27. November 2023 | Ev. Akademie Sachsen-Anhalt, Lutherstadt Wittenberg

Grußwort zu Beginn des Forums Konfi-Arbeit (digital zugeschaltet)

27. November 2023 von Kirsten Fehrs

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Forum Konfi-Arbeit,

ganz herzlich grüße ich Sie heute aus der Hamburger HafenCity zum Beginn Ihrer Tagung in der Lutherstadt Wittenberg.

Wittenberg steht mir noch vom diesjährigen Reformationstag lebendig vor Augen! Diese Mischung aus Historie auf Schritt und Tritt und zugleich die Lust an der aktuellen Begegnung – da sind Sie, die Praxisleute der Konfi-Arbeit, ja unbedingt am richtigen Ort! Ich wäre allzumal als Beiratsmitglied wirklich gern bei Ihnen, aber Sie können sich vorstellen, dass die Termindichte bei mir jetzt noch zugenommen hat – und ich hätte es schon aufgrund der Entfernung nicht geschafft.

So überhaupt nicht bedauerlich finde ich hingegen, dass ich gebeten wurde, zum Einstieg ein andächtiges Grußwort oder eine grußwortende Andacht zu halten. Sehr gern tue ich das. Lassen Sie mich beginnen mit ein paar biographischen Impressionen.

Stellt euch vor – ein nackter ungemütlicher Gemeindesaal in einer Kleinstadt an der Westküste. Vor uns ein älterer Pastor, gefühlt über 60, ehemals Missionar in Tansania. Wir sitzen um ein riesiges Tischviereck mit sage und schreibe 60 Konfirmand:innen. Viele kenne ich schon von der ersten Klasse. Vor uns Bibel, Gesangbuch, keine Handys (gab es ja noch nicht). Der freundliche Pastor redet und redet, irgendwie absichtslos vor sich hin; wir versuchen nicht zu lachen. Das ist gar nicht so einfach bei all den Themen, die so sagenhaft viel wichtiger sind als Liedtexte von Paul Gerhardt auswendig zu lernen. Oder das Glaubensbekenntnis. Da hat doch mehr interessiert, wer mit wem „geht“ und wenn ja, wohin. Original kann ich mich an kein einziges inhaltliches Thema erinnern, über das wir mit innerem Interesse während der Konfizeit gesprochen hätten.

Ich mochte den Pastor gern, aber noch lieber seine fünf Söhne. Die spielten Gitarre, sangen „Amazing grace“ zum Mitweinen und gingen mit auf Finnland-Sommerfreizeit. Also bin ich da mitgefahren, mit Stapeln von Mückenzeugs, aber auch mit all meinen Ängsten im Gepäck, ob ich bestehen würde, ob ich cool genug wäre, ob ich Freunde fände, gut genug Volleyball spiele. Und dann diese sagenhaft befreiende Erfahrung, wie dort auf einmal andere Maßstäbe gegolten haben als der Leitungsdruck in der Schule und zu Hause.

Dass ich ein angesehener Mensch bin, trotz meiner Kürze mit eigener Größe und eigenem Sinn, das habe ich gespürt und es hat mich aufgerichtet und fröhlich gemacht – man könnte auch sagen: Evangelium geatmet, Konfirmandin geheilt. Oder ok, zumindest gestärkt. In jedem Fall bin ich sicher: Hätte ich diese Konfi-Freizeit nicht mitgemacht, ich würde heute nicht vor euch sitzen, hier in dieser Videokonferenz. Und dann auch noch als Bischöfin, die nach wie vor ein erklärter Fan von Sommer-Konfi-Camps ist.

Du bist ein Gott, der mich sieht. Jetzt zum Ende des Kirchenjahres läuft für mich die Jahreslosung 2023 deshalb noch einmal zur Höchstform auf. Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn genau das habe ich damals in dieser Gemeinschaft der Verschiedenen mit all ihren unterschiedlichen Sprachen erlebt. Oder sollte ich besser sagen: geahnt. Gefühlt. In mich hineingenommen. Geachtet zu sein, auch als junger Mensch, mit dieser inneren Sehnsucht, so gesehen zu werden, wie man gern sein würde, toll nämlich, angesehen zu sein mit all den inneren Konflikten auch gerade in der Pubertät, mit all den Autonomieversuchen und der Auseinandersetzung mit Autorität(en), herzlich aufgenommen zu sein mit all den Dusseligkeiten, die einem eigen sind, aber auch mit all den Talenten, die andere neugierig waren, an mir zu entdecken. Das hat mir Größe gegeben. Mut. Klarheit.

Dass die Würde des Menschen unantastbar ist, das musste ich nicht mehr im Geschichtsunterricht zum Thema Grundgesetz lernen, das war inwendig verankert. Und genau da begann auch mein politisches Engagement: Als Christenmensch bist du nicht aus Zucker. Da musst du dich auch schon mal für andere oder für eine gute Sache in den Wind stellen, durchaus auch in den elterlichen Wind. Als Christenmensch hast du jede Menge Aufträge. Mein Gott ist ein Gott, der dich sieht – und also mach ich das auch. Ganz einfach. Und hinsehen, liebe Freund:innen, macht einen ja wahrlich nicht dümmer. Aber verantwortungsbewusster, je mehr in der Welt nicht stimmt. Mit dem Klima, auch dem gesellschaftlichen Klima, mit dem Terror im Nahen Osten und dem Krieg in der Ukraine, mit den Krisen wie der ja lange dauernden Pandemie, die gerade jüngeren, so vielen Konfis heute, zugesetzt hat.

