Gottesdienst in Tingleff/Dänemark mit Bischof Magaard und Bischöfin Christiansen

Nordschleswigsche Gemeinde feiert mit vielen Veranstaltungen ihr 100. Jubiläum

Beim Sommerempfang der Nordkirche 2021 in Flensburg gestaltete Bischof Magaard die Andacht gemeinsam mit Bischöfin Marianne Christiansen/Stift Haderleben.
Beim Sommerempfang der Nordkirche 2021 in Flensburg gestaltete Bischof Magaard die Andacht gemeinsam mit Bischöfin Marianne Christiansen/Stift Haderleben.© Tim Riediger, Nordkirche

13. März 2023 von Antje Wendt, Matthias Alpen

Schleswig/Tingleff. Mit einer Reihe von Veranstaltungen feiert die Nordschleswigsche Gemeinde (Evangelisch-Lutherische Gemeinde der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche in Nordschleswig) ihre Gründung vor 100 Jahren. Den Auftakt des Jubiläums bildet ein Konzert am 25. März um 19 Uhr. Die Musikgruppe DEKTonium, die sich für dieses Ereignis zusammengefunden hat, und Jan Simowitsch, Popularmusiker der Nordkirche, spielen im Haus Nordschleswig in Apenrade moderne Kirchenmusik.

Festgottesdienst am 26. März

Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Nordkirche, und Marianne Christiansen, Bischöfin im Stift Hadersleben der dänischen Volkskirche (Dansk Folkekirke), gestalten anlässlich des Jubiläums gemeinsam einen Festgottesdienst am 26. März in der Kirche zu Tingleff. Botschafter Prof. Dr. Pascal Hector und Andrea Berdesinski, die Gesandte der Botschaft und Beauftragte für die deutsche Minderheit und Kontakte im Grenzland, haben ihre Teilnahme angekündigt.

Bischof Magaard:

„Vor hundert Jahren gab es nur wenige vereinzelte Stimmen, die den Beitrag der Minderheiten im Grenzland als Bereicherung erkannten. Heute wissen wir, dass wir für eine gute Nachbarschaft Sensibilität und Interesse an den verschiedenen Perspektiven und Freude an Vielfalt und Zweisprachigkeit benötigen. Ich freue mich, dass wir diesen Festgottesdienst gemeinsam mit meiner dänischen Kollegin Marianne Christiansen und vielen Gästen aus dem Grenzland und darüber hinaus feiern können.“

Bischöfin Christiansen:

„Die Nordschleswigsche Gemeinde versteht sich als Brückenbauerin – so können wir das Jubiläum in freundschaftlicher Verbundenheit feiern. Dafür müssen wir Gott und all den Menschen danken, die in diesen 100 Jahren mutige Schritte auf dem Weg der Versöhnung gegangen sind.“

Das Festprogramm für das Jubiläumsjahr wird in den einzelnen Pfarrbezirken mit verschiedenen, über das Jahr verteilten Veranstaltungen gefeiert, darunter Konzerte, Andachten, Festabende oder Begegnungsformate. Zum Jubiläum erscheint ein umfangreiches Jubiläumsmagazin mit Beiträgen zur Geschichte und Gegenwart der Nordschleswigschen Gemeinde.

Einladung an die Medien: Medienvertreterinnen und Vertreter sind herzlich zur Teilnahme am Festgottesdienst eingeladen. Anmeldung erbeten: mail@kirche.dk.

Die Nordschleswigsche Gemeinde

Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche in Nordschleswig wurde am 25. März 1923 gegründet. Sie hat das Ziel, deutsche Gottesdienste und kirchliches Leben zu gestalten und zu fördern. In der von den Minderheiten geprägten Grenzregion existieren somit neben der Evangelisch-Lutherischen Nordkirche südlich der Grenze sowie der dänischen Volkskirche nördlich davon auch die jeweiligen Minderheitenkirchen mit ihren geistlichen Vertreterinnen und Vertretern vor Ort.

