9. August 2020 | St. Marienkirche Rendsburg

Predigt am 9. Sonntag nach Trinitatis

09. August 2020 von Kristina Kühnbaum-Schmidt

Predigt von Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt zu Matthäus 13, 44-46

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

I

„Ich suche nicht, ich finde“, der Maler Pablo Picasso hat das gesagt. Das kenne ich auch. Vom Schuhe kaufen. Wenn ich genau weiß, was für Schuhe ich suche - finde ich garantiert keine. Aber wenn ich gar nicht nach Schuhen Ausschau halte, dann finde ich welche. Sozusagen im Vorübergehen.

„Ich suche nicht, ich finde.“ Wahrscheinlich klappt es ohne Suche besser, weil ich dann innerlich nicht so festgelegt bin. Nicht von bestimmten Vorstellungen ausgehe. Dann suche ich nicht, und finde trotzdem. Oder besser: etwas findet mich.

II

„Ich habe nicht gesucht, aber ich wurde gefunden.“ So würden es vielleicht die Menschen sagen, von denen wir im Evangelium gehört haben. Beide finden überraschend einen Schatz.

Der eine hat gar nicht danach gesucht. Und findet einen Schatz. Was genau dieser Schatz ist, erfahren wir nicht. Eine Kiste voller Gold? Oder ein wertvoller Edelstein? Für diesen Menschen jedenfalls ist klar: Für diesen Schatz gibt er alles.

So, sagt Jesus, ist es auch mit dem Himmelreich. Und er meint nicht, dass wir mit dem Himmelreich etwas finden würden, was uns ein Leben lang mit Geld und Gut versorgt. Denn das Himmelreich meint kein Vermögen, kein Guthaben auf dem Konto, keine finanzielle Absicherung für alle Zeiten. Das Himmelreich ist vielmehr ein Lebensschatz. Bei allem, was man im Leben gern haben möchte, bei allem, wofür man sich einsetzt oder wonach man lebenslang sucht, sticht es als der eine, alles entscheidende Lebensschatz hervor.

So erlebt es der andere Mensch, von dem Jesus erzählt. Ein Leben lang ist er auf der Suche nach kostbaren Perlen, allen möglichen, schönen, besonderen. Aber dann findet er eine einzige Perle - und sofort ist ihm klar: Seine lebenslange Suche ist zu Ende. Er gibt alles, um diese eine, kostbare Perle zu erwerben. Er hat seinen Lebensschatz gefunden.

Zwei Menschen finden ihr Lebensglück. Einen wertvollen Schatz, eine kostbare Perle. Diese Schätze stehen für etwas, das über sie hinausweist: Für die Fülle des Lebens. Für Erfüllung. Für das, was wirklich wichtig ist. Mehr ist nicht nötig. Ein Lebensschatz eben.

III

Viele von uns sind in Corona-Zeiten nachdenklich geworden. Wir spüren deutlicher, wie verletzlich unser Leben, wie verwundbar alles Leben auf dieser Erde ist. Und ebenso ist klarer geworden, dass wir Menschen nicht die souveränen Beherrscher der Natur sind. Das ist bestenfalls eine menschliche Allmachtsphantasie - aber sie entspricht nicht der Realität.

Gespräche drehen sich jetzt öfter um die Frage, was uns in unserem verletzlichen Leben wichtig ist. Ist es die Urlaubsreise in ferne Länder oder ein unbeschwertes Zusammensein mit Familie und Freunden? Ist es noch mehr Konsum und Ablenkung oder eine neue Konzentration auf das, was nicht zu kaufen ist? Ist es das Festhalten an einem stetig steigenden Wirtschaftswachstums oder ist es die Umkehr zu einer Wirtschaft, die sich an der Bewahrung von Ressourcen und an Nachhaltigkeit orientiert? Soll alles möglichst so bleiben, wie es ist oder werde ich mich auf Veränderungen einlassen, einen anderen Lebensstil? Worauf kann ich mich in all dem verlassen im Leben und Sterben? Was tröstet und hält mich? Was ist wirklich wichtig in meinem, in unserem Leben?