Gott ist ein Gott, der hinsieht. Das glaube ich – und ich bin dankbar, dass es Sie und euch gibt, die diese Haltung teilen. Gerade jetzt in dieser Zeit sind Sie mit Ihrem Knowhow und ihrer Sensibilität für die Nöte junger Menschen so eminent wichtig. Denn alle werden wir derzeit ziemlich durchgeschüttelt – sind ängstlich angesichts der Krisen in der Welt und suchen Halt. Wie gut jetzt, dass es mit Ihnen starke, weil reflektierte Menschen gibt, die sich Gedanken darüber machen, wie die Jugendlichen im Glauben ankern können. Wie sie echte Hoffnung atmen können. Heimat finden. Geborgenheit. Dieses Gefühl, genau richtig zu sein, auch hier in der Kirche richtig zu sein.

Wobei, das mit der Kirche ... die wird ja von den Menschen durchaus als etwas anderes erlebt als der Glaube. Anders als dieser herzensnahe Glaube an einen, der mich mit Liebe ansieht, kommt die Kirche ziemlich uncool rüber. Behördlich fast. „Die Kirche“ schaut gern auf sich selbst und redet ausführlich über ihre eigenen Krisen; davon gibt‘s ja genug. Aber Lebensfreude und Sinngebung – das ist echt was anderes. Und ehrlich, wer will zu einem Krisenverein dazugehören?

Sie alle werden das in Ihrem Alltag live und in Farbe erleben. Und ich weiß, dass Sie sich intensiv damit befassen, wie es gelingen kann, die Jugendlichen und Konfis zu begeistern. Sie wissen, da hat man nicht viele Versuche. Also ist‘s wirklich herausfordernd, hier erfinderisch und so nah an den Konfis dran zu sein wie nur möglich, damit da etwas zündet. Ja, damit diese Konfi-Zeit wie eine Art Tor zum Glauben wird. Wie eine Eröffnung, den existentiellen Fragen nachzugehen, die ja gerade die jungen Menschen beschäftigt auf dem Weg zum Erwachsenwerden und zur Selbstbestimmung: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Was trägt mich? Gerade auch außerhalb der Familie? Warum leiden so viele Menschen – was ist der Sinn dahinter. Und welcher Sinn steht hinter mir?

Und – deshalb Konfi-Unterricht – wie kann man für all diese Fragen den Schatz unserer biblischen Tradition heben? Sind in ihr doch unzählige Bilder und Rituale enthalten, die Lebensdeutung ermöglichen und Ängste binden. Gerade die Rituale wie Herzens- und Kerzengebet, die Nachtkirchen und die SternenZeit im Konfi-Camp, und natürlich die Musik. All dies hat bindende Kraft, weil es Vertrauen schafft und Nähe. Und wie sich die Jugendlichen aufrichten, wenn sie Segen und die Hand auf dem Rücken spüren! Oder wie nachdenklich sie werden, wenn sie ein Kreuz zimmern. Faszinierend, wie da auf einmal Leben und Glauben ineinanderwirken können. Da ist das Rauspaddeln im Morgengrauen wie Auferstehung. Da ist Taufe wirklich die Kraft lebendigen Wassers. Da ist Gott tatsächlich irgendwie da, und sieht mich. Und irgendwie ist das etwas, was man mehr spürt, als man es beschreiben könnte.

Nicht umsonst also, dass in der neuen Mitgliedschaftsstudie VI, Sie werden es schon verfolgt haben, der Konfi-Unterricht (ausdrücklich auch mit den Konfi-Camps) mit besten Ergebnissen abgeschnitten hat. Auf die Frage zum Beispiel: „Wer hatte einen Einfluss darauf, wie sich die Einstellung zu religiösen Fragen entwickelt hat?“ könnte man denken, klar die Mutter oder die Eltern. Aber nein! Stattdessen: meine Konfirmandenzeit: 70 Prozent. Die Mutter: 64 Prozent. Und an fünfter Stelle: die kirchliche Jugendgruppe mit 36 Prozent. Spricht alles für Konfi: Hier geschieht die stärkste Sozialisation. Ergo: Hier zu sparen verbietet sich. Und eigentlich müssen wir sagen: Hierhin alle Kraft. Wegen der jungen Menschen, jedes einzelnen, natürlich. Und wegen unserer Kirche

Mit Kraft also in die Zukunft – auch das haben Sie sich für diese Tagung vorgenommen: die Entwicklung einer Zukunftslandschaft der Konfi-Arbeit. Und ein Blick auf das, was alles schon gelungen ist und selbst eine KMU-Studie jetzt würdigt, gibt doch unbedingt Wind unter die Flügel. Also: Mutig denken, obwohl es gerade nach der Pandemie kleinere Jahrgänge gibt, weniger hauptamtliches Personal, geringere finanzielle Mittel. Aber es gibt wunderbare Teamer:innen. Überhaupt Sie und euch alle. Es gibt Tagungen, die Tore öffnen. Und bei allem steht Gott an unserer Seite. Denn er ist ein Gott, der uns sieht.

Von Herzen wünsche ich Ihnen eine erfüllte und erfüllende, erkenntnis- und vor allem segensreiche Tagung!

 

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