„Die Herzstücke unserer Gesellschaft sind Vielfalt und Zusammenhalt“

Kundgebung in Kiel: Bischöfin sprach für Nordkirche und Religionsgemeinschaften

Nora Steen sprach bei einer Demonstration in Kiel vor tausenden Menschen für die Nordkirche sowie weitere Religionsgemeinschaften.
Nora Steen sprach bei einer Demonstration in Kiel vor tausenden Menschen für die Nordkirche sowie weitere Religionsgemeinschaften.© Andreas Köppe, Nordkirche

27. Januar 2024 von Antje Wendt

Für Sonnabend (27.01.2024) hatten zahlreiche politische und gesellschaftliche Gruppen zu einer Kundgebung für Demokratie und Solidarität auf den Kieler Rathausmarkt aufgerufen. Nora Steen, Bischöfin in Sprengel Schleswig und Holstein, richtete ihren Aufruf in Namen der Nordkirche und sowie weiterer Religionsgemeinschaften an die zahlreichen Anwesenden.

Deutlich mehr als hundert gesellschaftliche Gruppen, Parteien, Gewerkschaften, aber auch zahlreiche kulturelle Vereinigungen und Interessenvertretungen hatten zu der Kundgebung auf dem Rathausmarkt in Kiel eingeladen. Die abgebildete Vielfalt machte auch Bischöfin Nora Steen zu einem Thema ihrer Rede. Sie stand an dritter Stelle der Rednerliste nach Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack sowie Simone Fulda, Präsidentin der CAU Kiel.

Bischöfin Nora Steen und Pröpstin Almut Witt auf dem Weg zur Kundgebung für Toleranz und Solidarität in Kiel.© Stefanie Rasmussen, Nordkirche

Mit ihren Worten sprach Nora Steen auch ausdrücklich für weitere Glaubensgemeinschaften und machte deutlich, dass diese gemeinsam mit einem entschiedenen Nein gegen jede Form von Extremismus und Rassismus ständen: „Wir gemeinsam sind die deutsche Gesellschaft, in der jeder Mensch – egal welcher Herkunft, welcher Kultur und welcher Religion – eine nicht in Frage stehende Würde hat!“ sagte die Geistliche.

Historische Verantwortung

Bezogen auf den heutigen Gedenktag erinnerte sie an die besondere historische Verantwortung der deutschen Gesellschaft, für ein NIE WIEDER einzustehen und sich gegen Antisemitismus und Faschismus einzusetzen. Gleichfalls forderte sie, dass für die Menschen, die derzeit in Gaza in entsetzlichen Zuständen lebten, die Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen gelten müssten. 

Vielfalt und Zusammenhalt

„Unsere Demokratie lebt ausdrücklich davon, verschieden zu sein,“ richtete die Bischöfin ihren Appell an die Anwesenden. „Die Herzstücke unserer Gesellschaft sind Vielfalt und Zusammenhalt. Das gilt es zu schützen und zu bewahren! Lassen wir nicht zu, dass wir auseinandergetrieben werden. Lassen wir nicht zu, dass Menschen in unserem Land Angst haben und stigmatisiert werden – aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Kultur, ihres Glaubens.“

Die Rede der Bischöfin im Wortlaut (Es gilt das gesprochene Wort):

Liebe Freundinnen und Freunde von Freiheit und Vielfalt,

worum es geht, ist: Wir leben in einem wunderbaren Land, in einer Demokratie. Und die muss uns etwas Wert sein! Wir haben richtig was zu verlieren! Und darum sind wir heute hier und es ist gut, dass wir so viele sind!

Ich spreche heute als Vertreterin der Nordkirche auch im Namen der Religionsgemeinschaften zu Ihnen und gemeinsam mit jüdischen und muslimischen Gemeinden sage ich: Wir stehen gemeinsam hier mit einem entschiedenen Nein gegen jede Form von Extremismus und Rassismus! Wir gemeinsam sind die deutsche Gesellschaft, in der jeder Mensch – egal welcher Herkunft, welcher Kultur und welcher Religion – eine nicht in Frage stehende Würde hat!

