16. Januar 2024 | Kompetenzzentrum für Landwirtschaft und Gartenbau Hamburg

Grußwort zum Neujahrsempfang der Landwirtschaftskammer

16. Januar 2024 von Kirsten Fehrs

Von Herzen gern bin ich zu Ihrem Neujahrsempfang gekommen und überbringe die herzlichsten Grüße der evangelischen Kirche. Ich danke für die Einladung, die ich von dir, lieber Andreas Kröger, schon im Spätsommer entgegennehmen durfte, als wir uns beim Gottesdienst zu den Bibelfliesen begegnet sind – übrigens eine ganz besondere Kunst, diese Bibelfliesen. Sie sind zu Hunderten zu finden in den alten Vierländer Bauernhäusern und bestehen nicht nur aus schmückenden, hellblauen Delfter Kacheln, sondern brachten auch biblische Rettungsgeschichten in die gute Stube: Als Ansichten der Hoffnung in damals durchaus kritischen Zeiten.

Und nun stehe ich hier, mit meinen Ansichten der Hoffnung, und das in diesem Januar, in durchaus ja kritischen Zeiten – die sich seit dem Spätsommer noch einmal sehr verschärft haben. Nicht allein der fast zweijährige Angriffskrieg auf die Ukraine bewegt die Gemüter, sondern auch ein furchtbarer Anschlag auf die Menschlichkeit und Krieg in Nahost. Es erschrecken zunehmender Antisemitismus und Angriffe auf unsere Demokratie, die wir glaubten in diesem Land nie wieder hören und sehen zu müssen. Und es verschärft sich der Ton der Auseinandersetzung, manchmal bis hin zu überhaupt nicht mehr akzeptablen menschenverachtenden Parolen. Und ja, auch das gehört zum Gesamtbild: Goldmedaillen respektive Blumentöpfe für Kompromiss- und Kommunikationskunst wird in Berlin aus Ihrer Sicht derzeit wohl kaum jemand gewinnen.

Eher kommen von dorther die berühmten Tropfen, die das Fass zum Überlaufen bringen, Dieseltropfen zum Beispiel. Man fühlt allerorten, nicht nur in der Landwirtschaft, wie die Unzufriedenheit steigt. Und dass sie Aus-Druck braucht, um Druck aus dem Kessel zu nehmen. Und so gibt es Trecker-Demonstrationen. Eine Sprache des Protestes, die Sie als Landwirte gewählt haben – lautstark, markant und charakteristisch, ehrlich gestanden auch beeindruckend, weil so geschlossen und klar. Auch übrigens – danke dafür – in der deutlichen Abgrenzung zu rechtsextremen Gruppen, die den Protest versucht haben für sich zu instrumentalisieren.


Und das Verständnis der Bevölkerung ist trotz Verkehrsmühen eindeutig zu spüren: Wir sind alle dankbar für Sie, die Sie unter immer schwereren Bedingungen für gute regionale Lebensmittel sorgen und dabei ja auch versuchen mit Augenmaß die Balance zu halten zwischen Umweltschutz, Tierwohl und wirtschaftlicher Klugheit. Landwirtschaft ist eben auch Landpflege – das habe ich in all den Gesprächen mit Ihnen und Euch, die mir sehr viel bedeuten, auf unterschiedlichste Weise erfahren dürfen. Nicht zuletzt steht ja die Landwirtschaftskammer genau dafür: „Kompetent, praxisnah, persönlich“ heißt Ihr Slogan dazu. Höchstpersönlich möchte ich zufügen. Denn kein Mensch arbeitet in der bäuerlichen Landwirtschaft und im Gartenbau allein aus dem Profitdenken heraus; es gehört Leidenschaft dazu und Herzblut und Geduld und Liebe zum – so sagte mir kürzlich ein Jungbauer – zum „schönsten Beruf der Welt.“ Dieser Beruf, das muss ich Ihnen nicht erzählen, hat aber eben auch seine Härten. Gerade, was die kleineren und mittleren Betriebe angeht, die wirklich mit dem Existenzminimum zu kämpfen haben. Da zählt jeder Cent – und wenn der auch noch genommen wird, muss man protestieren dürfen. Auch mit Humor übrigens: „Ohne Landwirte wärt ihr hungrig, nackt und nüchtern“ habe ich an einem Trecker gelesen, der durch Hamburg rollte. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Nun ist es hier nicht meine Sache, über Politik zu reden. Aber über die Seelsorge: Eben über die Sorge, die den Menschen auf der Seele liegt und über die Sorge auf der Seele unseres Landes. Und diese Belastung muss aus- und angesprochen werden, damit sich etwas lösen kann, ja Lösungen entwickelt werden können. Aus meiner Sicht haben wir in diesen Zeiten nur eine Chance: Zusammen die Haltung des Anstands zu bewahren. Und das heißt: Miteinander reden, nicht übereinander. Hinschauen, dass nicht die eh schon Gebeutelten noch mehr in Not geraten. Sondern als Gemeinschaft für das Ganze einstehen. Nur gemeinsam lassen sich die Krisen bewältigen und Lasten tragen.

Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Die biblische Jahreslosung für 2024 ist meine Ansicht der Hoffnung für dieses Jahr. Inmitten von Protest und Ärger und berechtigter Sorge, inmitten aber auch von weltweit zunehmenden Hetzereien, Hass und Krieg fällt uns ausgerechnet so ein Satz von der Liebe vor die Füße.

Ich finde diese Jahreslosung ganz wunderbar. Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Das ist nicht romantisierend gemeint. Vielmehr ist Liebe hier eine Haltung, die uns immer wieder „innehalten“ lässt, was wirklich wichtig ist im Leben.  Für den einzelnen Menschen, für die Familien. Und für die Landwirtschaft, ja für ein ganzes Land.

Liebe ist ein Tuwort (so habe ich es bei den Bibelfliesen einmal gesagt), Liebe ist ein Tuwort – zeigt sich also konkret, direkt hier unter uns, in Nächstenliebe, Schöpfungsliebe, Tierliebe, Landliebe. Wir alle wissen etwas davon. Wir wissen im tiefsten Inneren, dass wir vergehen würden, hätten wir der Liebe nicht. Jeder Mensch braucht sie. Als Zuneigung und Zärtlichkeit. Aber auch als Achtung. Als Recht seiner Würde. Ob klein, krank, angezählt. Die Liebe ist eine Haltung des gegenseitigen Respekts, die die Verständigung sucht, ja bisweilen um sie streitet. Aus biblischer Sicht geht es darum, dass die Liebe eine Meinung hat und Partei für die ergreift, die am Rand sind. Liebe, die nicht immer auf Gegenliebe stößt. Der Apostel Paulus, der diese Jahreslosung in einem seiner Briefe nach Korinth vor ca. 2000 Jahren geschrieben hat, der weiß das selbst nur zu gut. Denn die in Korinth, die hatten sich ständig in den Haaren. Die einen fühlten sich nicht gesehen, die anderen auch nicht, die dritten machten trotzdem ihre Politik weiter und die vierten wollten auch recht behalten. Da redeten alle gleichzeitig, aber nicht miteinander. Paulus sagt: Leute, es geht ums Ganze. Deshalb bitte, tut alles, wenn ihr denkt, streitet, protestiert, mit Anstand. Denn wenn wir einander Achtung und Zuneigung entgegenbringen, auch dem Andersdenkenden gegenüber, dann ist das mehr als ein Achtungserfolg, dann kann sich Welt verändern.

Das ist meine Ansicht der Hoffnung heute. Und ich denke dankbar an so viele, die sich ja längst engagieren, in Zivilgesellschaft und Kirche, in Landjugend und Landwirtschaftskammern. Menschen wie Sie, die sich vom Leid der Welt anrühren, aber nicht schrecken lassen. Für mich ist das ein klares Zeichen der Zuversicht, wenn ich sehe, wie viele, auch Ehrenamtliche, sich konsequent für die Gemeinschaft im Dorf einsetzen, wie sie für die Demokratie und im humanitären Engagement klar Flagge zeigen, wie sie mit Herz und Hand Sandsäcke schleppen und im Hochwassergebiet helfen und wie sie der Natur beste Pflege angedeihen lassen, so wie Sie. Sie alle halten die Welt zusammen. Sie machen den Unterschied. Aus Liebe, aus Achtung vor dem Leben.

Bleiben wir in dieser Hoffnung, dass wir alle in diesem Jahr mehr von dieser Liebe sehen und spüren in der Welt. Als Zuneigung zu den Schwächsten, Gerechtigkeit für die zu kurz Gekommenen, Friedensfindigkeit fürs Klima, Empathie für die Anderslebenden – lassen Sie uns nicht aufhören, daran mitzutun, an diesem Tuwort der Liebe. Es lohnt sich. Fürs Ganze. Ich wünsche Ihnen ein liebevolles, gesegnetes neues Jahr.

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