„Wir brauchen die Fähigkeit, die Dinge anders zu imaginieren, als sie aktuell sind“

Ökumenischer Gottesdienst am Reformationstag mit Hamburgs Kultursenator Dr. Carsten Brosda

Bischöfin Kirsten Fehrs freut sich über den sechsten ökumenisch gefeierten Gottesdienst zum Reformationstag in Hamburg.
Bischöfin Kirsten Fehrs freut sich über den sechsten ökumenisch gefeierten Gottesdienst zum Reformationstag in Hamburg.© Erik Hartung/Eikon-Nord

31. Oktober 2022 von Maren Warnecke

Hamburg. Mit einem gemeinsamen Gottesdienst haben Geistliche verschiedener christlicher Konfessionen heute (31. Oktober) den sechsten Reformationstag gemeinsam gefeiert. Die Predigt hielt Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg.

Geleitet wurde der Festtagsgottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Petri von Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), und Hauptpastor Dr. Jens-Martin Kruse. Die Predigt hielt Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg.

„Indem wir auch heute gemeinsam mit anderen Religionsgemeinschaften klar eintreten für Gewaltfreiheit, für eine tapfere Demokratie und gegenseitigen Respekt, zeigen wir, dass wir uns mitverantwortlich fühlen für den Frieden nicht nur in dieser Stadt, sondern generell. Was könnte man in diesen Zeiten besser brauchen als das unbeirrte Friedensgebet. Denn wer betet, findet sich nicht ab mit dem, was nicht stimmt. Der setzt sich ein. Selig sind die Friedensstifter, sie werden Gottes Kinder heißen. Das ist ja nicht nur Zuspruch, sondern Auftrag. An uns alle. Für eine Freiheit bei uns und weltweit, in der es einen freien Austausch der Gedanken gibt. Denn gelingender Dialog lebt von Freiheit und hält aus, dass ihm nicht gleich ein konkretes Projekt entspringen muss. Und er hat zugleich einen tiefen inneren Sinn, nämlich jeder Ausweglosigkeit die Stirn zu bieten. Darin wiederum vermute ich mich mit dem Kultursenator einig, auf dessen Predigt ich mich sehr freue“, sagte Bischöfin Kirsten Fehrs in ihrer Begrüßung. Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der Tag der Reformation hat nicht nur eine theologische Dimension. Er erinnert uns auch ganz praktisch daran, dass wir in der Lage sind, Normen zu hinterfragen, Zusammenhänge neu zu bewerten und zu neuen Deutungen und neuem Sinn zu gelangen. In einer Zeit, die so sehr nach Eindeutigkeiten strebt, wie die unsrige, ist das Bewusstsein dafür wichtig. Denn es gibt keinen vorherbestimmten Lauf der Geschichte. Nichts ist einmal errungen und für immer gesichert, sondern alles bleibt stets prekär: Freiheit und Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität. Nichts kann vorausgesetzt werden. Aber zu allem können wir uns jeden Tag aufs Neue frei entscheiden. Diese Möglichkeit verdanken wir der Aufklärung. Und der Reformation. Beiden großen Bewegungen liegt eine Erfahrung der Freiheit zugrunde. Über kaum einen Wert unseres modernen Zusammenlebens reden wir so häufig wie über die Freiheit. Und kaum einer wird so häufig missverstanden. Wer Freiheit tatsächlich bloß als die Möglichkeit versteht, so zu handeln, wie er will, der hat sie nicht verstanden. Ein solch rein libertäres Verständnis von Freiheit gefährdet letztlich die Freiheit selbst. Freiheit ist kein Vorwand zur Machtausübung, sondern Bedingung für ein Miteinander. Wie aber sichern wir öffentliche Freiheit in einer Öffentlichkeit, die die Empörung als Treibstoff nutzt und den Drang zur eigenen Extravaganz zum kulturellen Kapital erklärt? Jedenfalls nicht, indem wir Freiheit aus bloßer Bequemlichkeit als das Recht missverstehen, eigene Ansprüche gegen jeden Widerstand durchzusetzen. Sondern indem wir Freiheit als die Grundlage dafür begreifen, gemeinsam zu einem neuen Wir in Vielfalt zu finden, zu einer Solidarität aus Differenz. Damit beruht unsere ganze Gesellschaft letztlich darauf, dass sprach- und handlungsfähige Subjekte zur Verständigung bereit sind, und dass sie von der verwegenen Annahme ausgehen, der andere könnte auch Recht haben. Auf der Freiheit dieser Unterstellung beruht die aufgeklärte und offene Gesellschaft. Ein wahrhaft fragiles Konstrukt. Aber ein durchaus belastbares. Es ist vielleicht die Kunst, die uns den Weg weisen kann. Sie öffnet Räume, eine Welt zu denken und zu spielen, die nicht ist, aber die sein könnte. Diese Fantasie brauchen wir. Diese Fähigkeit, die Dinge anders zu imaginieren, als sie aktuell sind.“ Die Hauptkirche St. Petri lädt seit vielen Jahren am Reformationstag Vertreterinnen und Vertreter aus der Ökumene zu dem gemeinsamen Gottesdienst ein.

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