KIELER NACHRICHTEN - OSTERN 2010

Der graue Schleier reißt auf

06. April 2010 von Gothart Magaard

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ 
Ostern wird´s klar. Da reißt etwas auf. Und das Licht scheint durch das Bild hindurch zum Betrachter. Aus der Mitte des Kreuzes entspringt es kraftvoll, durchbricht das Diffuse, überschreitet alles Abgezirkelte und quadratisch Abgesteckte. Da steckt Kraft und Energie dahinter. Alles wird anders. Das erleben die Frauen, die nach den unendlich leidvollen Tagen Jesu Grab aufsuchen wollen. Jesus war am Kreuz gestorben und mit ihm ein großer Teil ihrer eigenen Hoffnungen. Dunkel war es in ihren Herzen. Trauer und Angst beherrschten sie.

Der Künstler Matthias Klemm gibt in seinem Werk der Passion, dem Leiden viel Raum: grau und verschwommen die Felder. Und in jedem Feld eine Dornenkrone und in deren Mitte ein Kreuz. Ist es die Perspektive der weinenden Frauen, die das grausame Geschehen durch einen Schleier von Tränen verfolgten?
Am Grab geschieht das Unglaubliche: Statt Leichenpflege und Einbalsamierung, statt endgültigem Abschied die Auferstehung von den Toten. Ein namenloser Bote Gottes öffnet den Blick der Frauen für das Licht das Ostermorgens: „Was weinst du? Wisch die Tränen aus dem Gesicht und öffne die Augen! Kommt her und seht die Stätte, da er gelegen hat. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Kein Sockel, kein Denkmal, kein Hinterhertrauern, sondern von nun an Leben im Geiste Jesu, der die Friedfertigen und Sanftmütigen selig nannte; der die Kinder liebte und auf der Seite der Mühseligen und Beladenen stand.
Mein Blick fällt auf die einzelnen Felder des Bildes. Ich sehe ein Kreuz. Und daneben noch eins. Und noch eins. Davor. Dahinter. Anders, unverwechselbar ein jedes, sie weisen mich in unsere Gegenwart. Ein Kreuz könnte für die wachsende Zahl von hungernden Menschen stehen. Eines für die Menschen, die unter Krieg und Zerstörung leiden. Eines für die Menschen, deren Vertrauen missbraucht wurde. Ein weiteres für Menschen, die sich ständig abgeschoben und überflüssig fühlen. Eines für die Folgen der Erderwärmung nach dem gescheiterten Klimagipfel. Eines für die Menschen, die nicht mehr ein noch aus wissen mit ihrem Leben…
Doch mitten im Bild erstrahlen helle Farben, Hier reißt der graue Schleier, der über dem Bild liegt auf. Unverstellt leuchtet mir ein helles Kreuz entgegen: Ostern. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ fragt mich der Bote Gottes, und verheißt: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ - Neues Sehen. Neues Fühlen. Neues Denken. Da kommt etwas auf mich zu. Da zieht es mich hin. Dieses Licht färbt ab. Wohin schaue ich? Wonach richte ich mich aus? Fällt der Schein dieses Osterlichtes schon auf mich? Mir dämmert es: Es tagt. Die Auferstehung der Toten erwarten wir.
Ostern öffnet eine neue Sicht der Dinge: Der Tod hat nicht das letzte Wort, und die Hoffnung wird stark, dass diese Welt veränderbar ist. Ein Hoffnungszeichen erlebe ich beim Besuch der Sozialkirche in Kiel-Gaarden. Zahlreiche Menschen, darunter immer mehr Kinder, erfahren durch großes Engagement der Kieler Tafel, der Stadtmission und Kirchengemeinde Unterstützung. Dort in Kiel und überall, wo jene beraten und begleitet werden, die nicht in unser Bild vom erfolgreichen, gesunden und umsatzbringenden Menschen passen, erkenne ich das österliche Licht.
Ein anderes Hoffnungszeichen verbinde ich mit dem Dorf Ladelund im Norden unseres Landes. Dort konnte ich eine bis heute lebendige Versöhnungsgeschichte zwischen Holländern und Deutschen erleben, obwohl dort im Herbst 1944 300 Jungen und Männer aus dem holländischen Ort Putten in einer KZ-Außenstelle umgekommen waren. Auch dort und überall, wo sich Menschen für Frieden und Versöhnung einsetzen, erkenne ich das österliche Licht.
Das Bild von Matthias Klemm macht es sichtbar: Das Licht des Ostermorgens bricht sich Bahn und lässt sich nicht eingrenzen. Ostern ist der Anfang. Und irgendwann ist alles hell.
  Gothart Magaard, Bischofsbevollmächtigter im Sprengel Schleswig und Holstein

Bild:
Matthias Klemm (Leipzig), Knitterbild: Passion – Auferstehung J.S. Bach, 2. Fassung 1998; www.matthias-klemm.com
Ein herzlicher Dank gilt dem Künstler Matthias Klemm und dem Passage Verlag Leipzig für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung!

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