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Gemeindedienst

Kochschürze statt Talar: Sülfelder Aktion „Leih dir den Pastor“

07.02.2017 | "Ich muss raus aus der Komfortzone", dachte sich Pastor Steffen Paar aus Sülfeld im Kreis Segeberg. Er will nicht länger darauf warten, dass die Menschen aus Eigeninitiative in seine Kirche kommen. Der evangelische Theologe geht auf die Leute zu - und bietet dabei seine Arbeitskraft an.

Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen, dann kommt der Pastor eben zu ihnen: der Sülfelder Theologe Steffen Paar will mit seinen Gemeindegliedern neu ins Gespräch kommen

Ob Küchenschürze oder Blaumann – der 36-jährige Steffen Paar tauscht seinen Talar gerne, wenn er Menschen in seiner Kirchengemeinde in Sülfeld (Kreis Segeberg) und Umgebung besucht. "Pastor to go - Leih Dir den Pastor" heißt die Aktion. Dabei können sich die Leute den Pastor bis zu 90 Minuten ausleihen. Er mäht in dieser Zeit den Rasen oder geht einkaufen. Nur eine Bedingung gibt es: "Ich komme nur, wenn es während oder nach getaner Arbeit ein Gespräch über Gott und die Welt gibt", sagt Paar. 

Seit März 2015 ist er Gemeindepastor in Sülfeld mit seinen 2.100 evangelischen Gemeindemitgliedern. Einen überschaubaren Prozentsatz von ihnen trifft er im Sonntagsgottesdienst oder im Gemeindehaus. So entstand seine Idee: Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen, dann kommt der Pastor eben zu ihnen. Im Gemeindebrief veröffentlichte er sein Projekt „Leih dir den Pastor“.

Gespräche über Gott und die Welt nach Martin Luthers Devise

Ein weiterer Anlass ist für Steffen Paar das Reformationsjubiläum 2017. Auf das Volk zuzugehen sei ja auch Martin Luthers Devise gewesen. Einzige Vorgabe ist, dass sich die Interessenten bei ihm melden müssen. Da es sich um Seelsorge handelt, bleiben die Menschen anonym.   

Einen älteren Mann aus dem benachbarten Borstel sprach das offenbar an. Er berichtete, dass er den Pastor eingeladen hatte, "weil ich ihn noch nicht kannte, und ich selber nicht mehr in die Kirche gehen kann". Beide kochten zusammen das Mittagessen und setzten sich dann an den gedeckten Tisch. "Er hat mich kennengelernt und wie ich die Kirche und Gott sehe. Und das Essen hat vorzüglich geschmeckt - auch Männer können also kochen", sagt er. Paar weiß, dass es Alterseinsamkeit auch in seiner Gemeinde gibt: "Hier wurde sie für mich sichtbar."

Lebhaft ging es bei einer Tagesmutter zu. Die Kinder lauschten den Keyboard-Klängen des Pastor und seinen Geschichten. Ein Kind sagte danach: "Der Pastor soll morgen wiederkommen." Das wünscht sich wohl auch eine 45-jährige Frau aus Sülfeld, obwohl es zunächst "komisch war, mit dem Pastor das Auto zu waschen". Sie berichtete: "Ich bin nicht in der Kirche und fand den Aufruf provozierend genug, darauf einzugehen." Bereut hat sie es nicht. "Mir tat es gut, über meinen Glauben reden zu können. Ob ich wieder in die Kirche eintrete, weiß ich noch nicht."

"Leih dir den Pastor" ergänzt Aktion "Pastor am Markt" in Sülfeld und Grabau

Insgesamt sechs Besuche waren es im Dezember, drei im Januar. Paar weiß, dass er mit seinem Angebot einen eher kleinen Teil der Menschen in seiner Umgebung erreicht und auch besuchen kann. Entmutigen werde ihn das aber nicht, sagt er und verweist auf seine weitere Aktion "Pastor am Markt": In Sülfeld sitzt er dann wieder auf dem Platz vor der Bank und im benachbarten Grabau vor dem Dorfkrug. Hier bietet er dann im Mai oder Juni an einem Tag in der Woche Gespräche über Gott und die Welt an. Kaffee und Kekse gibt es wie immer dazu.