Ich stehe hier und weiß, dass es ernst ist. Dass unsere Gesellschaft auseinanderzubrechen droht, weil vieles so polarisiert scheint. Lasst uns neu streiten lernen, Meinungen austauschen. Ohne dadurch der anderen Seite die Würde abzusprechen!

Nein zu Polarisierung

Wir alle sind heute Mittag hier, weil wir sagen: Nein zu Polarisierung. Zu Sprachlosigkeit. Zu einem stumpfen sich Abfinden mit dem, wie es ist! Dass extremistische Ansichten unsere Demokratie unterwandern, das dürfen wir nicht zulassen!

Am Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust hier auf dem Rathausmarkt zu stehen, ist eine traurige Koinzidenz aber auch eine ganz besondere Verpflichtung!

Heute am 27. Januar ist deutlicher als an allen anderen Tagen: Das NIE WIEDER, das gerade so häufig zu hören ist, hat ja einen ganz bestimmten geschichtlichen Kontext. Das NIE WIEDER ist das Nein gegen Antisemitismus und Faschismus. Hier stehen wir als deutsche Gesellschaft in einer ganz besonderen Verantwortung!

Recht auf Religionsfreiheit muss gelten

Deshalb sage ich ganz klar: Wir erinnern heute auch hier an dieser Stelle an die sechs Millionen ermordete Jüdinnen und Juden, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind. Und wir wissen, dass es den Jüdinnen und Juden in unserem Land seit dem 7. Oktober 2023 noch schlechter geht als zuvor. Die Terrororganisation Hamas hat auf barbarische Weise Menschen ermordet und verschleppt. Bis heute sind noch viele Geiseln nicht wieder zu Hause. Die Angst jüdischer Gemeinden auch hier bei uns in Schleswig-Holstein hat seit dem 7. Oktober zugenommen. Sie fühlen sich in ihrem eigenen Land nicht sicher! Das dürfen wir nicht zulassen, liebe Menschen der Freiheit und der Demokratie! Das Recht der Religionsfreiheit muss gelten! Für alle!

Und das gilt ebenso für die Musliminnen und Muslime in unserem Land, die sich auch häufig mit Vorverurteilungen und Anfeindungen konfrontiert fühlen! Menschenwürde gilt ausnahmslos für alle Menschen. Daher gilt: Auch für die Kinder, Frauen und Männer in Gaza, für die palästinensische Bevölkerung, die seit Monaten in entsetzlichen Zuständen leben, die keine Fluchtmöglichkeit und keine sicheren Orte mehr haben, müssen die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen gelten. Auch für sie!

Die Herzstücke unserer Gesellschaft sind Vielfalt und Zusammenhalt

Liebe Menschen der Freiheit und der Demokratie.

Wir leben in einem wunderbaren Land. Der Boden dafür ist unsere Demokratie, die ausdrücklich davon lebt, verschieden zu sein. Die Herzstücke unserer Gesellschaft sind Vielfalt und Zusammenhalt. Das gilt es zu schützen und zu bewahren!
Lassen wir nicht zu, dass wir auseinandergetrieben werden. Lassen wir nicht zu, dass Menschen in unserem Land Angst haben und stigmatisiert werden – aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Kultur, ihres Glaubens.“

Auf der Rednerliste befanden sich außer den genannten Personen:

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer

Daniel Karasek, Generalintendant des Theaters Kiel

Stephanie Schmoliner von der IG Metall Kiel-Neumünster

Hendrik Murmann, Vorsitzender des Unternehmensverbands Kiel

Dursiye Ayyıldız, Vorsitzende des Forums für Migration

Marie-Louise Petersen-Scharff, Sisters – Frauen für Afrika e.V.

Emmanuel Ossei-Wusu, Afrodeutscher Verein e.V.

Steffen Schneekloth, Präsident von Holstein Kiel. e.V.

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