Seemannsmission

Kirche in der Pandemie: Seelsorge im Seemannsheim Altona

Seemannsdiakon Fiete Sturm.
Seemannsdiakon Fiete Sturm.© Van Rotten, Seemannsmission Altona

21. Oktober 2020 von Marieke Lohse

Nicht nur an Land und in der Luft ist wegen der Corona-Pandemie seit März weniger los. Auch auf dem Meer hat COVID19 spürbare Auswirkungen gehabt. Die Schifffahrtsbranche - ob Kreuzfahrt oder Güterverkehr - musste eine Menge aushalten. Einer der die Folgen für die Seeleute direkt erlebt hat ist Fiete Sturm. Er ist Seemannsdiakon und leitet das Heim der Seemannsmission in Altona.

"Wir hatten erst eine Phase wo der Crewwechsel komplett ausgeblieben ist und das Haus so gut wie leer war. Direkt im Anschluss kam der Hafenärztliche Dienst auf und zu und hat uns gebeten, Seeleute die positiv getestet sind auf Corona in Quarantäne aufzunehmen", erinnert sich Sturm. Das war eine echte Herausforderung für die Einrichtung: "Nachdem die Seeleute nach zwei Wochen wieder genesen waren, haben wir sie nach Hause entlassen, zurück auf’s Schiff".

Danach fing in der Seemannsmission die dritte Phase an, wo der Crewwechsel wieder anlief und das Haus komplett ausgebucht war. "Da waren wir mit wenigen Kollegen wirklich schwer am rotieren, um eine vernünftige Unterkunft für die Seeleute weiter gewähren zu können", so der Diakon. Denn auch im Seemannsheim gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln.

Seelsorge für die Seeleute

Die größte Herausforderung: die Seele der Seeleute, erzählt Fiete Sturm. Denn viele konnten wochen-, teils monatelang nicht nach Hause: "Diese Unsicherheit- wie komme ich nach Hause, wann komme ich nach Hause, wie geht es der Familie? Das war ganz oft sehr groß bei den Seeleuten". Man habe versucht ihnen diese Sorgen so gut es ging zu nehmen. "Wir haben unser Netzwerk ein bisschen genutzt, gerade eben auch die Seemannsmission international angesprochen und gefragt, könnt ihr helfen, könnt ihr hier was tun?", so Sturm.

Dass viele Seeleute eine lange Zeit in Altona verbracht haben, war nicht leicht. Trotzdem aber auch eine Chance für das Team der Seemannsmission, denn es hat den Mitarbeitenden die Gelegenheit gegeben, "die Menschen endlich mal wieder kennenzulernen, persönlich kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen und sie dahingehend zu begleiten dass sie eben wieder gut nach Hause kommen und sich in der Zwischenzeit hier in unserer kleinen Familie aufgenommen fühlen.“ 

Trost schenken in einsamen Zeiten

Auch wenn die Seemannsmission nur ein Ersatz ist. Sie schafft etwas, das den Seeleuten in ihrer Einsamkeit und Unsicherheit Trost schenkt. "Seeleuten wirklich ein Stück Menschlichkeit zurückzugeben ist immer wichtig. Aber gerade in dieser Corona-Zeit noch besonders. An Bord wird man nicht mehr wirklich mit seinem Namen angesprochen, man wird mit seinem Rang, mit seiner Funktion angesprochen“, berichtet Sturm.

Besonders wichtigsei daher, dass die Seeleute bei ihnen einfach Mensch sein dürfen, erzählt Seemannsdiakon Fiete Sturm: "Sich als Mensch fühlen zu dürfen, Kinderbilder von der Familie zeigen zu können, das verändert was. Das transformiert unsere Seeleute wieder von Zahnrädern zu Menschen."

An Bord sei der Ton oft rau. Zwischen langen Diensten ist nur kurz Zeit zum Ausruhen. Geselligkeit hat auf hoher See selten Platz. All das kam an Land hoch. Während der Quarantäne und des Lockdowns hatten die Seeleute Zeit für diese Gedanken und es kamen noch neue Ängste dazu: "Einfach nicht zu wissen, wie komme ich nach Hause, komme ich überhaupt noch nach Hause in absehbarer Zeit, wie lange geht diese ganze Situation noch? Wenn ich dann zu Hause bin, bekomme ich eine neue Anstellung, einen neuen Vertrag? Das sind Sachen die immer schwer und belastend waren", erinnert sich Fiete Sturm.

So viele Gäste wie seit langem nicht 

Diese besonderen Umstände waren auch für das Team in Altona eine große Herausforderung, denn seit Jahren waren nicht mehr so viele Gäste im Haus. In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und dem Hafenärztlichen Dienst hat die Seemannsmission sich umgestellt, um allen einen sicheren Hafen im Hamburger Hafen bieten zu können: "Wir haben einen wunderschönen Garten. Das war dann erstmal der erste kleine Schritt ein wenig raus zu kommen. Und es gab tatsächlich Seeleute, die haben sich dann hier unsere Fahrräder, die wir draußen stehen haben, ausgeliehen und die haben dann auch mal eine kleine Tour durch Hamburg gemacht."

Wofür sonst im Seemannsalltag sicher keine Zeit gewesen wäre. Für Fiete Sturm und das Team der Seemannsmission Altona ist eines besonders wichtig: "Sich als Mensch fühlen dürfen klingt erst einmal so oberflächlig, ist aber schon der wichtigste Teil der Seelsorge, die wir hier leisten", so der Diakon.

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Das Interview auch zum Hören in der Soundcloud vom ern

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