Zeltcamp bietet Konfirmandenarbeit einmal anders

Ein Sommerlager wie kein anderes: Das KonfiCamp in Neukirchen

Im KonfiCamp wird viel Zeit in den gemeinsamen Workshops verbracht - dort wird intensiv über verschiedenen Lebensfragen diskutiert.
Im KonfiCamp wird viel Zeit in den gemeinsamen Workshops verbracht - dort wird intensiv über verschiedenen Lebensfragen diskutiert. © Antje Wendt, Nordkirche

27. August 2025 von Antje Wendt

Ein Zeltlager direkt an der Flensburger Förde, Gemeinschaft auf Augenhöhe und jeden Abend eine Andacht: Seit über 17 Jahren ist das KonfiCamp in Neukirchen ein fester Bestandteil der Konfirmandenzeit im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg. Für viele Jugendliche wird es zu einer prägenden Erfahrung. Und für etliche beginnt hier ihr Engagement in der Jugendarbeit.

Eine kleine weiße Steinkirche aus romanischer Zeit mit Büschen und Bäumen
Die kleine weiße Kirche von Neukirchen im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg steht an einem besonderen Ort: Nur wenige Meter vom Meer entfernt erhebt sie sich über der Steilküste der Flensburger Förde. © Antje Wendt, Nordkirche

Ein Ort mit besonderer Atmosphäre

Zum Gelände gehört auch der sogenannte Kirchberg mit seinen Tagungshäusern und der parkähnlichen Anlage. Lebendig wird es hier vor allem, wenn im Sommer das KonfiCamp für zwei Wochen seine Zelte aufschlägt. Dann herrscht auf dem Kirchberg ein geschäftiges Treiben – wie in einem Bienenkorb. Ca. 150 bis 180 junge Menschen kommen zusammen, um über Gott und die Welt zu sprechen.

KonfiCamp Junge Menschen sitzen draußen in einer Gesprächsrunde unter einem Baum zusammen
Ob in den Workshops, beim Spielen oder in der Gesprächsrunde - hier bleibt niemand allein.

Der Kirchberg in Neukirchen und der Förderverein

Der Kirchberg ist ein Ort für Freizeiten und Seminare, exponiert direkt am Strand der Flensburger Förde gelegen. Hier verbinden sich Glaube, Bildung und Leben. Das dortige KonfiCamp ist ein fester Bestandteil der Konfirmandenarbeit im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg.

Der Förderverein trägt dazu bei, dass der Ausbau des Kirchbergs zu einem Zentrum für Jugend- und Erwachsenenarbeit gelingt. Ebenso wird das Konficamp Neukirchen als fester Teil des dortigen Angebotes mit christlich geprägter Bildung, Entwicklung und Arbeit von ehrenamtlichen Mitarbeitenden gefördert.

Die Idee hinter dem Camp

Pastor Jörg Jeske gehört zum Regionalzentrum des Kirchenkreises. Er hatte vor mehr als 17 Jahren die Idee für dieses Camp – und setzte sie in die Tat um. Sein Ziel war es, den klassischen Konfi-Unterricht in den Gemeinden zu ergänzen: durch ein Zeltlager, in dem intensiv und spielerisch zu unterschiedlichen Themen gearbeitet wird – gemeinschaftlich, in Begegnungen und auf Augenhöhe. Das Konzept ist eingebettet in ein Lagerleben, das ausreichend Struktur bietet, damit niemand durchs Raster fällt. Feste Essenszeiten, Aufgaben, Workshops und Freizeitangebote gliedern den Tag. Frei- und Erprobungsräume eröffnen Raum für Spaß, aber auch Nachdenken. Volleyballturniere, Kickern, Frühschwimmen oder der Lagertanz sorgen zudem für Erlebnisse, die das Gemeinschaftsgefühl stärken.

Vier junge Menschen spielen Tischfußball.
In den Freizeiteinheiten kann beispielsweise gekickert, gebastelt oder Volleyball gespielt werden.© Antje Wendt, Nordkirche

Workshops, Begegnungen und neue Perspektiven

Zum festen Ablauf gehören die Workshops am Vor- und Nachmittag. Jeske legt Wert darauf, Referentinnen und Referenten einzuladen, die ihre besonderen Lebensumstände und Erfahrungen authentisch einbringen. So wie Hazem und Kaes, zwei gebürtige Syrer. Sie moderieren einen Workshop, erzählen ihre persönliche Geschichte, bringen einen gemeinsamen Tanz mit, kleine arabische Schriftübungen – und neue Perspektiven.

