Kirche als Kraftort im ländlichen Raum

Bischof Tilman Jeremias würdigt Engagement der Kirchengemeinden auf dem Land

Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche
Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche© Marcelo Hernandez, Nordkirche

11. Mai 2026 von Dieter Schulz

Beim Zukunftsforum „Land.Kirche“ des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD spricht Bischof Tilman Jeremias über die Bedeutung ländlicher Kirchengemeinden. Er beschreibt Dorfkirchen als „Kraftorte traditioneller Kirchlichkeit“ und betont ihre Rolle für Zusammenhalt und Zivilgesellschaft.

Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch‑Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Tilman Jeremias, nimmt am Dienstag (12. Mai 2026) an der Jahrestagung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD in Rehburg‑Loccum teil. Die Tagung steht unter dem Titel „Zukunft Land.Kirche“ und widmet sich den tiefgreifenden Veränderungen ländlicher Räume – vom demografischen Wandel über gesellschaftliche Umbrüche bis hin zum Rückgang öffentlicher Infrastruktur.

Kirchliche Arbeit auf dem Land im Blick behalten

Wie aus vorab veröffentlichen Auszügen aus seinem Vortrag „Zivilgesellschaftlich engagiert: Was Kirchengemeinden heute (schon) tun“ hervorgeht, richtet Jeremias den Blick bewusst auf die Situation kirchlicher Arbeit außerhalb der Städte. „Die kirchliche Arbeit in ländlichen Räumen“ bleibe „oft eher unterbelichtet“, sagte der Bischof. Viele Debatten über kirchliche Reformen gingen selbstverständlich von städtischen Strukturen aus, während die Realität auf dem Land zu wenig berücksichtigt werde.

„Kraftorte traditioneller Kirchlichkeit“

Tilman Jeremias würdigt die ländlichen Kirchengemeinden in Mecklenburg‑Vorpommern als „Kraftorte traditioneller Kirchlichkeit“. Gerade dort, wo Ressourcen knapper würden, erlebe er Menschen, „die ihren Glauben überzeugt und aktiv leben“. Besonders hob er das ehrenamtliche Engagement hervor. Auf den Dörfern begegne er „oftmals den treuen Seelen“, die Kirchen öffnen, Veranstaltungen vorbereiten, Chöre tragen oder Besuchsdienste übernehmen. Diese Menschen „halten das kirchliche Leben an der dörflichen Basis am Leben“.

Fördervereine zum Erhalt der Dorfkirchen als Beispiel

Zugleich verweist der Bischof auf die zahlreichen Fördervereine zum Erhalt der Dorfkirchen – häufig mit einem Anteil von 80 bis 90 Prozent konfessionsloser Mitglieder. „Aber sie engagieren sich für ihre Dorfkirche, kennen ihre Geschichte, lieben diesen Raum und bringen auch Ideen mit, wie dieses Gebäude zu nutzen ist“, so Tilman Jeremias. Er kritisiert, dass es vielerorts zum guten Ton geworden sei, Kirchengebäude vor allem als Last zu betrachten. „Dabei sind diese unsere Kirchen momentan in einem so guten sanierten Zustand wie in ihrer Jahrhunderte langen Geschichte noch nie“, betont er. Dorfkirchen seien weiterhin Orte der Begegnung und des geistlichen Lebens – „nicht etwa nur der Kirchengemeinde, sondern aller ansprechbaren Menschen im Dorf“.

Kirche als verlässlicher Teil der ländlichen Zivilgesellschaft

Mit Blick auf strukturschwache Regionen unterstreicht Bischof Tilman Jeremias die gesellschaftliche Bedeutung kirchlicher Präsenz. Viele Dörfer litten unter dem Verlust von Infrastruktur und Begegnungsorten. „Das Zauberwort für eine funktionierende ländliche Zivilgesellschaft kann nur Vernetzung heißen“, sagt er. Kirche arbeite eng mit Feuerwehren, Schulen, Vereinen und kommunalen Initiativen zusammen.Entscheidend sei jedoch, dass Kirche ihre eigene Identität bewahre: „Letztlich bin ich davon überzeugt, dass die Kirche sich dort am intensivsten in die Zivilgesellschaft einbringt, wo sie sie selbst bleibt.“

Hoffnungsvoller Blick auf die Zukunft der Kirche

Ein Rückzug aus der Fläche sei keine Option: „Daher kann trotz des rasanten Rückgangs finanzieller und hauptamtlicher Ressourcen niemals die Strategie sein, sich als Kirche aus den ländlichen Regionen zurückzuziehen und die Arbeit auf die Städte zu konzentrieren.“, so der Bischof. Zum Abschluss seines Vortrags warb Tilman Jeremias für einen hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft der Kirche. Gerade in herausfordernden Zeiten brauche es Menschen, „die beten, Gottesdienste feiern und Nächstenliebe zu leben versuchen“.

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