Bischof Magaard: „Wir müssen vom Reden ins Tun kommen“

Nordkirche und englische Partnerkirche tagten zum Thema: „Kirche und Klimagerechtigkeit“

Die Beteiligten des Partnerschaftstreffens bei der Unterzeichnung der Zusatzerklärung. In der Mitte sitzend: Bishop Dagmar Winter und Bischof Gothart Magaard, dazwischen die Europa-Referentin der Nordkirche, Pastorin Christa Hunzinger
Die Beteiligten des Partnerschaftstreffens bei der Unterzeichnung der Zusatzerklärung. In der Mitte sitzend: Bishop Dagmar Winter und Bischof Gothart Magaard, dazwischen die Europa-Referentin der Nordkirche, Pastorin Christa Hunzinger© Antje Wendt/Nordkirche

04. Mai 2022 von Antje Wendt

Schleswig/Hamburg. Mehrfach musste der Besuch von Vertreterinnen und Vertretern der englischen Partnerdiözese Ely, mit der die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) seit 30 Jahren enge freundschaftliche Beziehungen pflegt, aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden. Umso mehr freuten sich alle Beteiligten, dass jetzt endlich wieder eine Tagung stattfinden konnte. Es standen gewichtige Themen auf dem Programm: Der Klimawandel und die eigene Verantwortung als Christenmenschen, daneben aber auch der Krieg in der Ukraine und seine weitreichenden Folgen. Knapp 20 Vertreterinnen und Vertreter aus beiden Kirchen kamen für die Tagung nach Schleswig und beschäftigten sich mit den vorgenommenen Themen.

Krieg in der Ukraine

Gleich zu Beginn der Begegnung war es den Beteiligten ein Anliegen, sich über die derzeitige Kriegssituation auszutauschen – ein Thema, das allen auf der Seele lag. Deutlich wurde in den Gesprächen, dass England ein positiveres Verhältnis zu Militär und Waffenlieferungen habe. Dagmar Winter, Bishop of Huntington, betonte, dass letztlich die christliche Frage nicht lauten dürfe: "How can we win the war?" sondern: "How can we win a just peace?". Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, erinnerte mit Blick auf die langjährige Partnerschaft daran, wie Versöhnung heute gelebt werden könne, trotz der Erfahrung von zwei Weltkriegen. „Angesichts der Entwicklung in Europa sollten wir in unseren Bemühungen um Verständigung und Versöhnung nicht nachlassen“. Er fuhr fort: „Uns stellt sich die Frage, wie wir dazu beitragen können, damit der Geist der Demokratie, der Freiheit und des Friedens lebendig und stark bleibt“.

Kirche und Klima

Bischof Magaard stellte im Anschluss den Klimaschutzplan der Nordkirche vor, der im Februar dieses Jahres von der Landessynode verabschiedet worden war. Die darin formulierten Handlungsziele sollen den Weg zur Treibhausgasneutralität im Jahr 2035 eröffnet.

Mit Best-Practice-Beispielen aus vielen Kirchengemeinden, die die Gruppe zum Teil auch vor Ort besuchte, konnte der Bischof darstellen, wo sich engagierte Haupt- und Ehrenamtliche bereits der Aufgabe gestellt haben, welche Erfolge erreicht wurden oder welche Hemmnisse zu bewältigen waren. Ob es sich um Sitzheizungen in den Kirchen von Osterhever und Thumby oder um eine Pellet-Zentralheizung für das gesamte Kirchenensemble in Sieverstedt handelt – an den Beispielen wurde deutlich, dass sich das Bewusstsein für das Thema zunehmend schärfe und es die Menschen erreiche, so der Bischof.

Pastor Michael Dübbers und Pastorin Sandra Matz, Kirchengemeinde Schleswig, stellten der Gruppe bei einem Besuch vor, wie die Umgestaltung einer Kirche zu einem Gemeindezentrum in Schleswig klimagerecht realisiert wird. „In einem solchen Projekt wird greifbar, welche Verantwortung wir als Kirche übernehmen können: Indem wir auf der Basis unseres Glaubens als Motivation und Kraftquelle zum Klimaschutz und damit zur Bewahrung der Schöpfung beitragen und Raum für ein lebendiges und einladendes Gemeindeleben erhalten und gestalten“, so Pastorin Matz. „Wir haben viele Handlungsoptionen, die wir ausschöpfen können, um an unser Ziel zu gelangen. Doch es gilt: Wir müssen vom Reden ins Tun kommen“, resümierte Bischof Magaard.

Die Kirche von England strebt bereits für 2030 Klimaneutralität an. Bishop Dagmar Winter erläuterte, wie die Diözese Ely diese Vorgaben in den unterschiedlichen Bereichen umsetzen will. So werden die Kirchengemeinden aufgefordert, eigene Öko-Pläne aufzustellen, mit dem Ziel, dass beispielsweise Räumlichkeiten und Kirchen zunehmend auf nicht fossile Energiequellen umgestellt werden, auf Friedhöfen die Biodiversität erhöht wird oder aber lokale Aktionsgruppen unterstützt werden. Nicht zuletzt gehört auch die Sensibilisierung der Kirchenmitglieder für ein klimagerechteres Handeln im privaten Umfeld zum Konzept der Diözese.

Wie geht es weiter?

Auch zukünftig werden die Diözese Ely und die Nordkirche ihre Partnerschaft fortsetzen. Gegenseitige Besuche, der Austausch von Prädikantinnen und Prädikanten, Teilnahme an Ordinationen und Partnerschaften von Kirchengemeinden sind einige Ideen und Möglichkeiten der Intensivierung, die bereits stattfinden oder zukünftig auf den Weg gebracht werden sollen. Der im Jahr 2015 unterzeichnete Partnerschaftsvertrag wurde evaluiert und in einer zusätzlichen schriftlichen Erklärung durch weitere Schritte in der Zusammenarbeit ergänzt. Mit den Unterschriften von Bischof Magaard und Bishop Winter wurde diese Erklärung bekräftigt.

Hintergrund:

Die Diözese Ely im ländlich geprägten Ostengland entstand im Jahr 1109. Bischofssitz ist die Kathedrale von Ely. Die bekannteste Stadt ist Cambridge mit ihrer Universität. Die Diözese umfasst mehr als 300 Gemeinden für 705 000 Menschen. In ihr arbeiten etwa 200 Pastorinnen und Pastoren, ein Drittel von ihnen im Ehrenamt, fast die Hälfte sind Frauen.

Offizielle Grundlage der Beziehungen zwischen den Kirchen ist die „Meissener Erklärung“, die 1988 von der Kirche von England, der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Bund Evangelischer Kirchen in der DDR unterzeichnet wurde.

Der Ausschuss Kirche von England wird im Zentrum für Mission und Ökumene koordiniert und fördert die Beziehungen der Nordkirche zu ihren drei englischen Partnerdiözesen, neben Ely sind dies Durham und Lichfield. Vorsitzender dieses Ausschusses ist Bischof Magaard. Alle eineinhalb Jahre trifft sich der Ausschuss mit Vertretern und Vertreterinnen aus Ely zu einer gemeinsamen Sitzung (Joint Committee).

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