7. Februar 2021 | Hauptkirche St. Trinitatis Altona

Ordination am Sonntag Sexagesimae

07. Februar 2021 von Kirsten Fehrs

Predigt über Lukas 8,4-8

Liebe Festgemeinde, liebe Ordinandinnen, liebe Ordinanden,

was für ein Reichtum mal neun, die Sie ordiniert werden. Alle und jede besonders, mit vielfältigsten Gaben, ermutigt von besonderen Mentorinnen und Freunden, diese Gaben auch zu zeigen. Und nun entsendet von Christus. Mitten in diese Welt mit ihrer Not und ihrer Schönheit. Ich bin froh, solche Kolleg*innen zu bekommen, die so klug sind und nachdenklich, einfühlsam und alles andere als humorfrei. Die glauben, hoffen, lieben – auch weil sie etwas davon wissen, wie sich Zweifel anfühlt und Verzagtheit, Verliebtsein und Lebenslust. Genau so wie Sie sind, werden Sie unsere Kirche bereichern. Kirche, die solidarisch sein will mit den Gebeutelten dieser Zeit, die diakonisch-kreativ sein möchte und seelsorgerlich findig und politisch wach. Kurz: Mit klarer Haltung und klarer Rede will das Wort gelebt sein, das uns, Kirche des Wortes, gründet.

Und also sollen wir‘s aussäen, das Wort Gottes, damit es hundertfach Frucht bringt. Das Gleichnis geht in die Vollen. Und trifft den Kern. Bei unserer digitalen Ordinationsrüstzeit hat das in der Tat viele beschäftigt: Wie gelingt es, dass die Ideen von Lebensfreude und Freiheit, dass das Evangelium die Herzen der Menschen wirklich froh macht? Also kein formelhaftes Geschwurbel, das leer zu uns zurückkommt, davon gibt es allerorten genug. Wie ist es, das Wort, das dich berührt und versöhnt? Das Wort, das Menschen trägt, Kinder tröstet, Gemeinschaft zusammenhält? Wort, das eben auch im Schweigen zu hören ist und in der Tat zu sehen.

Ein erstes, sagt Jesus uns im Gleichnis, ist dies: nicht sparsam austeilen, sondern reichlich. Raus mit allem, was Ihr zur Verfügung habt. Warum nicht? Raus mit Sprachwitz und Kritik, klarer Rede und Irritation. Raus mit Rap und Pop, Lyriklust und Flötentönen. Er möge sich entfalten, der große Fächer der Begabungen, der sich ja allein schon in den wenigen Stunden unserer Videokonferenz durch Sie alle aufgespannt hat. Genau das braucht unsere Kirche, dass Menschen, dass Pastor*innen wie Sie, mit Lust auswerfen und säen, verschwenderisch. Sie haben so viel zu geben.

Gott selbst macht es ja vor. Großzügig wirft er die Saat aus, wenn nicht sogar planlos. Keine Kosten-Nutzen-Rechnung. Mit vollen Händen wird verteilt, was sich vermehren soll: Liebe, die den Hass in der Welt überwindet.

Und da braucht‘s im Moment viel! So verletzt und verwundet ist die pandemie-verstörte Welt. Da braucht es Wagnis, Zukunftsmut, ja, Versöhnungskraft. Denn es ist dran, die Gesellschaft zu immunisieren gegen Impfneid und Spaltung, gegen die, die Saat des Guten ganz bewusst zertreten und verdorren lassen. Aber auch für sie, die in Ängsten vergehen und mutlos sind. Reden wir um ihretwillen verschwenderisch von der Hoffnung, die in diese Welt will, um sie zu retten. Denn genauso, also, maßlos hat Gott die Welt geliebt.

Wir haben in unserem Beruf das große Privileg, dass wir Wortfinderinnen für andere sein dürfen. Also so von Gott zu reden – und zu handeln! –, dass alte Worte sich mit Geschichten verknüpfen, die jetzt geschehen. Und die die Seelen bewegen. Wir merken ja gerade jetzt in dieser Pandemiezeit, wie Seel-Sorge, die Suche nach dem hellen, rettenden Wort, das Gebot der Stunde ist. Und es ist unsere Kunst, die Saat der Hoffnung dort großzügig zu säen, wo alle so furchtbar angestrengt sind und erschöpft, gereizt und unerhört trostbedürftig.

Gestern habe ich eine Geschichte gehört von der Leiterin unserer Notfallseelsorge. Vor ein paar Tagen, als in Hamburg tatsächlich einmal Schnee fiel, war bei der zentralen Feuerwehrwache der Innenhof plötzlich so verführerisch verschneit. Da haben die Feuerwehrleute, die ja seit etwa einem Jahr bis zu hundert Einsätze täglich fahren, in Dauergefahr, sich mit Corona anzustecken, also da haben die Feuerwehrleute ihre Skier rausgeholt und sich vom Einsatzwagen durch den Schnee ziehen lassen. Vergnügt, kichernd, einfach mal Quatsch gemacht. Endlich wieder leben!

Ging natürlich über die sozialen Medien in die kleine Hamburger Welt. Empörte Stimmen: Da geht es Menschen schlecht – und die Feuerwehrleute machen Quatsch! Wo gäbe es denn sowas?

Gut, dass es das gibt. Sagte ihnen auch die Seelsorgerin. Ein paar Momente Freude, Leben, Leichtigkeit. Und ja, hören wir auf‘s Gleichnis, mehr davon! Gott sät auch dort üppig aus, wo es karg und öde ist und Wüstenzeit. Immer soll das Leben neu erblühen. Wie könnten wir Hoffnung empfinden ohne solche Momente, in denen wir wieder erinnern zu lachen, zu reden, zu tanzen und zu herzen? Alles hat seine Zeit. Auch in dieser Zeit.

Es ist wunderbar zu erleben, dass Sie alle mit dieser Offenheit und mit Elan an Ihre neuen Orte ziehen, liebe Ordinand*innen. Es darf jetzt etwas neu anfangen! Pandemie her oder hin, jetzt ist Aufbruch, Perspektive dran, Land gewinnen. Auch wenn wir sicherlich noch eine Wegstrecke mit vielen Einschränkungen durchhalten müssen, verhindert es, dass wir Neues hören und Altes aufräumen? Dass wir rausgehen aus den Mauern und uns herausrufen lassen aus den gewohnten Bahnen?

Wer Ohren hat zu hören, der und die höre dabei unbedingt auch dies: Gottes Zutrauen in uns geht nie verloren, auch wenn manche Saat nicht aufgeht. Es gibt Disteln, Dornen und dürre Zeiten, aber keine Hoffnungslosigkeit. „Gebt keinen verloren“ – diese Worte, die wir gleich in der Ordinationsliturgie hören, sind deshalb so großartig, weil sie jedem Menschenkind, jedem Gefühl zu gering zu sein, diese verschwenderische Großzügigkeit entgegenstellen. Gott liebt diese Welt. So was von.

Und so ist sein Reich mitten unter uns. Mit seinem Wort, das Herzen rührt und Taten will, und darin stark ist, echt stark! Kein Larifari, sondern überaus wahr und klar, zärtlich, suchend, flüsternd, schweigend auch. Wort, das uns bindet, gemeinsam. Und das uns immer segnet. Gehen Sie also, liebe Ordinand*innen, gesegnet und erwartungsfroh. Es ist ein wunderschönes Amt, das auf Sie wartet! Und sein Friede, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Sie und unser aller Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Datum
07.02.2021
Quelle
Stabsstelle Presse und Kommunikation
Von
Kirsten Fehrs
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