Mit-Entscheiden fördert psychische Gesundheit in der Krise

Bischöfin Kirsten Fehrs ruft auf, Kinder und Jugendliche einzubeziehen

Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche
Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche© Marcelo Hernandez, Nordkirche

01. Dezember 2021 von Torsten Becker

Hamburg. Angesichts steigender Infektionszahlen ruft Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche, dazu auf, Kinder und Jugendliche bewusst in Entscheidungen einzubeziehen. So könnten sie Belastungen durch die Pandemie, die nun offenbar auch auf junge Menschen wieder verstärkt zukämen, besser bewältigen. Nach einem Krisengespräch mit Fachleuten aus der Kinder- und Jugendarbeit erklärte die Bischöfin in Hamburg: „Wir können vielleicht manche Einschränkungen nicht vermeiden. Aber wir können verhindern, dass Kinder und Jugendliche sich völlig ohnmächtig fühlen. Das hilft ihnen, zuversichtlich zu bleiben.“

Bischöfin Fehrs denkt dabei nicht nur an politische Entscheidungen über Kontaktbeschränkungen oder mögliche Einschränkungen in Jugendeinrichtungen: „In jeder Familie, in jedem Verein, in Einrichtungen und Kirchengemeinden wird in diesen Wochen darüber entschieden, was geht und was nicht geht, ob man sich trifft, wie man feiert und was vielleicht abgesagt werden soll.“ Kinder und Jugendliche seien fast immer mitbetroffen und sollten daher beteiligt werden. „Wenn sie aktiv mitentscheiden können“, so die Bischöfin, „kommen sie besser durch diese lange und schwere Krise.“

So sieht es auch die Kinder- und Jugendpsychiaterin Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Forschungsdirektorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Leiterin der Forschungssektion „Child Public Health“ am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), die in einer Längsschnittstudie (COPSY) die psychischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche untersucht hat: „Selbstwirksamkeit ist ein ganz wichtiger Faktor zur Krisenbewältigung. Kinder und Jugendliche, die mitgestalten und mitentscheiden dürfen, haben eine höhere Lebensqualität, werden seltener depressiv und sind insgesamt psychisch gesünder.“

Landesjugendpastorin Annika Woydack sieht auch die Kirchengemeinden der Nordkirche in der Verantwortung: „In diesen Tagen wird viel hin und her überlegt und viel entschieden. Kinder und Jugendliche sollen unbedingt dabei mitreden und mitdenken dürfen.“ Sie appelliert zudem, Formate anzupassen an die Möglichkeiten und so weiter ein Miteinander zu ermöglichen. Anrufe und Gesprächsmöglichkeiten digital, im großen Kirchraum oder an der frischen Luft sind hilfreich für junge Menschen, wenn Gruppentreffen schwieriger werden sollten. Wie wichtig das sei, zeige unter anderem die starke Nachfrage in der Chat-Jugendseelsorge der Jungen Nordkirche (www.schreibenstattschweigen.de): „Hier schreiben junge Menschen ihre Themen, ihre Ängste und Sorgen in den Chat und finden jemanden, der ihnen im Chat ‚zuhört‘ und sie begleitet.“

Schon in ihrem Bericht vor der Landessynode der Nordkirche hatte Bischöfin Fehrs jüngst auf die schwierige Lage von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie hingewiesen: „Wie junge Menschen in den Lockdowns unter den Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen gelitten haben, wie sie zum Teil einen unverhältnismäßig hohen Preis zahlen – das hat mich bei den Begegnungen, die ich mit ihnen in den vergangenen Monaten bewusst gesucht habe, zutiefst bewegt.“

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