4. April 2021 | Dom zu Lübeck

Die Nacht ist vorbei. Der helle Ostertag ist da. Jesus Christus ist auferstanden.

04. April 2021 von Kristina Kühnbaum-Schmidt

– Predigt am Ostersonntag –

I

Die Nacht ist vorbei. Der helle Ostertag ist da. Der Tod ist besiegt. Christ ist erstanden. Halleluja.

Jetzt könnte es losgehen mit Pauken und Trompeten. Mit ausgelassenem Tanz. Mit Händeklatschen und lautem Gelächter. Mit jubilierenden Menschen- und Engelchören: Christ ist erstanden. Halleluja.

Wir aber sind leise geworden. Stimmen keinen gemeinsamen, lauten Gesang an. Hören kein schallendes Ostergelächter, ahnen allenfalls ein Osterlächeln aus den Augenfältchen des Gegenübers über dem Maskenrand. Eher verhalten kommt die Osterfreude daher.

Denn zum zweiten Mal in Folge feiern wir Ostern sehr zurückhaltend. Und viele sind deutlich erschöpfter, fragender, und noch nachdenklicher als schon vor einem Jahr. Denn weiterhin erkranken und sterben Menschen an und mit dem Corona-Virus und dessen neuen Mutationen, erneut steigen die Inzidenzzahlen stark an und wieder fürchten Krankenhäuser, all dem nicht standhalten zu können.

Sehr oft sagen mir Menschen in diesen Tagen, sie seien „mütend“ oder „wüde“ - eine Mischung aus Ermüdung und Wut, verbunden mit Ohnmacht und Ratlosigkeit. Ich verstehe diese Gefühle gut: denn während die einen eindringlich warnen und zu mehr Einschränkungen raten, wollen andere sich partout nicht mehr beschränken und fordern Lockerungen - und der Versuch, es allen irgendwie ein bisschen recht zu machen, führt offensichtlich in eine Sackgasse, und einzig das Versprechen auf mehr und schnellere Impfungen erscheint als Lichtblick. Und ist verbunden mit der Frage: Wie soll es jetzt weitergehen?

II

Wie soll es jetzt weitergehen? Diese Frage stellen nicht nur wir uns zu Ostern im Jahr 2021, diese Frage stellen sich auch die Menschen vor Hunderten von Jahren, nach dem Tod Jesu am Kreuz.

Einige von ihnen, drei Frauen, gehen drei Tage nach diesem grausamen Tod, der so viele ihrer Hoffnungen und Erwartungen zunichte gemacht hatte, zum Grab, in das der Leichnam Jesu gelegt worden war. Dort treffen sie auf einen Jüngling mit einer Botschaft, wie sie wohl nur ein Engel haben kann: „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“

Eine schier unglaubliche Nachricht, von der auch die drei Frauen zunächst niemandem erzählen. Eine Nachricht, die weder bei ihnen noch bei denen, denen sie dann davon berichten, Jubelschreie oder Freudengesänge auslöst. Eher vorsichtig tastend fassen sie in Worte, was sie erlebt haben.

Kreuz und Auferstehung haben ihr Leben und ihre bisherigen Gewissheiten erschüttert. Aber beides führt sie zu einem neuen Verständnis ihres Glaubens und ihres Lebens. Und schließlich verstehen sie: Gott hat den gekreuzigten und gestorbenen Christus nicht verlassen. Das war das Ende nicht. Sondern Gott bekennt sich zu dem, wie Christus von ihm gesprochen hat, wie er den Glauben an Gott gelebt hat. Und beantwortet seinen Tod, indem er Christus, indem er uns alle nicht dem Tod überlässt. Das heißt auch: Gott geht nicht nur mit uns durch unser Leben, sondern kommt uns auch dann, wenn aus unserer Sicht alles zu Ende ist, mit Zukunft und neuem Leben entgegen, eröffnet uns neue Perspektiven, spielt uns neue Möglichkeiten zu.

All das geschieht nicht von heute auf morgen. Sondern in langsamen, auch durchaus schmerzhaften Verarbeitungs- und Veränderungsprozessen. Auch deshalb, so denke ich, sind die Ostergeschichten der Bibel keine lauten Sensationsgeschichten. Sondern berichten von allem, was geschieht, eher leise, vorsichtig tastend, zurückhaltend. Und immer mehr wird deutlich:

Mit Ostern wird nicht alles anders. Aber mit Ostern lebt es sich anders, nämlich hoffend und liebend. Hoffend und liebend orientiert sich das eigene Leben und Handeln an Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Gerechtigkeit. Hoffend und liebend geben Menschen das Leben nicht auf und ihre Gemeinschaft nicht preis. Und lassen das Vertrauen für jede einzelnen, jede Einzelne wachsen: ich bin nicht egal, ich werde nicht mir selbst und meinem Schicksal überlassen.

III

Wie soll es jetzt weitergehen?

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen hat unser Leben erschüttert. Sie macht deutlich, wie fragil viele unserer gewohnten Sicherheiten sind. Und sie fordert uns heraus, uns ein neues Verständnis unseres Lebens zu erarbeiten. Zu verstehen, dass manches nicht mehr so werden wird, wie es einmal war ohne zu wissen, wie genau es denn sonst sein wird. Mit einer solchen Ungewissheit kann man wohl nur umgehen, wenn man hoffend und liebend lebt. Also nüchtern auf das sieht, was jetzt an der Tagesordnung ist, sich nicht über die Realitäten des Lebens hinwegtäuscht und zugleich darauf vertraut, dass Gott uns dabei Möglichkeiten für Gutes, für neue Perspektiven, für neues Leben zuspielt.

Deshalb: Lasst uns mit dafür Sorge tragen, Leid zu verhindern und zu beenden. Lasst uns Verantwortung wahrnehmen. Und unseren Blick und unsere Hilfe besonders auf die richten, deren Angst, deren Leid und deren Verzweiflung überhört und übersehen werden - hier bei uns und weltweit.

IV

Die Nacht ist vorbei. Der helle Ostertag ist da. Jesus Christus ist auferstanden. Hoffend und liebend können wir unseren Weg durch das Leben gehen, bis wir aus dem Tod ins Leben gerufen werden und Gottes Liebe uns ganz und gar umfängt. Frohe und gesegnete Ostern!

Amen.

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