20. Oktober 2021 | Hauptkirche St. Petri zu Hamburg

Eröffnung Buchcafé Geist + Reich

20. Oktober 2021 von Kirsten Fehrs

Liebe Festgemeinde,

welch wunderbarer Ort, um Geistreiches aus der Taufe zu heben! Dort in der St. Ansgar-Kapelle, ursprünglich die Taufkapelle, wo eigentlich alles begann. Mit dem Namensgeber Ansgar, der eine Bischof damals noch für alle Christ*innen, der mit missionarischem Eifer aber auch respektvoller Menschlichkeit Christus unter die Leute brachte. Denn Christus unter uns – das bedeutet seit jeher Trost, Licht, Barmherzigkeit, umfasst alle Gesten der Nächstenliebe, der Würdigung und Schutz des Lebens, alles Werte also, die gültig sind und in dieser Gesellschaft gültig bleiben müssen. Dafür steht diese Kirche. Mitten in der Stadt. Und mitten hinein in die Stadt. Und das nun mit diesem Buchcafé. Geist und reich ist es in jeder Hinsicht.

Ich gratuliere zu diesem neuen Treffpunkt der besonderen Art mittendrin, mitten unter den Leuten, kirchennah oder fern – und freue mich sehr, dass ich heute hier sein kann, bei Ihnen, die Sie diese Idee entwickelt, konkretisiert, vorangebracht haben und nun umsetzen. Danke an alle – angefangen bei Herrn Schüddekopf mit Team sowie Herrn Hofmann von „Andere Zeiten“ bis hin zum Hauptpastor und dem Kirchengemeinderat St. Petri – wie gut, dass Sie mit Kraft und Esprit so konsequent neue Wege gehen, ja, dass Kirche hinausgeht, aktiv und jedem Menschen von Herzen zugetan. Buchcafé. Was für eine gelungene Kombination. Lesen und Kaffee trinken. Nahrung für Leib und Seele. Und ein Ort für Begegnung und Gespräch.

Vielleicht genauso ein Gespräch, wie wir es eben von Philippus und dem Kämmerer gehört haben? Ein Gespräch zwischen zweien, die unterschiedlicher nicht sein können. Der eine, wenn man so will, kirchennah, der andere ziemlich fern. Ein Finanzminister aus Äthiopien nämlich, gebildet, klug und auf dem hohen Wagen. Ganz versunken liest er den Propheten Jesaja. Er bewundert das Judentum, diese Schriftreligion. Und? Verstehst du, was du liest, fragt Philippus ihn neugierig. Und obwohl oder gerade weil diese Frage ein bisschen unverblümt daherkommt, wird sie zum Beginn einer wunderbaren Freundschaft – oder zumindest einer intensiven Begegnung auf der Lebensreise, und zwar der von beiden.

Verstehst du, was du liest? Nein, gibt der kluge Kämmerer zu, woher auch? Er ist neugierig auf die Religion, aber er kennt sie nicht. Er sucht, aber weiß noch nicht wohin mit seinen vielen Fragen über die wirklich existentiellen Dinge. Es geht ihm wie heutzutage vielen. Sie haben einen teuren, schnellen Wagen, aber keine Religion, die sie hält. Und haben damit auch keine Sprache mehr für das, wo Sinn ist und was Sinn hat.

Der Kämmerer nun will dasverstehen, er will verstehen, was das Leben, ja, was Gott ihm zu lesen aufgibt. Deshalb ist er wie so viele heutzutage unterwegs. Sie suchen in Büchern, Ratgebern oder auf geistlichen Pilgertouren aller Couleur nach Sinn. Religiös. Kulturell. Politisch. Menschen, die lesen, machen sich auf. Öffnen sich neuen Gedankenwelten. Und ihren Sehnsüchten. Nach Klarheit. Wahrhaftigkeit. Schönheit. Humor. Ja, auch nach positiver Irritation. Sie wollen zum Eigentlichen kommen. Weg von dem Wortschwall der Zutexter hin zur Konzentration. So geht es mir auch. Ich lese unglaublich gern, auch weil ein einziger Satz zu einer Überraschung werden kann. Ein Sommerlied, dessen Poesie einen verzaubert. Ein Liebeswort, das mehr ist als ein Roman. Eine Kraft, die inspiriert, weil sie gerade nicht aus einem selbst herauskommt. Alte Bilder der Tradition auch, wie etwa solch Prophetenworte, die wieder Zukunftshoffnung wecken.

Um all diese geistreichen Schätze zu heben – ob im Buch oder im Buch der Bücher – braucht es Weggefährt*innen der Hoffnung. Gerade doch die Pandemie hat gezeigt, wie sehr! Wie wichtig es ist, dass jemand fragt: Verstehst du, was gerade mit dir passiert? Lass uns reden, gemeinsam nachdenken, fragen, suchen. Die Gesellschaft braucht Menschen, die einander mitnehmen auf Gedanken- und Hoffnungswege. Die eine Vorstellung geben von Gottes Möglichkeiten in dieser Welt. Ein Hoffnungswort braucht Menschen, die es hoffen – und tun. Die deshalb auch von ihrem Glauben erzählen. Von dem tragenden Grund in ihrem Leben, aber auch vom Zweifel. Die vom Erbarmen erzählen und von diesem Eros, für etwas Gutes zu kämpfen. Von der Gnadensonne in kritischer Zeit. Davon, dass uns im Leben und im Sterben einer unendlich sanft in Händen hält. Menschen eben wie Philippus und der Kämmerer, die einander ein Stück des Weges begleiten und sich freuen über das Happy End ihrer Geschichte.

Denn diese Geschichte vom Äthiopier geht wunderbar glücklich aus. Irgendwann nämlich legt der das Buch beiseite; er hat längst verstanden, worum es geht. Vielleicht nicht jeden Buchstaben. Aber den Geist. Und also springt er vom Wagen und sagt: „Was hindert‘s also, dass ich mich taufen lasse?“ Und so geschieht es. Und dann, so lautet mit der schönste Satz in der Bibel, dann zog er seine Straße fröhlich.

Dass viele Menschen ihre Straße von hier aus fröhlich weiterziehen, innerlich hell, klug im Herzen, getröstet, aufgerichtet, vergnügt, mit einer schönen Begegnung in Herz und Sinn – das wünsche ich dem Buchcafé. Dass es gastfreundlich, einladend, frohmachend ist, sieht man ja schon. Ich danke von Herzen allen, die mitwirken bei dieser großartigen Kooperation zwischen Hauptkirche und Buchhandlung Geist + Reich, Verein Andere Zeiten und Rösterei Hamburg. Möge sich das Buchcafé zu einem segensreichen Ort entwickeln – dazu helfe euch Gott!
Amen.

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