Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt: „Ökologische Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind Teil unserer Schöpfungsverantwortung“
20. Februar 2026
Die Nordkirche hat ihre Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich 2024 um rund 30 Prozent gegenüber 2019–2021 gesenkt. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt betont: Klimaschutz bleibt Kern kirchlicher Verantwortung.
Die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Kristina Kühnbaum-Schmidt, hat auf der 4. Tagung der III. Landessynode den Klimaschutzbericht 2023/2024 eingebracht. „Ökologische Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind Teil von Schöpfungsverantwortung“, betonte sie. Gottes Schöpfungshandeln sei kein abgeschlossener Akt der Vergangenheit, sondern ein fortlaufender Prozess. Christinnen und Christen seien eingeladen, als Mitarbeitende Gottes aktiv daran mitzuwirken – deshalb engagiere sich die Nordkirche seit Jahren konsequent im Klimaschutz.
Ziel ist Treibhausgasneutralität bis 2040
Die Vorsitzende der Kirchenleitung erinnerte an die Zielvorgaben des Klimaschutzgesetzes: Bis 2035 will die Nordkirche ihre Treibhausgasemissionen um 90 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2021 senken. Bis 2040 soll Treibhausgasneutralität erreicht werden. Als Zwischenziel im Klimaschutzplan 2022–2027 gilt: Bis 2027 sollen die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich um 60 Prozent sinken. Für die Gebäude bedeutet das: 30 Prozent weniger Energieverbrauch und ein Anteil erneuerbarer Wärme von 50 Prozent.
30 Prozent weniger Emissionen im Gebäudebereich
Für das Jahr 2024 hatte die Landesbischöfin eine gute Nachricht: „Unser Umwelt- und Klimaschutzbüro hat errechnet, dass 45.690 Tonnen CO₂-Emissionen im Gebäudebereich der Nordkirche ausgestoßen wurden. Die Emissionen im Gebäudebereich sind damit im Jahr 2024 gegenüber dem Vergleichszeitraum, den wir im aktuellen Klimaschutzplan für die Jahre 2019–2021 festgehalten haben, tatsächlich um 30 Prozent gesunken“, erklärte Kristina Kühnbaum-Schmidt. „Wenn wir davon ausgehen, dass wir bis zum Jahre 2027 jährlich 10 Prozent Emissionen einsparen wollen, dann liegen wir im Plan. Das heißt klar: Wir sind auf einem guten Weg, unsere Klimaschutzziele zu erreichen.“
Energieverbrauch gesunken – eine zentrale Herausforderung bleibt
Als wichtigen Grund für die Emissionsminderung nannte die Landesbischöfin den gesunkenen Energieverbrauch: Der Wärmeverbrauch ging 2024 um 28 Prozent zurück, der Stromverbrauch um elf Prozent. Zugleich zeige sich hier eine zentrale Herausforderung: 2024 stammen weiterhin 96 Prozent der Wärme aus fossilen Energieträgern, lediglich vier Prozent aus erneuerbaren Quellen. Der Umstieg auf erneuerbare Wärmeversorgung bleibe ein entscheidender Hebel, um die Klimaziele langfristig zu erreichen.
70 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien
Beim Strombezug lag der Anteil erneuerbarer Energien 2024 bei 70 Prozent. „Fast ein Drittel unseres Stroms stammt also weiterhin aus dem normalen Strommix mit fossilen Anteilen“, bilanzierte die Landesbischöfin und erinnerte an die Vorgabe des im vergangenen Jahr beschlossenen Klimaschutzgesetzes, ab 2027 ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Dafür seien nicht zwingend Investitionen in eigene Erzeugungsanlagen nötig. Zertifizierter Ökostrom könne auch über entsprechende Lieferverträge bezogen werden, so Kristina Kühnbaum-Schmidt.
Mobilität erstmals im Bericht: Fuhrparkdaten zeigen positiven Trend
Erstmals enthält der Klimaschutzbericht Daten aus dem Bereich Mobilität. Ausgewertet wurden die Fuhrparkdaten kirchlicher Verwaltungen für das Jahr 2024. „Die Daten zeigen, dass etwa die Hälfte der Kilometer bereits vollelektrisch zurückgelegt werden, mit positiven Effekten für die Bilanz“, so Kristina Kühnbaum-Schmidt. Um die Entwicklung weiter zu unterstützen, habe die Kirchenleitung beschlossen, dass analog zur Erstattung von Pkw-Strecken nun auch die Möglichkeit besteht, für mit dem Fahrrad zurückgelegte Strecken eine Erstattung von 30 Cent pro Kilometer zu zahlen.
Über drei Millionen Euro jährlich für Klimaschutz
Auf Basis des Klimaschutzgesetzes, das von den Kirchenkreisen und der landeskirchlichen Ebene mindestens 0,8 Prozent der Mittel für Klimaschutzmaßnahmen vorsieht, ergeben sich folgende Zahlen:
• Erträge aus Klimaschutzmitteln:
2023: 3.241.701 Euro
2024: 3.283.505 Euro
• Aufwendungen (inkl. zusätzlicher Mittel):
2023: 2.680.592 Euro
2024: 3.525.363 Euro
• Rücklagen: nordkirchenweit rund 17 Millionen Euro
Als wesentlichen Grund für zurückhaltende Investitionen nannte die Landesbischöfin, dass noch nicht überall Entscheidungen darüber getroffen seien, welche Gebäude langfristig kirchlich genutzt werden – und wo sich damit Investitionen, auch in den Klimaschutz, lohnen.
