15. November 2020 | Kavelstorf

20 Jahre Autobahnkirche Kavelstorf

15. November 2020 von Tilman Jeremias

Liebe Gemeinde,

ich freue mich, zu Ihrem Jubiläum heute hier zu sein. 20 Jahre Autobahnkirche Kavelstorf- herzlichen Glückwunsch! Wie schön, dass die Kinder der Evangelischen Schule hier im Dorf eine Ausstellung zum Jubiläum beigesteuert haben!

Im April 2011 fiel mir in der Rostocker Marienkirche eine verunsicherte junge Frau auf, die sichtlich nicht wusste, wie sie sich hier in der Kirche bewegen sollte. Als ich sie vorsichtig ansprach, stellte sich heraus: Sie hatte soeben das erste Mal in ihrem Leben eine Kirche betreten. Es dauerte nicht lange, dass sie mir erzählte, warum. Ein von ihr besonders geliebter Onkel war in dem katastrophalen Verkehrsunfall auf der A 20 verwickelt, der nicht weit von hier passiert ist. Zahlreiche Fahrzeuge waren aufeinander gefahren, als sie unversehens in eine Staubwolke gerast waren, Staub, der von den nahen völlig ausgetrockneten Äckern auf die Autobahn geweht war. Acht Menschen starben, der Onkel der jungen Frau wurde schwer verletzt und lag im Krankenhaus.

Die junge Frau fühlte sich völlig ohnmächtig. Sie wollte gern etwas für ihren Onkel tun. Wir gingen zum Kerzenbaum in der Kirche und zündeten gemeinsam eine Kerze an. Sichtlich fühlte die Frau sich entlastet. Sie bedankte sich und ging ihrer Wege.

Ich weiß nicht, ob sie seitdem je wieder eine Kirche betreten hat. Für eher unwahrscheinlich halte ich, dass sie sich dem christlichen Glauben weiter angenähert hat. Aber ich habe das sichere Gefühl, dass ihr der Aufenthalt in der Marienkirche etwas Herzensruhe und Zuversicht geschenkt hat in einer für sie bedrängenden Situation.

Unsere Kirchen, auch diese hier in Kavelstorf, sind für die Menschen da, die hier regelmäßig Gottesdienst feiern, die zu Taufe, Konfirmation oder Trauung hierher kommen. Doch genauso stehen sie seit alters her offen für alle, die sie betreten wollen, unabhängig davon, wie christlich oder fromm sie sein mögen. Darum ist es allein schon ein Schatz, dass diese Kirche täglich ihre Türen öffnet, den ganzen Tag. Trotz all der damit verbundenen Risiken sollten alle unsere Kirche offene Türen und niedrige Schwellen haben!

Zudem ist Ihre Kirche nun aber 20 Jahre lang auch eine Autobahnkirche. Sie liegt unweit zweier Autobahnen, der Kreuzung von A 19 und A 20. Ist ein Autobahnkreuz ein heimliches christliches Symbol? Jedenfalls ist das deutlich sichtbare Hinweisschild auf die Autobahnkirche eine nicht zu übersehende Einladung. Nutzt die nächste Ausfahrt, haltet einen Moment inne, kommt zur Besinnung!

Und etwa 2000 Menschen lassen sich einladen, Jahr für Jahr. Sie dürfen hier durchatmen, Abstand gewinnen vom nie versiegenden Fluss des Verkehrs, der Hektik des Tempos, der Aggression mancher rücksichtsloser Fahrer. Sie finden hier eine Burg, einen Schutzraum, der seit dem hohen Mittelalter Menschen Geborgenheit geschenkt hat. Sie erleben einen hellen, freundlichen Kirchenraum. Sie können nur still sitzen, sie können beten, eine Kerze entzünden, eine Notiz ins Gästebuch schreiben. Und die Zeugnisse aus dem Gästebuch belegen es, wir haben es gehört: Viele verlassen diese Kirche verändert, getröstet, ermutigt, gesammelt.

Für den heutigen Festtag haben wir vorhin einen festlichen Text gehört. Die Psalmen gehören als biblische Gebete in den Tempelgottesdienst. Und vom Tempel ist in Psalm 27 auch die Rede. Ich möchte mit Ihnen heute diesen schönen Psalm predigend durchbeten, und zwar in seinen vier Abschnitten. Diese Predigt ist ab jetzt also Gebet. Wir hören zunächst Teil 1 des 27. Psalms in der Übersetzung der Basisbibel. Lasst uns beten:

  • Ps 27,1-3

Gott, mein Leben ist verletzlich. Selten ist mir das so bewusst geworden wie in diesen Zeiten der Pandemie. Ich habe mein Leben nicht in der Hand. Immer wieder bin ich außerdem bedroht von Menschen, die mir schaden wollen. Auch als Autofahrer begebe ich mich dauernd in Gefahr. Ich sehne mich nach Schutz und Stärkung. Du bist der Schutz meines Lebens. In dir will ich mich bergen. Sei mein Licht in dunkler Zeit, halte deine schirmende Hand über mir!

  • Ps 27,4-6

Gott, danke, dass Menschen Bauten errichtet haben zu deiner Ehre. Den Tempel, diese Kirche. Sie sind Schutzburgen. Ich kann hier zur Ruhe kommen, still werden. Du wohnst überall, aber besonders hier kann ich dir begegnen. Hier kann ich deine Schönheit sehen. Hier bin ich sicher. Wenn ich wieder darf, möchte ich hier wieder singen und musizieren. Du bist in der Mitte, wo an diesem Ort gebetet und gefeiert wird.

  • Ps 27,7-10

Gott, es ist nicht selten: Da bleibst du mir dunkel. Du scheinst verborgen. Du mutest mir Schmerzen zu, Krankheit, Trauer, Verlust. Ich weiß nicht mehr weiter. Wo ist da dein liebendes Gesicht? Bist du zornig auf mich? Warum muss ich all das tragen? Dabei bist du es doch, der mir Hilfe versprochen hat! Zeige dich mir, damit ich wieder Vertrauen fassen kann! Bleibe als mein Begleiter an meiner Seite!

  • Ps 27,11-14

Gott, sei mir Wegweiser. Immer wieder fehlt mir die Orientierung. Leite mich auf die Straßen, die mich auf deinen Wegen leiten. Zeige mir, was dein Wille mit mir ist. Auf dich will ich hoffen, auch wenn mir bange ist. Schenke mir neuen Mut, wenn ich verzagt bin. Ich vertraue darauf, dass ich deine Güte erfahre, immer wieder im Leben und einmal ohne Zweifel in deiner neuen Welt. Du bist mein Licht und mein Glück. Dein Name sei gelobt!

Amen.

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