6. Juni 2020 l Christkirche Rendsburg

„Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir“.

08. Juni 2020

Ordination von Theologinnen und Theologen im Sprengel Schleswig und Holstein, Predigt zum aaronitischen Segen

Predigt im Ordinationsgottesdienst am 06.06.2020 in Rendsburg

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit Euch.

Liebe Festgemeinde, liebe Schwestern und Brüder

„Du sollst Dich optimieren!“ – so lautet der Titel eines Films aus dem Jahr 2017. Dieser Filmporträtiert Menschen, die bei der Arbeit, in der Kindererziehung oder bei ihrer Ernährung die aktuellsten Methoden der Selbstoptimierung anwenden.  „Du sollst Dich optimieren“ – das klingt kritisch bewertet nach Arbeit am perfekten Menschen und wie ein modernes 11. Gebot.

Ich weiß nicht, ob Ihr, liebe Ordinanden, in den vergangenen Jahren Euch mit diesem oder einem ähnlichem Satz motiviert habt. Ihr seid ja nicht zufällig heute hier in der Christkirche. Ein langer Ausbildungsweg liegt hinter Euch.

Das Studium war lang und geprägt von interessanten und anregenden Erkenntnissen und manchen Herausforderungen. Zugleich hat es Euch gewiss auch so manches abverlangt. Schließlich erfolgte mit dem Vikariat die praktische Vorbereitungszeit in den Berufsfeldern eines Pastors/ einer Pastorin mit Seelsorge, Gottesdiensten usw. Und dabei habt Ihr Euch mit der Zeit ein eigenes Profil erarbeitet und eigene Projekte verfolgt.

Dazu gehörte harte Arbeit, viele Gespräche, kritische Rückmeldungen und aufmunternde Begleitung und auch Examensleistungen, die letzten vor wenigen Wochen.

Das Gebot zur Selbstoptimierung unterstellt, dass der Mensch zum Hersteller seiner selbst wird. Damit verkümmert die Fähigkeit, das Leben in seiner Vielschichtigkeit anzunehmen. Es verkümmert die Fähigkeit, eigene Grenzen zu akzeptieren und das Leben auch in seiner Unvollkommenheit als sinnvoll zu betrachten.

Was geschieht dann in schwerwiegenden Umbrüchen wie wir sie gerade in den vergangenen Wochen erlebt haben? Was geschieht, wenn alle Aktivität und die Arbeit am Verbessern nicht mehr funktionieren? Was geschieht in Krisen, bei Krankheit oder Tod? 

Die Botschaft aus der jüdischen und christlichen Tradition sagt uns etwas anderes: Sie sagt: wir stehen nicht unter dem Zwang, uns selbst herzustellen. Wir müssen unser Leben nicht selbst bergen. Wir sind geborgen. Wir sind bei unserem Namen gerufen, ehe wir uns selbst einen Namen machen.

Und der Gestus, der das zum Ausdruck bringt ist der Segen.

 

Der Predigttext für den morgigen Sonntag steht im 4.Buch Mose Kapitel 6, 22-27:

       Und der Herr redete mit Mose und sprach:

       Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt

       ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

       Der Herr segne dich und behüte dich;

       der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir

       und sei dir gnädig;

       der Herr hebe sein Angesicht über dich

       und gebe dir Frieden.

       So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen,

       dass ich sie segne.

 

Diese vertrauten Worte des aaronitischen Segens beschließen jeden unserer Gottesdienste. Sie geleiten uns aus dem Gottesdienst zurück in den Alltag mit dem Versprechen: Gott begleitet dich. Er gibt dir für die Höhen und Tiefen im Geschehen des Lebens Zuversicht und Kraft.

 

 

Diese Worte schaffen einen Raum von Wärme und Geborgenheit. Segen ist Behütet- und Bewahrt-Sein.

„Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir“.

Gott hat dich im Blick. Du bist angesehen.  Dieser Blick ist weder skeptisch noch strafend, sondern ist ein Blick voller Liebe und Gnade.

Mit dem Segen wird uns Bewahrung und Zuversicht zugesprochen. Ich darf ihn hören und annehmen. Der Segen ist der Ort absoluten Angenommen-Seins. Es ist der Ort, an dem wir werden, weil wir angesehen werden.  Es leuchtet ein anderes Antlitz über uns als das eigene.

Der Segen bewahrt uns nicht vor dunklen oder schweren Zeiten. Aber er gibt die Zuversicht, dass wir getrost in unseren Alltag gehen können, dass Gott uns die nötige Kraft gibt, unser Leben zu bestehen.

Mit den Worten des aaronitischen Segens kommt eine zutiefst menschliche Nähe Gottes zum Ausdruck: die Menschlichkeit des Gesehen-Werdens.