Junge Menschen stehen in einem Raum und werden in Gruppen eingeteilt.
Für die Arbeit im Workshop teilt Hazem die Teilnehmenden in Gruppen ein. © Antje Wendt, Nordkirche

Die Konfis erfahren nicht nur, warum die beiden als Kind oder Jugendlicher ihre Heimat verlassen mussten, sondern treten auch unmittelbar mit ihnen in Kontakt. Nach dem Workshop bedanken sich die Teilnehmenden für die große Offenheit, mit denen Hazem und Kaes ihre Geschichte erzählt und Fragen beantwortet haben.

Hela (81, rechts) mit ihrem Mann Wilfried bei einem Workshop im KonfiCamp.
Die 81jährigen Hela (rechts) macht schon seit etlichen Jahren Workshops im KonfiCamp, begleitet von ihrem Mann Wilfried. Gleich am Anfang erzählt sie, dass sie ein glückliches Leben führt – und schon in ihrer Kindheit erblindete. Den Teilnehmenden zeigt sie beispielsweise, wie wichtig es ist, Geräusche wahrzunehmen. © Antje Wendt, Nordkirche

Blick in eine Gesprächsrunde mit jungen Menschen in einem Zelt
Morgens nicht aufstehen, traurig sein oder nichts essen. ՙVerrückt – Na und?ՙ heißt ein Workshop, in dem die Konfis unter der Anleitung darüber nachdenken, was „noch“ gesund oder „schon“ krank ist. © Antje Wendt, Nordkirche

Ein Jahr Konfirmandenarbeit in einer Woche

Seit den Anfängen haben unzählige Konfirmandinnen und Konfirmanden eine Woche im Camp verbracht – jeweils gemeinsam mit ihrer Gemeindegruppe. Wie das Camp in die Konfirmandenarbeit vor Ort eingebunden wird, ist unterschiedlich. Für die Pastorinnen und Pastoren bedeutet es in jedem Fall eine intensive gemeinsame Zeit mit den Jugendlichen – und oft auch eine Verkürzung der Konfi-Zeit auf ein Jahr.

Blick auf das Campgelände mit Zelten: Einige junge Menschen sitzen auf Campingstühlen und ruhen sich aus.
Ein Moment der Ruhe im Trubel des Lagerlebens.© Antje Wendt, Nordkirche

„Wir erhalten hier ein Rundum-sorglos-Paket für unsere Konfi-Arbeit. Die Teamerinnen und Teamer halten uns den Rücken frei“, sagt Pastorin Henrike Koberg aus der Kirchengemeinde Haddeby, die seit Jahren mit ihrer Gemeinde regelmäßig dabei ist. Viele der heutigen Teamerinnen und Teamer waren früher selbst Konfis im Camp – ein Konzept, das in den meisten Gemeinden aufgeht. Mitmachen kann in der Teamergruppe, wer zwischen 16 und 24 Jahre alt ist und die Teamercard-Ausbildung absolviert hat. So wird gewährleistet, dass die Jugendarbeit immer wieder neue Kräfte gewinnt.

Vom Konfi zum Teamer

Drei junge Menschen sitzen an einem Tische in einem großen Zelt
Als Konfirmand war er eher schüchtern, erzählt Leonardo, habe aber auch „viel Mist gebaut.“ Mit Leonie und Kevin gehört er zur Teamergruppe. © Antje Wendt, Nordkirche

Ein Beispiel dafür ist Leonardo. „Die Gemeinschaft im Lager hat mir bei meiner Selbstfindung geholfen. Das Gefühl, so angenommen zu sein, wie ich bin, hat mir Sicherheit gegeben. Ich durfte als Teamer einsteigen – und habe hier meinen Platz gefunden.“

Zwei junge Erwachsene sitzen auf einer gepflasterten Fläche und schauen fröhlich in die Kamera. Im Hintergrund eine Zeltstadt
Niklas und Carolin haben beide schon viel Camperfahrung sammeln können. Sie sitzen auf der Freilichtbühne auf dem Kirchberg – im Hintergrund schimmert die Ostsee durch die Bäume.