Das Gleichnis vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle kann helfen, eine Antwort zu finden. Oder besser: Uns von einer Antwort finden zu lassen. Von Gottes Antwort. Der Antwort des Himmelreiches. Des Himmelreiches Gottes, das verspricht: Deine Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe soll gestillt werden. Dein Wunsch nach Anerkennung und kommt zum Ziel. Deine Suche nach Frieden und Gerechtigkeit, nach einem wahrhaftigen, guten Leben, erfüllt sich. Du selbst gehst nicht verloren, sondern wirst behütet und bewahrt. Im Leben, im Sterben und auch im Tod. Was für eine Antwort! Neben ihr wirkt alles andere belanglos.

IV

Das Himmelreich Gottes - ein Lebensschatz. Wann aber wird dieses Himmelreich sein? Jesus gibt auf diese Frage eine überraschende Antwort. „Siehe“, so sagt er, „Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“

Christus verkörpert das Himmelreich Gottes. Er zeigt, was es heißt, geliebt und geborgen, im Leben und Sterben gehalten zu sein. Und auch im Tod nicht verloren zu gehen. In seinem Geist lebt er mit uns. Wir sind mit ihm, er mit uns unterwegs auf dem Weg durch das Leben. So ist das Himmelreich Gottes mitten unter uns, gegenwärtig, zukünftig. Und wir alle gehören bereits dazu. Gottes Himmelreich ist unsere Gegenwart und unsere Zukunft.

„Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Mitten unter uns arbeitet Gott ununterbrochen daran, Böses mit Gutem zu überwinden. In dieser ganzen Welt. In deinem ganz persönlichen Leben. Überall arbeitet Gott daran, Böses mit Gutem zu überwinden. Und findet uns als Mitstreiter*innen, für die das zum Lebensschatz wird: Rücksichtslosigkeit mit Barmherzigkeit überwinden. Egoismus mit Nächstenliebe. So, dass wir auch unserer Verantwortung füreinander in der Corona-Pandemie nicht ausweichen. Als Christenmenschen, die sich nicht irre machen lassen, sondern sich geduldig, beharrlich in Worten und Taten an Gottes Liebe zu uns Menschen orientieren. Die auf diese Weise glaubend leben. Lasst uns davon erzählen, was dieser Glaube für unseren Lebensalltag, unseren Umgang miteinander, unser gesellschaftliches Engagement bedeutet.

Lasst uns davon erzählen, welche Spuren der Glaube in unserem Leben hinterlässt: Glaubensspuren. Hier in der Marienkirche sind solche Glaubensspuren zu entdecken. Wir finden sie der reichen Ausstattung dieser Kirche, und auch in der wunderbaren Ausstellung, die es hier seit gut einem Jahr hier zu sehen gibt. Glaubensspuren, die ausdrücken, was Menschen ihr christlicher Glaube bedeutet. Welche Spuren er in ihrem Leben hinterlässt. Und welche Spuren ihr Leben und ihre Erfahrungen in unserem gemeinsamen Glauben hinterlassen.

Alle diese Glaubensspuren haben, so unterschiedlich sie auch sein mögen, etwas gemeinsam. Sie alle bringen zum Ausdruck: Mein Glaube ist ein Schatz. Ein Lebensschatz, den man nicht suchen kann, sondern von dem man gefunden wird. Der klärt, was wirklich wichtig ist im Leben. Der einen lebenslang begleitet und leitet. Als würde man im Dunkeln einem hell leuchtenden Stern folgen.

Gut, wenn wir erzählen von diesem Lebensschatz des Glaubens und den Spuren, die er in unserem Leben hinterlässt. Denn unser Glaube stellt uns miteinander in eine Erzähl- und eine Lebensgemeinschaft - in unsere Gemeinde, in unsere Kirche, hier in Norddeutschland und weltweit. Also, erzählen wir von unseren Glaubensschätzen. Beim Ansehen dieser Ausstellung. Oder zu Hause, mit Freunden, in unserem Alltag. Und wie gut, wenn man dann auch an unserem Handeln als Christenmenschen, als Gemeinde, als Kirche ablesen kann, was für ein Lebensschatz Liebe und Barmherzigkeit sind.

V

Mag sein, dass wir in unserem Leben Schätze suchen. Mag sein, dass wir auch nach Gott suchen. Mag sein, dass wir erst gar nicht damit anfangen. Gott aber sucht uns nicht. Er hat uns schon längst gefunden.

Amen.

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