„Das Kreuz ist ein Ort der Versöhnung“
03. April 2026
Mit einer eindringlichen Predigt hat Bischöfin Nora Steen im bundesweit in der ARD übertragenen Karfreitagsgottesdienst aus dem St. Petri-Dom zu Schleswig die zentrale Botschaft dieses Tages in den Mittelpunkt gestellt: Versöhnung inmitten einer verletzten Welt.
Schleswig (cl). Unter dem Leitwort „Gott versöhnt – wir finden zusammen“ beleuchtete der Fernsehgottesdienst die Erfahrungen von Schmerz, Schuld und Verlust aus unterschiedlichen Perspektiven und stellte ihnen die Kraft der göttlichen Liebe entgegen.
„Das Kreuz als Ort des Todes und zugleich als Ort der Versöhnung“, so beschrieb die Bischöfin die Spannung dieses Tages. „Gott spricht durch die Kreuzigung Jesu ein Wort der Liebe in unsere so ganz und gar unversöhnte und von Kriegen gezeichnete Welt: Lasst euch versöhnen mit Gott.“
Karfreitag: Raum für Schmerz und Wirklichkeit
In ihrer Predigt widersprach Bischöfin Steen der verbreiteten Haltung, Karfreitag als „stillen Tag“ infrage zu stellen. Vielmehr brauche es genau diesen Raum:
„Niemand tanzt an jedem Tag im Leben. Karfreitag erinnert uns daran, dass Leid, Verletzungen und Tod dazugehören. Es geht nicht darum, Freude zu nehmen, sondern ehrlich hinzusehen und dem Schmerz des Verlustes einen Raum zu geben.“
Das Kreuz stehe dabei für die Realität menschlicher Erfahrung: für Trauer, für Wunden, für Schuld, aber auch für die Möglichkeit, diese nicht allein tragen zu müssen.
Versöhnung beginnt dort, wo wir unsere Verletzlichkeit zeigen
Die Botschaft des Karfreitags sei eine Zumutung und zugleich eine Hoffnungsperspektive, so die Bischöfin:
„Wie kann ausgerechnet dort, wo wir am tiefsten Punkt unseres Lebens sind, etwas heil werden? Das ist die Zumutung des christlichen Glaubens.“
Antworten darauf zeigten in dem Gottesdienst Menschen aus Schleswig und der Region, deren Lebensgeschichten die Predigt bewusst aufgriff:
Claus Ruhe Madsen, Minister und im deutsch-dänischen Grenzland verwurzelt, sprach über Identität zwischen zwei Kulturen und ein gelebtes Miteinander jenseits von Grenzen – als Beispiel für „versöhnte Verschiedenheit“.
Christine le Coutre, Leiterin der Familienberatungsstelle in Schleswig, berichtete aus ihrer täglichen Arbeit mit Familien, in denen trotz tiefer Konflikte und Verletzungen neue Beziehungen wachsen können.
Kay-Michael Heil, Mitglied der traditionsreichen Holmer Gemeinschaft, erzählte von der besonderen Kultur auf dem Holm, wo Menschen einander im Leben und im Sterben tragen und Gemeinschaft ganz konkret wird.
Diese Stimmen aus der Region machten deutlich, wie sich die Botschaft von Karfreitag im Alltag widerspiegelt: im Ringen um Versöhnung, im Aushalten von Brüchen und im gemeinsamen Tragen von Lasten.
Karfreitag als gesellschaftliches Zeichen
Die Bischöfin plädierte dafür, den Karfreitag in unserer Gesellschaft lebendig zu halten: Gerade in einer Zeit, die von Krisen, Konflikten und Polarisierung geprägt ist, sei die Botschaft der Versöhnung aktueller denn je, denn sie geschieht dort, wo Menschen den Mut finden, ihre eigene Verletzlichkeit zu zeigen. „Auch der Auferstandene ist an den Wundmalen zu erkennen.“
Darin liege eine tiefgreifende Hoffnung: Dass Gemeinschaft nicht aus Perfektion entsteht, sondern aus Ehrlichkeit, Vertrauen und dem gemeinsamen Tragen von Lasten. „Wenn wir uns trauen, uns in unserer Verletzlichkeit zu zeigen, kann neue Gemeinschaft wachsen.“
Bundesweite Ausstrahlung aus Schleswig
Der Gottesdienst wurde live aus dem St. Petri-Dom zu Schleswig in der ARD übertragen und vom NDR produziert. Neben der Predigt von Bischöfin Steen wirkten zahlreiche Menschen aus der Region mit und machten den Gottesdienst zu einem sichtbaren Ausdruck gelebter Gemeinschaft im Norden.
