Judentum verschiedene Ausrichtungen einander widerstreiten. Dabei wäre es gut, auch auf die Stimme der Propheten zu hören, die im Miteinander von Israel und den Völkern im Lande einen verheißungsvollen Weg in die Zukunft sehen.

Christentum: Vom gewaltlosen, armen Mann aus Nazareth zu den Kreuzzügen

Auch das Christentum hat nicht eine einzige und dann auch noch friedvolle Geschichte. Leider haben wir Christen die Friedensbotschaft Jesu selbst und über Jahrhunderte nicht ernst genommen. Trotzdem ist eine Ahnung von der Kraft, die in dieser Botschaft steckt, erhalten geblieben. Dies ist mir vor zehn Jahren bei einer Begegnung mit dem damaligen palästinensischen Ministerpräsidenten überraschend deutlich geworden.

2009 war ich aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der einheimischen lutherischen Kirche im Heiligen Land. Bischof war zu der Zeit Dr. Munib Younan, auch Präsident des Lutherischen Weltbundes. Er nahm die ausländischen Bischöfe, die zu Gast waren, mit zu einer Begegnung mit dem damaligen, palästinensischen Ministerpräsidenten Dr. Salam Fayyad, einem sog. Technokraten, der keiner der palästinensischen Parteien angehörte. In dem Gespräch kamen wir auch auf die Rolle der Christen in dem Konflikt zu sprechen, da sagte der Ministerpräsident – selbst Moslem – sinngemäß: die Rolle der Christen bestehe vor allem darin, zur Gewaltlosigkeit zu mahnen. Es gebe doch auch in der Bibel diesen Satz von Jesus Christus, dass man seine Feinde lieben solle. Das sei eine unverzichtbare Botschaft der Christen in diesem Konflikt. Damit wird uns Christen – denen, die auf der einen Seite Israels, und denen, die auf der Seite Palästinas leben, und uns Christen im Ausland – eine wichtige Rolle gegeben, die sich aus unserem Bekenntnis zu Jesus Christus ergibt.

In der Verkündigung des historischen Jesus finden wir Hinweise darauf, dass er das Prinzip der Gewaltlosigkeit auch in den politischen Kampf hineinzieht. So heißt es etwa in den Seligpreisungen in Matthäus 5, 5.: „Selig sind die Sanftmütigen/Gewaltlosen, denn sie werden das Erdreich (Land) besitzen.“ Jesus ist den Weg der Gerechtigkeit und der Gewaltlosigkeit gegangen. Bei seinen Jüngern waren Anhänger des gewaltsamen Aufstandes und der frommen Erwartung, dass Gott schon alles gut machen würde.[7]
 
Doch Jesus selbst hat eine grundsätzlich friedfertige Linie nie verlassen. Für ihn stand stets der Schalom Gottes im Zentrum. Schalom, das meint eine Ausgewogenheit aller Lebensverhältnisse. Im Blick auf den Umgang mit den Besatzern, den Römern, wollte Jesus keine gewaltsame Auseinandersetzung. Als er auf seinem letzten Weg nach Jerusalem der Stadt nahe kommt, muss er weinen im Blick auf die Zerstörungen, die kriegerische Auseinandersetzungen mit sich bringen und er bedauert, dass es offensichtlich auf eine gewaltsame Eskalation hinausläuft:
„Wenn doch auch du heute erkannt hättest, was dir Frieden bringt! Aber jetzt ist es vor deinen Augen verborgen“(Lukas 19, 42; vgl. 41-44). Jesus hat das Ziel des Shalom niemals aufgegeben. Am Ende hat er diese Ausrichtung mit seinem Leben bezahlt.

Leider ist diese klare Position Jesu von seiner Kirche an entscheidenden Stellen verlassen worden. Im Blick auf das Heilige Land ist besonders an die Epoche der Kreuzzüge zu denken. Während für uns diese Zeit vielleicht nur ein vergangenes Kapitel im Buch der Geschichte ist, ist sie in Israel-Palästina in ihren Auswirkungen höchst aktuell. Bis heute treffen wir in steinernen Monumenten und in vielen Köpfen bei Muslimen und Juden im Land auf die Anwesenheit der Kreuzfahrer. Unvergesslich ist die demagogische Wirkung der Predigt von Papst Urban II., der 1095 in Clermont zur Befreiung Jerusalems von der Macht der Muslime aufrief, und dann das Volk mit dem Satz „Gott will es!“ antwortete. Dabei gingen die Kreuzfahrer bei ihrem letztlich gescheiterten Versuch, einen Gottesstaat im Lande der Bibel aufzurichten, unglaublich grausam vor. Und obwohl die Aufforderung zur Gewaltanwendung Geist und Botschaft Jesu fundamental widerspricht, hat sich das Christentum mit diesem Sündenfall in das Gedächtnis der Geschichte eingegraben.

Am Ende stehen wir vor der Frage: Mit welcher Hoffnung leben wir? Können und sollen wir etwas tun für einen Frieden in Nahost? Schon die den Christen zugeschriebene Aufgabe, an Gewaltlosigkeit bei der Suche nach einem Frieden zwischen Israel und Palästina zu erinnern, ist eine riesengroße Herausforderung. Leben wir in der Hoffnung auf das in Christus bereits angebrochene Reich Gottes, das uns im Geschenk des Glaubens bereits jetzt zu einem Leben herausfordert, das dem Schwachen dient, dem Frieden nachjagt und die Gerechtigkeit sucht?