In der Nordschleswigsche Gemeinde sind heute sechs Pastorinnen und Pastoren in fünf Pfarrbezirken tätig. Senior Matthias Alpen leitet den Konvent, zu dem auch die vier deutschen Stadtpastorinnen und -pastoren gehören. Diese Geistlichen sind für die ca. 15.000 Menschen der deutschen Minderheit da, dessen kirchliche Sprache deutsch ist. In ungefähr 40 Kirchen der Region wird in deutscher und in dänischer Sprache Gottesdienst gefeiert.

Die ehrenamtliche Leitung der Nordschleswigschen Gmeinde liegt – unter Vorsitz von Mary Tarp – bei den Pfarrbezirksvorständen. Diese werden von den fünf Kirchengemeinden Buhrkall (Burkal), Gravenstein (Gråsten), Hoyer/Lügumkloster (Højer/Løgumkloster), Süderwilstrup (Sdr. Vilstrup) und Tingleff (Tinglev) gewählt. In den vier Städten Apenrade (Aabenraa), Hadersleben (Haderslev), Sonderburg (Sønderborg) und Tondern(Tønder) werden neben den dänischen auch die deutschsprachigen Pastorinnen und Pastoren bei der dänischen Volkskirche angestellt.

Der geschichtliche Hintergrund
Südschleswig liegt im Norden Schleswig-Holsteins, Nordschleswig im südlichen Jütland – diese verwirrend erscheinende geographische Lage ergibt sich aus der deutsch-dänischen Staatsgrenze, die seit 1920 quer durch den historischen Landesteil Schleswig verläuft. Die Grenzziehung war damals das Ergebnis einer Abstimmung unter der Bevölkerung. Sie sorgte zwar für klare territoriale Zugehörigkeiten und beendete jahrhundertelange Zwistigkeiten, doch viele deutsch gesinnte Nordschleswiger und dänisch gesinnte Südschleswiger hätten sich einen anderen Grenzverlauf gewünscht.

Das Zusammenleben der Minderheiten verlief nicht ohne Konflikte. Mit einer Erstarkung Hitlerdeutschlands kulminierten diese Konflikte vor allem in Nordschleswig in einer starken Zuwendung der deutschen Minderheit zum Nationalsozialismus. Die deutschen Pastoren in den vier Stadtgemeinden hingegen verhielten sich loyal gegenüber dem dänischen Staat und widersetzen sich offen dem Nationalsozialismus.

Es brauchte viele Jahre, um die Vergangenheit im Grenzland aufzuarbeiten. Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 bedeuteten einen Neuanfang der Beziehungen. Die Erklärungen sichern den Minderheiten in der Grenzregion bestimmte Rechte und kulturelle Autonomie zu. Dazu gehört auch die Anerkennung der Glaubens- und Gewissensfreiheit. Heute erleben die Menschen die Grenzregion als Vorteil und Chance: Sie können auch auf der jeweils anderen Seite der Grenze arbeiten oder einkaufen oder leben als Teil einer Minderheit auf dänischer oder deutscher Seite. Die Minderheiten bringen sich aktiv und offen in der Mehrheitsgesellschaft ein.

Allgemein gilt das deutsch-dänische Grenzland als Modellregion für ein gelungenes Zusammenleben über Grenzen hinweg. Auch die Kirchen dies- und jenseits der Grenze tragen dazu einen wesentlichen Teil bei. Durch die enge Verbindung zur Nordkirche kann die Nordschleswigsche Gemeinde ihre Brückenfunktion wahrnehmen.

„Für uns als Nordschleswigsche Gemeinde“, erklärt Senior Matthias Alpen, „steht im Mittelpunkt die normale Arbeit für Menschen vor Ort in den Gemeinden. Das ist unser Hauptanliegen. Und dennoch hat Kirche im Grenzland auch heute noch immer etwas mit Friedensarbeit zu tun, weil die Kriege und Gegensätze zwischen Deutschland und Dänemark nicht vergessen sind.“

Veranstaltungen
Orte
  • Orte
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    • Ev.-Luth. Kirchengemeinde Flensburg-St. Johannis
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