 

Liebe Ordinanden,

am Anfang Eures Wirkens im Pfarramt steht heute der Tag Eurer Ordination. Und mit ihm der Segen, um den wir für Euch bitten. Wir beginnen unseren Dienst nicht mit uns selbst, sondern unter dem Segen Gottes, der uns ins Leben gerufen hat und uns auf unserem Weg begleitet.

Wieviel Segen habt Ihr bereits erfahren auf Eurem Lebensweg! Da sind die Menschen, die Euch begleiten im Nachdenken und Gesprächen. Aus Euren Familien sowie Freunde und Wegbegleiterinnen. Und andere heute fürbittend, betend, segnend aus der Ferne. Da sind zudem die Menschen, die Euch in Euren Herkunftsgemeinden, im Studium und im Vikariat geprägt haben.

 

Keine Frage: Ihr seid gut ausgebildet durch das Studium, durch das Vikariat in den Gemeinden und im Predigerseminar. Und nun führt der Weg Euch weiter:  Ihr seid dabei, Euch in den neuen Gemeinden und Regionen zu orientieren und viele Menschen zu treffen. Ihr werdet hören auf das, was die Menschen an ihrem Ort bewegt und offen sein für das, was die Gemeinde braucht. Und Ihr sind bereit, Euch einzubringen mit ersten Ideen und Überlegungen.

Eines kann ich Euch versichern: Die Menschen in den Gemeinden freuen sich, dass Ihr kommt. Und Eure Pröpste freuen sich ebenso wie ich als Bischof in diesem Sprengel zwischen den Meeren.

Ihr beginnt Euren Dienst in einer Zeit großer Veränderungen – in unserer Kirche und auch in der Gesellschaft insgesamt. In den letzten Wochen ist uns deutlich geworden, dass es nach der Corona-Pandemie nicht einfach so weitergehen wird, wie vorher. In Krisenzeiten beschleunigen sich auch die Veränderungsprozesse. In diese für uns alle offene und ungewisse Situation geht Ihr hinein und bringt auch etwas Neues mit.

Öffentlich wird gelegentlich kritisiert, dass die Kirche in den vergangenen Wochen zu wenig erkennbar und präsent war bei den Menschen. Ich habe da einen völlig anderen Eindruck: In den Gemeinden sind nach dem ersten Schock viele neue Wege der Kommunikation entstanden: Übers Telefon, über Briefe und gedruckte Andachten, Botschaften auf der Straße und am Himmel und unglaublich viele digitale Andachts- und Gottesdienstformate im Netz. Ich bin überzeugt, dass die Osterbotschaft in ihrer Vielfalt stärker wahrgenommen werden konnte als in den Vorjahren. Weil es sich um persönliche Kontakte handelt, sind diese im öffentlichen Raum nicht so wahrnehmbar. Entscheidend ist für mich: Pastorinnen und Pastoren waren im engen Kontakt mit den Menschen, auch mit den trauernden und isolierten Menschen und auch in den Krankenhäusern. Und ich bin sicher, dass auch Ihr das Gespräch und den Kontakt zu den Menschen in Euren Gemeinden schnell finden werdet.

Es ist ein Segen, wenn Menschen wie Ihr Lust haben, die kirchliche Arbeit und die Veränderungen mit zu gestalten und bereit sind, sich auf das Offene einzulassen. Dafür ist uns aufgetragen, besonnen und gelassen und im Vertrauen auf die Kraft des Evangeliums zu wirken. So wie wir es im Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus im Evangelium gehört haben: Es bleibt unsere Aufgabe auf den Geist Gottes immer neu zu hören.

Die reflektierende Arbeit an der eigenen Person und Aufgabe bleibt dabei unverzichtbar und mit der Zusage des Segens im Rücken kann sogar so etwas wie „Selbstoptimierung“ gelingen! Der Beruf des Pastors und der Pastorin birgt so viele großartige Möglichkeiten, selbst zu gestalten und kreativ zu sein.

Gottes Segen gibt uns die nötige Kraft, um zu gestalten. Gottes Segen gibt uns Raum zur Entfaltung und vielen anderen Christenmenschen ebenso. Es gehört aber auch dazu, die eigenen Grenzen zuzulassen. Zu wissen: das Unvollkommene muss nicht Niederlage sein, sondern daraus kann  ich lernen, daran kann ich wachsen und reifen.

Gesegnet sollt ihr drei Ordinanden  in die Zeit gehen, die vor Euch liegt. Gesegnet von Gott. Im Vertrauen darauf, dass er Euch mit guten Gaben für Eure neuen Aufgaben ausgestattet hat. Und ebenso in Begleitung der Menschen an den verschiedenen Orten, die an Eurer Seite stehen. Gottes Segen sei mit Euch und uns allen!

Amen.

Datum
08.06.2020
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