Im Dezember 2009 hat eine Gruppe palästinensischer Christinnen und Christen aus verschiedenen Kirchen einen leidenschaftlichen Aufruf veröffentlich, der als „Kairos- Palästina-Dokument“ bekannt geworden ist. Darin heißt es unter vielem anderem:
„Liebe ist das Gebot Christi, unseres Herrn, an uns, und es gilt für Freunde wie für Feinde. […] Christus, unser Herr, hat uns ein Beispiel gegeben, dem wir nacheifern müssen. Wir müssen dem Bösen widerstehen; aber er hat uns auch gelehrt, dass wir dem Bösen nicht mit Bösem widerstehen sollen. […] Es ist ein schwieriges Gebot, aber es muss unbedingt befolgt werden“[8] Unter diesem Anspruch können wir in unserem Engagement für einen Frieden in Nahost nicht bleiben. Ein christlicher Einsatz für den Frieden kann nur friedliche Wege dahin unterstützen.

Ich bin dankbar für die Position von „Pax Christi“.[9] Die Delegiertenversammlung
2010 der deutschen Sektion dieser katholischen Friedensbewegung hat in großer Differenziertheit und Klarheit zum Ausdruck gebracht, dass es in dem Konflikt um einen gerechten Frieden gehen muss. Darin heißt es: „Heute ist eine Situation der Gewalt eingetreten, die kaum Hoffnung auf einen gerechten Frieden verspricht. […] Kriterien zur Beurteilung einer Politik, die dem Ziel eines gerechten Friedens dient, sind das Völkerrecht und die Menschenrechte. Von hier aus eröffnen sich Wege, aus der Sackgasse der Gewalt herauszukommen. […] Wir sehen das berechtigte Interesse des Staates Israel an der Sicherheit und Freiheit seiner Bürger/innen, und wir sehen ebenso das Recht auf Sicherheit und Freiheit der Palästinenser/innen. Die internationale Staatengemeinschaft muss beide Seiten mit dem gleichen Maßstab beurteilen: Gleiches Recht auf Sicherheit, Selbstbestimmung, Freizügigkeit, gleiche Menschenwürde. Es darf keine doppelten Standards in der Bewertung der Situation in Israel/Palästina geben.“

Dieses Statement markiert, wie unsere christliche Überzeugung in einen Prozess zur Überwindung des Konfliktes eingebracht werden kann und muss. Natürlich sind wir realistisch, unsere persönliche Überzeugung ist wichtig, aber trägt allein nicht viel aus. Umso wichtiger ist es, sich mit Gleichgesinnten zusammen zu finden, um gemeinsam etwas zu bewegen. Einseitige Analysen und Stellungnahmen helfen nicht weiter. Aus unserer Geschichte ist uns als Deutschen eine Verantwortung für die Freiheit und Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger im Staat Israel aufgetragen, aber das darf nicht auf Kosten der Freiheit und der Sicherheit der Palästinenser und Palästinenserinnen gehen. Doppelte Standards vertiefen den Konflikt und sind im Blick auf eine Lösung kontraproduktiv. Wir sollten versuchen, beide Narrative, den der Israelis und den der Palästinenser zu verstehen. Nachdem beinahe hundert Jahre kriegerischer Auseinandersetzung zu keiner Lösung geführt haben, werden vielleicht einzelne bereit, auf bisher marginalisierte Stimmen zu hören, wie sie z.B. Martin Buber mit seiner Vision von einem binationalen Staat erhoben hat. Die Mehrheit wird eine solche Stimme für unzeitgemäß halten. Aber wann sollen wir sie erheben, wenn nicht jetzt? Viel können wir von Deutschland aus nicht tun. Aber wir können für einen gerechten Frieden beten. Gelegentlich werden wir um Rat und Hilfe gefragt. Was in unseren Kräften steht, sollten wir den Weg zu einem gerechten Frieden unterstützen.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!“

 


[1] Vgl. Martin Buber, Ein Land und zwei Völker. Zur jüdisch-arabischen Frage, hg. v. Paul R. Mendes-Flohr, Frankfurt 1983.

[2] Königin Noor, Im Geist der Versöhnung. Mein Leben zwischen zwei Welten, List- Taschenbuch, Berlin 2004, 427.

[3] Eine französische Gemeinde am Südufer des Genfer Sees, in der sich vom 6. bis
15. Juli 1938 Vertreter von 32 Staaten trafen, um über Aufnahmequoten für jüdische
Flüchtlinge zu verhandeln. Die Konferenz endete ohne Ergebnis.

[4] Vgl. Ilan Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas, Frankfurt am Main 2007.

[5] Ein Narrativ ist eine sinnstiftende Erzählung, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Es transportiert Werte und  Emotionen, ist in der Regel auf einen Kulturkreis bezogen und unterliegt dem zeitlichen Wandel.

[6] Erstaunlicherweise haben sich einerseits auch christliche Zionisten ein solches Denken zu Eigen gemacht und andererseits findet es sich auch bei Linksprotestanten, wie dem aus der Barthschule hervorgegangenen früheren Berliner Theologen Friedrich Wilhelm Marquardt.

[7] Vgl. die Zeloten („Simon Zelotes“) und das Schicksal Gamlas!

[8] Zitiert nach www.oikoumene.org/de/dokumentation/documents/other- ecumenical-bodies/kairos-palaestina-dokument.html, S. 9, gefunden am 3.11.2010.

[9] Siehe:
www.paxchristi.de/fix/files/doc/Beschluss%20Ungeteilte%20Solidarit%E4t.2.pdf , besucht am 3.11.2010.

Datum
23.08.2019
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