Interreligiöser Dialog

Husumer Gemeinde lebt christlich-muslimische Freundschaft

Pastor Friedemann Magaard (links) und Muhammad Zia Nasir, Präsident der Ahmaddiyya Jamaat Gemeinde Husum, pflegen ein gutes Miteinander.
Pastor Friedemann Magaard (links) und Muhammad Zia Nasir, Präsident der Ahmaddiyya Jamaat Gemeinde Husum, pflegen ein gutes Miteinander. © Raabe, Kirchenkreis Nordfriesland

05. Januar 2022 von Inke Raabe

Das Husumer Gemeindehaus St. Marien ist nicht nur ein Treffpunkt für Christinnen und Christen. Freitags versammeln sich dort Muslime der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde zum Gebet. Die interreligiöse Freundschaft besteht seit Jahren. Daher zögerte Pastor Friedemann Magaard auch nicht, die Gläubigen zu beherbergen, bis ihr eigenes, neues Gemeindezentrum fertiggestellt ist.

Ein Woll-Faden ist in einem ungewöhnlichen Winkel quer durch den Raum gespannt. An ihm entlang – nämlich in Richtung Mekka –  legen Männer sorgfältig kleine Teppiche aus, konzentrieren sich in der Stille und knieen schließlich nieder.

Gegenseitiger Respekt ist der Schlüssel

So sieht es seit einiger Zeit immer freitags im Husumer Gemeindehaus St. Marien aus. Die Muslime der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde Husum versammeln sich hier zum Freitagsgebet –  in großem Respekt voreinander, vor Allah und vor den Gastgebern. Und zur festgelegten Zeit, jeweils 30 und 15 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes, ruft der Muezzin zum Gebet.

Hintergrund ist, dass die Ahmadiyya ihre bisherige Heimat im Treibweg verloren und im Industriegebiet ein neues Gemeindezentrum bauen. Im Sommer war es für die etwa 100 Gemeindeglieder gut möglich, sich zumindest freitags, der wichtigsten Gebetszeit, unter freiem Himmel zu treffen. Aber das, so fand die Kirchengemeinde Husum, sei doch keine Perspektive für die Wintermonate. Und so entschied sie sich, die Ahmadiyya in ihr Gemeindehaus einzuladen – und diese nahmen gerne an.

Die Männer der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde Husum nutzen das Gemeindehaus der evangelischen Kirche für ihr Freitagsgebet.
Die Männer der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde Husum nutzen das Gemeindehaus der evangelischen Kirche für ihr Freitagsgebet. © Raabe, Kirchenkreis Nordfriesland

Pastor kommt zur Grundnsteinlegung der Moschee

So ist das seit September des vergangenen Jahres, und immer freitags erklingt zur späten Mittagszeit der Gebetsruf im Evangelischen Gemeindehaus. Der Kontakt sei herzlich, erzählt Friedemann Magaard, er habe sich bereits sehr geehrt gefühlt, dass er als evangelischer Pastor zur Grundsteinlegung der Moschee im April 2019 eingeladen worden war. „Die Zusammenarbeit ist unkompliziert“, sagt er, „die Ahmadiyya-Gemeinde hält sich sorgfältig an die Hygienevorschriften, ist superfreundlich und gut organisiert.“

In Husum gibt es zwei muslimische Konfessionen. Zu beiden hat die Kirchengemeinde einen guten, freundschaftlichen Kontakt. „Wir kennen uns und wissen voneinander“, so Magaard, der auch Beauftragter des Kirchenkreises für den christlich-muslimischen Dialog ist. In beiden Gemeinden sei er herzlich willkommen, und umgekehrt ist es genauso: Bei besonderen Anlässen sind immer auch die muslimischen Vertreter eingeladen. Zuletzt war die Ahmadiyya-Gemeinde sogar bei der Stadtwette für die neue Orgel aktiv. „Für alle Gemeindeglieder war es eine Herzensangelegenheit, sich an dieser Aktion zu beteiligen“, schreibt Hasib Ghaman in der Festschrift.

Friedliches Miteinander ist uralte Sache 

Dass Christen und Muslime einander Gastfreundschaft gewähren ist, so Ghaman, keine Erfindung der Neuzeit. „In einer Begebenheit zu der Zeit des Heiligen Propheten Muhammad heißt es, dass ein christliches Volk zu dem Heiligen Propheten Muhammad kam, und die Gebetszeit für die Christen brach an“, schreibt Ghaman auf Aufrage. „Der Heilige Prophet Muhammad bot ihnen an, das Gebet in der Moschee abhalten zu können.“ Das friedliche Miteinander der Religionen gibt es also schon lange, so der Imam, und so soll es auch bleiben.

Am Altjahrsabend trafen sich nun die Muslime zum letzten Mal in der Norderstraße. Bis ihr eigenes Haus fertig ist, treffen sie sich in Räumen des Diakonischen Werks Husum. Friedemann Magaard und Hasib Ghaman sind dankbar für die gemeinsame Zeit. „Vertrauen kommt nicht von alleine“, so der Pastor, „dafür müssen wir uns besuchen und neue Räume öffnen.“

Abraham ist gemeinsamer Stammvater 

Und das sei auch theologisch angemessen, denn Christen und Muslime sind gemeinsam mit den Juden „entfernte Verwandte“, weil sich alle drei Religionen auf Abraham als Stammvater berufen. Magaard: „Ich finde es wichtig, dass die verschiedenen religiösen Gruppen Husums in guter Nachbarschaft miteinander leben.“

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