Ähnliche Erfahrungen schildern Carolin und Niklas, die ebenfalls im Team mitarbeiten: „Jede und jeder wird hier wertgeschätzt. Als Teamerin oder Teamer hat man gemeinsam mit anderen einen Verantwortungsbereich. Besonders cool ist, dass wir in diesem Rahmen so selbstständig handeln dürfen.“

Eine ältere Frau und drei junge Frauen stehen in einer Küche am Tresen und bereiten Kuchenteig vor.
In der Küche zaubert Birgit vom Orga-Team zusammen mit einigen Teamerinnen Gebäck für die abendliche Teamsitzung. © Antje Wendt, Nordkirche

Organisation macht niemals Pause

Für die Organisation und Umsetzung sorgt ein Orga-Team, das den kontinuierlichen Fortbestand des Camps sicherstellt. Denn nach dem Camp ist vor dem Camp: Schon wenige Wochen nach dem Sommer treffen sich die Verantwortlichen erneut, um das nächste Lager vorzubereiten. Sechs Mal jährlich kommen sie dafür zusammen, zusätzlich findet ein intensives Vorbereitungswochenende direkt in Neukirchen statt.

ein Freigelände mit zahlreichen runden Tipi-Zelten
Allein für die Übernachtungen müssen rund 30 Tipi-Zelte auf dem Kirchberg aufgebaut werden, hinzu kommen etwa zehn große Zelte für Mahlzeiten, Workshops und Unterricht – sowie Mobiliar, Material, Spielgeräte, Verpflegung und vieles mehr.© Antje Wendt, Nordkirche

Höhepunkt Abendandacht

Ein Höhepunkt ist für viele die tägliche Abendandacht. Jede Gemeindegruppe gestaltet eine davon. „Die Andacht beginnt um 21:30 Uhr und beschließt den Tag. Gemeinsam ziehen wir in die Kirche ein. Die Teamerinnen und Teamer bilden ein Spalier, dazu kommen Lieder – all das macht unsere Andachten zu eindrucksvollen Erinnerungen, die die Teilnehmenden mit nach Hause nehmen“, sagt Pastor Jörg Jeske.

Heimatgefühle und magische Momente

Viele entwickeln im Laufe der Zeit Heimatgefühle für diesen Ort. Vielleicht liegt es an dem besonderen Flow, den sie hier erleben – dem Gefühl, ganz eingebunden zu sein in ein gemeinsames Geschehen, das von vielen als „magisch“ beschrieben wird. So hält auch die 13-jährige Ella trotz Heimweh durch – denn das KonfiCamp verpassen wäre für sie noch schlimmer.

KonfiCamps auf dem Gebiet der Nordkirche

Es gibt weitere Kirchenkreisen oder -gemeinden in der Nordkirche, die Sommerlager für Konfirmanden in ihre Konfirmandenarbeit integrieren. Zusätzlich sind Wochenenden oder Konfi-Freizeiten oft Teil des Konfirmandenunterrichts. Hier einige der Angebote (Auswahl).

Im Sprengel Schleswig und Holstein

Im Sprengel Hamburg und Lübeck

  • Das KonfiCamp der Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde
  • Das KonfiCamp der Kirchengemeinde Volksdorf
  • Das KonfiCamp der Kirchengemeinde in Farmsen-Berne
  • Das KonfiCamp der Kirchengemeinde Bargteheide

Im Sprengel Mecklenburg und Vorpommern

Das KonfiCamp des Ev. Kinder- und Jugendwerk des Kirchenkreises Mecklenburg

Die Konfi-Wochenenden in Sassen im Kirchenkreis Pommern sowie das KonfiCamp

Das bundesweite Netzwerk KonfiCamp

Das Netzwerk KonfiCamp hat es sich zur Aufgabe gemacht, KonfiCamps in Deutschland zu vernetzen, zu verbreiten und zu fördern. Auf der Internetseite sind hilfreiche Tipps, Kontakte und eine Karte mit den KonfiCamps Deutschland weit zu finden.

 

(Anmerkung: Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden Namen geändert).

Datum
27.08.2025
Quelle
Kommunikationswerk der Nordkirche
Von
Antje Wendt
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