Präses Hillmann: „Unsere Kirche ist eine starke zivilgesellschaftliche Kraft“

Anti-Kriegstag am 1. September - Nordkirche startet Prozess #redenüberfrieden

Ulrike Hillmann, Präses der Landessynode der Nordkirche
Ulrike Hillmann, Präses der Landessynode der Nordkirche© Marcelo Hernandez, Nordkirche

31. August 2020 von Maren Warnecke, Claudia Ebeling

Kiel/Hamburg/Neumünster. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) startet morgen (1. September) ihren einjährigen Prozess „#redenüberfrieden“, den der landessynodale Ausschuss „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ initiiert hat. Erklärtes Ziel ist es, mehr Verantwortung für den Frieden zu übernehmen, vor Ort und auch weltweit. „Unsere Kirche ist eine starke zivilgesellschaftliche Kraft: Wenn wir alle gemeinsam, im Wissen um Gottes Liebe zu allen Menschen, noch mehr vorangehen für eine gerechtere und friedlichere Welt, in der Solidarität und Respekt gestärkt werden, können wir viel bewirken“, betonte Ulrike Hillmann, Präses der Landessynode der Nordkirche, zum weltweiten Anti-Kriegstag.

Bereits im Juni hatte die Kirchenleitung die Unterstützung der „Initiative Lieferkettengesetz“ beschlossen. Die „Initiative Lieferkettengesetz“ setzt sich für ein deutsches Gesetz ein, das Unternehmen verpflichtet, Menschenrechte und Umweltschutz in ihren Lieferketten zu achten. „Solche Standards wirken vielen ungerechten Wirtschaftsbeziehungen entgegen. Wenn Menschen nicht in Würde und Sicherheit leben können, ist auch kein Frieden möglich“, erläuterte Friedemann Magaard, Pastor in Husum und Vorsitzender des Ausschusses „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ der Landessynode. „Viele Kirchengemeinden unterstützen bereits aktiv den fairen Handel. Ein robustes Lieferkettengesetz würde soziale und ökologische Standards zur Regel machen. Dies könnte vielen Konflikten in den Ländern des Südens, zu denen unsere Nordkirche Partnerbeziehungen hat, den Boden entziehen“, so Magaard weiter.

Zu den geplanten weiteren Schritten gehören verstärkte Maßnahmen zum Schutz des Klimas. „Wir sehen tagtäglich, dass der Klimawandel bewaffnete Konflikte schürt, Menschen in die Flucht treibt und Lebensgrundlagen vernichtet. Zum Schutz unseres Klimas und damit auch für eine friedlichere Welt kann jede Gemeinde, jede Einrichtung unserer Kirche und jedes Mitglied etwas beitragen“, sagte Landessynoden-Präses Ulrike Hillmann weiter.

Zudem möchte sich die Kirche künftig noch stärker als Vorbild für ein respektvolles und konstruktives Miteinander in unserer Gesellschaft einbringen. Julika Koch, Referentin im Referat Friedensbildung der Nordkirche, ergänzt: „Das fängt bei uns selber an, in dem wir zum Beispiel Menschen mit unterschiedlichen Einstelllungen miteinander ins Gespräch bringen oder uns gemeinsam mit anderen Akteuren für eine friedliche und gerechte Gesellschaft engagieren. Genauso gehört es aber dazu, lokal alle Hebel zu nutzen, die für eine friedlichere Welt sorgen.“

Ein weiterer Schritt könnte sein, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister auf dem Gebiet der Nordkirche für das weltweite Bündnis „mayor for peace“ zu gewinnen.

Zu den Aktionen am und rund um den Anti-Kriegstag am 1. September zählen in den Kirchenkreisen der Nordkirche:
 

Husum:

  • 1.9., ab 15 Uhr: Auf dem Marktplatz malen Schülerinnen und Schüler eine großflächige Friedenstaube. Passanten können Gedanken und Fragen zum Thema „Frieden“ notieren.

Neumünster:

  • 31.8., 19 Uhr, Bildungszentrum Vicelin: Vortrag mit Michael Müller, Naturfreunde Deutschland, „Klima hilft dem Frieden – der doppelte Selbstmord“
  • 1. 9., ab 9 Uhr, Elly-Heuss-Knapp Schule: Veranstaltung zum Anti-Kriegstag mit ca. 140 Schüler*innen
  • 1.9., 17 Uhr, Großflecken: Mahnwache zum Anti-Kriegstag.

Hamburg

  • 2.9., 16.30 Uhr, Ida-Ehre-Platz, Hamburg: Mahnwache der „Frauen in Schwarz“. Jeden ersten Mittwoch im Monat stehen sie seit vielen Jahren vor Ort und machen aufmerksam auf Friedensthemen.

Hintergrund:

Unter dem Motto „#Reden über Frieden“ ruft der Ausschuss „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ der II. Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) zu einem landeskirchenweiten Diskussionsprozess auf. Dabei sollen aktuelle Herausforderungen für den Frieden sowie friedens- und sicherheitsrelevante Entwicklungen in der Welt im Zentrum stehen. Grundlage für den Diskussionsprozess ist das Positionspapier „Gerechter Frieden“, das die I. Landessynode der Nordkirche 2017 beschlossen hatte.

Unter www.redenueberfrieden.de werden Impulse und Materialien angeboten. Im Rahmen des Diskussionsprozesses sind für den Herbst drei Studientage mit Podien, Workshops, theologischen Impulsen und Referaten geplant.

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