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Weihnachtspredigten Bischöfin Kirsten Fehrs:

„Große Freude soll in uns leben“

24.12.2012 | Hamburg/Lübeck - Bischöfin Kirsten Fehrs hat heute (24. Dezember) in ihrer Predigt in der Christmette in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis an die weihnachtliche Friedenssehnsucht erinnert.

Bischöfin Kirsten Fehrs

Sie sagte: „Weihnachten erinnert uns, dass Gott uns mit offenen Armen aufnimmt, samt dem Lebenspäckchen, das wir tragen. Samt unserem Glück und unserer Trauer vom vergangenen Jahr. Samt unseren Nöten und Hoffnungen, die uns umtreiben.“ Denn, so die Bischöfin, Gott wolle bei uns wohnen. Er sehne sich danach, unser Leben zu teilen und werde dabei „einen ewigen Bund des Friedens schließen. Darauf geht alles Sehnen, auch heute, insbesondere im Blick auf die Überwindung von religiöser Intoleranz.“


Es zeige sich, dass viele Menschen in ihrer Religion nicht mehr zu Hause seien und damit auch nicht mehr in ihren Verheißungen, so Bischöfin Fehrs weiter. „Wir sind nicht mehr zu Hause in unseren Friedenssehnsüchten! Und das richtet im modernen Menschen etwas an: Ohne Erinnerung an Gott, Glaube und Gebet ist er seine Hoffnung los geworden. Es gibt so viele hoffnungslose Menschen in unserer Gesellschaft, die es für naiv halten oder gar zynisch, wenn wir in unseren Religionen allen Ernstes auf Veränderung hoffen. Dass wir bitten, handeln, ringen, widerstehen, damit der globalen Maßlosigkeit Einhalt geboten wird. Oder der sozialen Kälte. Oder der Gewalt an Kindern.“


Weiter sagte Bischöfin Fehrs: „Gott will unter uns wohnen – das kleine Kind, so nackt und bloß auf dem kalten Boden, dieses Kind weiß, dass es auf etwas ganz anderes ankommt als äußere Mauern und wehrhafte Panzer, auf Munition und Waffen. Hoffnung ist viel mehr als Sicherheit. Hoffnung hat etwas damit zu tun, sich innerlich beheimaten können, Halt zu haben und zu geben durch Menschenrecht und Liebeswort. Lassen wir ihn einziehen. Denn sein Bündnis des Friedens mit uns ist stark und echt und stabil.“

Erster Weihnachtstag: Predigt im Lübecker Dom
Am ersten Weihnachtstag (25. Dezember) hat Bischöfin Kirsten im Lübecker Dom gepredigt. Sie hob dabei die Rolle von Engeln in der Weihnachtsgeschichte und ihre Bedeutung auch für heute hervor. „Je unglaublicher eine Geschichte, mit desto mehr Engeln können wir rechnen“, so die Bischöfin. „Die Weihnachtsgeschichte gar braucht ganze Heerscharen von Engeln! Und, geben wir es zu, es bleibt doch immer noch ein unfassbares Geheimnis, wenn auch wahrlich ein wunderbares, dass die Welt erlöst wurde von ihrer Gottlosigkeit?!“


Im Blick auf unzählige aktuelle Ereignisse, frage sich aber der vernünftige Mensch, ob die Welt wirklich erlöst sei, so die Bischöfin weiter. „Der Mensch schaut sich um und sieht so vieles an Schmerz und Trauer und Elend und Unfrieden. Er sieht nach Newtown, erschüttert dass ein Amokläufer nicht zurückschreckte vor der Zartheit so vieler Erstklässler. Er sieht nach Israel und Palästina, verzweifelt darüber, dass das Friedenslicht in Bethlehem nichts auszurichten scheint gegen diese immer wieder eskalierende Gewalt. Er sieht die vielen Opfer in Syrien, im Irak, in Afghanistan, fragt, wann dies denn endlich aufhören möge! Er sieht die Flüchtlinge, die an den Zäunen Europas zu Hunderten umkommen. Der Mensch sieht das alles und mag sich nicht damit zufrieden geben, dass es Engel gibt, die vor Freude jubilieren über den Neugeborenen mit Namen `Friedefürst´ und `Wunderrat´.“


Dagegen stehe die Erkenntnis aus der Weihnachtsgeschichte, betont Bischöfin Fehrs: „Gott ist im wahrsten Sinne auf die Erde gekommen. Auf den Boden kalter Tatsachen. Verletzlich, hilfsbedürftig, gefährdet und unerhört freundlich. Davon berichten die Engel und flüstern gerade deshalb den Nüchternsten unter uns zu: Fürchte dich nicht.“ Weiter sagte sie, dass die Engel uns helfen können, zu entdecken, dass die Welt nicht gottlos sei. „Wie auch immer sie sich uns zeigen: Gott braucht seine Engel dringend, um sich deutlich zu machen. Damit wir hellhörig werden für die Stille und uns an das Heilige immer wieder neu herantrauen. So können wir mit Christus gleichsam neu auf die Welt kommen und Gottes Erbarmen folgen. Und es wird wirklich und wahr, was die Engel singen: Große Freude soll in uns leben.“