Klimaschutz geht über Gebäude hinaus
Nach den Worten von Kristina Kühnbaum-Schmidt geht Klimaschutz in der Nordkirche weit über den Gebäudebereich hinaus: „Auch Beschaffung, Mobilität und Landnutzung sind bei uns zentrale Handlungsfelder für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Das zeigt deutlich, dass der in unserem Glauben wurzelnde achtsame Umgang mit Gottes Schöpfung in unserer Kirche in vielfacher Weise zu konkreten Handlungsschritten führt.“ Zu den Meilensteinen zählte sie unter anderem Themensynoden und Klimaschutzkonzepte der Kirchenkreise, den Aufbau von Beratungsstrukturen vor Ort, die Bereitstellung von Klimaschutzfördermitteln sowie das Wachstum der Initiative „ÖkoFaire Kirche“. Ein weiterer wichtiger Schritt sei das neue Klimaportal (Frühjahr 2024): „Es macht auch unsere Erfolge sichtbar und wird über die Grenzen der Nordkirche hinweg weithin wahrgenommen.“
Kostenrisiko CO₂-Bepreisung: 1,4 Millionen Euro allein 2024
Kristina Kühnbaum-Schmidt nannte zudem ein erhebliches Kostenrisiko durch die CO₂-Bepreisung: 2024 mussten pro Tonne CO₂ aus fossilen Energieträgern 45 Euro gezahlt werden. „Auf dieser Basis haben wir im Jahre 2024 allein für die Wärmeversorgung ca. 1,4 Millionen Euro an Kirchensteuermitteln für die CO₂-Bepreisung ausgegeben, zusätzlich natürlich zu den reinen Energiekosten. Das entspricht fast der Hälfte der Summe, die wir im Rahmen des Klimaschutzgesetzes für Investitionen im Klimaschutz ausgewiesen haben“, so die Landesbischöfin. Und diese Kosten würden weiter steigen: 2025 wurde der CO₂-Preis auf 55 Euro pro Tonne CO₂ angehoben. Für dieses Jahr sei ein Anstieg auf 65 Euro pro Tonne nicht unrealistisch. Sie appellierte daher: „Jeder Euro, den wir jetzt in die Umstellung auf erneuerbare Energie und Elektro-Mobilität investieren, reduziert nicht nur Emissionen, sondern mindert auch diese zukünftigen Kosten. Und nicht zuletzt macht es uns im Blick auf den Klimaschutz glaubwürdiger.“
„Klimaschutz nur vorübergehend aus Öffentlichkeit verdrängt
Zum Abschluss betonte Kristina Kühnbaum-Schmidt, die auch Beauftragte für Schöpfungsverantwortung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, dass das so wichtige Thema des Klimaschutzes in der breiten Öffentlichkeit derzeit zwar in den Hintergrund getreten sei – aus ihrer Sicht jedoch nur vorübergehend. „Es mag sein, dass ein US-Präsident und andere postfaktisch ignorieren, was für Wissenschaft und Schöpfungsverantwortung für die Zukunft allen Lebens auf unserer Erde von zentraler Bedeutung ist“, so die Landesbischöfin. Auch deshalb seien Resilienz und Hoffnung von zentraler Bedeutung. „Wer das Leben als Gabe, als Geschenk aus der Hand Gottes des Schöpfers glaubt und erlebt, wird alles in seiner oder ihrer Macht Stehende tun, um dieses Geschenk liebevoll zu behüten und unter Gottes Segen verantwortungsvoll in seiner Schöpfung zu leben – als Geschöpf unter Geschöpfen“, erklärte Kristina Kühnbaum-Schmidt.
Abschließend dankte sie allen Mitarbeitenden in Kirchenkreisen und Landeskirchenamt sowie den vielen ehren- und hauptamtlich Engagierten, die das Zahlenmaterial für den Klimaschutzbericht erhoben, ihn erarbeitet und ausgewertet haben, insbesondere dem Klimaschutzbüro der Nordkirche und Dr. Christoph Schöler als zuständigem Referenten im Landeskirchenamt.
Energiewerk prüft 90 Standorte für Erzeugung regenerativer Energie
Im Anschluss an den Klimaschutzbericht stellte Propst i. R. Dr. Karl-Heinrich Melzer und André Steinau als Geschäftsführer den Bericht der 2025 gegründeten „Energiewerk in der Nordkirche GmbH“ vor. Deren Ziel ist es, kirchliche Grundstücke für die Erzeugung regenerativer Energie zu identifizieren, in kircheneigene Anlagen zu investieren und die erzeugte Energie – etwa über virtuelle Kraftwerke, Wärmepumpen oder E-Mobilität – selbst zu nutzen. Seit Sommer 2025 ist das Energiewerk operativ tätig: In fünf Kirchenkreisen wurden bislang bereits 90 Grundstücke identifiziert, für die eine weitere Prüfung auf ihr Potenzial für regenerative Energieanlagen als sinnvoll erscheint. Parallel werden Finanzierungsmodelle für künftige Projekte erarbeitet – sowohl über Fonds als auch Direktinvestitionen, die Bürgerinnen, Bürger und institutionelle Anleger einbeziehen können.
Hinweis an die Redaktionen
Den Klimaschutzbericht der Nordkirche 2023/24 können Sie unter dem Link Klimaschutzbericht einsehen, den Bericht zum Energiewerk der Nordkirche GmbH unter dem Link Energiewerk.
